Filmarchiv

Internationales Programm
A Transplant François Méthé

Drei Menschen warten auf eine Organspende. Mit behutsamen, aber auch expliziten Bildern dokumentiert „A Transplant“ das Wunder der Erneuerung eines ausgehenden Lebens.

A Transplant

Dokumentarfilm
Kanada
2018
69 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marie-Claude Morazain
François Méthé
Joseph Marchand
Philippe St-Gelais
Sébastien Goyette
François Méthé
Cyril Bourseault
In der Warteschleife des Lebens: Die junge Shannon, der erst dreijährige Nolan und die fünffache Großmutter Suzanne benötigen eine Organspende. Ein Wettlauf gegen die Uhr und gegen den Tod, der rasend und unaufhaltsam näher kommt, während man langsamen Schrittes auf der Bedürftigenliste nach oben rückt. Für Patienten und Angehörige ist diese Zeit des Wartens eine sich stetig neu zusammensetzende Mixtur aus der Angst vor dem Verlust und der Hoffnung auf eine Zukunft. Aus diesem existenziellen Zustand der Unsicherheit, der Sorge und der Zuversicht führt „A Transplant“ mit behutsamen, gleichwohl expliziten Bildern hinein in den OP-Saal und hinein in den Körper, der von einem Team aus Ärzten und Helfern erneuert wird – routiniert und besonnen, aber auch im Bewusstsein des Risikos und der Verantwortung, die auf jedem einzelnen Handgriff lasten. Ein Film über die, wenn man so will, Einzigartigkeit des Lebens. Und über das Wunder, dass es zuweilen und in größter Not seiner Einzigartigkeit sogar entgehen kann.

Lukas Stern

An Echoing Memory of a Tongue

Animationsfilm
Kanada
2017
2 Minuten
Untertitel: 
VO_Englisch
Credits DOK Leipzig Logo
Arash Akhgari (Mel Hoppenheim School of Cinema)
Arash Akhgari
Ashkan Behzadi
Arash Akhgari
Arash Akhgari
Arash Akhgari
Der Maler, Zeichner und Animationsfilmer Arash Akhgari widmet sich in seinen Filmen immer wieder einer radikalen Innensicht, etwa den „insomnischen Gedanken eines ängstlichen Gemüts“. Hier geht es um die Erfahrung eines unfreiwillig fragmentierten Sprechakts: das Stottern. Expressionistische Figurenzeichnungen, Streicherklänge und gebrochene Lautwiederholungen illustrieren den Kampf, der mit der Sprachfindung einhergeht.

Esther Buss
Internationales Programm
Callshop Istanbul Sami Mermer, Hind Benchekroun

Die Telefonzellen von Istanbul verbinden Tausende gestrandete Flüchtlinge mit ihrer Heimat. Universelle Dramen auf engstem Raum, Liebesschwüre, Familienkrach und eine globale Tragödie.

Callshop Istanbul

Dokumentarfilm
Kanada
2016
89 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Hind Benchekroun, Sami Mermer
Sami Mermer, Hind Benchekroun
Sami Mermer
Sami Mermer
Mit ihren flackernden Lichtern wirken die schmalen Callshops wie Leuchttürme im Gewirr der Gassen. Hier stranden Fremde aus aller Welt, die meisten von ihnen auf dem Weg nach Europa. Doch für viele endet die Reise genau hier, in der Megametropole Istanbul. Der Film findet einen so simplen wie effektvollen Zugang zur Lebenssituation dieser Heimatlosen: Er belauscht ihre Telefonate mit den Angehörigen, von denen sie abgeschnitten sind. Beißende Sorgen um deren Sicherheit in Kriegsgebieten wie Syrien oder Irak, gemeinsame Pläne für eine bessere Zukunft, Liebeserklärungen und Treueschwüre gehen durch die Leitung. Auf engstem Raum spielen sich universelle Dramen ab. Ein obdachloser Senegalese traut sich nach Jahren des Misserfolgs erstmals, seine Familie zu kontaktieren, verspricht Besserung. Dann wieder verhandelt er ergebnislos mit einem Schlepper. Sein Gesicht ist müde.

Von den Mikroporträts der Telefonzellen aus geht der Film in die Straßen, zeigt die Proteste auf dem Taksim-Platz und die Türkei aus der Sicht der migrantischen Parallelgesellschaft. Drei Männer aus Benin, die sich mit dem illegalen Verkauf von Uhren durchschlagen, kalkulieren mit Halbwissen das Risiko für eine Überfahrt nach Griechenland – und entscheiden umzukehren. Information ist überlebenswichtig. „Callshop Istanbul“ bietet nicht nur an dieser Stelle einen Perspektivwechsel zur Debatte über Flucht und Migration.

Lars Meyer

Cheer Up

Dokumentarfilm
Kanada,
Finnland
2016
82 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Liisa Juntunen
Christy Garland
Tom Third
Sari Aaltonen
Thor Ochsner, Graeme Ring
Try to cheer up! Selbst wenn eine der kunstvoll aufgebauten Körperpyramiden zusammengebrochen ist und die Mädchen blutend und lädiert am Boden liegen, bekommen sie das zu hören. Cheerleading ist der Inbegriff des Motivationscoachings, das ganze Ratgeberregale füllt und uns stets zu neuen Höchstleistungen antreibt – geht es bei diesem Sport doch genau um Letzteres. Nur bei den Arctic Circle Spirit Ice Queens in Rovaniemi am Polarkreis scheint die Logik des immerwährenden Gewinnen-Wollens nicht zu funktionieren: Sie sind das schlechteste Cheerleading-Team Finnlands. Trainerin Miia aber ist fest entschlossen, das zu ändern. Nach einem Besuch bei der Weltspitze im texanischen Dallas – der einer Gehirnwäsche gleicht – möchte sie ihre Schäfchen mit der „Yes You Can“-Strategie zur „Number One“ machen. Die aber haben ganz andere Sorgen: Patu muss nach dem Tod der Mutter mit der neuen Partnerschaft des Vaters klarkommen, Aino verliert sich im wilden Partyleben und gefährdet ihre Stellung im Team. Dazu die erste Liebe und der Auszug von zu Hause. Und es stellt sich auch für Miia heraus, dass das amerikanische Credo „Alles ist möglich“ eventuell ganz anders verstanden werden kann …

Sicher mischt Christy Garland die Dramaturgie des klassischen Sportlerfilms mit der des Coming-of-Age-Dramas und bleibt dabei nah an ihren Protagonistinnen. Fallen und wieder aufstehen. Klingt leichter, als es ist.

Grit Lemke


Nominiert für Young Eyes Film Award
Internationales Programm
Cosmos Will Save the World Patrick Lapierre

Ein karges Feld irgendwo in Russland. Hier hat sie ihre Kindheit verbracht. Die Geister einer längst vergangenen Ära holen die Frau ein und erinnern an ...

Cosmos Will Save the World

Animationsfilm
Kanada
2012
6 Minuten
Untertitel: 
englische
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Anne Carrier
Patrick Lapierre
Guillaume Campeau-Dupras
Patrick Lapierre, Julie Rouvière, Milan Pejovic
Patrick Lapierre
Ana Dall'ara Majek
Ein karges Feld irgendwo in Russland. Hier hat sie ihre Kindheit verbracht. Die Geister einer längst vergangenen Ära holen die Frau ein und erinnern an einst bedeutsame Worte und Schritte – zu groß für die Großmutter und das kleine Mädchen von damals.

Die Gelübde meines Bruders

Dokumentarfilm
Kanada,
Deutschland
2013
88 Minuten
Untertitel: 
englische
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Frederic Bohbot, Andre Schaefer
Stephanie Weimar
Andre Feldhaus
Fabio DeFelice, Erik Schimschar, Sebastian Lange, Christopher Yapp, Stephanie Weimar
Oliver Bronner, Carl Freed
Stephanie Weimar
Ralf Jakubski, Kyle Stanfield, Frank Mertes
Gregor und Stephanie sind Geschwister, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Sie jettet durch die Welt, lebt mit Frauen. Es lohnt sich für sie nicht einmal, eine Wohnung anzumieten, so sehr hat sie sich dem Unterwegssein und der Abkehr von der heimatlichen Enge verschrieben. Selbstverwirklichung hat oberste Priorität. Bruder Gregor hingegen sucht innere Einkehr, Stetigkeit und eine Bestimmung in der Welt. Kurz gesagt: ein Kloster. Um seine Entscheidung zu verstehen, greift Stephanie Weimar zur Kamera und begleitet ihn von der Ausbildung bis zu jenem Tag, an dem er das Ewige Gelübde bei den Steyler Missionaren im Kloster St. Augustin ablegt. Wie kann sich einer freiwillig Gehorsam, Armut und Keuschheit unterwerfen – und lebenslang auf Sex verzichten? Ihre Ratlosigkeit und ihre Wut auf eine Kirche, die im Namen Gottes Homosexualität verdammt, Kondome verbietet und an Aids Mitschuld trägt, sind die Triebkräfte des Films und definieren den Blickwinkel. Auf diesem Weg der Erkenntnis nehmen wir teil an den Zweifeln und Überlegungen Gregors, dessen Entscheidung eine radikale ist. Aber es ist mehr noch die Regisseurin, die lernt, was wirkliche Toleranz bedeutet. Sinnsucher sind wir in Wahrheit doch alle.

Cornelia Klauß

Folly

Animationsfilm
Kanada
2016
8 Minuten
Untertitel: 
englische
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Thomas Corriveau
Thomas Corriveau
Jean Derome
Thomas Corriveau
Thomas Corriveau
Thomas Corriveau, François Dumont
Roger Guérin
Zwei Männer treffen aufeinander. Der eine schlägt, der andere wird geschlagen. In der Erinnerung steht die Unausweichlichkeit den ursprünglichen Gründen gegenüber. Thomas Corriveau adaptiert „Pour un oui ou pour un non“ von Nathalie Sarraute seriell, und das in großartiger künstlerischer Manier. Die zeichnerischen Spuren der Hauptfiguren und die musikalischen Melodien laufen auseinander, überlagern und bedrängen sich. Wiederholungen und Multiperspektive bis zur Erschöpfung. Bis zum Schlag.

André Eckardt

I’m OK

Animationsfilm
Kanada,
UK
2018
6 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Abigail Addison (Animate Projects), Elizabeth Hobbs, Jelena Popović (National Film Board of Canada)
Elizabeth Hobbs
Elizabeth Hobbs
Elizabeth Hobbs
Elizabeth Hobbs
Sacha Ratcliffe
Im rasanten Galopp durch das stürmische Delirium von Oskar Kokoschka. Nach gescheiterter Amour fou mit Alma Mahler stürzt er sich 1915 als Dragoner in den Krieg, wird verletzt und arbeitet auf: das expressionistische Drama „Orpheus und Eurydike“ entsteht. Elizabeth Hobbs nimmt die Dynamik von Kokoschkas Zeichnungen und das Bewegte seines emotionalen Rausches auf. Kraftvoll und in leuchtenden Farben verschlingen sich unruhige Tuschestriche zu kurzlebigen Szenen über Leidenschaft und Leiden.

André Eckardt
Internationales Programm
In Deep Waters Sarah Van Den Boom

Die drei Protagonisten des Films verbindet etwas, das sie selbst erst verstehen lernen müssen: ein Verlust, der so früh in ihrem Leben passierte, dass sie sich nicht mehr erinnern, der aber Auswirkungen auf ihre Entwicklung hatte.

In Deep Waters

Animationsfilm
Kanada,
Frankreich
2015
12 Minuten
Untertitel: 
keine
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Richard Van Den Boom
Sarah Van Den Boom
Pierre Caillet
Sarah Van Den Boom
Sarah Van Den Boom, Annie Jean
Gilles Cuvelier, Gabriel Jacquel, Samuel Guénolé, Marine Blin, Marion Le Guillou, Denis Fleurion, Pierre Lesca (Studio Train-Train), Sarah Van Den Boom
Sarah Van Den Boom
Pierre Yves Drapeau, Lise Wedlock, Jean Paul Vialard
Die drei Protagonisten des Films verbindet etwas, das sie selbst erst verstehen lernen müssen: ein Verlust, der so früh in ihrem Leben passierte, dass sie sich nicht mehr erinnern, der aber Auswirkungen auf ihre Entwicklung hatte. Der Film thematisiert mit unterschiedlichen ästhetischen Mitteln die Suche der Personen nach einem verlorenen Teil von ihnen, die Fragen, die sich und anderen stellen, und die Sehnsucht, die immer bleiben wird.

---Annegret Richter

It's a Dog's Life

Animationsfilm
Kanada,
Frankreich
2012
8 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jacques-Rémy Girerd, FOLIMAGE STUDIO
Julie REMBAUVILLE, Nicolas BIANCO-LEVRIN
Adrien CHEVALIER
Sylvie LEONARD, Xavier CRUZ, Morten RIISBERG HANSEN
Hervé GUICHARD
Julie REMBAUVILLE, Nicolas BIANCO-LEVRIN
Loïc BURKHARDT
Essenszeit. Hündchen Fifi hüpft unter den Tisch, um zwischen Papa, Mama, Thomas und Zo die Zeitung zu lesen. Doch heute Abend ist die Atmosphäre geladen und die Lektüre wird empfindlich gestört.
Internationales Programm
Memory of the Peace Jean Parsons, Jennifer Chiu

In der westkanadischen Öl-Kleinstadt Fort St. John kulminieren die seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Kräfteverhältnisse von Industrie, Rohstoffausbeutung und Kolonialisierung im geplanten Bau eines Staudamms.

Memory of the Peace

Dokumentarfilm
Kanada
2017
25 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jean Parsons, Jennifer Chiu
Jean Parsons, Jennifer Chiu
Scott Woodworth
Farhad Ghaderi
Aynsley Baldwin
Daniel Kaga, Humberto Corte
In der westkanadischen Öl-Kleinstadt Fort St. John kulminieren die seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Kräfteverhältnisse von Industrie, Rohstoffausbeutung und Kolonialisierung im geplanten Bau eines Staudamms. Er wird das Peace River Valley auf einer Länge von mehr als 80 Kilometern überfluten. Was für den jungen Ölarbeiter ein guter Arbeitsplatz ist, ist für die indianisch-stämmigen Kanadier der Verlust von jahrtausendealter Identität – und der bildgewaltig gefilmten Landschaft.

Frederik Lang

Nightingales in December

Animationsfilm
Kanada
2011
3 Minuten
Untertitel: 
englische
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Theodore Ushev, MTD:films
Theodore Ushev
Spencer Krug
Theodore Ushev
Olivier Calvert
Eine surreale Metapher und Anspielung, eine Reise in die Erinnerungen und Felder aktueller Realitäten. Was wäre, wenn die Nachtigallen arbeiteten statt zu singen und in den Süden zu ziehen? Im Dezember gibt es keine Nachtigallen … Es bleibt nur die Geschichte unseres Anfangs, und unseres Endes.
Internationales Programm
Quiet Zone Karl Lemieux, David Bryant

Elektromagnetische Felder sind unsichtbar. Doch „elektrosensible“ Menschen spüren, dass wir von Funkwellen aller Art umgeben sind.

2015

Quiet Zone

Animadok
Kanada
2015
14 Minuten
Untertitel: 
keine
Credits DOK Leipzig Logo
Julie Roy
Karl Lemieux, David Bryant
David Bryant
Mathieu Laverdière, Karl Lemieux, David Bryant
Mathieu Bouchard-Malo
Karl Lemieux
Olivier Calvert, David Bryant
Elektromagnetische Felder sind unsichtbar. Doch „elektrosensible“ Menschen spüren, dass wir von Funkwellen aller Art umgeben sind. Auch die Bilder des Filmes ahnen wir mehr, als dass wir sie wirklich sehen: einsame amerikanische Landstraßen, Vorstadthäuser, Funkanlagen und manchmal die Erzählerin, eine Frau auf der Flucht vor der Zivilisation. Auf die zunehmend rastlose menschliche Kommunikation reagiert „Quiet Zone“ mit einer Auflösung der Realität auf der Ebene des Filmmaterials selbst.

Lars Meyer
Internationales Programm
Scratchy Marv Newland

Schrappen, scheuern, schaben mit Fingernägeln am Schlagzeug – wachsende und wechselnde Körper. 20 handgemalte 2D-Szenen mit rauer, schuppig-schruppiger Oberfläche ergeben einen Musik-Cartoon-Clip.

Scratchy

Animationsfilm
Kanada
2016
3 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marv Newland
Marv Newland
Jacob Cino, Lily Frost
Jim Inkster
Peter MacAdams
Marv Newland
Marv Newland
Craig Waddell
Schrappen, scheuern, schaben mit Fingernägeln am Schlagzeug – wachsende und wechselnde Körper. 20 handgemalte 2D-Szenen mit rauer, schuppig-schruppiger Oberfläche ergeben einen Musik-Cartoon-Clip, der sich selber glattschlürft und -schleckt.

Lukas Stern

Taming the Horse

Dokumentarfilm
Kanada,
China
2017
124 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Aonan Yang, Xun Yu, Tao Gu
Tao Gu
Xun Yu
Tao Gu
Catherine Van Der Donckt
Dong, 30 Jahre alt, liegt rauchend im Bett und fragt sich: „Was kann ich tun, um ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu sein? Sollte ich aufstehen? Nein, werde ich nicht.“ Als der Regisseur Tao Gu 2011 nach zehn Jahren seinen Jugendfreund wiedersieht, trifft er auf einen Mann, der von persönlichen Niederlagen und der jüngsten Turboentwicklung der chinesischen Gesellschaft überrollt wurde. Jemand, der mit Lederjacke, Liebeskummer, Gitarre und Alkohol in einer Studentenbude die Antithese zum diktatorischen Karriereethos verbildlicht. Dong träumt durch den Tag und lebt seine emotionalen Ausbrüche in einem sozialen Umfeld aus, das auf Zurückhaltung programmiert ist.

Das feinfühlige Porträt zeigt keinen willentlichen Aussteiger, sondern einen, der an Selbstzweifeln und dem Erfolgsdruck der kapitalistischen „Freiheiten“ scheitert, der trotz seiner jungen Jahre von der nachrückenden Generation bereits clever ausgespielt wird. Denn die jongliert mit der Logik der Marktwirtschaft schon ganz souverän. Protagonist und Filmemacher begeben sich auf eine Zugreise in Dongs Heimat in der Inneren Mongolei. Die mehrtägige Fahrt gerät zum filmischen roten Faden, denn sie hängt schwelgerisch einem Traum von Dong nach: in der endlosen Steppe Pferde zuzureiten und mit einem einfachen mongolischen Mädchen ein friedliches Leben zu genießen. Der junge Mann bricht die Reise ab.

André Eckardt
Internationales Programm
Terminal Device Ross Turnbull

Von Captain Hook bis zu Edward mit den Scherenhänden: Ein Betroffener macht grimmig-humorvoll Tabula rasa mit der Geschichte der Prothese im eigenen Leben und in der Popkultur.

Terminal Device

Dokumentarfilm
Kanada
2015
68 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ross Turnbull, Jennifer Hazel
Ross Turnbull
Slim Twig
Ross Turnbull, Alex Kingsmill, Roland Echavarria, David Rendall, Jennifer Hazel
Meghan Remy, Ross Turnbull
Ross Turnbull
Michèle Deslauriers
Wer hat Angst vor Captain Hook? Er stellt den Archetypus des einarmigen Bösewichts dar: der Pirat, dem eine Hand fehlt, die durch eine Prothese ersetzt wird, welche auch noch in einem Haken endet. Hook ist eine wahrlich übermächtige Fiktion, die in einer Quasi-Selbstbefruchtung unendlich variantenreiche Nachkommen auf dem Feld der Popkultur zeugte, von deren Wirkkraft jeder Betroffene ein trauriges Lied singen kann.

Der kanadische Regisseur Ross Turnbull, dem ein Arm fehlt, ist ein solcher. Hook und seine ganze Mischpoke von Candyman bis Edward mit den Scherenhänden sind ihm von klein auf ungeliebte Vettern gewesen, die sich immer wieder ungefragt in sein Leben gemischt haben. Mit „Terminal Device“ macht Turnbull grimmig-humorvoll Tabula rasa mit dieser ganzen Geschichte: die eigene Beeinträchtigung als Stoff für eine geradezu übermütige Vergangenheits- und Gegenwartsbewältigung. Und gratis dazu gibt’s dann auch noch facettenreiche Ausflüge in die Kultur- und Medizinhistorie der Prothese. Komisch oft. Zum Gruseln manchmal. Erhellend immer.

Ralph Eue