Filmarchiv

Jahr

H*ART ON

Dokumentarfilm
Tschechische Republik
2016
73 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Miroslav Novák
Andrea Culková
BAZEL
Lukáš Milota
Thomas Ernst
Despina Kannaourou
Andrea Culková, Thomas Ernst
Petr Čechák
Ein Künstlerleben würde allein aus der Perspektive anderer Künstler erfahrbar, denn deren Biografien seien tendenziell Lügen. So sah es die tschechische Schriftstellerin Milada Součková. Dem Leben und Werk von Součkovás Mann Zdeněk Rykr (1900–1940) nähert sich Andrea Culková aus der Perspektive zeitgenössischer Künstler und Rykr-Kenner in Tschechien, Japan und Frankreich sowie mit Archivmaterial. Rykrs grafisches Erbe besteht bis heute hauptsächlich im Design der Orion-Schokolade – mit seinen kommerziellen Arbeiten hatte er früh Erfolg. Jenseits solcher Aufträge jedoch fand er als Avantgardist, der manche Entwicklung in der Konzeptkunst der 1960er Jahre vorwegnahm, weniger Anerkennung.

Auf Spurensuche versammelt die vielstimmige Filmcollage programmatische, proklamatische, provozierende Akte und Aussagen unterschiedlicher Persönlichkeiten. Auch heute ist das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ausdruck, Provokation, Lifestyle und Kommerz ein bedeutendes Thema für Künstler und Kuratoren. Es findet statt in der Wohnung eines tschechischen Künstlerpärchens, am Rande der Messe Art Basel, bei Ausstellungsvorbereitungen in Japan … Verbindend bleibt die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und der (eigenen) Vergänglichkeit.

Nadja Rademacher


Nominiert für MDR-Filmpreis

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Cinema, Mon Amour

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Rumänien
2015
74 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Tudor Giurgiu
Alexandru Belc
Tudor Vladimir Panduru
Ion Ioachim Stroe
Alexandru Belc, Tudor Giurgiu
Vlad Voinescu
Victor Purice gebührt definitiv ein Orden als „Held der Arbeit“. Mit welcher Verzweiflung, welchem Elan, welcher Hartnäckigkeit er um sein Kino kämpft, da kommen einem die Tränen. Das „Dacia“ Panorama-Filmtheater irgendwo in der rumänischen Provinz, eine Kinoschönheit in Beton mit mehreren hundert Plätzen, großzügigem Foyer und einer gediegenen 35-mm-Projektionstechnik, steht kurz vor dem Aus. Sein Schicksal ist das vieler Kinos in Rumänien, kaum 30 existieren noch. Die anderen wurden privatisiert, verhökert, in Spielhallen oder Diskotheken umgebaut, selbst das Filmstudio hat viele verkauft. Was für ein Widersinn – während wir hierzulande das „rumänische Filmwunder“ feiern!

Aber Victor Purice und sein ihm verbliebenes kleines Team lassen sich aus ihrem Traum vom Kino nicht einfach so verjagen. Sie wohnen und kochen zwischen den Filmspulen, funktionieren das Foyer zu einer Tischtennishalle um und schauen sich im Zweifel auch mal einen Hollywood-Blockbuster alleine an. All das ist mit liebevollem Blick erzählt, aber auch voller Bewunderung für diesen Don Quichotte der Moderne, der gegen Missmanagement, den digitalen Fortschritt und eine kaputte Heizung zu Felde zieht. Der Preis, den er zahlt, ist hoch. Zu befürchten steht, dass es in dieser Geschichte kein Happy End gibt. Mission: Impossible.

Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Dangerous World of Doctor Doleček

Dokumentarfilm
Tschechische Republik
2015
75 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kristýna Hněvsová, Dagmar Sedláčková, Tomáš Michálek
Kristýna Bartošová
Jakub Rataj
Kristýna Bartošová
Šimon Hájek
Kristýna Bartošová
Lukáš Ujčík
Ein Film über Dr. Rajko Doleček – aber wie und mit welchem Ziel? In Tschechien als Mediziner eine öffentliche Figur, trat er im Jugoslawienkrieg als Vermittler des serbisch-nationalistischen Weltverständnisses in Erscheinung. Bis heute ist der Ordensträger der orthodoxen Kirche stolz auf seine Freundschaft mit General Ratko Mladić, über den er ein Buch schrieb. Sollte es möglich sein, dem Leugner des Massakers von Srebrenica eine Erkenntnis zu entreißen – nämlich die, dass er sich irrt? Was die junge Regisseurin versucht, ist heikel. Beide sind Tschechen mit Wurzeln in Jugoslawien. Sie hat ihre bosnische, er seine serbische Seite. Doch mit Blick auf Lebenserfahrung und gesellschaftliche Stellung treffen zwei ungleiche Gegner aufeinander. Womit Kristýna Bartošová aber vor allem nicht rechnete: dass Doleček sie durch seine offene Art derart entwaffnen, ja sie sogar in seinen Freundeskreis einführen würde. So werden ihre Zweifel zum Inhalt des Films, indem sie das zwiespältige Verhältnis zum Protagonisten kreativ thematisiert. Sie backt ihm, der im Fernsehen gegen Kalorien kämpfte, einen gehaltvollen Kuchen und nimmt ihn mit auf eine Reise durch die Republika Srpska, wo seine Verleugnungstaktik allmählich absurde Züge annimmt. Indem sie die Grenzen ihres eigenen Filmprojektes offenbart, zeigt sie zugleich seine – und die der historischen (und dokumentarischen) Wahrheitsfindung.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.