Filmarchiv

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It Takes a Family

Dokumentarfilm
Dänemark
2019
59 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Ulrik Gutkin (Copenhagen Film Company Short & Doc.)
Susanne Kovács
Povl Kristian
Casper Høyberg, Susanne Kovács
Marion Tuor
Susanne Kovács
Claus Lynge
Susanne Kovács weiß, dass ihre Großeltern väterlicherseits den Holocaust überlebten und nach Dänemark flüchteten, um ein neues Leben zu beginnen. Mehr weiß sie nicht. Das aus Ungarn stammende Paar hielt die eigene Geschichte zeitlebens unter Verschluss und konzentrierte sich darauf, so schnell wie möglich in die dänische Alltäglichkeit einzutauchen. Von außen betrachtet ein Bilderbuchleben. Um der Erinnerung an den Tod zu entkommen, lächelten und schwiegen sie. Wenn niemand die Dunkelheit sieht, so ihre Hoffnung, wird Normalität möglich. Doch statt zu vergehen, wuchs das Ungesagte und begann schließlich, auch die Gegenwart zu verdunkeln.

Schon als Kind spürte Susanne das undefinierbare Gemisch aus Angst, Schmerz und Wut, das unter der Oberfläche brodelte. Lange bevor sie diese Gefühle in Worte fassen konnte, standen sie im Raum. Als sie sich als junge Frau entschließt, Fragen zu stellen, stößt sie auf Ablehnung. Darf sie gegen den Willen ihrer Großmutter in Zeiten graben, durch die so viele Geister spuken? Ist es nach so langer Zeit nicht besser zu schweigen? Wer darf sprechen und mit wem? Welche Version der Wahrheit ist die richtige? Eine mutige Investigation der eigenen Familiengeschichte, in der deutlich wird, dass es irgendwann nicht mehr um Schuld geht, sondern um Vergebung.

Luc-Carolin Ziemann
Internationales Programm 2019
Photographer of War Boris Benjamin Bertram

Ein Porträt von Jan Grarup, Kriegsfotograf mit Leib und Seele, Familienvater mit vier Kindern – ein Mann zwischen großem Abenteuer und großer Verantwortung.

Photographer of War

Dokumentarfilm
Dänemark
2019
78 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Katrine A. Sahlstrøm
Boris Benjamin Bertram
Tobias Wilner Bertram
Tony Lauge Madsen, Adam Philp, Henrik Bohn Ipsen, Marcel Zyskind, Boris Bertram, Thøger Kappel
Charlotte Munch Bengtsen
Jan Grarup ist Fotograf mit Leib und Seele. Seine Bilder aus Kriegsgebieten haben ihn berühmt gemacht. Aber auch daheim, in seinem Haus in Kopenhagen, steht alles im Zeichen des Mediums: „Die Linse war im Amerikanischen Bürgerkrieg“, sagt Grarup stolz, als er den französischen Starphilosophen Bernard-Henri Lévy zu einer Porträtsitzung empfängt. Der Film von Boris Benjamin Bertram trifft auf Grarup in einem Moment, in dem sich alles ändert: Die Frau, mit der er vier Kinder hat, ist an einem Gehirntumor erkrankt. Grarup, davor wohl eher ein Abenteurer als ein verantwortungsvoller Vater und Partner, muss sich nun kümmern. Und er weiß, wenn er im Irak an die Front gegen den Islamischen Staat geht, dass er heil wieder nach Hause kommen muss, weil er das seinen Kindern schuldet.

Bertrams Film ist zugleich intim und diskret. Jan Grarup öffnet sich, er zeigt seinen über und über tätowierten Körper beim Arzt oder im Hotel, er nimmt den Filmemacher so weit wie möglich in den Alltag eines Kriegsfotografen mit. Ältere, ursprünglich private Aufnahmen aus einem vergangenen Familienleben machen die Gegenwartsszenen noch dringlicher: Fotografie (und Film) wird hier tatsächlich als ein Medium gegen den Tod erkennbar.

Bert Rebhandl