Filmarchiv

Internationaler Wettbewerb (ab 2015) 2016
A Young Girl in Her Nineties Valeria Bruni Tedeschi, Yann Coridian

Blanche dämmert im Pflegeheim in Alzheimer dahin – bis der Choreograf Thierry Thieû Niang sie durch Tanz aus dem Dornröschenschlaf erweckt und sie sich verliebt … Betörend und zart.

A Young Girl in Her Nineties

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
85 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Marie Balducchi
Valeria Bruni Tedeschi, Yann Coridian
Hélène Louvart, Yann Coridian
Anne Weil
François Waledisch
Wie viele alte Menschen im Pflegeheim scheint sie den Vorhang zwischen sich und der Welt zugezogen zu haben. Ohne Angehörige, in Gesellschaft weiterer Alzheimer-Patienten, erinnert sie sich kaum an ihren klingenden Namen: Blanche Moreau. Doch dann erscheint der Choreograf Thierry Thieû Niang in der Klinik. Thierry überträgt Bewegungen, Gesten und Worte der Patienten in seinen Tanz und animiert die Menschen im doppelten Sinne: Er belebt ihre Körper und Seelen. Unter dem Raunen französischer Schlager, die natürlich vom Abenteuer der Liebe sprechen, erwacht Blanche aus einem Dornröschenschlaf. Und mehr als das. Das „Parlez-moi d’amour“ und der schöne, aufmerksame Fremde eröffnen ihr den Raum, sich noch einmal im Taumel der Verliebtheit zu verlieren – oder wiederzufinden. Für Thierry, den diese Entwicklung sichtlich bewegt, stellt sich die Aufgabe, im Tanz die richtige Balance herzustellen.

Sich gegenseitig halten und vertrauen – das ist auch die behutsame Haltung der Regie gegenüber diesen Tanzenden: Valeria Bruni Tedeschi liefert nach vielen Erfolgen als Schauspielerin und Spielfilmregisseurin zusammen mit Yann Coridian ein sensibles Dokumentarfilmdebüt ab. Über das Vorleben der Patienten erfahren wir stets nur so viel, wie Ort und Situation preisgeben. Ohnehin wird spürbar, dass Erinnerungen weniger aus Lebensläufen als vielmehr aus einem Reservoir von Gefühlen gemacht sind.

Lars Meyer



Preis der Fédération Internationale de la Presse Cinématographique 2016