Filmarchiv

Down the Deep, Dark Web

Dokumentarfilm
Frankreich,
Israel
2016
56 Minuten
Untertitel: 
englische

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Duki Dror, Alexandre Brachet, Liat Kamay-Eshed, Margaux Missika
Tzachi Schiff, Duki Dror
Frank Ilfman
Philippe Bellaiche, Gleb Volkov
Dror Yaakobovich
Yuval Orr
Ronen Nagel
Unter der Oberfläche von Google-Land, in dem es sich so komfortabel lebt, existiert eine Welt, die als Deep respektive Dark Net bekannt ist. Ein virtueller Datenraum, dessen Inhalte nicht von herkömmlichen Suchmaschinen erfasst werden und der dem normalen User verschlossen bleibt – es sei denn, er installiert eine spezielle Software. Regierungen, Banken oder Konzerne nutzen das Deep Net ebenso wie all jene, die ihre Aktivitäten im Netz verbergen wollen. Im Google-Land hinterlassen wir Spuren, im Deep Net surft es sich durch eine spezielle Verschlüsselungstechnologie anonym. Duki Drors und Tzachi Schiffs breit aufgestellter Film über das Internet, Privatheit, Überwachung und die Vision einer völlig neu strukturierten Ökonomie beginnt mit dessen übelster Variante: als Umschlagplatz von Drogen, Kinderpornografie und Waffen. Ist das der Grund, warum Regierungen das Netz bekämpfen? Andererseits ist es der einzige digitale Raum, der kritischen Journalisten, Oppositionellen in Diktaturen oder Whistleblowern Schutz vor Verfolgung bietet.

Der Film arbeitet sich detail- und kenntnisreich durch die aktuelle Entwicklung unserer digitalen Welt ohne zu werten. Zur Disposition steht die Freiheit des Einzelnen. Skeptisches Fazit: Die Menschen wollen gerade genug Freiheit, um sich wohlzufühlen. Google-Land. Wen kümmert es da schon, dass wir uns dadurch einer permanenten Überwachung ausliefern?

Matthias Heeder

How’s Your Prostate?

Animationsfilm
Frankreich
2015
4 Minuten
Untertitel: 
englische

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Luc Camilli
Jeanne Paturle, Cécile Rousset
Thomas Dappelo
Jeanne Paturle, Cécile Rousset
Mélanie Braux
Jeanne Paturle, Cécile Rousset
Jeanne Paturle, Cécile Rousset, Cécile Mille
Manuel Vidal
Der Titel ist unverblümte Ansage. Zwei junge Frauen unterhalten sich über ein ernstes Thema mit humorvollen Wendungen, gleichermaßen perfekt dosiert in Witz und Sensibilität und begleitet von einem reduzierten, assoziativen Zeichenstil. Eine Prostataoperation bietet Anlass für ein überraschend lockeres Gespräch zwischen Vater und Tochter sowie ein zaghaftes Herantasten an die zentrale Frage nach der „erektilen Funktion“. Und dann sind da noch die eigenen verwirrenden erotischen Träume.

André Eckardt


Nominiert für mephisto 97.6 Publikumspreis

Lead in the Head

Animationsfilm
Frankreich
2016
7 Minuten
Untertitel: 
englische

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Olivier Chantriaux
Aurore Peuffier
Aurore Peuffier
Aurore Peuffier
Aurore Peuffier
Agathe Courtin
Ein Schuss ins Schwarze. In den Kopf eines Wolfes, der mit diesem roten Mal als Trophäe auf dem Dorfplatz landet. Und als solche verenden soll. Er springt jedoch unerwartet auf und entflieht. Die blauen Nachtstunden bringen kaum Erlösung. Aber der Morgen eine Stimme, die über den Tod hinaus von der Sterblichkeit des Wolfes zeugen wird, konkret und im übertragenen Sinn. Gemalt in expressiven Strichen: naturfarben, blau wie die Hoffnung auf neues Sein und schließlich gleißend wie der Tod.

Nadja Rademacher


Nominiert für mephisto 97.6 Publikumspreis
Internationales Programm 2016
Oleg’s Choice Elena Volochine, James Keogh

Ein junger Russe an der Front im ostukrainischen Donbass. Patriotismus, Heldenpathos und eine Schlacht, nach der alles anders sein wird. Seltene Innenansicht eines Krieges.

Oleg’s Choice

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
75 Minuten
Untertitel: 
englische

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Valérie Montmartin
Elena Volochine, James Keogh
Elena Volochine, James Keogh
Elena Volochine, Tania Goldenberg
Elena Volochine, James Keogh
Eigentlich wollte er nur drei Tage bleiben, mehr ein Urlaubsabstecher. Aber nun ist Oleg, ein Russe aus Westsibirien, schon ein Jahr dabei – mittlerweile Kommandant eines Bataillons aus Freiwilligen, die keiner gerufen hat, scheinbar niemand kontrolliert und die in keiner offiziellen Armee dienen. Des Geldes wegen sind sie nicht gekommen, sondern aus Patriotismus, für Russland, das es im ukrainischen Donbass zu verteidigen gilt. Warum sie ihr Leben dort, fern der Heimat riskieren, wollen die Journalistin Elena Volochine und der Fotoreporter James Keogh wissen.

Sie interessieren sich jenseits von Propaganda und dem schnellen Blick der Westmedien für die Innenansichten Olegs – ohne zu fraternisieren. Sie protokollieren, aus welchem Vokabular sich die Selbstermächtigung zum Retter der russischen Sache speist. „Einer muss es doch machen“ oder „Wir wollen nur helfen“ lauten die Formeln, untermalt vom süßlichen Schlager-Soundtrack vaterlandstreuer Musik, die an das einstige Heldenpathos der Roten Armee anknüpft. Auch wenn die Kampfhandlungen ausgespart bleiben, gebührt den Filmemachern Respekt, wie konsequent sie an Oleg dranbleiben, um nachzuvollziehen, wie er seine Erfahrungen reflektiert. Im Mittelpunkt steht, von ihm befehligt, ein Einsatz. Danach ist alles anders. Einmal vom Krieg infiziert, wird man den Virus so leicht nicht wieder los.

Cornelia Klauß
Internationales Programm 2016
The Graduation Claire Simon

Aufnahmeprüfung an der legendären Pariser Filmhochschule La Fémis: Hunderte junger Filmfreaks am Eingang zum Olymp, den nur wenige passieren. Spannender, seltener Einblick.

The Graduation

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
120 Minuten
Untertitel: 
englische

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Arnaud Dommerc (Andolfi)
Claire Simon
Claire Simon
Luc Forveille
Claire Simon
Olivier Hespel
Fragt man junge Leute, was sie werden wollen, erhält man oft zur Antwort: irgendwas mit Medien. In Frankreich ist das nicht anders, wenngleich Film dort noch viel mehr als Kunst geliebt und verehrt wird. In eine sehr lange Reihe von Mitbewerbern muss sich stellen, wer in den Olymp einziehen und an der berühmtesten aller Filmhochschulen, der La Fémis, angenommen werden möchte. Alain Resnais und Claire Denis nahmen hier ebenso ihren Anfang wie Johan van der Keuken und Rithy Panh.

Diesen Prozess der Auslese unter Hunderten dokumentiert Claire Simon mit großer Sachlichkeit. Ihr geht es nicht darum, einzelne Bewerberinnen und Bewerber mit ihren Erwartungen und Enttäuschungen herauszuheben, sondern vielmehr die Institution in ihrem Bemühen um Fairplay zu zeigen. Es gilt das Prinzip: Jeder ist gleich, aber nur die Besten schaffen es. Es ist an uns, diesen Maßstab vor allem in jenen Situationen anzulegen, in denen die erschöpfte Kommission versucht, die jungen Menschen zu verstehen, zu durchschauen, zu entwirren – ohne sie gänzlich zu entmutigen. In einer anderen Runde sitzen Vertreterinnen und Vertreter von Kinos, Regie und Filmkritik zusammen, die in das Verfahren einbezogen sind, weil sie die Praxis kennen. Eine charmante, zur Nachahmung empfohlene Idee. Ein Trost könnte Rainer Werner Fassbinder sein: An der Berliner Filmschule DFFB wurde er seinerzeit nicht angenommen.

Cornelia Klauß


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award
Internationales Programm 2016
We’ll Be Alright Alexander Kuznetsov

Zwei junge Frauen, im Heim aufgewachsen, für geistig behindert erklärt und entmündigt, in ihrem mutigen Kampf mit dem russischen Staat um das Recht auf ein eigenes Leben. Kafkaesk.

We’ll Be Alright

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
81 Minuten
Untertitel: 
englische

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Rebecca Houzel
Alexander Kuznetsov
Alexander Kuznetsov
Alexander Abaturov
Alexander Abaturov
Julia und Katja sind „ungewollte Kinder“ in mehrfacher Hinsicht. Von ihren Familien verstoßen, vom Staat in Waisenhäuser gesteckt und schließlich in ein „Neuropsychologisches Institut“ in Ostsibirien eingewiesen, wurden sie – wie viele andere – ihrer elementarsten Grundrechte beraubt. Auch wenn sie jetzt junge Frauen sind, bleibt das Institut ihre finstere Aussicht auf Lebenszeit. Ihr Traum jedoch ist die Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben. Und dafür sind sie bereit zu kämpfen. Zwei Anläufe, um endlich für mündig erklärt zu werden, nehmen sie auf dem steinigen Pfad durch die russische Bürokratie. Mutig und mit engelsgleicher Geduld stellen sie sich unnahbaren Richtern – Figuren wie aus einem Roman von Franz Kafka – und psychologischen Gutachten, die man ihnen auch auf Nachfrage nicht erklärt.

Mit feinem Gespür für das Wesentliche und die charakteristische Geste folgt der Film ihnen durch die Instanzen und porträtiert sie zugleich in ihrer gewohnten Umgebung, die ihnen bei aller Sehnsucht und trotz schreiender Ungerechtigkeit die Normalität ersetzt hat. Beide, die zornige Katja und die schicksalsergebene Julia, sind so etwas wie sanfte Stars im Institut. So erzeugt der Film ein durchaus zwiespältiges Gefühl bei der Frage, wie sie denn mit ihrer Biografie in der kalten Freiheit da draußen bestehen können. Die Hoffnung ist ein Wagnis.

Lars Meyer
Internationales Programm 2016
Wind in Your Shoulders Anne-Sophie Raimond

In der chinesischen Medizin beschreiben Wettererscheinungen das körperliche Befinden. Die Philosophie dahinter illustriert Anne-Sophie Raimond mit Witz und einer grafisch beeindruckenden Mixtur.

Wind in Your Shoulders

Animationsfilm
Frankreich
2015
3 Minuten
Untertitel: 
englische

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La Poudrière
Anne-Sophie Raimond
Benoît Razy
Myriam Copier, Mélanie Braux
Hugo Frassetto, Eloïc Gimenez
Pierre Sauze
In der chinesischen Medizin beschreiben Wettererscheinungen das körperliche Befinden. Die Philosophie dahinter illustriert Anne-Sophie Raimond mit Witz und einer grafisch beeindruckenden Mixtur. Ihre Diagnose des Ökosystems menschlicher Körper dauert nicht viel mehr als drei Minuten: eine rasant animierte Collage aus historischen Medizin-Atlanten, Mandalas aus Fingerabdrücken und eindringlichen Zeichnungen. Und bitte einmal die Zunge rausstrecken!

André Eckardt


Nominiert für mephisto 97.6 Publikumspreis
Internationales Programm 2016
Working Life Martin Rit, Mariette Désert

In einer berufsvorbereitenden Schule sollen 14-Jährige den Anschluss an die Arbeitswelt des Handwerks finden. Mit den eigenen Händen etwas schaffen und stolz darauf sein? Schwierig …

Working Life

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
59 Minuten
Untertitel: 
englische

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Justin Taurand
Martin Rit, Mariette Désert
Martin Rit
Martin Rit, Mariette Désert, Raphaëlle Martin Holger
Mariette Désert
Kampfpilot, Bauer, „Zirkus“ oder „weiß nicht“ geben die Jungs als Berufswunsch an. Sie sind 14 und haben schon eine Chance vertan: die im Rennen um gute Karrieren. Auf einer berufsvorbereitenden Schule sollen sie, die einen höheren Bildungsabschluss verpasst haben, nun in verschiedenen Praktika den Anschluss an die Arbeitswelt finden. Ein Jahr lang folgen Mariette Désert und Martin Rit einer Klasse auf diesem Weg und decken dabei eine gesellschaftliche Schieflage auf: Es sind klassische Handwerke, die die Eleven mit mehr oder weniger (Des)Interesse durchlaufen – Bäcker, Mechaniker, Maurer, Tischler. Einst wurden diese Berufe mit Stolz ausgeübt, blicken auf eine lange Tradition zurück und bildeten das Rückgrat der Gesellschaft. Kein Gedanke könnte den Jungen ferner sein, und verzweifelt mühen sich Lehrer und Meister, ihnen beizubringen, was das ist: mit eigener Hände Arbeit etwas schaffen. Warum es einen Unterschied zur Massenproduktion macht und was es heißt, von der Gesellschaft gebraucht zu werden.

Besonders den stillen Steve, der anfangs Schätze nur mittels Metalldetektor im Boden sucht, begleiten die Regisseure in einem langsam einsetzenden Lernprozess, der am Ende Hoffnung macht. Zugleich kann man das Entsetzen der Jungen verstehen, als sie begreifen, dass das Einerlei von früh aufstehen, malochen und spät nach Hause kommen sehr lange so weitergehen wird. Man nennt es Arbeitsleben.

Grit Lemke


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award, Young Eyes Film Award