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Next Masters Wettbewerb
Behind the Stone Wall Magali Roucaut

Mitten in Paris fertigte eine kleine Fabrik jahrzehntelang feinste Kartonagen. Letzter Blick auf eine Arbeitswelt, die aus unserem Umfeld weichen muss. Ein stilles, fein beobachtetes Requiem.

Behind the Stone Wall

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
59 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Docks 66
Magali Roucaut
Magali Roucaut
Laureline Delom
Magali Roucaut
Die Maschinen rattern und zischen, quietschen und ächzen. Im Sekundentakt schnellen Greifarme vor und zurück, immer wieder. Die Menschen davor sind Teil der Apparate, schieben in deren Rhythmus Kartonbögen in stählerne Schlunde und ziehen sie heraus, hinein, heraus. Es wird gestanzt und gefalzt, genietet und verpackt. Nur wenn Regisseurin Magali Roucaut etwas fragt, halten sie kurz inne und erzählen von ihrem Leben im Takt der Maschinen, hinter der Steinmauer.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels mitten in Paris, die aus dem Off zu Wort kommen, haben jahrzehntelang kaum registriert, dass hier ein mittelständisches Unternehmen Kartonagen produzierte. Keine Massenware für skandinavische Möbelhäuser, sondern sorgsam gefertigte Spezialbehältnisse für Archive und Bibliotheken. Nun muss die kleine Fabrik weichen – an der Fassade wird schon für die Lofts geworben, die hier entstehen und das Viertel „aufwerten“ sollen. Roucaut interessiert sich für das, was hier verschwindet, für den Alltag und die Biografien der Arbeiterinnen und Arbeiter – allesamt Migranten und teils in der zweiten Generation im Betrieb. Sie dokumentiert das Verschwinden der Arbeit aus unserer Lebenswelt, ihren Auszug an die Peripherie und wohl bald schon nach Asien. Die Anwesenheit mancher Dinge realisiert man erst, wenn sie nicht mehr da sind. Dagegen filmt Roucaut an in ihrem stillen, fein beobachteten Requiem.

Grit Lemke


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Third Shore

Dokumentarfilm
Brasilien,
Frankreich
2016
57 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
André Hallak
Fabian Remy
Rafael Martini
Lucas Barbi
Fabian Remy, Bruno Carboni
Fabian Remy
Osvaldo Ferreira
1953 nehmen die Gebrüder Villas-Bôas, Pioniere des Indigenismus in Brasilien, erstmals Kontakt mit den Kayapó auf und halten die freundschaftliche Begegnung auf körnigem Schwarz-Weiß-Film fest. Sie sehen die Konflikte zwischen Stamm und Nationalstaat voraus und verstehen sich als Vermittler. Zu ihrer Überraschung entdecken sie unter den Indianern einen jungen Weißen: João stammt von brasilianischen Siedlern ab und wurde als Kind im Zuge anhaltender Fehden von den Kayapó entführt und großgezogen. Als er nun den Weg zurückgeht, beginnt für ihn ein Leben zwischen zwei Welten, ohne feste Heimat.

Für Fabian Remy ist die Geschichte eine Vorlage, um eine bis heute gespaltene Gesellschaft zu beschreiben, auch wenn er João selbst nicht mehr lebend vorfindet. An dessen Stelle begibt sich Thini-á mit dem Regisseur auf die biografische Spurensuche und durchlebt einen gespiegelten Identitätskonflikt. Er verließ seinen Stamm und zog in die Megastadt Rio de Janeiro, nachdem er die Zersetzung der indigenen Kultur durch die moderne Zivilisation erlebte. Doch die Sehnsucht zieht ihn immer öfter zurück zu seinen Wurzeln. Der Film nimmt seine Pendelbewegung formal auf und begleitet Thini-á auf seinen Fahrten durch staubige Ebenen und das Amazonasgebiet – als eine anhaltende dokumentarische Reise. Passend auch zu João, der sein späteres Leben als Fährmann zwischen den Ufern verbrachte.

Lars Meyer

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