Filmarchiv

Secret Nest

Dokumentarfilm
Frankreich
2017
82 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Guillaume Poulet (Alter Ego Production)
Sophie Bredier
Hélène Breschand
Matthieu Chatellier
Catherine Rascon, Michaël Phelippeau
Nicolas Joly
Die Geschichte des Château Bénouville in der Normandie ist bewegt, obwohl es im Moment eher verschlafen wirkt. Nur wenige Meter entfernt landeten 1944 britische Soldaten im vom Hitlerfaschismus besetzten Frankreich und starteten ihre erste Offensive. Seit 1929 hatte das Schloss als Geburtsklinik für ledige Mütter fungiert. Die Leiterin unterstützte in den 1940er Jahren die Résistance. Doch all diese faktischen Umstände interessieren diesen Film nur am Rande. Er konzentriert sich vielmehr auf die Erfahrungen von Müttern und Kindern, die hier, gemäß einem seinerzeit gültigen Verständnis von Anstaltsverwahrung, Hilfe erfuhren – und gleichzeitig Ächtung, Ausgeliefertsein und Stigmatisierung erduldeten.

Wir erleben die unterschiedlichsten Formen der Aufarbeitung dieser „geheimen Mutterschaft“. Wir begreifen den Sinn, aber auch den Schrecken des Verdrängens, wenn Dinge in die nächste Generation getragen werden. Aber dieser Film und seine Regisseurin lassen ihre Protagonistinnen und deren Nachkommen nicht nur sprechen. Sie agieren, ja sie singen vor der Kamera – und bezeugen damit ein Vertrauen, das über „Zusammenarbeit“ weit hinausgeht. Immer wieder bedient sich Sophie Bredier auch der Mittel des mystisch-geisterhaften Erzählens: von leeren, riesigen Räumen, die sich füllen mit den Geschichten dieser Menschen, von einem Geburtsschloss, das so bis ins Jahr 1985 existierte.

Leopold Grün

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