Filmarchiv

Internationales Programm
Ash and Ember Manon Ott, Grégory Cohen

Ein Banlieue-Film jenseits abgenutzter Stereotypen, in dem man bemerkenswerten Menschen begegnet. Souveräne Einlassung zur europäischen Arbeitsgeschichte des vergangenen halben Jahrhunderts.

Ash and Ember

Dokumentarfilm
Frankreich
2018
72 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Céline Loiseau
Manon Ott, Grégory Cohen
Akosh Szelevényi
Manon Ott, Grégory Cohen
Pascale Hannoyer
Manon Ott, Grégory Cohen
Eine erwachende Stadt, in Szene gesetzt mittels majestätischem Schwarz-Weiß und ebenso sparsamen wie elaborierten Perkussionsklängen. Les Mureaux ist eine Banlieue westlich von Paris, hochgezogen in den 1960er Jahren, um die aus Subsahara-Afrika und dem Maghreb kommenden Menschen in nächster Nähe des großen Renault-Fertigungskomplexes in Flins-sur-Seine unterzubringen. Denn der ehemals staatliche Automobilbauer hatte in dieser Zeit einen unerschöpflichen Hunger nach Arbeitskräften. Als Malocher ließ es sich hier, wenn schon nicht gut leben, immerhin gut arbeiten. Später, im Mai 1968, gab es in Flins eine der langanhaltendsten Fabrikbesetzungen Frankreichs.

Heute herrscht in Les Mureaux eine seltsame Gleichzeitigkeit aus Traditionen und Brüchen. Ihren Protagonisten, in allfälligem Gegenwartspragmatismus existierend, begegnen Manon Ott und Grégory Cohen auf Augenhöhe und treiben so deren je eigene Vitalität hervor. Und welches Gehör! Aussagen, Erzählungen, Statements, die nicht nur Mitteilung sein wollen, sondern Sound, oder sagen wir: gelebtes Leben. Von den Arbeitskämpfen der Vergangenheit zur sozialen Unsicherheit der modernen Sklaven, Arbeitslosen und Zeitarbeiter erschaffen sie mit ihrem Film einen kollektiven Diskurs zur Kritik des Alltagslebens, der zugleich eine konzentrierte Einlassung zur europäischen Sozial- und Arbeitsgeschichte des vergangenen halben Jahrhunderts ist.

Ralph Eue


Nominiert für den Healthy Workplaces Film Award

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Facing the Beast Emma Benestan, Adrien Lecouturier

Sommer in der Camargue. Der 14-jährige Théo macht ein Praktikum auf einer Farm für halbwilde Rinder. Einsilbig, noch schlaksig-jungenhaft träumt er von einer Zukunft als tüchtiger Manadier.

Facing the Beast

Dokumentarfilm
Frankreich
2018
26 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jérémy Forni
Emma Benestan, Adrien Lecouturier
Alexis Paul
Emma Benestan, Adrien Lecouturier
Julie Borvon, Emma Benestan
Anne Dupouy
Sommer in der Camargue. Théo macht ein Ferienpraktikum auf einer Farm für halbwilde Rinder. Einsilbig und noch schlaksig-knabenhaft erkundet er eine Männerwelt, probiert sich an der „Urgewalt“ eines Jungbullen aus, träumt von einer Zukunft als Manadier – zur Sorge seiner Mutter um Gesundheit und weniger romantische Berufsaussichten. Leise und ehrlich nimmt dieser Film den verklärten Blick des 14-Jährigen auf eine Ferienwelt im warmen Sonnenlicht und eine sich verändernde Körperlichkeit ein.

André Eckardt


Nominiert für den Young Eyes Film Award

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Grands Canons

Animationsfilm
Frankreich
2018
11 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Girelle Production
Alain Biet
Pablo Pico, Yan Volsy
Alain Biet dreht in seiner Supernova der Dinge die gefundene surrealistische Schraube mit einem gezeichneten Schraubendreher weiter. Das alltägliche Massenprodukt taucht als täuschend echtes Tuschebild in quietschvergnügte Großformationen ein. Klinge, Zange, Zahnbürste bieten eine obsessive Busby-Berkeley-Show der symmetrisch choreografierten Individualisten dar und liefern ganz im Vorbeigehen eine ethnografische Studie der noch greifbaren Konsumwelt ab.

André Eckardt

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Mitra

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2018
82 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Geneviève de Bauw (Thank You & Good Night Productions), Jean-Laurent Csinidis (Films de Force Majeure)
Jorge León
Eva Reiter, George van Dam
Thomas Schira, Jorge León
Marie-Hélène Mora
Quentin Jacques
Jorge León nimmt die dramatische Geschichte der iranischen Psychoanalytikerin Mitra Kadivar, die in ihrer Heimat gegen ihren Willen in der geschlossenen Psychiatrie festgehalten wurde, zum Ausgangspunkt für ein komplexes Kunstprojekt, aus dem zunächst eine Operninszenierung entstand und später dieser vielschichtige Dokumentarfilm.

Im Film stellt León die vermeintlich klaren Grenzen zwischen Wahn und Normalität, Krankheit und Gesundheit infrage, indem er kunstvoll verschiedene Schichten von Realität, Dokumentation und Inszenierung miteinander verknüpft. Immer wieder erschüttert er durch die kontrapunktische Kombination des Materials die selbstgewisse Wahrnehmung des Publikums und fordert uns heraus, die eigene Perspektive als eine immer und grundsätzlich begrenzte wahrzunehmen.

Luc-Carolin Ziemann

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Out

Dokumentarfilm
Frankreich
2018
64 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Claire Babany, Éléonore Boissinot
Denis Parrot
Denis Parrot
Olivier Laurent
Ist die „Speakers’ Corner“, in Nachfolge der antiken Agora, eine Einrichtung, die im internetionellen Zeitalter zur demokratischen Vollendung findet? Mehr Volksmund war nie. Denn Youtube und Konsorten öffnen seit Jahren Räume für Häute, die zur Öffentlichkeit getragen sein wollen. Manchmal sind das Produktverpackungen, sagen wir für Lippenstifte. Manchmal sind das Fellbälge, sagen wir von Katzen. Und manchmal sind das, wie hier, zum Zerreißen gespannte Teenager-Membranen – licht- und tränendurchlässig für die Verzweiflungslagen der Selbstdefinition.

Denis Parrot hat das Internet bereist. Er fand Orte, besser: Postings jeder filmästhetischen Couleur, in denen sich Heranwachsende zu ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität bekennen – hausgemacht, künstlerisch (fast) unberäumt. Rauskommen mit dem Innenleben, zurechtkommen mit den Reaktionen auf einen schwulen Sohn, eine lesbische Tochter oder eben ein Kind, das so ist, wie es ist. Zwischen 2012 und 2018 wurde in den Äther gesetzt, was Parrot hier kompiliert: gefilmte Anrufe bei der Mutter, Seilspring-Tutorials, an die sich ein Outing anschließt, ambitioniert gestaltete Filmbekenntnisse und statische Direktansprachen neben rauen Handykamera-Offenbarungen. Die hier sprechen, weinen, monologisieren sind Digital Natives. Und medienaffine Ureinwohner einer Welt, die sich von ihren Binärcodes nicht lösen will.

Sylvia Görke

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Internationales Programm
The Thwarted Stéphanie Vasseur, Sandrine Terragno

Geheimnisse wohnen im Reich des Unausgesprochenen. Sie erzeugen Verzagtheit und Euphorie. Aus diesen Gegensätzen erwächst hier eine kunstvoll animierte surrealistische Miniatur.

The Thwarted

Animationsfilm
Frankreich
2018
17 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fabrice Préel-Cléach
Stéphanie Vasseur, Sandrine Terragno
Stéphane Isidore
Franck Dudouet, Sandrine Terragno
Stéphanie Vasseur
Stéphane Isidore
Geheimnisse wohnen im Reich des Unausgesprochenen. Sie gleichen einer riesigen Menge Wasser, die gegen eine Staumauer drückt. Oft sind sie mit Ängsten verknüpft oder mit verzehrenden Wünschen, die einen aufregenden Besatz aus Angst haben. Manchmal kann einen ein gelüftetes Geheimnis auch das Leben kosten. Über animierten Fotocollagen aus plakativen Cut-outs erzählen neun Personen von der vielgestaltigen Macht des Verschwiegenen. Eine faszinierende surrealistische Miniatur.

Ralph Eue

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Internationales Programm
The Time of Forests François-Xavier Drouet

Ruhig und aufmerksam erkundet dieser Film die Logiken industrieller Forstwirtschaft. Monstren mit gierigen Greifarmen metzeln sich durch die Wälder. Aber es gibt auch Widerstand.

The Time of Forests

Dokumentarfilm
Frankreich
2018
103 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Raphaël Pillosio
François-Xavier Drouet
Frédéric D. Oberland
Karine Aulnette, François-Xavier Drouet, Nicolas Duchêne, Georgi Lazarevski, Colin Lévêque
Agnès Bruckert
Sylvain Copans, Nicolas Joly, Bruno Schweisguth, Emmanuelle Villard
In den Baumkronen keine Vögel, im Boden kein Getier. Ein lebloser Ort: stumm und licht und trocken. Ein Förster führt durch einen Forst im Limousin, einer Region in der südlichen Mitte Frankreichs. Was hören wir? Nichts! Höchstens den Wind, der die schmächtigen Stämme schneidet, die sich hier im einheitsmaßgenommenen Abstand zueinander in die Höhe quälen. So hört sich der Wald an, wenn er gezwungen wird, sich in den Rhythmus der globalisierten Weltwirtschaft einzuschwingen. So sieht der Wald aus, von dem die Holzindustrie träumt: Monokulturen, chemisch gedüngt, mit Pestiziden besprüht, ausschließlich dem Kahlschlag entgegenwachsend.

Ruhig und aufmerksam erkundet „The Time of Forests“ die Logiken moderner und industriestandardisierter Forstwirtschaft. Stählerne Monstren mit gierigen Greifarmen und robotischem Sound rollen durch die Wälder. Stämme fallen, werden entastet, zersägt, verladen, verfrachtet – laut, fast kreischend. Aber das traditionelle Forstmanagement und das über Jahrhunderte gewachsene Know-how einer nachhaltigen Waldpflege haben sich nicht verdrängen lassen. Es regt sich Widerstand.

Lukas Stern


Nominiert für den Healthy Workplaces Film Award

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