Filmarchiv

Bread, Revenge?

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland
2019
76 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Stefan Hayn (Stefan Hayn Filme und Malerei)
Stefan Hayn
Till Megerle
Stefan Hayn
Stefan Hayn
Klaus Barm
Der französische Widerstandskämpfer Robert Antelme fiel 1944 in die Hände der Deutschen. Er kam nach Gandersheim, ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges erlebte Antelme noch das ganze Ausmaß der Entmenschlichung im nationalsozialistischen Gewaltregime. Er schrieb darüber bald nach seiner Befreiung das Buch „Das Menschengeschlecht“, das heute ein Klassiker der Vergangenheitsbewältigung ist.

Stefan Hayn hat sich bereits in seinem Film „Straub“ (2014) mit Antelme beschäftigt. Nun geht er noch einmal ausführlicher auf eine Reihe von Texten ein, die kurz nach dem Krieg auch zu einer Debatte über die Frage des Umgangs mit der deutschen Schuld beitrugen. Hayn bezeichnet seinen Film im Vorspann als „lecture filmée“, eine „gefilmte Lektüre“: Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Texte (darunter Überlegungen über einen Brotdiebstahl unter Gefangenen) im französischen Original präsent sind, auch in der Rezitation durch Sprecher mit deutscher Muttersprache. Verschiedene Formen der „Lektüre“, die bis zu einer skizzenhaften szenischen Reinszenierung gehen, werden mit Gegenwartsaufnahmen aus heutigen Gedenkstätten zu einem vielschichtigen, im besten Sinn geschichtspolitischen Filmessay verwoben.

Bert Rebhandl

Casa

Dokumentarfilm
Frankreich
2013
54 Minuten
Untertitel: 
englische
französische

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Marc Faye, Gerald Leroux
Daniela De Felice
Matthieu Chatellier, Daniela De Felice
Alessandro Comodin, Daniela De Felice
Daniela De Felice
Daniela De Felice
Xavier Thibault
Das Haus ist vollgestopft mit Gegenständen, deren materieller Wert sich als gering erweist. Jahre nach dem Tod des Vaters beräumt die Regisseurin mit Mutter und Bruder das Familiendomizil, das einmal sozialen Aufstieg verhieß und in dem nun keiner mehr wohnen möchte. Die Erinnerungen sitzen in Alltagsresten und im Gerümpel zahlloser Kisten voller verstaubter entomologischer Exemplare. In einem ausufernden Sammeldrang hat die Mutter versucht, das Vergehen der Zeit anzuhalten. Und so umkreisen die Zwiegespräche der Familienmitglieder die Vergänglichkeit als großes Thema. Kann man Erinnerungen teilen? Was bleibt von einem Leben, wenn die nächste Generation den Dingen einen anderen Wert beimisst? Wenn die Erinnerungen zerfallen wie die Flügel der Schmetterlinge in den Vitrinen?
De Felice konzentriert sich ganz auf den Prozess des Erinnerns und die Frage, was unser Gedächtnis bewahrt. So geht es nicht um die Gesichter auf den Fotos, sondern um den Vorgang des In-die-Kamera-Haltens, Abfilmens und Kommentierens. Um die Momente des Schweigens, wenn die Kamera noch läuft. Und vor allem um die Gestalt, die unsere Erinnerungen annehmen. Hier sind es von der Regisseurin gezeichnete Tuscheaquarelle. Ganz reduziert und zart, mitunter sparsam animiert, machen sie, was nur Kunst vermag: Sie führt uns in innere Räume, wo unsere Familien weiterleben, wenn alle Artefakte längst Staub geworden sind.

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube Animierter Dokumentarfilm 2013

Death of the Serpent God

Dokumentarfilm
Frankreich
2014
91 Minuten
Untertitel: 
englische

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Xavier Pons
Damien Froidevaux
Ian Saboya
Damien Froidevaux
David Jungman
Die Vorgeschichte klingt wie ein bitterböses Märchen und ist doch gängige Praxis in Europa. Im Alter von zwei Jahren kam Koumba mit ihren Eltern aus einem senegalesischen Dorf nach Paris. 18 Jahre lang kannte sie nur die französische Hauptstadt, bis sie nach einem nächtlichen Streit auf der Polizeistation landete und innerhalb von 48 Stunden abgeschoben wurde.
Sie findet sich in jenem von der Welt abgeschnittenen Dorf ihrer Vorfahren wieder, unter Verwandten, die sie nicht kennt. Hier leben noch alte Legenden, in denen Schlangenkönige über das Schicksal der Menschen bestimmen. Der Umbruch ist ein brutaler Schock. Die „weiße Koumba“, wie sie hier – durchaus verächtlich – genannt wird, inzwischen Mutter eines unehelichen Sohnes, sitzt in der Falle. Sie reagiert, wie sie es gewohnt ist: Furchtlos und rebellisch schlägt sie um sich, stellt Forderungen und beschimpft ihre Umgebung – auch den Filmemacher, den sie egoistisch nennt.
So entsteht der Film zunächst eher gegen den verzweifelten Widerstand der Protagonistin. Doch Damien Froidevaux lässt nicht locker, gibt die Widerspenstige nicht auf. Über fünf Jahre kehrt er immer wieder aus Paris nach Senegal zurück und wird damit selbst Teil eines Bewältigungsprozesses. Koumba durchläuft eine faszinierende Persönlichkeitsveränderung und wird schließlich zur Heldin ihrer eigenen Odyssee, während zugleich die Rolle der Kamera immer bewusst bleibt.
Lars Meyer

From My Syrian Room

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland,
Libanon,
Syrien
2014
70 Minuten
Untertitel: 
englische

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Nathalie Combe, Heino Deckert, Georges Schoucair, Myriam Sassine, Hazem Alhamwi
Hazem Alhamwi
Sivan
Hazem Alhamwi, Ghassan Katlabi
Florence Jacquet
Hazem Alhamwi
Nuzha Al Nazer, Frédéric Maury
Beklemmung überfällt einen. Die Feder von Hazem Alhamwi kratzt über eine Schwarz-Weiß-Skizze, die eines Hieronymus Bosch würdig wäre. Apokalyptische Motive und zugespitzte Satire sind seine Spezialität und waren die Rettung. In einem Land wie Syrien, wo alles, selbst das Atmen – wie einer bitter kommentiert – kontrolliert wurde, brauchte es Fluchträume. Kunst, die auf Öffentlichkeit verzichtet, kann einer sein. Der Film entstand, als die Proteste im Windschatten des Arabischen Frühlings hoffen ließen, dass sich etwas ändern könnte: endlich aussprechen, was jahrzehntelang unterdrückt war und zu hohen Gefängnisstrafen geführt hätte. In Gesprächen mit Freunden und Verwandten betreibt der Regisseur Ursachenforschung, beginnend mit Kindheitserfahrungen von Propaganda und Personenkult, Anpassung und Angst. Heute, da sich die Ereignisse überschlagen, ist die hohe Zeit der schnellen Medien. Alhamwis differenzierte Töne, assoziative Motive und Ausflüge in die Bilderwelt der Kindheit haben es schwer mitzuhalten in einer Gegenwart, in der Syrien zwischen religiösen und ethnischen Interessen sowie denen des Auslands zerrieben wird. Die Stimmen aus Alhamwis Zimmer hallen nach aus einer Zeit, als Demokratisierung und Freiheit gefordert wurden. Diesen kurzen Moment, als die Opposition sich zu formieren und zu formulieren suchte, hält der Film fest. Die Zeit der Idealisten war kurz bemessen.
Cornelia Klauß
Spätlese 2019
Marona’s Fantastic Tale Anca Damian

Marona-Sara-Ana-die Neunte ist edler Abstammung, aber keine Prinzessin. Ihre Namen bekam sie von Herrchen und Frauchen. Das moderne Märchen über eine Hündin wirft Identitätsfragen auf.

Marona’s Fantastic Tale

Animationsfilm
Belgien,
Frankreich,
Rumänien
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Anca Damian
Anca Damian
Pablo Pico
Brecht Evens, Gina Thorstensen, Sarah Mazetti
Boubkar Benzabat
Dan Panaitescu, Chloé Roux, Hefang Wei, Mathieu Labaye, Claudia Ilea
Anghel Damian
Clément Badin
Marona-Sara-Ana-die-Neunte ist zwar väterlicherseits von adliger Abstammung, anmutig und schön, aber keine Prinzessin. In ihrem kurzen Leben meistert sie manche Abenteuer: Sie lernt Akrobatik und Zaubertricks, landet kurzzeitig auf der Straße und wird sogar zur Retterin in der Not. Sie ist eine Hündin. Ihre Namen bekam sie von diversen Herrchen und Frauchen. Anca Damian erzählt mit Fantasie und Humor eine berührende Geschichte.

Eine eigenwillige, surrealistisch-kindliche Ästhetik, die Kombination verschiedener Animationstechniken, starke Stilisierungen und die buntfröhliche Farbpalette verleihen den Figuren besondere Ausdruckstärke. Die Hintergründe beeindrucken als witzige und künstlerisch geprägte Wimmelbilder. Durch ungewöhnliche Perspektiven entdecken wir gleichzeitig aus vielen Blickwinkeln urbanes Treiben – wie mit allen Sinnen. Im Herzen des Films entfaltet sich ein realistisch-kritisches Stadtgesellschaftsporträt, das vor Fragen zur Beziehung zu Tieren und damit zu unseren Werten nicht zurückschreckt. Freude und Traurigkeit, Abschied und Anfang bedingen sich – auch der Tod wird sensibel mitbehandelt. Damians modernes Märchen dreht sich um Identität und Zugehörigkeit. Mit musikalischer und visueller Poesie sowie mit philosophischem Esprit feiert es – ebenso schlicht wie extravagant – die Komplexität der Existenz und die Einfachheit des Glücks.

Nadja Rademacher

National Diploma

Dokumentarfilm
DR Kongo,
Frankreich
2014
92 Minuten
Untertitel: 
englische
französische

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Marie Balducchi
Dieudo Hamadi
Dieudo Hamadi
Rodolphe Molla
Dieudo Hamadi
Dieudo Hamadi
„Lord, give me a diploma!“ So klingen die nicht gerade stillen Stoßgebete kongolesischer Schüler kurz vor der Abiturprüfung. Statt eines Mercedes Benz wie bei Janis Joplin in der amerikanischen Variante gilt hier also der höhere Schulabschluss als Schlüssel zum Glück. Ihn zu bekommen, grenzt allerdings wirklich an ein Wunder. Denn das Schulsystem ist Teil der institutionalisierten Korruption: Wer die „teachers’ fee“ nicht zahlen kann, der fliegt.
Eine Gruppe von Schülern in Kisangani lässt sich das aber nicht gefallen – unter ihnen Joël, der auch durch tägliches hartes Kistenschleppen auf dem Markt das nötige Geld nicht zusammenkriegt. Sie ergreifen die Initiative und beziehen ein leeres Haus, um sich dort selbstorganisiert und mit „kleinen Tricks“ auf die Prüfung vorzubereiten. Zwei Monate haben sie nur noch Zeit, zwei Monate, in denen sie gemeinsam leben, diskutieren, beten und singen.
Dieudo Hamadi schafft es, mit der Kamera immer mittendrin zu sein und die Gruppendynamik von innen zu zeigen. So erzählt er von der brüchigen Demokratie Kongos nicht mit Resignation, sondern mit einem Hauch von Utopie, die eine direkte demokratische Beteiligung möglich erscheinen lässt, und mit einem explosiven Finale. Wie eine echte Abifeier aussieht, weiß man erst, wenn man diesen Film gesehen hat. Dass die Schüler der Logik des Systems allerdings trotzdem nicht entkommen, verschweigt er keineswegs.
Lars Meyer

Silence Radio

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2012
52 Minuten
Untertitel: 
englische

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Isabelle Mathy, Delphine Schmit, Denis Delcampe
Valéry Rosier
Olivier Vanaschen, Mathieu Cauville
Nicolas Rumpl, Didier Vandewattyne
Valéry Rosier
Arnaud Calvar, Guilhem Donzel
Das Leben ist ein Chanson. Weiß nicht nur Alain Resnais, sondern auch die Betreiber des Bürgerradios „Puisaleine“ in der ländlichen Picardie. Wir sehen größtenteils betagte Herrschaften an den Reglern sitzen, redlich mit dem Computer kämpfen (es ertönt schon mal der falsche Song), Musikwünsche entgegennehmen, Witze erzählen und hysterisch ins Mikro kichern oder esoterische bis handfeste telefonische Lebensberatung („Verlassen Sie das Haus!“) erteilen. Ihre Hörer sitzen in Interieurs, die es bald schon nicht mehr geben wird und die hier soziologisch genau aufgezeichnet sind: zwischen Herzchenkissen, Katzenbildern, Teddys, Kunstblumen, Troddeln und barocken Schnörkeln. Sie sitzen allein auf vollautomatischen Betten, in Räumen, die viel zu groß sind und in denen nur Fotos auf dem Sims an eine Familie erinnern, die es einmal gab. Und sie hören Radio: Das Lied von den weißen Rosen oder von der Liebe, die fünfzig Jahre währte. Zu jedem Song erfahren wir eine Geschichte, von Bombennächten und brennenden Flugzeugen, von der großen Liebe oder dem Kind, das vor den Eltern starb. Und irgendwann beginnen sie zu singen.
Verlust und Einsamkeit ebenso wie ein leiser Humor durchwehen diesen zärtlichen Film, der sich mittels raffinierter Arrangements und einer sinnstiftenden Montage sicher auf dem schmalen Grat zwischen Kitsch und großem Drama bewegt. Ein Film fürs Herz, dessen Bedürfnisse nicht hoch genug zu schätzen sind.

Grit Lemke



Lobende Erwähnung im Wettbewerb für junges Kino 2013

Stop-Over

Dokumentarfilm
Frankreich,
Schweiz
2013
100 Minuten
Untertitel: 
englische

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Heinz Dill, Elisabeth Garbar, Sophie Germain, Olivier Charvet
Kaveh Bakhtiari
Kaveh Bakhtiari
Kaveh Bakhtiari, Charlotte Tourres, Sou Abadi
Was ist ein Mensch ohne Pass? Die Frage, die B. Traven in seinem Romanklassiker „Das Totenschiff“ beschäftigte, ist auch heute von erschreckender Aktualität. Das Totenschiff, das der Regisseur Kaveh Bakhtiari vorfindet, heißt Athen. Hier trifft er zufällig seinen iranischen Cousin Mohsen wieder. Doch während er selbst seit seiner Kindheit einen Schweizer Pass hat, sich frei bewegen und Grenzen passieren kann, ist Mohsen als illegaler Einwanderer gekommen. Drei Monate saß er dafür im Gefängnis. Nun hängt er fest in Athen – wie Tausende, für die Griechenland nur ein „stop-over“ sein sollte. Er wohnt mit anderen „Illegalen“ in einer Wohnung mit verhängten Fenstern. Kaveh beschließt, einzuziehen und ihre Lebensbedingungen zu teilen.
Fast ein Jahr lang begleitet er ihren Alltag, der nur auf den ersten Blick wie ein normales WG-Leben aussieht, im Kern aber geprägt ist durch Angst, Klaustrophobie und Entbehrungen. Die Tage ziehen als Schattenspiel auf dem Vorhang vorüber, während täglich Menschen für ihre Hoffnungen ihr Leben riskieren, sich Schleusern ausliefern oder Jahre auf gefälschte Pässe warten. Der Film registriert unmittelbar, wie die Hoffnungen bröckeln – eine intensive Erfahrung für den Zuschauer, denn zumindest für die Dauer des Filmes lässt auch er sich mit den Protagonisten „einschließen“. Ein mutiger Film, der spürbar macht, was sonst im Schatten der europäischen Krise verborgen bleibt.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit der Talent-Taube im Wettbewerb für junges Kino 2013

Tiny Souls

Dokumentarfilm
Frankreich,
Jordanien,
Libanon,
Qatar
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Dina Naser
Dina Naser
Ronald Heu
Dina Naser, Hasan Abu Hammad
Najwa Khachimi, Qutaiba Barhamji
Dina Naser
Antonin Dalmasso
Sie und all die anderen werden das Leben immer inspirieren, schreibt Dina Naser am Ende ihres Films über drei Kinder des Krieges in Syrien. Sie wachsen in einem Lager für Geflüchtete in Jordanien auf: Marwa ist die älteste, dann kommt ihre Schwester Ayah und schließlich Mahmoud, der Kleine. Sie haben noch sieben weitere Geschwister, aber die Familie ist auseinandergerissen worden, seit ein Bruder in Syrien nicht mehr in der Armee und damit dem Diktator Assad dienen wollte. Marwa ist die Heldin des Films. Sie wird bald groß sein oder jedenfalls von ihren Eltern als beinahe heiratsfähig betrachtet werden. Mutter und Vater achten nun darauf, dass sie nicht mehr ausgeht. Dabei hat sie doch schon einen Freund.

Dina Naser verfolgt das Geschick und den Alltag der drei Kinder über einen längeren Zeitraum, beginnend im Jahr 2014. Vorübergehend gibt die Filmemacherin ihren Protagonisten sogar eine Kamera in die Hand – für die Zeit, in der sie nicht bei ihnen sein kann. Zu vergleichen ist und darf dies sein mit der Situation geflüchteter Palästinenser im Jahr 1948, darunter Dina Nasers Vater, auf dessen Erfahrungen die Regisseurin anspielt. Damit öffnet sich ein größerer Kontext für diese zutiefst allgemein menschliche, mit vielen Details zugleich aber in den komplizierten Syrien- und Nahostkonflikt eingebundene Geschichte.

Bert Rebhandl

Village of Women

Dokumentarfilm
Armenien,
Frankreich
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Stéphane Jourdain (La Huit), Tsovinar Soghomonyan (Hayk Studio), Thierry Barbedette (TV 78)
Tamara Stepanyan
Nils Økland, Sigbjørn Apeland, Narine Harutyunyan, Grigor Narekatsi, Cynthia Zaven, Edouard Mirzoyan
Robin Fresson, Tamara Stepanyan
Olivier Ferrari, William Wojda
Harutyun Mangasaryan, Tamara Stepanyan, Jean-Marc Schick
Die Frauen geben den Ton an in diesem armenischen Dorf. Sie pflügen, bringen die Ernte ein, fahren die Traktoren. Sie kochen, sie essen zusammen, sie lachen und singen. Das Leben verläuft in einem geschmeidigen Rhythmus, obwohl ein wenig Melancholie über vielen Gesprächen zu liegen scheint. Die Abwesenheit der Männer wird im Dorf ertragen wie ein Naturphänomen. Die Frauen haben gelernt, sich zu arrangieren. Schwierigkeiten lösen sie gemeinsam. Bis auf einige Alte verbringen alle männlichen Dorfbewohner neun Monate des Jahres in Russland, um dort zu arbeiten. In Armenien fehlen die Jobs. Nur im Winter sind die Familien komplett. Schon wenn sich der Herbst verabschiedet, beginnt sich die Stimmung im Dorf zu verändern. Die Rückkehr der Männer bringt Aufregung und Freude, aber auch Unsicherheiten und Veränderungen mit sich. Nach den ausgelassenen Begrüßungsfeiern fängt ein neuer Alltag an, in dem Ehepaare plötzlich wieder beisammen sind, Kinder mit ihren Vätern spielen und die Frauen einen Teil ihrer Arbeitslast endlich wieder in anderen Händen wissen. Aber Jahr für Jahr müssen auch Verantwortlichkeiten neu aufgeteilt werden.

Regisseurin Tamara Stepanyan gelingt ein warmherziges, sehr stilsicheres Porträt einer weiblichen Schicksalsgemeinschaft, die ihre schwierigen Lebensumstände mit viel Humor, Herzenswärme und einer ordentlichen Portion gelebtem Feminismus trägt.

Luc-Carolin Ziemann
Wettbewerb für junges Kino (bis 2014) 2013
What a Fuck Am I Doing on This Battlefield Nico Peletier, Julien Fezans

Der Avantgarde-Musiker Matt Elliott in verstörender Klarheit und expressivem Schwarz-Weiß über Gott, die Welt und seine Dämonen. Ein Musikfilm mit präzisem Understatement.

What a Fuck Am I Doing on This Battlefield

Dokumentarfilm
Frankreich
2013
53 Minuten
Untertitel: 
keine

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Nico Peletier, Julien Fezans
Nico Peletier, Julien Fezans
Elliott Matt
Nico Peletier
Nico Peletier, Julien Fezans
Nico Peletier, Julien Fezans
Julien Fezans
Ein in expressivem Schwarz-Weiß gestaltetes Zeugnis mehrerer Begegnungen mit dem Musiker Matt Elliott vor, nach und während einiger Konzerte. Faszinierende Gleichzeitigkeit zwischen absoluter Direktheit und höchster Stilisierung in der Tradition der legendären Gesprächsprotokolle in Andy Warhols „Interview". Ein Musikfilm, gewiss, aber mit präzisem Understatement gegen die Versuchungen arbeitend, sich zur schlichten Verkaufsschleuse eines Produkts zu machen. Matt Elliotts Werke werden gemeinhin zwischen düsterem Folk und melancholisch-elektronischer Avantgarde verortet. Seine Alben heißen dementsprechend „Howling Songs“ oder „The Broken Man“. Mit offensichtlich großem Vertrauen hat sich der Musiker den beiden Filmemachern Julien Fezans und Nico Peltier geöffnet, und so äußert er sich in verstörender Klarheit über Gott und die Welt, die Rolle von (Alb-)Träumen und depressiven Schüben für seine Kreativität, die sympathische Verweigerung des Angry-Young-Man-Habitus im Alltag sowie seinen Hass auf politische Manipulation und Willkür. Übrigens: Das mittlere der drei Kapitel dieses Films trägt den anspielungsreichen Titel „The Howl“, der gedankliche Hakenschläge in die Literatur nahelegt. Dass einige Posen und Gesten explizit auf das expressionistische Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch verweisen, kann man mit guten Gründen vermuten.

Ralph Eue
Internationales Programm 2019
Words of Bandits Jean Boiron Lajous

In den nebeligen Felsschluchten im italienisch-französischen Grenzland gibt es eine Gemeinschaft, die Widerstand leistet. Ein Film über das Ankommen, das Weiterkommen, das Sich-Näherkommen.

Words of Bandits

Dokumentarfilm
Frankreich
2019
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Loïc Legrand
Jean Boiron Lajous
Raphael Hénard, N’dembo Ziavoula
Jean Boiron Lajous
Myriam Ayçager
Christine Dancausse, Aurélien Marsais, Hadrien Basch
Ohne Solidarität gäbe es schon lange keine Hoffnung mehr. Seit 2015 sind die Grenzen im italienisch-französischen Roya-Tal geschlossen. Vergeblich versuchen unzählige Flüchtlinge, das italienische Städtchen Ventimiglia Richtung Frankreich zu verlassen und werden immer wieder zurückgeschickt. Doch damit möchten sich die freigeistigen Einwohner dieser eigenwilligen Region nicht zufriedengeben. Gemeinsam stellen sie sich gegen das Gesetz, beherbergen junge Migrantinnen und Migranten, versorgen sie hinter dem Rücken der Polizei mit Brot – tun schlichtweg alles, um diesen Menschen eine Zukunft zu ermöglichen. In den nebeligen Felsschluchten, jenseits der großen europäischen Metropolen, gibt es also eine Gemeinschaft, die zusammenhält und einfach nur helfen möchte, Widerstand leistet – aus Liebe zu ihrer Heimat, aus Menschenliebe, aus dem solidarischen Glauben an eine Welt, in der wir friedlich zusammenleben können und für die es sich zu kämpfen lohnt. „Words of Bandits“ zeigt eine Oase der Hoffnung. Ein Film über das Ankommen und Weiterkommen und vor allem das Sich-Näherkommen.

Julia Weigl
Retrospektive 2019
Wundkanal Thomas Harlan

Fiktion oder Dokument? Vielleicht beides oder irgendetwas Monströses dazwischen. Ein alter Mann wird entführt und von seinen Kidnappern verhört. Der alte Mann ist Darsteller eines Massenmörders, der er selber ist.

Wundkanal

Dokumentarfilm
Frankreich,
BRD
1984
103 Minuten
Untertitel: 
keine

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Quasar Film, Reass Films
Thomas Harlan
Bob Wade
Henri Alekan
Patricia Mazuy
Yvette Biro, Thomas Harlan
Fiktion oder Dokument? Vielleicht beides oder irgendetwas Monströses dazwischen. Ein alter Mann wird entführt und von seinen Kidnappern verhört. Der alte Mann ist Darsteller eines Massenmörders, der er selber ist. Der Film legt nicht nur die Biografie des Protagonisten frei, sondern flicht Zusammenhänge vom Nationalsozialismus bis zum Tod der RAF-Häftlinge in Stammheim. Ansteckungsgefahr in jeder Hinsicht!

Ralph Eue