Filmarchiv

Jahr

Rules of the Game

Dokumentarfilm
Frankreich
2014
106 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Muriel Meynard, Patrick Sobelman
Claudine Bories, Patrice Chagnard
Patrice Chagnard
Stéphanie Goldschmidt
Claudine Bories, Patrice Chagnard
Benjamin van de Vielle
Es geht das Gerücht, dass der Arbeitsmarkt mutige Individualisten sucht. Aber bitte in Grenzen, versteht sich. Tatsächlich gilt: Was nicht passt, wird passend gemacht – oder aussortiert.
Lolita liegt es fern zu lächeln. Kevin weiß nicht, wie er sich verkaufen soll. Hamid kann Chefs nicht ausstehen. Sie sind zwanzig. Sie haben keine Qualifikation. Sie suchen nach Arbeit und werden sich sechs Monate lang von einer Beratungsfirma schulen lassen, um sich die Verhaltensweisen und Ausdrucksformen anzueignen, die auf dem heutigen Arbeitsmarkt gefragt sind.
Die Motive der Berater sind mehr als redlich: jungen Menschen ein anständiges Leben im gegebenen Betrieb zu ermöglichen. Für die Kids ist es eine fremde, seltsame Welt, die sich vor ihnen auftut. Beide Seiten üben sich im Praktizieren bester Absichten, aber mitunter geht trotzdem etwas zu Bruch und manchmal droht gar der Absturz.
Man kennt filmische Darstellungen über das Aufnahmeprocedere bei Schauspielschulen (u.a. „Die Spielwütigen“). Solche sicher aufregenden Situationen sind aber ein Kinderspiel im Vergleich zu dem Rollenstudium, dem sich Lolita, Kevin und Hamid zu unterziehen haben, um einen Part in der Aufführung zu bekommen, welche „(Über-)Leben im gegenwärtigen Kapitalismus“ heißt.

Ralph Eue



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm 2014

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Spartacus & Cassandra

Dokumentarfilm
Frankreich
2014
81 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Samuel Luret, Gérard Lacroix, Gérard Pont
Ioanis Nuguet
Aurélie Ménétrieux, Milk Coffee & Sugar
Ioanis Nuguet
Ioanis Nuguet, Anne Lorrière
Ioanis Nuguet
Maissoun Zeineddine, Marie Clotilde Chery, Jean-François Briand, Alexandre Gallerand, Marc Nouyrigat
Etwas sollte klar sein im Leben: dass ein Kind sich auf seine Eltern verlassen und behütet groß werden kann. Dass es ein Zuhause hat. Der 13-jährige Spartacus und seine 10-jährige Schwester Cassandra haben noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf, als die Unterkunft der rumänischen Roma-Familie im französischen Saint-Denis abbrennt. Während sie mit staatlicher Unterstützung Zuflucht bei der jungen Trapezkünstlerin Camille finden, geht die Spirale für ihre Eltern weiter abwärts. Die eine Seite bietet Sicherheit, Bildung und eine Kindheit jenseits der Straße. Auf der anderen wartet ein Teufelskreis aus Armut, Alkohol, Selbstmitleid und Handlungsunfähigkeit. Spartacus und Cassandra müssen sich entscheiden. Es ist mehr als die alte Frage, ob man sich aus schwierigen Verhältnissen befreien kann. Wie kann sich ein Kind von seinen Eltern lösen?
In flirrenden, traumverlorenen Bildern und einer impressionistischen Montage lässt Ioanis Nuguet die Kinder schweben zwischen einer Herkunft, die sie nicht abschütteln können, und einer Zukunft, die ihnen nicht ohne Weiteres offensteht. Ein kaukasischer Kreidekreis, an dessen Ende – wie bei Brecht – so etwas wie Hoffnung steht. Aber auch ein bitterer Rap von Spartacus, der klar macht, dass dieses Problem kein privates ist.

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit dem Preis der Fédération Internationale de la Presse Cinématographique 2014

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The Stone River

Dokumentarfilm
Frankreich,
Italien
2013
88 Minuten
Untertitel: 
keine
Credits DOK Leipzig Logo
Giovanni Donfrancesco, Estelle Fialon
Giovanni Donfrancesco
Piero Bongiorno, Olivier Touche
Giovanni Donfrancesco
Giovanni Donfrancesco, Thomas Glaser, Pauline Dairou, Muriel Breton
Federico Cavicchioli
Geschichte sei das, was früher war, sagt man. Sie lässt sich als Längs- oder Querschnitt abbilden. Mancher denkt sie länglich, für andere ist sie ein Haufen. Der italienische Regisseur Giovanni Donfrancesco wiederum betrachtet Geschichte als ein verzweigtes Netz lebendiger Adern, die bis in die Gegenwart reichen. Über eine dieser Adern ist Carrara in den Apuanischen Alpen aufs Engste verknüpft mit dem amerikanischen Barre. Im frühen 20. Jahrhundert waren viele verarmte italienische Marmorsteinmetze und Bildhauer über den Atlantik zu den Granitbrüchen in Vermont gezogen, wo sie hofften, besser leben zu können. Doch im Steinbruch wird man nicht alt. Binnen Kurzem starben viele der Arbeitsmigranten an Silikose, auch Staublunge genannt. Während der Krise der 30er Jahre befragten Schriftsteller die Steinbrecher von Barre, damit deren mündliche Zeugnisse einflössen in das große Projekt der Roosevelt-Administration, ein Bild von Amerika während der Großen Depression zu geben. Ähnlich titanenhaft ist Donfrancescos aktuelles Vorhaben: Er verknüpft Erzählungen der damaligen, vorgetragen mit den Stimmen heutiger Bewohner von Barre zu mächtigen Bild- und Tonfolgen, die zum veritablen Fresko aus vielschichtigen individuellen und sozialen Wirklichkeiten werden – zwischen Entbehrung und Stolz, persönlichen Tragödien und utopischen Hoffnungen.
Ralph Eue

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Fidaï

Dokumentarfilm
Algerien,
China,
Frankreich
2012
83 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Mathieu Mullier, Kafard Films
Damien Ounouri
Matthieu Laclau
Mary Stephen
Li Dan-Feng
Als 1954 der algerische Unabhängigkeitskrieg ausbrach, war El Hadi, der Protagonist dieses klug gebauten Films über das Töten in Zeiten des Kriegs, gerade einmal 14 Jahre alt. Sechs Jahre später war er ein Fidai, ein Kämpfer der algerischen Befreiungsfront FLN, in deren Auftrag er in Paris zwei Attentate durchführte. El Hadi war ein Freiwilliger, sein Motiv denkbar einfach: Kolonialismus ist unerträglich. 50 Jahre später greift der Regisseur Damien Ounouri die Geschichte seines Onkels El Hadi auf und zusammen beginnen sie eine Reise in dessen Vergangenheit. Vieles ist da zunächst verschüttet. Doch kehren die Erinnerungen langsam zurück, als sie in Paris die Orte seiner Attentate aufsuchen. Dort drückt der Regisseur seinem Onkel eine Waffe in die Hand: Ich bin dein Ziel. Zeig mir, wie du ihn erschossen hast. Und El Hadi nimmt die Pistole, die sich zunächst so fremd anfühlt wie seine Erinnerungen, dann lädt er durch und durchlebt die entscheidenden Momente erneut. Dem Opfer folgen, Pistole an den Kopf halten, abdrücken, flüchten. In diesem Moment zielt er nicht auf seinen Neffen, sondern auf den Verräter, den seine Vorgesetzten zum Tode verurteilt haben. Mag diese Situation auch hergestellt sein, El Hadis Gefühlswelt ist es in diesem Moment nicht. Diese filmische Methode funktioniert wie eine Zeitmaschine, die das Terrain für die entscheidende Frage bereitet: Hast du damals richtig gehandelt? Damien Ounouri folgt dieser Frage an seinen Onkel mit Respekt, eingebunden in den geschichtlichen Kontext der anti-kolonialen Bewegungen der 1960er Jahre und seiner zahllosen Opfer. Da ist nicht der Hauch eines Vorwurfs oder von Rechtfertigung. Nur ernsthafte Erinnerungsarbeit.

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Like Stone Lions at the Gateway Into Night

Dokumentarfilm
Frankreich,
Griechenland,
Schweiz
2012
87 Minuten
Untertitel: 
englische
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Pierre-Alain Meier, prince Film SA
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat, Eleni Gioti
Aris Athanassopoulos
Der langsame Travelling-Shot entlang einer Steinmauer, die nur ab und zu durch Öffnungen im Mauerwerk den Blick auf das azurblaue Meer dahinter freigibt, lässt zunächst an eine antike Ausgrabung denken. Der Eindruck täuscht, wir befinden uns im Jahr 1948. Die Welt steht noch unter dem Schock des Kriegsgeschehens, da brechen in Griechenland alte Fronten auf und ein brutaler Bürgerkrieg beginnt. Die Kommunistische Partei und die Nationale Befreiungsfront, die eben noch die Faschisten in einem aufreibenden Partisanenkrieg bekämpft haben, werden verboten und 80.000 Griechen auf karge Inseln wie Makronisos deportiert. Aus dem knarzenden Lautsprecher ertönen perfide Verbote und das Mantra der zehn Gebote, die das Abschwören vom Kommunismus und den patriotischen Einsatz für „Gott, Vaterland und Freiheit“ einfordern. Das Ziel: Umerziehung. In Wahrheit wird psychischer Terror ausgeübt, der einhergeht mit Schikane und Folter. Aber die Mauern von Makronisos sind nicht stumm. In den Ritzen waren Gedichte der vielen Dichter, wie Yannis Ritsos, Tassos Livaditis und Mikis Theodorakis, die hier interniert waren, versteckt. Mit ihren sehnsuchtsvollen Metaphern und ihrer kraftvollen Poesie versuchten sie sich gegen die plumpe Propaganda zu stemmen, die penetrant über das Zeltlager hinweg tönte. In seiner strengen und konsequenten Komposition lässt der Schweizer Regisseur Oliver Zuchuat die Texte hart aufeinanderprallen und für sich sprechen.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit dem Preis der Ökumenischen Jury 2012

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