Filmarchiv

Best of MDR
Biblioteka – Von Büchern, einsamen Frauen und einem Leser Ana Tsimintia

Man quatscht, schreit, hämmert auf einem Klavier, isst, trinkt und knallt mit Türen. Und es gibt mehr Bibliothekarinnen als Leser in der kleinen georgischen Bücherei.

Biblioteka – Von Büchern, einsamen Frauen und einem Leser

Dokumentarfilm
2014
54 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Mikheil Svanidze, Bernardas Andriushis, Ana Tsimintia
Ana Tsimintia
Nika Pasuri
Ana Tsimintia
Ana Tsimintia, Bernardas Andriushis
Ana Tsimintia
Sigitas Motoras
Dr. Claudia Schreiner
Es muss erfüllendere Berufe geben als den der Bibliothekarin in der städtischen Bücherei von Zugdidi in Georgien. Im Grunde würde man bei dem, was in „Biblioteka“ gezeigt wird, erst einmal nicht vermuten, dass diese Frauen arbeiten, und dass es sich bei ihrem Arbeitsplatz um eine Bibliothek handelt. Die Anzahl der Mitarbeiterinnen scheint die der Besucher bei Weitem zu übersteigen. Es wird gequatscht, getratscht und geschrien, irgendjemand hämmert auf einem Klavier herum, in den Lesesälen wird gegessen und getrunken, Türen werden geknallt – wahre Dramen spielen sich ab in einer Einrichtung, die doch von Stille und Konzentration geprägt sein sollte. All das Ungewöhnliche und Aufgeregte überspielt streckenweise, wie es denn eigentlich um die Bibliothek steht. Doch in kleinen Pausen inmitten des Gepolters oder beim Anblick der teils baufälligen Räume mit bröckelndem Putz und blankem Betonboden wird es deutlich: Dieser Ort ist ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus einem anderen System, einer anderen Zeit. Vielleicht stellt er lediglich noch einen Treffpunkt für die Bibliothekarinnen dar, die ohne diesen Ort auch nichts anderes wären als Überbleibsel.

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
The Ruler Shalva Shengeli

Ein Dorf in Georgien, ein Kloster und eine Stalin-Statue. Soll sie den Nonnen weichen oder darf sie bleiben? Mörder, Religionsgegner oder gutes altes Väterchen? Absurde Komödie.

The Ruler

Dokumentarfilm
2014
53 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Nino Chutkerashvili
Shalva Shengeli
Zurab Javakhia
Giorgi Sigua
Beka Gersamia
Shalva Shengeli, Nino Chutkerashvili
Paata Godziashvili
Stalin und die Kirche? Im georgischen Tsromi steht er davor rum. Zwar ist seine Aura abgeblättert, die rechte Hand kam ihm ebenso abhanden wie das einstige Reich, und sein Blick schweift nur über Kühe und Gänse auf der staubigen Dorfstraße – doch immerhin hatte man ihn ein halbes Jahrhundert lang in Ruhe gelassen. Bis ein Nonnenkloster nicht nur das einstige Kulturhaus, sondern auch die Kirche samt Hof beansprucht und Stalin weichen soll. Die Emotionen schlagen hoch: Kann man es den Nonnen zumuten, mit einem Mann, der die Religion erbittert bekämpfte, quasi unter einem Dach zu leben? Aber trug nicht die Kolchose seinen Namen, und war damals nicht alles besser? War er ein Mörder? Hatten sich die Dorfmädchen nicht alle in ihn verliebt, als er einst in Tsromi weilte? Ist es an der Zeit, Buße zu tun – oder wäre eine Disko nicht besser als ein Kloster?
In pittoresken Bildern und mit dem absurden Humor georgischer Komödien umkreist Shalva Shengeli einen Mythos. Im Reich des Homo Sovieticus, wo „Führer“ zu religiösen Lichtgestalten verklärt werden, man heute Stalin-Bilder neben Ikonen aufreiht und die orthodoxe Kirche kürzlich einen Stalin-Kalender veröffentlichte, fragt er nach dem Umgang mit der Vergangenheit, wenn die Gegenwart nicht allzu rosig aussieht. Väterchen Stalin aber bekommt einstweilen eine neue Hand, um den Seinen den Weg zu weisen …
Grit Lemke

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