Filmarchiv

Francofonia

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland,
Niederlande
2015
87 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Pierre-Olivier Bardet, Thomas Kufus, Els Vandevorst
Alexander Sokurov
Murat Kabardokov
Bruno Delbonnel
Alexei Jankowski, Hansjörg Weissbrich
Alexander Sokurov
André Rigaut, Jac Vleeshouwer
Sein Schaffen zählt zum Eigenwilligsten, das das (russische) Kino in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. In „Francofonia“ finden die Idiosynkrasien des „grand auteur“ Alexander Sokurov zu neuen Dimensionen. Eine animiert-fiktionale Dokumentar-Essay-Collage aus historischem Archiv- wie Reenactment-Material zur bewegten Geschichte rund um den Pariser Louvre ist das Resultat, mit Skype-basierter Container-Philosophie, drohnengetriebener Vogelschau auf die Welt von heute und persönlich eingesprochenen (nur wenig raunenden) Kommentaren zur ewig währenden Beziehung von Kunst und Krieg, Humanismus und Macht sowie (Kultur-)Erbe und Ideologie.

Während Hitler in Frankreich einmarschiert (man kennt das aus Ophüls‘ „Le Chagrin et la Pitié“) und Franz Graf von Wolff-Metternich mit Louvre-Direktor Jacques Jaujard über die Evakuierung von Kulturgut im Sinne der „Kunstschutz“-Verpflichtung kollaboriert, schauen aus dem Jenseits mal Frau Marianne, mal Herr Bonaparte zur Tür herein … Oder die beiden russischen Unsterblichen tauchen auf, Tolstoi und Tschechow, jedoch am Sterbebett …

Die großen Nationen, ihr Geist (und ihre Geister), Europa und die Kunst, die Welt und ihr Verbleib. Es sind wilde Assoziationsketten, die hier ausgeworfen werden, und doch ist Sokurov darin ganz bei sich. Erstaunlich angesichts der Wellen, die dem kontemplativen Kunstschaffenden gerade heute entgegenschlagen.

Barbara Wurm

Under the Sun

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Deutschland,
Nordkorea,
Russland
2015
110 Minuten
Untertitel: 
englische

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Natalya Manskaya, Simone Baumann, Filip Remunda
Vitaly Mansky
Kārlis Auzāns
Alexandra Ivanova, Mikhail Gorobchuk
Andrej Paperny
Vitaly Mansky
Evgeniya Lachina, Anrijs Krenbergs
Nordkorea will die beste aller Welten sein. Für alle und alles ist gesorgt. Pjöngjang ist eine saubere moderne Großstadt. Die 8-jährige Zin-mi, die im Mittelpunkt des Films steht, führt durch die Stationen einer glücklichen Kindheit: die Aufnahme in die Pionierorganisation, stramme Fahnenappelle, ausreichend zu essen und immer ein Lied zur Huldigung des Großen Führers Kim Jong-un auf den Lippen.

Der russisch-ukrainische Regisseur Vitaly Mansky erhält die offizielle Genehmigung, ein Jahr lang den Alltag in Stadt und Land zu dokumentieren. Er weiß, dass er instrumentalisiert wird und kehrt den Spieß kurzerhand um, indem er das Zustandekommen der Inszenierungen und Arrangements freilegt. Sein offizieller Aufpasser erweist sich dabei als veritabler „Ko-Regisseur“. So sind es die vermeintlichen Details und Nebensächlichkeiten, zu deren Entdeckung Mansky auffordert. Sie geben Einblick in eine dressierte, stumpf gewordene Gesellschaft. Obwohl man sich in „1984“ wähnt, ist Mansky weder als Voyeur noch als Zyniker gekommen. Hinter den Masken der offiziellen Verlautbarungen sucht die Kamera das Menschliche: ein Gähnen oder einen Moment der Unsicherheit in diesem Land der immer aufgehenden Sonne.

Cornelia Klauß