Filmarchiv

Internationales Programm 2017
Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow Claus Withopf

Bild- und wortgewaltiger Einblick in Leben und Arbeit der New-Wave-Ikone, deren Songs bis heute die Tanzflächen füllen – auch wenn man sie selbst auf der Straße vermutlich übersehen würde.

Anne Clark – I’ll Walk Out Into Tomorrow

Dokumentarfilm
Deutschland
2017
81 Minuten
Untertitel: 
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Gerd Haag (TAG/TRAUM Filmproduktion), Mike Beilfuss (Kinescope Film), Torsten Frehse (Neue Visionen Filmproduktion), Claus Withopf (Claus Withopf Filmproduktion)
Claus Withopf
Nina Werth, Daniel Meinl, Claus Withopf
Christopher Tworuschka, Claus Withopf
Claus Withopf
Michel Klöfkorn, Johannes Grehl, Hagen Röhrig
Anne Clark entzieht sich Kategorien und Klischees. Sie selbst sieht sich als Lyrikerin und Spoken-Word-Künstlerin. Weltweit wird sie als Pionierin der elektronischen Musik und des New Wave gefeiert und gilt vielen sogar als Wegbereiterin des Techno. Sozialisiert mit der Do-it-yourself-Punk-Ethik der späten 1970er Jahre, wurde sie schon früh selbst aktiv, auch wenn es nicht immer leicht war, sich in der von Männern dominierten Musikszene zu behaupten. Bereits die ersten Single-Auskopplungen „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ gerieten zu Klassikern und beeinflussten Generationen von Musikern.

Ungeachtet ihres Kultstatus ist Clark eine nahbare und sympathische Person geblieben, die hier einen tiefen Einblick in ihre Arbeitsweise gibt und sich mit großer Klarheit auch zu gesellschaftspolitischen Themen äußert. Der Film verwebt die Gespräche mit Archivaufnahmen und Konzertmitschnitten und stellt mit grafischen Mitteln immer wieder die Sprache selbst in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. So entfaltet er nach und nach die Besonderheiten von Clarks Werk, das musikalisch wie literarisch absolut eigenständig ist, ohne sich jemals im L’art pour l’art zu verlieren. Dieses Porträt lädt dazu ein, Anne Clark als herausragende Künstlerin (neu) zu entdecken. Nicht zuletzt ist es ein schönes Plädoyer dafür, sich weder persönlich noch künstlerisch verbiegen zu lassen.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts
Internationales Programm 2017
Bohemia, IA Angelo Wemmje

90 Prozent des „Mais-Staates“ Iowa werden landschaftlich genutzt. Das brandmarkt die hier in den Vordergrund gerückten „Eingeborenen“ aber noch lange nicht als weltfremde Landeier.

Bohemia, IA

Dokumentarfilm
Deutschland,
USA
2017
30 Minuten
Untertitel: 
keine

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Angelo Wemmje (Kunsthochschule für Medien Köln)
Angelo Wemmje
Angelo Wemmje
Angelo Wemmje
Angelo Wemmje
90 Prozent des „Mais-Staates“ Iowa werden landwirtschaftlich genutzt. Das brandmarkt die hier in den Vordergrund gerückten „Eingeborenen“ aber noch lange nicht als weltfremde Landeier. Sie machen Musik und Polaroidfotos, schauen sich auf YouTube Vorträge über Quantenphysik an oder diskutieren darüber, ob nun Elvis oder Picasso mehr „goth“ ist. Aus dem Maisfeld ertönt Buddy Hollys „Listen to Me“ – und das Iowa-Attribut „Swing State“ hat plötzlich einen anderen Klang.

Esther Buss

Das Bett

Animationsfilm
Deutschland
2017
5 Minuten
Untertitel: 
englische

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Christina Marx (Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF)
Lydia Günther
Lucia Martínez
Lydia Günther
Lydia Günther
Lydia Günther
Lydia Günther
Jerome Huber
Eine Taube, ein Stummer, ein Blinder und eine Hinkende im frivolen Liebesreigen. Die körperlichen Einschränkungen führen zu Irrungen und Wirrungen. Am Ende schlägt jedoch die Lust für alle einen Vorteil daraus. In Lydia Günthers grotesker, komischer Welt lieben sich (nicht gerade schöne) Puppenfiguren mit Leiden und Leidenschaft durch einen beschwingten Cocktail von Animationstechniken.

André Eckardt
Internationales Programm 2017
Der fordernde Blick Moana Vonstadl

„Ich seh’, ich seh’, was du nicht siehst. Und du wirst es auch niemals sehen.“ Thematisiert wird die Anziehung und Verweigerung des Fremden – wie in einem Reisebericht aus dem Niemandsland.

Der fordernde Blick

Animationsfilm
Deutschland
2017
8 Minuten
Untertitel: 
englische

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Moana Vonstadl
Caroline McCarthy
Moana Vonstadl
„Ich seh’, ich seh’, was du nicht siehst. Und du wirst es auch niemals sehen.“ Thematisiert wird die Anziehung und Verweigerung des Fremden – wie in einem Reisebericht aus dem Niemandsland. Die dichte Erzählspur ist inspiriert von Texten über Fremdheit und Exotismus. Moana Vonstadl arbeitet in Dichotomien: Schwarz und Weiß, ein Körper und seine Überzeichnungen, die Omnipräsenz der Erzählstimme und visuelle Assoziationsfreiräume durch fließende Striche und sich entfaltende Zeichnungen.

Nadja Rademacher
Internationales Programm 2017
Die fünfte Himmelsrichtung Martin Prinoth

Ein Familienfilm über die Suche nach der leiblichen Mutter, nach Wurzeln, nach der eigenen Identität. Die Spuren führen in die Dolomiten, nach Brasilien und sogar auf den Grund des Meeres.

Die fünfte Himmelsrichtung

Dokumentarfilm
Deutschland,
Italien
2017
78 Minuten
Untertitel: 
englische

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Martin Prinoth, Valerio B. Moser, Andreas Pichler
Martin Prinoth
Max Andrzejewski, Marco Mlynek
Jytte Hill
Martin Prinoth
Martin Prinoth, Akın E. Şipal
Martin Prinoth
Das Drama spiegelt sich in geologischen Dimensionen, in urgeschichtlichen Tiefen. Woher kommt die Sehnsucht des Menschen zu erfahren, wie die Welt entstand? Woher kommen wir? In den Gesteinen aus der Tiefe des Ozeans steckt der Sternenstaub, die Urmaterie, die Antwort auf die Frage. Der Ursprung allen Lebens lässt sich erforschen. Der Ursprung eines ganz bestimmten Lebens jedoch nicht unbedingt.

Martin Prinoth hat seinen Film bis auf den Meeresgrund gebracht – dorthin, wo das Urgestein liegt. Und dorthin, wo die Leiche seines Cousins Georg sank, als der 2009 bei einem Flugzeugabsturz über dem Atlantik ums Leben kam. Georg war ein Adoptivkind, genau wie sein Bruder Markus. Sie wurden in Brasilien geboren und zogen als kleine Kinder in ein Dorf in den Dolomiten – ohne jede Kenntnis über ihre Herkunft, ohne zu wissen, wer ihre leiblichen Mütter waren oder sind. Mit besonderer Sensibilität und Aufmerksamkeit begibt sich die „Die fünfte Himmelsrichtung“ auf die Suche nach den Wurzeln und der Identität seiner Protagonisten – von Südtirol bis nach Brasilien und schließlich bis auf den Grund des Meeres.

Lukas Stern


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts
Internationales Programm 2017
Die neuen Kinder von Golzow Simone Catharina Gaul

Die Kinder lernen Angeln, gehen zu Übungen der Freiwilligen Feuerwehr und singen deutsche Kinderlieder. Ein unaufgeregter Blick auf den Integrationsalltag syrischer Flüchtlinge im Oderbruch.

Die neuen Kinder von Golzow

Dokumentarfilm
Deutschland
2017
90 Minuten
Untertitel: 
englische

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Arek Gielnik, Dietmar Ratsch
Simone Catharina Gaul
Hannah von Hübbenet
Niclas Reed Middleton
Jan Bihl
Simone Catharina Gaul
Dominik Leube, Oscar Stiebitz
In Golzow, einem kleinen Ort im brandenburgischen Oderbruch, gibt es ein Filmmuseum. Denn hier entstand unter dem Titel „Die Kinder von Golzow“ zwischen 1961 und 2007 eines der umfangreichsten Langzeitprojekte der Filmgeschichte – eine Chronik der Bewohner, von ihrer Einschulung bis weit nach der Wende. Fast wäre die Schule mittlerweile geschlossen worden. Denn auch in Golzow ist zu spüren, was die Region im Allgemeinen betrifft: Die Menschen ziehen in die Städte, Geschäfte schließen, die Gesellschaft altert und wächst auseinander.

Aber es kommen neue Kinder nach Golzow – die Kinder syrischer Flüchtlingsfamilien. Völlig unaufgeregt und mit einem scharfen Blick für die Schönheit des Situativen leuchtet Simone Catharina Gauls Film den Integrationsalltag auf dem Land aus. Die Neuankömmlinge lernen Deutsch und Angeln, gehen zu Übungen der freiwilligen Feuerwehr und singen deutsche Kinderlieder. „Das schönste Bild: eine Schule mit Kindern“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde einmal und deutet auf den Pausenhof hinter ihm. Tatsächlich, es ist das schönste Bild! Denn in ihm kommt „Die neuen Kinder von Golzow“ auch wieder dort an, wo „Die Kinder von Golzow“ 1961 begann.

Lukas Stern


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts
Internationales Programm 2017
Die Wirkung des Geschützes auf Gewitterwolken Juliane Jaschnow, Stefanie Schroeder

Wellen, Stürme und Tornados steuern auf Deutschland zu – das wissen alle: der Wetterbericht, YouTube und Spielentwickler.

Die Wirkung des Geschützes auf Gewitterwolken

Dokumentarfilm
Deutschland
2017
30 Minuten
Untertitel: 
englische

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Juliane Jaschnow, Stefanie Schroeder
Juliane Jaschnow, Stefanie Schroeder
Juliane Jaschnow, Stefanie Schroeder
Juliane Jaschnow, Stefanie Schroeder
Juliane Jaschnow, Holger Reissig, Stefanie Schroeder
Wellen, Stürme und Tornados steuern auf Deutschland zu – das wissen alle: der Wetterbericht, YouTube und Spielentwickler. Klimaszenario wird zu Windbeutelei, überall fluten Daten, stürmt Scheiße oder strömen Flüchtlinge. Überall (Lust an der) Angst. Ein filmischer Vermittlungsversuch zwischen Troposphäre und Tropus.

Carolin Weidner
Internationales Programm 2017
Error 404 Kays Khalil

Was wuchert da im leeren Raum? Am 17. Dezember 2010 verbrennt sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in aller Öffentlichkeit – der Arabische Frühling setzt sich in Gang, beginnt zu wuchern, auszuufern.

Error 404

Animadok
Deutschland
2017
7 Minuten
Untertitel: 
englische

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Kays Khalil
Kays Khalil
Rudi Hochrein, Marcus Tronsberg
Kays Khalil
Kays Khalil, Kazim Emrah Akal
Kays Khalil, Kazim Emrah Akal
Kays Khalil
Rudi Hochrein
Was wuchert da im leeren Raum? Am 17. Dezember 2010 verbrennt sich der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in aller Öffentlichkeit – der Arabische Frühling setzt sich in Gang, beginnt zu wuchern, auszuufern. Ein Animationsschnelldurchlauf durch die Innenarchitektur der Revolution in der modernen Welt, hinein in den gespreizten Charakter des Ereignisses: vom Boden des Planeten in die digitale Enträumlichung.

Lukas Stern
Internationales Programm 2017
Good Night, Everybuds! Benedikt Hummel

In den wiegenden Wogen der sanften Musik legt sich die Welt wohlig zur Ruhe. Der Kaktus schläft, die Schlange schläft, das Tennis schläft. Die Nacht der Liebenden beginnt.

Good Night, Everybuds!

Animationsfilm
Deutschland
2017
5 Minuten
Untertitel: 
englische

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Stefan Michel
Benedikt Hummel
Andreas Pfeiffer
Benedikt Hummel, Matisse Gonzalez Jordan
Lena Beck
In den wiegenden Wogen der sanften Musik legt sich die Welt wohlig zur Ruhe. Der Kaktus schläft, die Schlange schläft, das Tennis schläft. Die Nacht der Liebenden beginnt. Sinne kneten Körper und rollen sie zu anschmiegsamen Flächen aus. Das Verlangen halfpipet im Skatepark der Berührungen. Den legt Benedikt Hummel mit warmen Farben im Mondlicht an und lässt mit einem Augenzwinkern passieren, was schön ist.

André Eckardt

Greater Than

Animationsfilm
Deutschland,
Schweiz
2017
9 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Roland Fischer
Kate Haase, Sebastian Hühnel
Verena Marisa
Sebastian Hühnel
Kate Haase
Kate Haase, Sebastian Hühnel
Kate Haase, Sebastian Hühnel
Lukas Fuchs
Wer aus seinem schützenden Kokon ins gleißende Licht der Außenwelt tritt, geht ein Wagnis ein. Vor allem, wenn die Welt aus langen, stelenartigen, weißen Gebilden besteht, die sich unberechenbar bewegen und einen zu erfassen drohen. Hier trifft Herma auf eine weit größere Kreatur, die ihre eigene Sprache spricht. Beiden gelingt es, je eine Stele zu erklimmen. Kann ihr sonderbarer Dialog trotz der Entfernung fortgeführt werden? Stilisierte Puppenanimation über Selbstbefreiung und ihre Grenzen.

Nadja Rademacher
Internationales Programm 2017
Joe Boots Florian Baron

Joe verlässt die Highschool, um zum Militär zu gehen. Er ist noch keine 20, als er in den Irakkrieg zieht und feststellt: das ist kein Spiel. Der Film findet Bilder für Joes innere Zustände nach der Rückkehr.

Joe Boots

Dokumentarfilm
Deutschland,
USA
2017
29 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Florian Baron
Florian Baron
Fatima Camara, Jana Irmert
Johannes Waltermann
Maja Tennstedt
Florian Baron
Jana Irmert, Linus Nickl, Nils Vogel-Bartling
Joe verlässt die Highschool, um zum Militär zu gehen. Die Terroranschläge des 11. September haben Feindbilder geschaffen und Militärgeräte üben eine große Faszination aus. Er ist noch keine 20, als er in den Irakkrieg zieht und feststellt: Das ist kein Spiel. Der Film findet Bilder für Joes innere Zustände nach der Rückkehr: ohne Kontakt zur Umgebung und zu sich selbst lassen ihn die Erlebnisse nicht los. In der Kraft seiner Erzählungen wird die Sinnlosigkeit all dieser Kriegseinsätze greifbar.

Leopold Grün

Link

Animationsfilm
Deutschland
2017
8 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Robert Löbel
Robert Löbel, Anne-Lou Erambert, Dante Zaballa, Olivia Blanc, Guille Comin, Kathy Würbs
David Kamp
Der eine so, der andere so. Obwohl am Kopf durch einen gemeinsamen Haarschopf verbunden, gehen die Gedanken von zwei Figuren doch sehr unterschiedliche Wege. In der akrobatischen Abnabelungsgeschichte von Robert Löbel will das gemeinsame Band nicht reißen und dehnt sich und knarzt sich gummihaft zu höchst sonderbaren Verwicklungen und überraschenden Lösungen.

André Eckardt

Machines

Dokumentarfilm
Finnland,
Deutschland,
Indien
2016
71 Minuten
Untertitel: 
englische

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Rahul Jain, Thanassis Karathanos, Iikka Vehkalahti
Rahul Jain
Rodrigo Trejo Villanueva
Rahul Jain, Yaël Bitton
Susmit Nath, Adrian Baumeister
Geisterhaft sind die Bewegungen der Kamera, denn sie schwebt körperlos durch die Fabrik. Auch was sie sieht, ist surreal: infernale Feuer und Stoffbahnen, die fallen wie Wasser. Es lärmt, es ist dunkel, doch auf dem Rücken des bildgierigen Wesens bewegt man sich zügig durch die Räume. Was es sucht, ist unklar. Manchmal versteckt es sich auch, hockt in einer Ecke, lauert auf die Arbeiter, die es nicht zu bemerken scheinen. Feuchte überall, Flüssigkeiten und Tinkturen und Schweiß. Und Geräusche von rollenden Walzen. Eine Textilfabrik im indischen Bundesstaat Gujarat, wohin niemand kommt, der nicht unbedingt muss. Immerhin gibt es hier noch Arbeit, aber sie ist schlecht bezahlt, und von Gewerkschaftsstrukturen keine Spur. „Gujarat füttert die Bäuche der Armen“, heißt es im Film.

Carolin Weidner


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award
Internationales Programm 2017
Man of Smoke Marko Mijatović, Luka Papić

„Die Prostituierte“, „Die Drogenabhängige“, „Schwuler“, „Die Hündin“ – so heißen die populärsten Gedichte des 75-jährigen Freizeit-Lyrikers Slobodan Stevanović.

Man of Smoke

Dokumentarfilm
Deutschland,
Serbien
2017
32 Minuten
Untertitel: 
englische

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Marko Mijatović, Kristina Konrad (weltfilm GmbH)
Marko Mijatović, Luka Papić
Luka Papić, Marko Mijatović
Luka Papić, Marko Mijatović
Luka Papić, Marko Mijatović
Luka Papić, Marko Mijatović
„Die Prostituierte“, „Die Drogenabhängige“, „Schwuler“, „Die Hündin“ – so heißen die populärsten Gedichte des 75-jährigen Freizeit-Lyrikers Slobodan Stevanović. Und Popularität – das ist in der serbischen Provinz nicht anders als überall sonst auch – misst sich an den Klickzahlen. Via YouTube schicken Slobodan und sein Sohn Bojan die Werke in die Welt hinaus. Die Poesie erschließt sich neue Räume, während in den alten nebenan der Röhrenfernseher flackert und die Cevapcici brutzeln.

Lukas Stern
Internationales Programm 2017
Montags in Dresden Sabine Michel

Wer sind die Menschen, die wöchentlich in Dresden auf die Straße gehen? Um was geht es ihnen wirklich? Mit offenem Interesse fragt Sabine Michel nach den Denkweisen von Pegida-Anhängern.

Montags in Dresden

Dokumentarfilm
Deutschland
2017
83 Minuten
Untertitel: 
englische

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Susann Schimk
Sabine Michel
Martin Langner
Vinzent Kutsche
Johannes Schneeweiß
94 Konserven, 60 Packungen Dosenwurst, Klopapier-Reserven bis unter die Decke und mehrere Plastikboxen mit Instantkaffee. Sabine Ban, eine junge, alleinerziehende Mutter, hat vorgesorgt – für den Fall einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Russland oder, und das scheint ihr das wahrscheinlichere Szenario zu sein, eines Bürgerkrieges im eigenen Land. Seit Oktober 2014 finden in Dresden wöchentlich Demonstrationen statt. Unter dem Bekenntnisbegriff „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz: Pegida, haben sich zahlreiche Menschen formiert, um ihren Protest gegen die Bundesregierung auf die Straßen zu tragen. Sabine Ban ist eine von denen, die regelmäßig zu den Kundgebungen kommen.

„Wer geht hier und aus welchen Gründen auf die Straße? Und um was geht es ihnen wirklich?“, fragt die Regisseurin Sabine Michel zu Beginn ihres Films. Um das herauszufinden, hat sie drei überzeugte Pegida-Anhänger der ersten Stunde begleitet, darunter auch das ehemalige Mitglied im Organisationsteam René Jahn. Mit offenem Interesse an Alltag und Denkweisen ihrer Protagonisten rückt ihr Film ganz dicht an jene Phänomene heran, die oft nur noch in dauerschwirrenden Begriffen stillgestellt scheinen: Wutbürger, Lügenpresse, die Abgehängten, die Eliten.

Lukas Stern


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, Filmpreis "Leipziger Ring"
Internationales Programm 2017
Nachlass Christoph Hübner, Gabriele Voss

Wie sind die Anschlüsse zwischen damals und heute denkbar? Wie schwer wiegt ein Foto des eigenen Vaters in SS-Uniform? „Nachlass“ gibt uns die Ahnung eines Gefühls dafür.

Nachlass

Dokumentarfilm
Deutschland
2017
108 Minuten
Untertitel: 
englische

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Christoph Hübner Filmproduktion
Christoph Hübner, Gabriele Voss
Gilad Hochman
Christoph Hübner
Gabriele Voss
Christoph Hübner, Gabriele Voss
Stefan Korte
Adi Kantor zeigt uns Fotos, die sie in Auschwitz geschossen hat – von den hoch umzäunten Lagertrassen, von der Barrikadensiedlung. Dabei klickt sie durch die Ansicht auf ihrem Computer und landet bei Party-Bildern aus Krakau. Die erhobenen Hände mit Biergläsern seien wie eine siegreiche Geste, ganz so, als hätte man etwas hinter sich gebracht, meint die Historikerin, die Führungen durch das Berliner Dokumentations- und Aufarbeitungszentrum „Topographie des Terrors“ gibt, und deutet auf das Bild. In der Kontrastierung dieser Fotos, die so umstandslos aufeinanderfolgen, bringt sich Christoph Hübners und Gabriele Voss’ Film selbst auf den Punkt: Wie sind die Anschlüsse zwischen damals und heute denkbar? Wie setzt sich die Schuld der Täter in den folgenden Generationen fort? Welche Gefühle tragen die Kinder und Enkel der Täter und Opfer in sich – bewusst oder unbewusst?

Die Erinnerungskultur an das Naziregime und den Holocaust ist nicht nur eine Frage der öffentlichen Bewusstseinspflege durch Mahn- und Denkmäler, durch Ausstellungen und Museen. Sie steht auch in vielfältigen und je spezifischen privaten Auseinandersetzungen auf dem Spiel. „Nachlass“ gibt uns die Ahnung eines Gefühls dafür, wie schwer ein Foto des eigenen Vaters in SS-Uniform wiegen kann.

Lukas Stern


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts