Filmarchiv

(M)Other

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
88 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Christopher Zitterbart, Saskia Veigel, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Antonia Hungerland
Markus Zierhofer
Antonia Hungerland
Antonella Sarubbi
Antonia Hungerland
Tim Altrichter, Benedikt Ludwig, Christoph Walter, Luise Hofmann
Heute ist es durchaus realistisch, dass ein Kind drei Mütter hat: eine Eizellenspenderin gibt einem Baby ihre Gene, das von einer Leihmutter austragen und später von einer weiteren Frau oder einer Person, die eventuell männlich und schwul ist, aufgezogen wird. Das klassische Konzept der „natürlichen“ Mutterschaft kommt hier (und anderswo) an seine Grenzen.

Die Definition von Mutterschaft ist umkämpft. In der Debatte über (gute) Mütter spiegelt sich das generelle Ringen um gesellschaftliche Normen im Wandel. Diese Diskussion, das macht „(M)Other“ sehr deutlich, betrifft alle. Sowohl jene, die als „klassische“ Mütter mit Klischees und Vorurteilen zu kämpfen haben, als auch solche, die den Begriff für sich in Anspruch nehmen, obwohl sie dem etablierten, sich stur gegen alle offensichtlichen Veränderungen behauptenden „Modell“ nicht entsprechen. Antonia Hungerland zeigt, dass das vermeintlich Private noch immer (oder: erst recht heute) hochgradig politisch ist.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Internationales Programm
All Creatures Welcome Sandra Trostel

Kreativer Kopfsprung in die Hacker-Philosophie des CCC, die nicht die fortschreitende Digitalisierung des Lebens beklagt, sondern sich der Technologie bemächtigt, um das Leben zu verbessern.

All Creatures Welcome

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
87 Minuten
Untertitel: 
deutsche
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Sandra Trostel
Sandra Trostel
Thies Mynther
Sandra Trostel, Lilli Thalgott
Sandra Trostel
Jon Frickey
Sandra Trostel, Thies Mynther
Jonas Hummel
Bildung DOK Leipzig Logo

Dokumentarfilm über den Chaos Computer Club und die Themen Datenschutz, Überwachung und Demokratie 

Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Klassenstufen: ab 9. Klasse 

Themen: Internet, Computer, Digitalisierung, Demokratie, Utopie, Fantasie, Idealismus, Meinungs- und Pressefreiheit, Diversität 
Lehrplanbezüge: Politik und Medien, Digitalisierung, Datenschutz
Unterrichtsfächer: Informatik, Gemeinschaftskunde, Politik, Ethik, Religion, Deutsch, Geschichte, Musik, Kunst

Zum Inhalt

Der Chaos Computer Club (CCC) ist weit mehr als eine Vereinigung von Nerds und Hackern. Seit seiner Gründung vor mehr als 30 Jahren agiert der CCC als Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen. Inzwischen wird sogar die Bundesregierung in Digitalisierungsfragen vom CCC beraten. Längst sind die Aktivisten zu anerkannten Experten für Themen wie Datenschutz, Netzneutralität, Zensur und Massenüberwachung geworden.

Immer wieder weist der CCC darauf hin, wie unverzichtbar es ist, die Digitalisierung aller Lebensbereiche kritisch zu begleiten und ihre Folgen – seien sie intendiert oder nicht – zu reflektieren. Zentraler Grundsatz des Chaos Computer Clubs ist die Freiheit von Wissen und Information auf der Basis demokratischer Entscheidungen. Jedes Jahr organisiert der CCC diverse Arbeitscamps und internationale Kongresse, um für ein paar Tage die Utopie einer radikal demokratischen Welt ohne Wissensgrenzen Wirklichkeit werden zu lassen. Seit 2017 findet der jährliche Kongress in Leipzig statt. Die Tickets sind immer Monate vorher ausverkauft.

Der vorliegende Dokumentarfilm ist ein verspielter und höchst informativer Versuch, die anarchische Vielfalt der Lebensformen zu beschreiben, die sich in den Hacker-Camps oder auf den Kongressen trifft. Wir blicken den Nerds, politischen Aktivistinnen und Aktivisten und „anderen galaktischen Lebensformen“ über die Schulter und erleben – ergänzt durch kurze
Animationssequenzen – was es heißt, die Gesellschaft nicht als gegebene Tatsache, sondern als gestaltbares Material zu betrachten, das es zu „hacken“ gilt. Ohne Glorifizierung, dafür mit viel Sinn für die inneren Widersprüche zeichnet der Film das Bild einer sehr eigenen (Sub-)Kultur, deren Themen längst zum Mainstream geworden sind.

Ein verspielter und höchst informativer Versuch, die anarchische Vielfalt der Wesenheiten zu beschreiben, die sich unter dem Schirm von Europas größter Hacker-Vereinigung, dem Chaos Computer Club, regelmäßig in Camps oder auf internationalen Kongressen trifft. Sandra Trostel blickt Nerds, politischen Aktivistinnen und Aktivisten, Makern und „anderen galaktischen Lebensformen“ über die Schulter und zeigt, ergänzt durch kurze Animationssequenzen, was es heißt, die Gesellschaft nicht als gegebene Tatsache, sondern als gestaltbares Material zu betrachten, die es zu „hacken“ gilt. Ohne Glorifizierung, dafür mit viel Sinn für die inneren Widersprüche zeichnet der Film das Bild einer sehr eigenen (Sub-)Kultur, deren Themen längst zum Mainstream geworden sind.



Luc-Carolin Ziemann





Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts


Appalachian Holler

Dokumentarfilm
Deutschland,
USA
2018
29 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Matthias Lawetzky (Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main)
Matthias Lawetzky
Matthias Lawetzky
Matthias Lawetzky
Matthias Lawetzky
Matthias Lawetzky
Reich wird man nicht in den Bergen der Appalachen: „Sie versuchen es, aber meist sterben sie vorher“, heißt es hier. Das Ende der Kohleförderung hat die Bewohner der Berge mit den Folgeproblemen, der Umweltzerstörung und Arbeitslosigkeit weitgehend alleingelassen. Im gemeinsamen Musizieren – und sei es auf Esslöffeln – finden die Menschen an einem der entlegensten Orte der USA Halt und Würde.

Fabian Tietke
Internationales Programm
Carlotta’s Face Valentin Riedl, Frédéric Schuld

Wie ein endloses albtraumhaftes Labyrinth auf der Suche nach dem richtigen Klassenzimmer verlief Carlottas Schulzeit. Eine Zeichenanimation über Gesichtsblindheit und die Rolle der Kunst.

Carlotta’s Face

Animationsfilm
Deutschland
2018
5 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fabian Driehorst
Valentin Riedl, Frédéric Schuld
Simon Bastian
Frédéric Schuld
Valentin Riedl, Frédéric Schuld
Frédéric Schuld
Valentin Riedl, Frédéric Schuld
Simon Bastian
Wie ein endloses albtraumhaftes Labyrinth auf der Suche nach dem richtigen Klassenzimmer verlief Carlottas Schulzeit. Die verstörende Selbstverständlichkeit, in den Spiegel zu schauen und das eigene Gesicht nicht erkennen zu können, war ihr einsames Schicksal. Wie sie dazu kam, sich ihr eigenes Gesicht trotz der seltenen Krankheit vorstellbar zu machen, erzählt diese Zeichenanimation des Neurowissenschaftlers und Filmemachers Valentin Riedl, animiert und fotografiert von Co-Regisseur Frédéric Schuld.

Nadja Rademacher



Ausgezeichnet mit dem Mephisto 97.6-Publikumspreis

Chris the Swiss

Dokumentarfilm
Kroatien,
Finnland,
Deutschland,
Schweiz
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Samir (Dschoint Ventschr), Siniša Juričić (Nukleus Film), Heino Deckert (Ma.ja.de.), Iikka Vehkalahti (IV Films Ltd / p.s.72 productions)
Anja Kofmel
Marcel Vaid
Simon Guy Fässler
Stefan Kälin
Simon Eltz
Anja Kofmel
Daniel Hobi, Marco Teufen, Hrvoje Petek
Christian Würtenberg starb 1992 in Kroatien. Obwohl der junge Schweizer als Journalist gekommen war, trug er die Uniform einer internationalen Miliz, die auf kroatischer Seite im Bürgerkrieg kämpfte. Lange blieb rätselhaft, warum er selbst zur Waffe griff. Seine Cousine, die Filmemacherin Anja Kofmel, hat sich dieser Frage gestellt.

Sie befragt Weggefährten und ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen mit düsteren, aufs Wesentliche reduzierten Animationssequenzen, die das narrative Gerüst des Films bilden. Tief eintauchend in die politischen Wirrungen zeichnet der Film nach, wie Chris Teil der nationalistischen, von Opus Dei unterstützten Söldner wurde. Ein politisch bis heute brisanter, visuell beeindruckender Krimi, der zeigt, wie schnell die persönliche Haltung im Krieg versehrt werden kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den MDR-Filmpreis; Schweizer Filmpreis 2019: Bester Dokumentarfilm, Beste Musik, Beste Montage

Internationales Programm
Die Frist Karin Becker

Der Antritt einer Gefängnisstrafe bedeutet den kompletten Abschied vom bisherigen Alltag. Guang, Jürgen und Vitali finden individuelle Strategien, um die Zeit vor dem Haftbeginn zu ertragen.

Die Frist

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
78 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Philipp Schall, Johanna Teichmann
Karin Becker
Dimitrios Ntontis, Sebastian Fillenberg
Franz Kastner, Fabio Stoll, Carla Muresan
Elisabeth Raßbach
Karin Becker, Silvia Wolkan
Hagen von Sayn-Wittgenstein
Es ist ein „rite de passage“ der besonderen Art: der Antritt einer Gefängnisstrafe. Zahlreich sind die Dokumentationen des Alltags hinter Gittern. Doch was passiert kurz davor, in der Zeit zwischen Schuldspruch und Haftbeginn, in der Betroffene vor einem kompletten Abschied vom bisherigen Alltag stehen und vor einem Schritt ins Ungewisse? Zunächst ist sogar diese Zwischenzeit unbestimmt, bis dann der genaue Termin für die Einweisung mitgeteilt wird. Die Verurteilten müssen sich in kürzester Zeit auf den neuen Lebensabschnitt vorbereiten. Der psychische Stress lastet schwer.

„Die Frist“ begleitet drei Protagonisten in dieser Übergangszeit. Sie entwickeln unterschiedliche Strategien: Der Familienvater und Geschäftsinhaber Vitali stürzt sich in organisatorische Belange. Jürgen, der bereits früher einmal im Gefängnis saß, entrümpelt seine Wohnung und lässt sich ein Tattoo stechen. Er hofft, seinen Haftantritt durch ein medizinisches Gutachten hinauszögern zu können. Die aus Taiwan stammende Guang sucht nach einem übergeordneten Sinn. Das Gefängnis gehöre wohl zum Lebensplan, den das Universum für sie vorgesehen habe. Dies anzunehmen, fällt ihr schwer: Sie leidet unter Angstzuständen. Hilfe holt sie sich in Skype-Gesprächen mit ihrem buddhistischen Meister. Nach der Entlassung werde er einen Ratgeber schreiben, witzelt Vitali. Damit es andere einfacher haben.

Annina Wettstein


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Dreamaway

Dokumentarfilm
Ägypten,
Deutschland
2018
86 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Roman Roitman
Marouan Omara, Johanna Domke
Bilgehan Öziş
Jakob Beurle
Gesa Jäger, Louly Seif
Marouan Omara, Johanna Domke
Ein Traumbild, eine Wüstenwanderung. Wir sehen eine Gruppe junger Ägypter. Sie gehen, jeder für sich und doch gemeinsam, durch den dunklen Sand der Sinai-Halbinsel. Die Sonne steht noch tief, die Körper sind stumm, müde und schwer. Wir sehen Menschen, die aufgebrochen sind, vielleicht von einer Party. Aber wir sehen nicht, wohin sie wollen. Ein Bild, das sich derart mit Vergangenheit vollgesogen hat, dass es schwerfällt, in ihm eine Zukunft zu finden.

Das deutsch-ägyptische Regieduo Johanna Domke und Marouan Omara begleitet die jungen Angestellten eines der zahlreichen Luxushotels von Scharm el-Scheich. Postrevolutionäre Unruhen und Terrorattacken haben den Ferienort am Roten Meer aussterben lassen: die Hotelanlagen sind unbewohnt, die Pool-Gymnastik-Einheiten teilnehmerlos, die Ausgehmeilen gespenstisch leer. Die Flugzeuge mit den Touristen, das sehen wir immer wieder, überfliegen die Stadt, aber sie landen hier nicht mehr. Mit einer traumwandlerischen Aufmerksamkeit ergründet dieser Film die Lebensrealitäten, Sehnsüchte und Notlagen junger Ägypter, an deren Vergangenheiten sich auf einmal keine Zukünfte mehr anschließen.

Lukas Stern


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Exit

Dokumentarfilm
Deutschland,
Norwegen,
Schweden
2018
80 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Eirin Gjørv
Karen Winther
Michel Wenzer
Peter Ask
Robert Stengård
Karen Winther
Yvonne Stenberg, Gisle Tveito
Bildung DOK Leipzig Logo

Dokumentarfilm über Wege aus dem Extremismus

 

Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Klassenstufen: ab 9. Klasse

Themen: Extremismus, Rassismus, Gewalt, Schuld, Neuanfang, Ausstieg
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde, Religion, Ethik, Politik, Deutsch, Philosophie

 

Zum Inhalt

Als Karen Winther wegen eines Umzugs alte Kisten in die Hände fallen, ist sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Gleich obenauf liegen Aufkleber mit Hakenkreuzen, daneben eine Kassette mit der Aufschrift „Blitz“ und „Hits“, einiges anderes Material mit Reichsadlern. Vor zwanzig Jahren schloss sie sich einer rechtsextremistischen Organisation in Norwegen an, suchte dort das Abenteuer und Gleichgesinnte. Heute schämt sie sich für dieses Material und für das, wofür es steht: ihre Zeit als Rechtsextreme. „Exit“ ist Karen Winthers Weg, die eigene Geschichte zu verstehen und ein Stück weit Frieden mit sich selbst zu schließen. Sie macht sich auf die Suche nach Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. In den USA trifft sie mehrere Frauen, die jahrelang in der rechten Szene aktiv waren und sich heute gegenseitig unterstützen. Mit Sören, einem ehemaligen Linksextremisten aus Schweden unterhält sie sich darüber, was es heißt, die eigene Meinung mit Gewalt durchzusetzen. In Deutschland besucht sie Ingo Hasselbach, „The Führer of Berlin“, von
dessen Ausstieg aus der ostdeutschen Neonazi-Szene der Wendejahre Winfried Bonengels Film „Führer Ex“ handelt. In Paris lernt sie den ehemaligen Dschihadisten David kennen, der mit den Attentätern der ersten Terroranschläge in Frankreich bekannt war und während seines Gefängnisaufenthalts den Absprung aus der Dschihadisten-Gemeinschaft geschafft hat. Winther interessiert sich vor allem dafür, was ihren Gesprächspartner/innen als Weckruf diente, Gewalt und Radikalismus hinter sich zu lassen. Was gab bei jedem Einzelnen den Ausschlag zum Ausstieg?

Als Karen Winther wegen eines Umzugs alte Kisten in die Hände fallen, ist sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Gleich obenauf liegen Aufkleber mit Hakenkreuzen, daneben eine Kassette mit der Aufschrift „Blitz“ und „Hits“, einiges anderes Material mit Reichsadlern. Vor zwanzig Jahren schloss sie sich einer rechtsextremistischen Organisation in Norwegen an, suchte dort das Abenteuer und Gleichgesinnte. „It‘s embarrassing to look at“, spricht sie im Off-Kommentar. „Exit“ ist ihr Film, ihre Geschichte und doch weist die Handlung schnell in andere Richtungen, bleibt nicht im eigenen Gefüge verhaftet. Winther reist in die USA, um Frauen zu treffen, die sich ebenfalls im rechtsextremen Milieu bewegten. Sie sitzt mit einem ehemaligen linksextremen Aktivisten im Auto und unterhält sich über eine prägende Begegnung, viele Jahre zuvor. Sie lernt Ingo Hasselbach, „The Führer of Berlin“, kennen, von dessen Ausstieg aus der ostdeutschen Neonazi-Szene der Wendejahre Winfried Bonengels Film „Führer Ex“ handelt. Und sie kommt mit einem Ex-Dschihadisten zusammen, der seine Strafe in einem Pariser Gefängnis abgesessen hat. Neben überraschend verbindenden Motivationen und Erfahrungen teilen alle Schwierigkeiten, die mit ihren „Exits“ zusammenhängen, Schuldgefühle, aber auch Gefährdungen seitens noch aktiver Mitglieder.



Carolin Weidner





Ausgezeichnet mit dem Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, mit dem Young Eyes Film Award und dem Gedanken-Aufschluss-Preis der Jury aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen Strafgefangenen der JSA Regis-Breitingen


In the Claws of a Century Wanting

Dokumentarfilm
Deutschland,
Philippinen,
Qatar
2017
120 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jewel Maranan
Jewel Maranan
Jewel Maranan
Lawrence S. Ang
Francis Raphael Solajes, Mikael Andres Quizon
Mit der Regenzeit kommt dieser Film zur Ruhe. Taifune ziehen heran und die Geräusche – das Schreien spielender Kinder, das Knirschen riesiger Verladekräne, das laute Treiben in den Gassen, das Rattern der LKWs – weichen dem gleichförmigen Klang anhaltend strömenden Wassers. Erst jetzt merken wir, wie durchlässig und empfindlich, wie labil und wie reich diese Welt ist, in die uns die philippinische Regisseurin Jewel Maranan mit ihrem Film führt.

Entlang der Ränder von Manilas gigantischem Handelshafen erstrecken sich notdürftige Barackensiedlungen, gebaut aus Blechwänden, Holzlatten und Plastikplanen. Wer hier lebt ist arm, arbeitet als Tagelöhner oder nachts in der Containerverladung. Das Hafengeschäft floriert, die Anlagen expandieren, die Menschen werden von der Regierung zur Umsiedlung genötigt. Anhand von fünf Protagonisten sehen wir mitten hinein in die Realität eines marginalisierten Lebensraums. Und immer wenn die Kamera – durch die Planen und Wellbleche hindurch – den Blick ein Stück weit freigibt auf die Bockkräne und Containertürme hinter den Häusern, dann sehen wir auch mitten hinein ins grimassierende Gesicht der globalisierten Weltwirtschaft.

Lukas Stern


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Island of the Hungry Ghosts

Dokumentarfilm
Australien,
Deutschland,
UK
2018
98 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Alexander Wadouh
Gabrielle Brady
Aaron Cupples
Michael Latham
Katharina Fiedler
Gabrielle Brady
Leo Dolgan
Es gibt Orte, die einem unmittelbar bewusst machen, dass sie uns nicht brauchen, nie gebraucht haben. Sie existieren, auch wenn sie von uns nicht angeschaut werden. Die Weihnachtsinsel, ein 135 Quadratkilometer winziger Flecken im Indischen Ozean, ist so ein Ort. Sie erblickte ihren ersten Menschen wohl 1643. Kaum auszudenken, wie die endemischen roten Krabben, die bis dahin allein mit sich, dem tropischen Dickicht und den schneeweißen Sandstränden waren, über den sich großmäulig als „Entdecker“ aufspielenden Gast gestaunt haben müssen! Das Flüchtlingsauffanglager auf der Weihnachtsinsel ist noch so ein Ort. Seit 2001 setzt die australische Regierung hier Asylsuchende fest, um ihnen das Recht auf ein reguläres Aufnahmeverfahren auf dem Festland vorzuenthalten. Die Krabben staunen weiter.

In Gabrielle Bradys bild-, ton- und metapherngewaltigem Filmnachdenken über Gastrecht und Duldsamkeit begegnen wir diesem Staunen – poetisch verdichtet, emotional eindringlich und politisch geschärft. Zunächst in Gestalt der Trauma-Therapeutin Poh Lin, die Insassen des Internierungslagers dabei hilft, ihr Schicksal zu fassen, während sie selbst um Fassung ringt. Dann als mythische Geschichte von den umherirrenden Geistern der Toten, die sich die chinesischen Einwanderer erzählen. Und schließlich in der wuchernden, wimmelnden, unbeeindruckt daseienden Natur, die wächst und kriecht, wohin sie will.

Sylvia Görke


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Living the Light – Robby Müller

Dokumentarfilm
Deutschland,
Niederlande
2018
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Carolijn Borgdorff, Alexander Wadouh, Sven Sauër
Claire Pijman
SQÜRL (Jim Jarmusch, Carter Logan)
Claire Pijman
Katharina Wartena
Claire Pijman
Robby Müller (1940–2018) war eine Lichtgestalt, nur anders, als man dieses Wort gemeinhin versteht. Er hätte gut einen der weisen und wortkargen Indianer in Jim Jarmuschs Spätwestern „Dead Man“ darstellen können. Das ging nur nicht, weil er für diesen Film als Director of Photography fungierte und dort wie in rund 70 anderen Meisterwerken des internationalen Autorenkinos sein spezielles, einerseits fest und wie gemalt, aber zugleich durchscheinend und flirrend sich gebendes Licht auf die Leinwand zauberte.

Über Jahrzehnte führte der Kameramann ein Videotagebuch, das die Filmemacherin Claire Pijman bereits für die große Ausstellung „Master of Light“ im Amsterdamer Filmmuseum EYE aufarbeitete und welches sie nun in ihrem eigenen Film „Living the Light“ als zentralen Bildfundus nutzt. Über einer Sequenz zwischen Dennis Hopper und Nicholas Ray aus Wim Wenders’ „Der amerikanische Freund“ erzählt die Kamerakollegin Agnès Godard, dass Meisterschaft für sie erst darin zum Ausdruck kommt, wenn sich die Grandezza einer Kameraarbeit in den Szenen selber zum Verschwinden gebracht hat, weil sie wie selbstverständlich darin enthalten ist. Seltsam, dass man Robby Müllers Bilder fast immer auch zu hören glaubt. In „Living the Light“ wird dieser Eindruck forciert durch fein improvisierte Soundscapes von Jim Jarmusch und Carter Logan.

Ralph Eue


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Notizen aus dem Unterbewusstsein

Animationsfilm
Deutschland
2018
3 Minuten
Untertitel: 
keine
Credits DOK Leipzig Logo
Susann Anuk Arnold
Susann Anuk Arnold
Michał Krajczok
Susann Anuk Arnold
Susann Anuk Arnold
Susann Anuk Arnold
Michał Krajczok
Poetisch-melancholische Zwiesprache über Fragen der Zugehörigkeit und über die Sehnsucht, in einem großen Ganzen aufzugehen. Jedoch: Wenn jemand anders mich in mein Leben hievte, wäre es dann noch mein Leben? Wo steht der andere? Wo stehe ich? Die Leipziger Filmemacherin Susann Anuk Arnold erschafft Bilder wie aus dem Unterbewusstsein: das gleißende Licht des morgendlichen Sturms, das schwarze, pulsierende Loch, die Umgrenzungen der Hoffnung …

Nadja Rademacher

Oasis

Animationsfilm
Deutschland
2018
15 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Veneta Androva
Veneta Androva
Haydeé Jiménez
Veneta Androva
Veneta Androva
Veneta Androva
Veneta Androva
Benedikt Frey, Nadia D’Alò, Veneta Androva
Ein Casino wie eine Fata Morgana: mit 2.800 Quadratmetern Spielfläche, 220 Spielautomaten und 35 Spieltischen. Jericho, palästinensische Autonomiegebiete: „Oasis“ wartet seit 2000 auf eine Wiedereröffnung. Nach zwei Jahren Betrieb und Korruptionsskandalen wurde das israelisch-jordanisch-palästinensische Entwicklungsprojekt abgebrochen. Veneta Androva lässt die Geschichte in einer computergenerierten Wüste in flimmernden Bildern peu à peu durch einen unsichtbaren Avatar als Begleiter aufblitzen.

Nadja Rademacher

Obon

Animationsfilm
Deutschland
2018
15 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
André Hörmann, Christian Vizi, Anna Bergmann
André Hörmann, Anna Bergmann
Daniel Regenberg
Anna Bergmann
André Hörmann
Christoph de la Chevallerie
„Obon“ ist ein Diminutiv für „kopfüber in der Hölle hängen und leiden“ und zugleich der Name des japanischen Festes zu Ehren der Ahnen. Für die hochbetagte Akiko Takakura ist dies ein gespenstischer Gedenktag. Als eine der letzten Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Hiroshima wird sie von Erinnerungen an unzählige Tote heimgesucht, allen voran an ihren gewalttätigen Vater, der erst durch die Katastrophe geläutert wurde. Ihre unglaubliche Geschichte, in sepiagetönten Handzeichnungen animiert.

Nadja Rademacher

Palace for the People

Dokumentarfilm
Bulgarien,
Deutschland,
Rumänien
2018
76 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Martichka Bozhilova, Thomas Tielsch, Velvet Moraru
Boris Missirkov, Georgi Bogdanov
Boris Missirkov, Georgi Bogdanov
Ema Konstantinova
Boris Missirkov, Georgi Bogdanov
Momchil Bozhkov
Heute sieht man sie mit den Augen des Touristen – oder man sieht sie gar nicht mehr, wie etwa den Palast der Republik in Berlin. „Palace for the People“ besichtigt fünf emblematische Gebäude aus der Zeit des Sozialismus: massive Steinkörper, deren Fassaden und Innenleben, deren Raumbeschaffung und Einrichtung, deren Dekor und Funktionalität immer auf die Repräsentation politischer Systeme und Werte zielte. Superlativische Machtbauten – mal in die Höhe fliehend wie die Lomonossow-Universität Moskau, mal in die Breite wuchernd wie der Ceaușescu-Palast in Bukarest.

Besichtigungen sind immer auch eine Form der Rückkehr, eine Art der Vergangenheitsbeschau, der affektiven Anschließung an das Gewesene. Mit einem scharfen Blick für die architekturgeschichtlichen Eigenheiten und Charaktermerkmale führen uns Georgi Bogdanov und Boris Missirkov an Orte, in denen, so geschichtlich sie auch wirken, noch immer die Visionsgeister spuken, für die sie einst errichtet wurden. Orte, die vollgesogen sind mit Zukünftigkeiten, die sich nie oder die sich ganz und gar anders als gedacht einlösten.

Lukas Stern


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den MDR-Filmpreis


Die Filmvorführung am Mittwoch, 31. Oktober, um 17.00 Uhr findet als Special Screening des MDR statt.

Räuber & Gendarm

Animationsfilm
Deutschland
2017
8 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Florian Maubach
Florian Maubach
Florian Maubach, Alma Weber
Florian Maubach
Jonatan Schwenk
Kinder spielen Räuber und Gendarm. Die Regeln des Spiels werden zum Rahmen für Begehren und Aversionen innerhalb der Gruppe, verschmelzen mit Ritualen des Heranwachsens. Rollen finden, Rollen tauschen, Rollen ausprobieren – zwischen erster Erregung und vereinbarter Rückmeldung bei Mama. Florian Maubach inszeniert seinen Abschlussfilm farblich reduziert mit flächiger Animation: der Spielplatz als Probebühne für alles, was kommt.

Fabian Tietke