Filmarchiv

Internationales Programm 2013
Do You Believe in Love? Dani Wasserman

Eine ungewöhnliche Heiratsvermittlerin und ihre Kundschaft: Frauen, Männer, Junge, Alte, Gesunde, Kranke, Behinderte, Normale und Verrückte. PC-frei und Spaß dabei.

Do You Believe in Love?

Dokumentarfilm
Israel
2013
50 Minuten
Untertitel: 
englische

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Barak Heymann
Dani Wasserman
Eli Soorani
Gonen Glazer, Daniel Miran
Ron Goldman
Dani Wasserman
Gil Toren
Keinen Finger kann Tova mehr rühren, seit die Krankheit ihre Muskeln lähmt. Nun thront sie wie ein Orakel in einem riesigen, weich ausgepolsterten Sessel und empfängt im Wohnzimmer ihre Kundschaft. Frauen, Männer, Junge, Alte, Gesunde, Kranke, Behinderte, Normale und Verrückte: Alle kommen sie zu Tova, denn jede und jeder von ihnen ist auf der Suche nach dem passenden Deckel. Obwohl Tova selbst nicht an die Liebe glaubt und das auch immer wieder laut und deutlich kundtut, hat das keine Auswirkung auf ihren Erfolg. Unermüdlich ist sie damit beschäftigt, für die Verzweifelten den richtigen Partner zu finden.
Mit Hingabe und einem ausgeklügelten buchhalterischen System versucht sie diejenigen zusammenzubringen, die bislang erfolglos auf „dem freien Markt“ auf der Suche waren. Von Mitleid oder falsch verstandener Korrektheit aber keine Spur: Eiskalt lässt Tovas „Star“ – eine junge, leicht spastische Frau im Rollstuhl – den Traummann abblitzen, als der sich nicht entblödet, ihr beim ersten Date Vorhaltungen über ihren ungesunden Lebensstil zu machen. Und weiter geht die Suche.
Dani Wasserman begleitet die einzigartige Kupplerin über ein Jahr und lässt uns teilhaben an Leben und Leiden einer starken Frau und ihrer Familie. Gelungen ist ihm, nicht zuletzt dank der tollen Protagonistin, ein warmherziger Film über die Liebe – oder eben das, was wir dafür halten.

Lina Dinkla
Internationales Programm 2013
Fading Note Hani Dombe

Eine Frau macht den Haushalt in ihrer Wohnung irgendwo in Osteuropa, wo sie ihre Jugend mit ihrer Schwester verbracht hat. Doch Erinnerungen befallen sie: gemeinsames Spielen, Klavierübungen und der Traum, zu zweit im Rampenlicht Erfolge zu feiern ...

Fading Note

Animationsfilm
Israel
2013
7 Minuten
Untertitel: 
englische

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Hani Dombe
Hani Dombe
Yoav Hudin
Hani Dombe
Uriel Malnovitzer
Hani Dombe
Hani Dombe
Yoav Hudin
Eine Frau macht den Haushalt in ihrer Wohnung irgendwo in Osteuropa, wo sie ihre Jugend mit ihrer Schwester verbracht hat. Doch Erinnerungen befallen sie: gemeinsames Spielen, Klavierübungen und der Traum, zu zweit im Rampenlicht Erfolge zu feiern. Mit dem Holocaust fand dies ein jähes Ende. Nur noch die Erinnerungen sind lebendig. Die Vorstellungen, wie es hätte sein können, verdrängen die Realität.
Internationales Programm 2013
Fading Valley Irit Gal

In den besetzten Gebieten der Westbank verdörren die Felder der palästinensischen Bauern, während die jüdischen Siedler Wasser en masse haben. Blick auf ein Drama in ruhigen Bildern.

Fading Valley

Dokumentarfilm
Israel
2013
56 Minuten
Untertitel: 
englische

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Irit Gal
Irit Gal
River
Daniel Gal
Rabab Haj Yahya
Irit Gal
Ginge es um den Handel mit illegalen Betäubungsmitteln, wäre es weniger verwunderlich, dass das Geschäft im Verborgenen abgewickelt werden muss. Die Ware, die hier im Mittelpunkt steht, ist allerdings kein Halluzinogen, sondern etwas, ohne das Leben überhaupt nicht möglich ist: Wasser. Aber gehört nicht der freie Zugang zu einer Wasserquelle zu den grundlegenden Menschenrechten?
Der Schauplatz des Geschehens ist das Jordantal in der Westbank. Wenn man den alltäglichen Diskussionen des Wassertransporteurs mit den ansässigen Palästinensern lauscht, die in diesem Gebiet versuchen, ihr Land zu bewirtschaften, bekommt man eine leise Ahnung davon, was es heißt, in einer fremd besetzten Militärzone zu leben. Während die überirdische Welt ständig von der Austrocknung bedroht ist, fließt doch in den unterirdischen Leitungen genügend Wasser. Irit Gal nähert sich den dort herrschenden Verhältnissen und nimmt diesen Widerspruch, der sich in ganz andere Bereiche fortsetzt, auf. Hinter den ruhigen Bildern verbirgt sich eine tragische Geschichte, die weit über die Grenzen dieses Tals hinausreicht.

Claudia Lehmann
Internationales Programm 2013
Ponevezh Time Yehonatan Indursky

Die geschlossene Welt einer orthodoxen Talmudhochschule in Israel. Elitelehranstalt, jahrhundertealte Rituale, Gemeinschaft und großer Druck. „Unterm Rad“ mit Kippa und Thora.

Ponevezh Time

Dokumentarfilm
Israel
2012
53 Minuten
Untertitel: 
englische

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Einat Pinsky-Goldschmidt, Talia Kleinhendler, Osnat Handelsman-Keren
Yehonatan Indursky
Ophir Leibovitch
Philippe Bellaiche
Tali Halter-Shenkar
Yehonatan Indursky
Yossi Appelbaum
Die Ponevezh Yeshiva ist eine der renommiertesten Talmudhochschulen in Israel. Über 1.000 Schüler widmen sich tagein tagaus dem Studium der Thora. Der Tagesablauf ist selbstverständlich streng, oder wie es einer der Rabbis sagt: Wer ein einziges Mal das Morgengebet verpasst, ruiniert alles. Auf den ersten Blick verleiht das Leben im Elite-Internat ein Gefühl von Sicherheit – es ist die Sicherheit jahrhundertealter Rituale der ultraorthodoxen Juden und eines Lebens zur Feier Gottes. Jede Ausnahme von der Regel ist eine äußerst delikate Angelegenheit. Auf den zweiten Blick erlebt man unter den Jugendlichen und jungen Männern, wen wundert’s, auch Unsicherheit und den Wunsch, sich hervorzutun, zum Beispiel durch Ehrgeiz. Denn wo alle gleich sind, kann man schnell untergehen. Viele stehen unter Druck. Der eine sucht dringend einen neuen Studienpartner, der andere arrangiert sich mit dem Wunsch der Eltern, eine passende Ehefrau zu finden. Ein Dritter fühlt sich fremd und einsam unter den Mitstudenten.
Regisseur Yehonatan Indursky hat selbst in Ponevezh studiert. Das erlaubt es ihm, als Erster einen filmischen Einblick in diese ansonsten geschlossene Welt zu geben. Er tut es sensibel und mit einem Gespür für die persönlichen Fragen und Sehnsüchte der Protagonisten. So macht er nicht die Schule an sich, sondern das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft zu seinem Thema.

Lars Meyer
Internationales Programm 2013
The Lab Yotam Feldman

Der Palästina-Konflikt als Experimentierfeld der israelischen Rüstungsindustrie. Eine Untersuchung, die führenden Köpfen erschreckend nahekommt und tief in die Logik dahinter eindringt.

The Lab

Dokumentarfilm
Israel
2013
58 Minuten
Untertitel: 
englische

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Yoav Roeh, Serge Kestemont, Frank Eskenazi
Yotam Feldman
Gewehre, die um die Ecke schießen, sogenannte „Cornershots“, gehören zu den profitablen Spezialentwicklungen der israelischen Rüstungsindustrie. Von der Armee wurden sie bereits im Häuserkampf erprobt, bevor sie zu internationalen Verkaufsschlagern avancierten. Auffallend viele ehemalige Militärs steigen später ins Waffengeschäft ein. Sie liefern nicht nur die Kriegsgeräte, sondern auch gleich die praktische Erfahrung. Krieg als Experimentierfeld für die Rüstungsindustrie?
Israel ist inzwischen zum viertgrößten Waffenexporteur aufgestiegen. Regisseur Yotam Feldman will herausfinden, ob der Wohlstand in seinem Land, so ungleich er verteilt sein mag, trotz oder aufgrund militärischer Konflikte existiert. Also sucht er die auf, die es wissen müssen: die führenden Köpfe der todbringenden Industrie. Er ist dabei, wenn sie Diplomaten aus aller Welt empfangen und Rüstungsmessen besuchen. Wenn Militärphilosophen den Überbau erdenken und die brasilianische Polizei sich daran ein Vorbild nimmt. „The Lab“ ist ein im besten Sinne investigativer Film. Anders als etwa ein Michael Moore spielt Feldman nicht den Provokateur. Diese scheinbare Neutralität erlaubt es ihm, jenen Händlern und ihrer Logik wirklich erschreckend nahezukommen. Das dürfte auch für deutsche Staatsbürger aufschlussreich sein. Schließlich steht die Bundesrepublik auf Platz drei der weltweiten Rangliste.

Lars Meyer