Filmarchiv

Internationales Programm
Last Call Enrico Cerasuolo

Die Geschichte eines legendären Buches, das die Welt verändern wollte: „Die Grenzen des Wachstums“, der Club of Rome, seine Gründer, und was aus ihnen und ihren Ideen wurde.

Last Call

Dokumentarfilm
Italien
2013
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Massimo Arvat, Ingunn Knudsen
Enrico Cerasuolo
Gregorio Caporale, Antonio Raspanti, Tommaso Cerasuolo
Krister Johnson
Marco Duretti
Tommaso Cerasuolo, Pietro Luzzati, Tipper
Enrico Cerasuolo
Torstein Nodland
Wachstum scheint die Antwort auf alle Herausforderungen unserer Gesellschaft zu sein – glaubt man den Politikern, die uns regieren. Als ob nicht bereits vor 40 Jahren ein Buch mit dem warnenden Titel „Die Grenzen des Wachstums“ mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden und zum Bestseller avanciert wäre. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, vereint im „Club of Rome“, hatte deutlich auf die Gefahren des Klimawandels hingewiesen. Was zu tun sei, legten sie offen. Die Autoren des Buches waren jung und optimistisch, aus heutiger Sicht sogar erstaunlich naiv. 40 Jahre später treffen wir sie wieder.
Diverse Krisen und Schocks haben die Menschheit nicht dazu bringen können, vom kurzfristigen zum langfristigen Denken überzugehen. Was sind die Lehren aus der Geschichte? Sind wir lernresistent? Gibt es noch eine Chance, einen „last call“? Die einstigen Gründer des Clubs haben dazu inzwischen unterschiedliche Gedanken entwickelt. Doch eines scheint sicher: Die Optionen, die vor 40 Jahren noch bestanden, gibt es nicht mehr. Der Film verfolgt Entstehung, Rezeption und Verteidigung jenes legendären Buches, das die Welt hätte verändern sollen. Das umfangreiche Archivmaterial, das zum Einsatz kommt, wird stets in die Gegenwart gespiegelt. Und auf den Spuren des „Club of Rome“ fallen immer wieder stimulierende Denkaufgaben ab.

Lars Meyer
Internationales Programm
On the Art of War Luca Bellino, Silvia Luzi

Der lange Kampf italienischer Arbeiter für ihren Betrieb: Besetzung, Streik und zermürbende Bürgerkriegsmanöver. Komplexe Untersuchung zwischen heißer Agitation und kalter Analyse.

On the Art of War

Dokumentarfilm
Italien,
USA
2012
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Giovanni Pompili, Margherita Di Paola, Claudia Antonucci
Luca Bellino, Silvia Luzi
Nicolò Mulas
Vania Tegamelli, Giorgio Carella
Luca Bellino
Luca Bellino, Silvia Luzi
Paolo Benvenuti, Stefano Grosso, Marzia Cordò
Am 31. Mai 2008, einem ruhigen und sonnigen Samstag, traf sich die Belegschaft eines Montagewerks für Schwermechanik aus Milano-Lambrate zu einem Picknick. Kaum waren die Stullen ausgepackt, erreichte sie eine kurze Mitteilung des damals aktuellen Besitzers, der das Werk erst 2006 erworben hatte: „Wir haben beschlossen, ab dem 31. Mai 2008 sämtliche Aktivitäten einzustellen.“
Der Film von Luca Bellino und Silvia Luzi macht den langen Kampf der 50 Arbeiter nachvollziehbar. Er begann an jenem Tag mit einer Betriebsbesetzung, führte zur Fortsetzung der Produktion in Eigenregie und mündete nach einer ersten Räumung durch die Polizei in einem unbefristeten Streik vor den Werkstoren, der den klammheimlichen Abtransport der Maschinen verhindern sollte. Am 2. August 2009 griff schließlich ein Großaufgebot der Polizei mit einem Bürgerkriegsmanöver die Streikenden an, woraufhin fünf von ihnen einen Industriekran auf dem Gelände kaperten und über mehrere Wochen besetzt hielten. Die Entschlossenheit der AktivistInnen löste eine breite internationale Unterstützerwelle aus und erregte große mediale Aufmerksamkeit, was schließlich gar zu einer langfristigen Einigung in diesem Konflikt beitrug. Bellino und Luzi gelingt die komplexe filmische Untersuchung eines intensiv gelebten Beispiels anarchosyndikalistischer Theorie und Praxis in Italien, souverän ausbalanciert zwischen heißer Agitation und kalter Analyse.

Ralph Eue
Internationales Programm
The Valley of the Jato Caterina Monzani, Sergio Vega Borrego

Verseuchter Fluss, kaputter Sendemast, Kampf gegen die Mafia – Pino, Kette rauchender Patron eines sizilianischen Lokalsenders, erledigt alles. Turbulentes Plädoyer für unabhängigen Journalismus.

The Valley of the Jato

Dokumentarfilm
Italien,
UK
2012
67 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Caterina Monzani, Sergio Vega Borrego
Caterina Monzani, Sergio Vega Borrego
Roger Goula
Sergio Vega Borrego
Sergio Vega Borrego
Zhe Wu
Als Lokaljournalist und Patron muss man alles selber machen: in Fabriken und auf den Straßen mit Menschen sprechen, Namen recherchieren, Kommentare schreiben, auf den „News Chair“ springen und die (zweistündigen!) Nachrichten einsprechen, die Belegschaft anschnauzen, Wasserproben aus dem verseuchten Fluss entnehmen und untersuchen lassen, vom 105. Geburtstag einer Einwohnerin berichten, mit einem kleinen Schraubendreher den Sendemast des Kanals reparieren, die Frau mit einem Kuss bei Laune und den ganzen Betrieb über Wasser halten. Der hagere, schnauzbärtige und stets hektisch Kette rauchende Pino Maniaci ist eine Institution in Partinico, einer Stadt in der Provinz von Palermo auf Sizilien. Mit seiner gesamten Familie betreibt er den örtlichen Fernsehkanal und führt durch schonungslose Offenlegung einen erbitterten Kampf gegen die Mafia, die immer wieder ebenso erbittert zurückschlägt. Alle Hoffnungen der gebeutelten Bevölkerung ruhen auf ihm. Doch ein Gesetz zur Digitalisierung des Fernsehens droht, den kleinen Kanal finanziell in die Knie zu zwingen …
Caterina Monzani und Sergio Vega Borrego erzählen in der turbulenten Art italienischer Komödien von einem modernen Don Quichote im Kampf gegen die Windmühlenflügel von Korruption und Kapitalismus. Vor allem zeigen sie, dass das Sterben des unabhängigen Lokaljournalismus einen unersetzlichen Verlust für die Demokratie bedeutet.

Grit Lemke