Filmarchiv

Denoise

360°-Film
Italien,
Schweiz,
USA
2017
15 Minuten

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Federico Biasin
Giorgio Ferrero, Federico Biasin
Giorgio Ferrero, Rodolfo Mongitore
Fabrizio Cyreck, Giorgio Ferrero, Federico Biasin
Filippo Vallegra
Giorgio Ferrero, Rodolfo Mongitore
Giorgio Ferrero
Ein Ölfeld in Texas, der Maschinenraum eines Überseefrachters, ein schalltoter Raum, eine Müllverbrennungsanlage – verbindendes Element dieser gegensätzlichen Szenerien sind die Protagonisten dieses collageartigen 360°-Films. Sie führen einsame Existenzen, fernab unseres eigenen Lebensstils. Die Stille der reflexionsarmen Kammer trifft auf das Dröhnen im Maschinenraum. Doch am Ende ist alles eins.

Lars Rummel, Marie Hinkelmann
Retrospektive 2018
Emigration 68 Luigi Perelli

Arbeitsmigranten erzählen: vom „Gast“ sein in Belgien, Frankreich und der BRD, von Verlusterfahrungen, die zum Sinnspruch wurden: Es ist deutsch in Kaltland.

Emigration 68

Dokumentarfilm
Italien
1969
33 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Luigi Perelli
Franco Potenza
Alberto Marrama
Raimondo Crociani
Dacia Maraini
Arbeitsmigranten erzählen: vom „Gast“ sein in Belgien, Frankreich und der BRD, von Verlusterfahrungen, die zum Sinnspruch wurden: Es ist deutsch in Kaltland.

Ralph Eue

I Had a Dream

Dokumentarfilm
Frankreich,
Italien
2018
84 Minuten
Untertitel: 
englische

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Claudia Tosi, Nathalie Combe
Claudia Tosi
Daniele Rossi, Enrico Pasini
Claudia Tosi, Andrea Gioacchini
Marco Duretti
Claudia Tosi
Diego Schiavo
Zwei Männer flankieren diesen Film: Silvio Berlusconi, der 2008 zum vierten Mal italienischer Ministerpräsident wurde, und Donald Trump, der ein knappes Jahrzehnt später als amerikanischer Präsident vereidigt wurde. Für Manuela, eine Abgeordnete des italienischen Parlaments, und Daniela, eine Lokalpolitikerin, ist dieser dergestalt männlich markierte Zeitraum der Inbegriff für den politischen Regress. Seit Jahren kämpfen die beiden für mehr Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, für bessere Gesetze zum Schutz vor häuslicher Gewalt gegen Frauen und für ein diverseres Gesamtbild politischer Verantwortungsträger.

Ist die Politik tot? Diese brutale Frage leitet Claudia Tosis Langzeitstudie über die Entwicklungen des letzten italienischen Jahrzehnts an. Mit einem Verlust von 6,7 % der Stimmen unterlagen die Demokraten 2018 deutlich gegen die populistische und europaskeptische Fünf-Sterne-Bewegung. Dass Demokratie, zivilgesellschaftlicher Zusammenhalt und Fortschrittswille noch einmal derart infrage stehen, dass der überwunden geglaubte Berlusconismus noch in einem solchen Ausmaß nachwirkt, hätten Manuela und Daniela nicht für möglich gehalten.

Lukas Stern



Ausgezeichnet mit einer Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb Langfilm, mit dem Preis der Interreligiösen Jury und mit dem FIPRESCI Preis



Internationales Programm 2018
My Home, in Libya Martina Melilli

Mithilfe des jungen Mahmoud blickt die Regisseurin aus dem italienischen Padua aus der Ferne nach Tripolis – auf der Suche nach der Geschichte ihrer Großeltern.

My Home, in Libya

Dokumentarfilm
Italien
2018
66 Minuten
Untertitel: 
englische

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Edoardo Fracchia, Stefano Tealdi, Elena Filippini
Martina Melilli
Nicola Ratti
Nicola Pertino
Enrica Gatto
Martina Melilli
Matteo Valeri
Der Urgroßvater der Regisseurin emigrierte Mitte der 1930er Jahre, mitten im Kolonialkrieg, den Italien gegen Libyen führte, von Sizilien nach Tripolis und beschloss zu bleiben. Aus Gesprächen mit ihrem Großvater in Padua, aus Fotos, coram publico improvisierten Straßenskizzen, Polaroids und Erinnerungen formt Martina Melilli das Bild einer Stadt in der Ferne. Da die Filmemacherin kein Visum für Libyen bekommt, bittet sie den jungen Mahmoud, ihr Auge in Tripolis zu sein. Aus den Chats zwischen ihr und ihm ergibt sich ein komplexes Bild der wechselvollen und teils gewalttätigen Beziehungen zwischen Italien und Libyen, aber auch ein neuer Blick auf den Alltag der beiden. Die Suche nach der richtigen Tür, dem passenden Balkon zu den Erinnerungen der Großeltern, nach den Brachen, in denen in Tripolis einst Kinos ihr Alltagsgeschäft verrichteten, stehen neben der Gegenwart: Stagnation in Libyen, Sterben im Mittelmeer, Kommunikation via Internet. „Ich will so nah rankommen, wie ich kann“, postuliert eine eingeblendete handschriftliche Notiz. Die Nähe stellt sich her: auf Umwegen, auf Umbildern, auf Umschriften – vermittelt und in ihrer Vermitteltheit authentisch.

Fabian Tietke
Next Masters Wettbewerb 2018
Nijolė Sandro Bozzolo

Porträt der kolumbianischen Künstlerin Nijolė Šivickas und der ungewöhnlichen Beziehung zu ihrem Sohn Antanas Mockus. Eine gemeinsame Reise führt die beiden in Nijolės Geburtsland Litauen.

Nijolė

Dokumentarfilm
Italien,
Litauen
2018
79 Minuten
Untertitel: 
englische

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Dagnė Vildžiūnaitė, Max Chicco
Sandro Bozzolo
Lina Lapelytė
Sandro Bozzolo
Silvija Vilkaitė, María Cecilia Reyes
Maria Cecilia Reyes, Sandro Bozzolo
Vytis Puronas
Antanas Mockus war Bürgermeister von Bogotá, mehrmals kolumbianischer Präsidentschaftskandidat und wurde 2018 in den Senat gewählt. Doch hier geht es nicht um ihn als Politiker, sondern um seine 88-jährige Mutter, die eigenwillige Künstlerin Nijolė Šivickas. Beharrlich hat sie ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit abgeschirmt. Nur widerwillig gab sie in Medieninterviews Auskunft. Selbst ihr Sohn wusste kaum etwas über ihre Kindheit in Litauen. In ihrem künstlerischen Schaffen, aber auch emotional, hat sie sich von ihrem Heimatland abgewandt.

Nijolė ist nun eingeladen, anlässlich einer großen Retrospektive in Vilnius einen Workshop zu halten. Der Film begleitet sie und Antanas auf dieser Reise. Es ist gleichsam der Blick eines Sohnes auf seine Mutter. Ihre Unabhängigkeit und ihr gesellschaftskritischer Geist waren stets seine Inspiration. Sandro Bozzolo und sein Team nähern sich ihrer Protagonistin zurückhaltend, passen sich auch in der Montage ihrem Rhythmus an und konzentrieren sich auf die Räume ihres Schaffens, auf Nijolės Begegnungen mit Antanas und auf die gemeinsame Rückkehr in die Heimat, die beide tief bewegt. So wie der Sohn die Mutter nimmt auch diese Geschichte einer äußeren wie inneren Reise die Zuschauenden an die Hand. Welche Geschehnisse bleiben in einem Leben prägend und welche sollten besser vergessen werden?

Annina Wettstein


Nominiert für den MDR-Filmpreis

Internationales Programm 2018
Open to the Public Silvia Bellotti

Zwischen Kratzbürstigkeit und gemeinsamem Lächeln – die Beratungsstelle für Sozialmieter in Neapel als Lebensbühne und gemeinsame Gefühlsfront gegen das bunte Tier der Bürokratie.

Open to the Public

Dokumentarfilm
Italien
2017
60 Minuten
Untertitel: 
englische

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Antonella Di Nocera
Silvia Bellotti
Silvia Bellotti
Silvia Bellotti
Lea Dicursi
Silvia Bellotti
Marco Saitta
Morgengrauen in Neapel, Leuchtstoffröhren öffnen blinzelnd ihre Augen in einem Büro. Sie wecken mit ihrem Licht in den hohen cremefarbenen Altbauräumen die Registraturen und Stapel von Pappheftern, aus denen einzelne Formulare hervorlugen und auf lange Vorgänge verweisen. Die Ruhe erstirbt in aufkommendem Gemurmel und ersten Unmutslauten: Ein Vordrängler an einem der beiden wöchentlichen Öffnungstage der Beratungsstelle für Sozialmieter. Der Tag nimmt Fahrt auf. Die adrett gekleidete Signora – eine von den auffällig vielen Witwen – und der lässige Berater spielen leidenschaftlich ihre Rollen zwischen Kratzbürstigkeit und gemeinsamem Lächeln: „Sie lassen uns nie ausreden.“ – „Bei dem Mist, den ich mir von den Leuten anhören muss, ist es besser, wenn ich spreche.“ Und ganz beiläufig hat die Hand wieder eine Papierseite an den richtigen Platz verbracht.

Vier Tische in einem Raum mit offener Tür zu den Wartenden im Gang – Silvia Bellottis Film tänzelt dezent um Gespräche, quetscht sich wachsam in der Enge dieser besonderen Lebensbühne in Position. Hier verhandeln Verzweifelte, Fordernde, Einsichtige mit den Beraterinnen und Beratern über existenzielle Wohnungsnöte. In dem Gewusel befinden sich die Angestellten und Psychologen des Alltags an der Gefühlsfront, versuchen das bunte Tier der Bürokratie zu zähmen und eine Lücke in den unzähligen Vorschriften für ihre Klienten zu finden.

André Eckardt


Lobende Erwähnung Healthy Workplaces Film Award

Per tutta la vita

Animationsfilm
Frankreich,
Italien
2018
6 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Emmanuel-Alain Raynal, Pierre Baussaron (Miyu Productions), Davide Ferazza, Alessandro Giorgio (Withstand Film)
Roberto Catani
Andrea Martignoni
Roberto Catani
Roberto Catani
Andrea Martignoni
Alles beginnt mit dem Blick einer Frau aus einem Zirkuswohnwagen zum Zauberer mit seinem Hasen im Schnee. Auf einen Brief folgt Nacktbaden, dann eine Hochzeitstafel, beschwingt wie eine Kirmes, dann das vertraute Miteinander von voltigierenden Zirkusartisten. Alles aus dem Hut der Vergangenheit und Zukunft gezaubert – denn hier geht es um die Liebe fürs Leben. Roberto Catani feiert große und kleine Momente unter blinkenden Sternen in einem zärtlich-melancholischen Taumel an Farben.

Nadja Rademacher
Internationales Programm 2018
Pierino Luca Ferri

Ein Kalenderjahr lang begleitet der Filmemacher Pierino, einen Rentner und Filmliebhaber. Jeden Donnerstag um exakt 10:30 Uhr treffen sie sich zum Drehtermin in dessen Wohnung.

Pierino

Dokumentarfilm
Italien
2018
70 Minuten
Untertitel: 
englische

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Andrea Zanoli
Luca Ferri
Luca Ferri, Samantha Angeloni
Stefano P. Testa
Stefano P. Testa, Luca Ferri
Luca Severino
Pierino ist ein Rentner mit heiterem Gemüt, alleinstehend und Filmliebhaber. Sein strukturierter Alltag verläuft nach dem immer gleichen Wochenrhythmus. Montags und freitags Einkaufen sind Fixpunkte, genauso wie der regelmäßige Besuch am Grab der Mutter oder beim Frisör – außer das Wetter spielt gerade nicht mit.

Luca Ferri begleitet den gut organisierten Pensionär ein Kalenderjahr lang, beginnend im Januar. Die Aufnahmen sind an seinen Zeitplan angepasst. So finden ihre Treffen jeden Donnerstag exakt um 10:30 Uhr statt und beginnen mit einem Wochenrückblick. Pierino lässt sich von der Kamera nicht stören, denn er kommentiert gern, was er erlebt. Er erweist sich als Zeitgenosse mit detailliertem Gedächtnis und großem Allgemeinwissen. Die Akribie seines Protagonisten schlägt sich nicht nur in der Pünktlichkeit und Verlässlichkeit der vom Filmemacher anberaumten Drehtermine nieder, sondern auch in den filmischen Gestaltungsmitteln. Die Patina der seit Jahren unveränderten Wohnung findet ihre kongeniale Entsprechung in der Musik der Siebziger und in der Materialität: Aufgenommen auf VHS ist der Film eine Verneigung vor der analogen Zeit, die sich im Bild genauso manifestiert wie in Pierinos unzähligen Filmnotizbüchern und in seiner Videokassettensammlung. Die liebevoll-schräge Chronik eines unscheinbaren Alltags.

Annina Wettstein

The Sequence of the Paper Flower (Love and Anger)

Dokumentarfilm
Frankreich,
Italien
1968
12 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Armando Bertuccioli, Castoro Film Rom, Anouchka Film Paris
Pier Paolo Pasolini
Guiseppe Ruzzolini
Pier Paolo Pasolini
Ein Faun in den Straßen von Rom: Jugendliche Unbekümmertheit trifft auf Horrorbilder der Gegenwart. Am Ende die Stimme eines strafenden Gottes.

Ralph Eue

Una Primavera

Dokumentarfilm
Österreich,
Deutschland,
Italien
2018
80 Minuten
Untertitel: 
englische

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Johannes Schubert
Valentina Primavera
Macarena Solervicens
Valentina Primavera
Federico Neri
Valentina Primavera
Valentina Primavera, Macarena Solervicens
Die Fotos aus der Zeit, in der Fiorella und Bruno geheiratet haben, tragen den Index einer verlorenen Epoche. Die Braut – weißes Kleid, Spitzenschleier – blickt leicht nach oben. Eine Art Marienbildnis. Der Bräutigam – schwarzes Haar, schwarzer Anzug – richtet den Blick ins Objektiv: durchdringend und dunkel. Ob sie ihn damals geliebt habe, könne sie nicht sagen, meint Fiorella, die sich gerade das schwere, enzyklopädisch große Hochzeitsalbum auf den Schoß gelegt hat. 40 Jahre liegen zwischen jenen Aufnahmen und der Gegenwart dieses Films – 40 Jahre eines Selbstverlusts, wie Fiorella einmal unter Tränen erzählt.

Valentina Primavera, die jüngste Tochter der Eheleute, reist nun mit der Kamera zurück ins Elternhaus, um eine jahrzehntelange Geschichte des Streits, der Beleidigungen und der häuslichen Gewalt frei- und offenzulegen. Und sie begleitet ihre Mutter bei dem Versuch, sich nach 40 Jahren Ehe endlich und endgültig von ihrem Mann zu trennen. Die Kamera ist ein gnadenloser Apparat. Ihre Gnadenlosigkeit auszuhalten – darin liegt die physische Kraft und Anstrengung dieses Films.

Lukas Stern


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts