Filmarchiv

Lisa, Go Home!

Dokumentarfilm
Estland,
Litauen
2012
27 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Uljana Kim, Studio Uljana Kim
Oksana Buraja
Kristina Sereikaite
Oksana Buraja
Oksana Buraja
Giedrius Aleknavicius
Lisa hat ein Geheimnis. Es wird ihn geben, diesen Ort irgendwo hoch oben, an dem keiner keinem weh tut, an dem es schön ist: „Dort werden wir leben, meine Familie und ich.“ – Lisa wispert vor sich hin, wenn es um ihre Gefühlswelt geht, und um die geht es in diesem ganz schön provokativen Film von Oksana Buraja. Die Mutter „zählt bis drei“, dann müssen die Tränen weggewischt sein und „Kommando lustig“ wird ausgegeben. „Ecke stehen“ gehört ebenfalls zum Alltag. Das Mädchen läuft regelmäßig von zu Hause weg aus dieser Welt der Subalternen, die so augenscheinlich defizitär, ekelhaft und schrecklich gezeichnet ist, dass die Grenzen des Voyeurismus durchaus als angekratzt gelten müssen. Der Fokus bleibt jedoch immer auf Lisa. Ihre Perspektive ist es, durch die wir ihrer Mutter und deren Freundin bei ihren beschwipst-verrauchten Tanzabenden zusehen (mit Typen, die grade mal zum Partymachen gut sind). Ihre kindlichen Augen sind es auch, die idyllische Gegenwelten kreieren – von der Jungfrau Maria bis zum Plätschern eines Bachs. Lisa trippelt barfuß. Lisa singt. Lisa wispert. Unschuld pur. Ein Kind. Es grenzt an ein Wunder (und dann auch wieder nicht), dass sie ihre Familie „dort, hoch oben“, wo es so schön ist, dabei haben will.
– Barbara Wurm

Ub Lama

Dokumentarfilm
Litauen,
Mongolei,
UK
2011
52 Minuten
Untertitel: 
englische

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Arunas Matelis, Lukas Trimonis
Egle Vertelyte
Titas Petrikis
Gerelsukh Otgon, Egle Vertelyte
Francesca Scalisi
Egle Vertelyte
Vytis Puronas
Ein Junge wie viele andere seines Alters: Galaa (12) ist ein patenter, pummeliger Irrwisch, der mit der Schule nicht viel anzufangen weiß. Viel wichtiger findet er es, mit seinem kleinen Bruder (6) rumzutoben, HipHop zu hören, Wrestling im Fernsehen zu schauen oder sich mit Junk Food beim Online Dating die Zeit zu vertreiben. Letzteres ist allerdings bloß eine Fantasie, denn zusammen mit seiner Mutter und dem kleineren Bruder lebt Galaa (natürlich ohne Computer) in einer Yurtensiedlung am Rand von Ulaanbaatar. Jeder neue Tag ist für die Familie – der Vater ist vor einigen Jahren bei einem Unfall gestorben – ein Balanceakt in Sachen Überleben, denn was mit ambulantem Kleinhandel auf dem Markt ranzuschaffen ist, reicht kaum von der Hand in den Mund. So ist denn auch die Anmeldung des Jungen in einer buddhistischen Klosterschule, weniger eine Frage von Berufung als existenzielle Notwehr: die Familie würde es entlasten, wenn er dort akzeptiert würde und für Galaa selbst böte es eine handfeste Zukunftsperspektive. Schnell entdeckt der Kleine, dass er mit dieser Sache gar kein schlechtes Los ziehen würde und auch der ganzen Zeremonienordnung des buddhistischen Mönchtums mit seinen Trommeln, den Gebetsmühlen, bunten Gewändern und Umhängetaschen kann er bald einiges abgewinnen. Eine dokumentarische Coming-of-Age Erzählung von bezaubernder Leichtigkeit und faszinierender Tiefe, sicher zwischen Materialismus und Spiritualität balancierend und – last but not least – befeuert von herzzerreißendem Humor.
– Ralph Eue