Filmarchiv

Dinner

Dokumentarfilm
Litauen
2013
28 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Jurga Gluskinienė
Linas Mikuta
Kristina Sereikaitė
Linas Mikuta, Kristina Sereikaitė
Jonas Maksvytis
Jeden Tag erwartet in der Liepkalnis-Straße in Vilnius all jene eine warme Mahlzeit, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Während in dem schmucklosen Bungalow die Frauen von Hand das Essen zubereiten, die Tische decken und das Kompott einschenken, wartet draußen bereits die hungrige Kundschaft auf den Moment, an dem die Türen aufgehen. Bis dahin steht die Zeit still. Einige nutzen das gern, um in einen Austausch zu kommen, andere interagieren eher unfreiwillig.
Menschen, vom Leben gezeichnet, berichten sich gegenseitig von ihren Schicksalsschlägen, Erfahrungen und Einsichten – oder missverstehen sich auch einfach nur. „Sprecht Ihr von Litauen?“ – „Nein, wir sprechen vom Tod.“ Und doch scheinen sich hier alle sogar wortlos zu verstehen – das zumindest meint man in den Gesten und Blicken zu lesen. Morgen kommt ein neuer Tag, und es wird gewartet werden, auf das Mittagessen. Ein unverschnörkeltes Porträt vom vergessenen Rand der Gesellschaft.

Lars Meyer
Internationales Programm 2013
Second Class Marta Dauliūtė, Elisabeth Marjanović Cronvall

Litauische Männer auf einer Schwedenfähre. Aufmerksame Studie über das Klischee des Arbeitsmigranten, die Realität Europas und den weiblichen Blick auf das männliche Objekt.

Second Class

Dokumentarfilm
Litauen,
Schweden
2012
60 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Elisabeth Marjanović Cronvall, Marta Dauliūtė
Marta Dauliūtė, Elisabeth Marjanović Cronvall
Elisabeth Marjanović Cronvall
Elisabeth Marjanović Cronvall
Thomas Jansson
Die Gratwanderung, auf der FilmemacherInnen ihren Protagonisten begegnen, ist bekanntlich ein Weg voller Fallstricke, Frustrationen und Überraschungen. Geduld ist die oberste Tugend und ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen nicht von Nachteil. Marta Dauliūtė und Elisabeth Marjanović Cronvall treffen eine Gruppe junger litauischer Männer an Bord einer „Schwedenfähre“ und beschließen, einen Film über sie als Arbeitsmigranten zu machen. Die Männer weigern sich, vor allem, weil sie nicht verstehen, was an ihnen derart interessant sein soll, dass zwei Frauen einen ganzen Film damit füllen könnten. Sie wollen das Klischee der Arbeitsmigranten nicht bestätigen und haben keine Lust, das medial heraufbeschworene Mitleid zu bedienen. Eine Dokumentation über Erdbeben – ja, das würde ihnen einleuchten. Aber über sie?
Marta und Elisabeth lassen sich nicht abschütteln, trinken mit den Männern, tanzen mit ihnen – und bei aller Abwehr stellt sich bei den „Forschungsgegenständen“ allmählich ein gewisses Einverständnis ein. Trotz offensiver Ablehnung und stereotypem Machogehabe schaffen es die Frauen mit der Kamera nach einer Weile, die Fassaden anzukratzen, und bekommen – verkleidet als flirtiges Gepose – die innersten Gedanken offenbart. Herausgekommen ist eine aufmerksame Studie, die zum einen eine ganze Reihe aktueller gesellschaftlicher Missstände aufrollt, und zum anderen das Spezifische des weiblichen Blicks auf das männliche Objekt klug kommentiert.

Lina Dinkla