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Internationales Programm
Potentiae Javier Toscano

Mit ausdauerndem Blick beobachtet Javier Toscano unterschiedliche Alltagstechniken von Menschen mit Behinderungen in Mexiko-Stadt – bis dieser Blick mit einem Mal selbst auf dem Spiel steht.

Potentiae

Dokumentarfilm
2016
98 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Alejandra Liceaga
Javier Toscano
Daniel Hidalgo Valdés
Ricardo Garfias
Omar Guzmán, Paulina del Paso
Javier Toscano
Luis Mercio, Carlos Aguilar Zafra
Formatwechsel im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Autotür wird aufgeschoben – und mit ihr das Bild. Der enge Kader wächst in die Breite. Die Kamera beginnt zu fliegen. Hoch oben schwebt sie langsam über die Dächer von Mexiko-Stadt. Dann beginnt sie ihren Landeanflug, sinkt hinab in eine schmale Gasse, findet ihre Protagonisten und gewinnt wieder an Höhe. Es ist die Einstellung, die alles verändert, die alles, was bisher zu erblicken war, in eine neue Ordnung des Sehens überführt, in eine andere Form der Wahrnehmung.

Die Frage steht also im Raum: Was dokumentiert Regisseur Javier Toscano in seinem Film „Potentiae“ eigentlich genau? Sind es die routinierten Weisen der Fortbewegung ohne Beine – auf Stufen, im Wasser, auf der Aschenbahn? Die Zahnputztechnik ohne Arme? Der gelernte Umgang mit dem Blindenstab? Lange Zeit wohnen wir einem genau beobachtenden Film über verschiedene Alltagspraktiken und -techniken von Menschen mit Behinderungen bei: Dokumente unterschiedlicher Konzepte einer selbstbestimmten Lebensführung am Rande einer Megastadt. Aber ist das schon alles? Was macht diese bildöffnende Autotür mit unserem eigenen Sehen? Wird es verschoben oder sogar entgrenzt? Wird unsere Wahrnehmung erweitert oder sogar gesprengt? Können wir unseren Augen noch trauen?

Lukas Stern

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
The Mermaid Kingdom Luis Rincón

In einem Fischerdorf in Nicaragua kommt es zu rätselhaften Vorfällen: Tauchende Männer entsteigen dem Wasser gelähmt. Ein starker Meerjungfrauen-Glaube korreliert mit den Tragödien.

The Mermaid Kingdom

Dokumentarfilm
2017
75 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Rigoberto Perezcano, Bruno Cárcamo
Luis Rincón
Juan Pablo Ramírez Ibañez
Lucrecia Gutiérrez Maupomé
Luis Rincón
Bernat Fortiana
Die Grenze zwischen Land und Meer ist eine magische. Wenn hier gleich zu Anfang einige Kühe die Küste entlanglaufen, dann ist das ein Bild der Unität. Genauso wie die Körper der Meerjungfrauen, die vom Bauch abwärts das Aussehen von Fischen haben sollen. Viele Legenden ranken sich um diese Geschöpfe. Etwa, dass man beginnt, nach Fisch zu stinken, sobald einem eines von ihnen in Liebe zugetan ist. Nur spezielle Kräuter können den Geruch dann noch beseitigen, wodurch eine Ortung verunmöglicht wird. Auch schwängern können die Meerjungfrauen. Und riesige Bankette auf dem Meeresboden ausrichten. Doch die Bewohner eines Fischerortes in Nicaragua scheinen es sich mit den hiesigen aquatischen Wesen verscherzt zu haben: Seit einiger Zeit sind Vorfälle zu beobachten, in denen Männer von ihren Tauchgängen gelähmt heimkehren. Luis Rincón zeigt das Leben an dieser Grenzlinie, die Arbeit ober- und unterhalb des Wassers. Und er setzt einen der Gelähmten in Szene, der fast ausschließlich mit Sonnenbrille auftritt. Ihn nimmt Rincón einmal am Fenster sitzend auf, sodass sich die Lichtspiele auf seiner Haut abzeichnen wie Fischschuppen.

Carolin Weidner


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Other Side of the Wall

Dokumentarfilm
2017
68 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
María Nova López, Emiliano Altuna, Carlos Rossini, Tatiana García
Pau Ortiz
Daniel Hidalgo
María Nova López
Frank Gutiérrez, Pau Ortiz
Carlo Massarelli
Manchmal wird aus der 13-jährigen Rocío ganz unvermittelt eine erwachsene Frau, die mit sorgenvollem Blick in die Zukunft schaut. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie gemeinsam mit ihrem 18-jährigen Bruder Alejandro für die zwei jüngeren Geschwister sorgen muss, während die Mutter im Gefängnis sitzt. Seit mehr als zwei Jahren halten die beiden Teenager die Familie zusammen. Doch die Extremsituation zehrt an ihren Nerven und immer häufiger rasseln sie aneinander. Die Schlachten, die sie schlagen, sind einerseits Abziehbilder klassischer Streitigkeiten zwischen Paaren („Ich bin hier die Einzige, die das Haus sauber hält!“), andererseits Ausdruck der eigenen Zerrissenheit. Beide haben den Anspruch an sich selbst, die schwierige Situation zu lösen und ihren „Mann zu stehen“. Doch vor allem die pubertäre Rocío spürt, dass ihre „Beziehung mit sich selbst“, wie sie sagt, seit einiger Zeit nicht die beste ist.

Die detailreiche filmische Beobachtung zeigt einen familiären Mikrokosmos, der von Überforderung, aber auch von großer Wärme geprägt ist. Sowohl Rocío als auch Ale nutzen die Gesprächssequenzen vor der Kamera als Momente der Reflexion – beide analysieren die eigene Situation so präzise und realistisch, dass es einem den Atem nimmt. Mit diesem Film macht Regisseur Pau Ortiz seinen jungen Protagonisten eine empathische Liebeserklärung, die lange nachwirkt.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Young Eyes Film Award

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