Filmarchiv

Internationales Programm 2015
9 Days – From My Window in Aleppo Thomas Vroege, Floor van der Meulen

Der Fotograf Issa Touma kann seine Wohnung in Aleppo nicht verlassen – vor der Tür wird hart gekämpft: die Assad-Armee gegen die Aufständischen und schließlich kommt noch der IS.

9 Days – From My Window in Aleppo

Dokumentarfilm
Niederlande,
Syrien
2015
13 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Jos de Putter
Thomas Vroege, Floor van der Meulen
Issa Touma
Thomas Vroege, Floor van der Meulen
Issa Touma
Tom Jansen
Der Fotograf Issa Touma kann seine Wohnung in Aleppo nicht verlassen – vor der Tür wird hart gekämpft: die Assad-Armee gegen die Aufständischen und schließlich kommt noch der IS. Issa richtet die Kamera auf sich selbst und durch die heruntergezogene Jalousie aus dem Fenster. So entsteht ein authentisches Bild, das Menschen aus Konfliktregionen vertraut scheinen mag: Nachrichtenbilder, die echten Geräusche der Straßengefechte von draußen und die „Normalität“ des Alltags – Perversion des Kriegs.

Zaza Rusadze
Internationales Programm 2015
Between the Devil and the Deep Heinrich Dahms

Südafrikanische Fischer im Überlebenskampf angesichts eines offiziellen Fangverbots. Schwarzfischerei, Drogen, familiäre Dramen, eine Liebe, die zerbricht, und immer das Meer.

Between the Devil and the Deep

Dokumentarfilm
Niederlande
2015
98 Minuten
Untertitel: 
englische

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Michele Aime
Heinrich Dahms
Johan Bosgraaf
Heinrich Dahms
Heinrich Dahms
Peter Suyderhoud
Es mag ja einiges dafür sprechen, die vom Aussterben bedrohte Meeresschnecke Abalone (deutsch: Seeohr) unter Schutz zu stellen. In Asien als Aphrodisiakum gehandelt, ist sie viel Geld wert und deshalb vor der Küste Südafrikas nahezu ausgerottet. Aber das von der Regierung ausgesprochene totale Fangverbot trifft in erster Linie die Fischer, das schwächste Glied in der Produktionskette. Was tun, wenn es keine andere Einnahmequelle gibt? Sie tauchen illegal nach der Abalone, wodurch ein neuer Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt, Kriminalisierung und Justiz beginnt. Davon erzählt der Film des Niederländers Heinrich Dahms am Beispiel eines kleinen Fischerdorfs in der Nähe von Kapstadt. Über die Geschichten von drei Familien, die Opfer des Fangverbotes sind, entsteht das Bild einer Gemeinschaft, die zwischen dem täglichen Überlebenskampf und den Fallgruben einer korrupten und gewalttätigen Ordnungsmacht zerrieben wird. Dabei gelingen dem Regisseur ebenso eindrucksvolle Einblicke in die Gefahren (und die Schönheit) der Fischerei wie in die Leben seiner Protagonisten und ihrer Probleme: ein ertrunkener Sohn und der Kampf mit den Ermittlungsbehörden, ein Familienvater im Visier der Polizei, ein Meth-abhängiger Kleingangster, der die Liebe seiner Frau zu verlieren droht. Das Leben im neuen Südafrika, und davon erzählt uns der Film eben auch, ist voller enttäuschter Hoffnungen.

---Matthias Heeder
Internationales Programm 2015
Erbarme Dich: Matthäus Passion Stories Ramón Gieling

Die Matthäus-Passion von Bach: Warum berührt sie uns bis heute? Menschen über ihre Beziehung zu Gott, Trauer und Schuld. Musikalisch und visuell kraftvoll inszeniert.

Erbarme Dich: Matthäus Passion Stories

Dokumentarfilm
Niederlande
2015
99 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Sylvia Baan, Hans de Wolf, Janneke Doolaard, Hanneke Niens
Ramón Gieling
Goert Giltay
Barbara Hin
Wouter Veldhuis
Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach ist über 250 Jahre alt, und bis heute berührt und beschäftigt sie ihr Publikum auf eindrucksvolle Weise. Der Film, der sich diesem Phänomen widmet, erzählt mit großer inszenatorischer Kraft von einem Figurenensemble, in dem jeder schicksalhaft mit der Passion verbunden ist. Das Leiden und Sterben Jesu Christi steht nicht allein für sich, sondern wird verwoben mit dem Leiden der Menschen. Wie in einem Theaterstück berichten der Maler, der Tänzer, die Sopranistin und einige mehr von ihren Begegnungen mit dem Werk, von ihren Beziehungen zu Gott, zu Trauer und Schuld. All das ist eingebettet in kraftvolle musikalische und szenische Darbietungen der Kompositionen. Scharfe Lichtsetzung, perspektivische Wechselspiele und eine bedrückende Bildsprache stellen neben den Interviews und der Musik das dritte und nicht minder wuchtige Element des Films dar. Den hochprofessionellen Musikern wird mit einiger Symbolkraft ein Obdachlosenchor gegenübergestellt, der die Darbietungen beobachtet und durch seine stille Anwesenheit kommentiert. Was alle teilen, ist das erlösende Moment der Musik – einer Musik, die sich ihrer erbarmt und die sie ihre eigene Passion finden lässt.

Kim Busch
Internationales Programm 2015
Pekka – Inside the Mind of a School Shooter Alexander Oey

Rekonstruktion eines Amoklaufs in Finnland und spannendes Psychogramm des 18-jährigen Täters: unauffällig, sensibel, wohlbehütet, kaltblütig. Tiefer Blick hinter gepflegte Vorortfassaden.

Pekka – Inside the Mind of a School Shooter

Dokumentarfilm
Niederlande
2014
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Femke Wolting, Bruno Felix
Alexander Oey
Alexander Oey
Jackó van 't Hof
Chris van Oers
Alexander Oey
Rasmus Bruun
„Humanity is overrated“ – eine von vielen hasserfüllten Botschaften, die der 18-jährige Pekka im Internet veröffentlicht und die keiner ernst nimmt. Einmal filmt er einfach kommentarlos seine Schule, wie einen Tatort. Dann sieht man ihn mit einem Revolver auf einen Apfel schießen. Am Tag darauf tötet er mehrere seiner Mitschüler, die Schuldirektorin und sich selbst.

„Pekka“ rekonstruiert den Amoklauf im finnischen Jokela, einem beschaulichen und familienfreundlichen Vorort von Helsinki, im Jahr 2007. Der zeitliche Abstand ist groß genug, um Lehrer, Klassenkamerad/innen, die Mitarbeiter des Waffenladens, aber auch Pekkas Eltern erneut zu befragen und ihre einschätzenden Aussagen zu einem Gesamtbild zu montieren. Nüchtern dringt der Film in die Welt des Täters vor. Ein unauffälliger, sensibler Junge, der keine Freunde hat und von seinen Eltern wohl behütet wird. Und doch zeigt sich, dass er überall Spuren hinterließ, die auf seine spätere Tat verweisen.

Mit dem Täterprofil allein begnügt sich der Film aber keineswegs. In langsamen Fahrten, die nicht zufällig an Gus Van Sants Spielfilm „Elephant“ erinnern, erschließt er sich auch optisch das Terrain. Er richtet die Aufmerksamkeit auf die Interieurs der Wohnungen und zeigt die Anordnung von Taschen im staubfreien Regal ebenso wie die Käfer an den Baumrinden in den gepflegten Grünflächen. So entfaltet er den Mikrokosmos eines durch Homogenität geprägten Ortes, an dem nach der Tat die Reflexion des Falls schnell abgewürgt wurde.

Lars Meyer

Supporting Film

Animadok
Niederlande
2015
12 Minuten
Untertitel: 
englische

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Bart Jansen
Douwe Dijkstra
Rob Peters
Douwe Dijkstra
Douwe Dijkstra
Douwe Dijkstra
Douwe Dijkstra
Rob Peters
Regisseure aufgepasst: Das Publikum lässt sich nicht für dumm verkaufen. Auch wenn die Erwartungen an einen Kinobesuch erheblich differieren. Einem Ornithologen kann das Geräusch einer Drossel im Watt, einem Hörgeschädigten die Textzeile „dramatische Musik“ das Filmerlebnis vermiesen. Douwe Dijkstra filtert in seinem Animadokfilm die Essenz aus Gesprächen mit dem Publikum und übersetzt sie in absurd-verspielte Bildwelten, die den Kosmos Kino ironisch neu erschaffen. Der perfekte Vorfilm.

Lars Meyer