Filmarchiv

Internationales Programm 2017
An Unforgettable Farewell Cláudio de Oliveira Marques

Finstere Gedanken liegen über dem Film wie der Nebel über der Stadt. Durch sie kann man nicht hindurchsehen, sie lassen sich nicht anfassen.

An Unforgettable Farewell

Dokumentarfilm
Niederlande
2017
23 Minuten
Untertitel: 
englische

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Denise van den Hoek, Bente Mars
Cláudio de Oliveira Marques
Maryna Boiko
Michel Rosendaal
Nikki Gorissen
Ruben Dekker, Karlijn Hendriksen
Finstere Gedanken liegen über dem Film wie der Nebel über der Stadt. Durch sie kann man nicht hindurchsehen, sie lassen sich nicht anfassen. Der Suizid und das Leben, das in ihn mündet, die Trauer, die folgt, und der Abschiedsbrief, den man laut liest – Cláudio de Oliveira Marques sucht in intimen Gesprächen mit Betroffenen und Hinterbliebenen nach Wegen, solche Extreme kommunikabel zu machen. Hätte man es wissen können? Hätte man es wissen müssen? Und vor allem: Hätte man es wissen wollen?

Lukas Stern
Internationales Programm 2017
Genderblend Sophie Dros

Ein kraftvoller Film über fünf junge Niederländer, die sich jenseits herkömmlicher Geschlechterbilder bewegen. Klug und offen reflektieren sie über ihr Leben im Dazwischen.

Genderblend

Dokumentarfilm
Niederlande
2017
68 Minuten
Untertitel: 
englische

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Olivia Sophie van Leeuwen
Sophie Dros
Reinier van Harten
Boas van Milligen Bielke
Erik ten Brinke
Job Michel, Gijs den Hartogh
Genderbender unterlaufen duale Geschlechterbilder und verweigern sich der herkömmlichen Einordnung in die Kategorien Weiblich und Männlich. Jeder der fünf Protagonisten in Sophie Dros’ leichtfüßigem Dokumentarfilm hat den ersten Schritt hinaus aus der Konvention bereits hinter sich und ist dabei, die eigene Identität jenseits der Norm für sich zu entdecken. Konfrontiert mit Reaktionen zwischen Unverständnis, Interesse und offener Abwehr, schwanken sie zwischen Trotz, Zweifel und Enthusiasmus über jeden weiteren Schritt. Schließlich gelingt es jedem von ihnen, sich selbst ein kleines Stückchen näher zu kommen. Sogar dann, wenn die Außenwelt – trotz aller Neugierde – dafür manchmal noch nicht bereit ist.

Sophie Dros befragt Lisa, Anne, Dennis, Lashawn und Selm nach ihren Erfahrungen und Träumen und nimmt sich Raum, ihre unterschiedlichen Geschichten erzählerisch und visuell zu entfalten. Während die fußballspielenden Zwillinge Lisa und Anne beeindruckend „bei sich“ zu sein scheinen, haben Dennis, Selm und Lashawn immer wieder mit Verschiebungen von Selbstbild und Fremdbild zu kämpfen. Sie alle lassen uns teilhaben an ihren Wünschen und Widersprüchen. „Genderblend“ feiert sie in ihrem Kampf um eine Gesellschaft, in der Gender nicht mehr für zwei einander entgegengesetzte Idealvorstellungen, sondern für eine individuelle und einzigartige Konstruktion im Sinne des Sowohl-als-auch steht.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Young Eyes Film Award
Internationales Programm 2017
Greetings from Aleppo Issa Touma, Floor van der Meulen, Thomas Vroege

Der syrische Fotograf Issa Touma reist aus Europa in seine Geburtsstadt Aleppo und besucht seine Familie, alte Freunde und Studenten, die dort noch immer leben.

Greetings from Aleppo

Dokumentarfilm
Niederlande,
Syrien
2017
17 Minuten
Untertitel: 
englische

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Jos de Putter, Bas Vroege
Issa Touma, Floor van der Meulen, Thomas Vroege
Darius Timmer
Issa Touma
Floor van der Meulen, Thomas Vroege
Tom Jansen
Der syrische Fotograf Issa Touma reist aus Europa in seine Geburtsstadt Aleppo und besucht seine Familie, alte Freunde und Studenten, die dort noch immer leben. Es ist ein Film über den Alltag und die Kunst des Überlebens im Angesicht von Krieg und Zerstörung, über die Tragik und Absurdität des Lebens in einer Extremsituation. Und vor allem wird erschreckend deutlich, wie wenig die Nachrichtenbilder mit dem eigentlichen Leben und Geschehen in Aleppo korrespondieren.

Frederik Lang
Internationales Programm 2017
Melanie Susanne Helmer

Das Bild eines Modells mit Föhnhaube initiiert eine Spurensuche: Wer war die Unbekannte? Aus Recherche und Spekulation ergeben sich Fragen nach der Repräsentation von Wirklichkeit und Fiktion.

Melanie

Dokumentarfilm
Niederlande
2016
73 Minuten
Untertitel: 
englische

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Susanne Helmer (Shelmerfilm Amsterdam)
Susanne Helmer
Rik Zaal
Susanne Helmer
Susanne Helmer
Susanne Helmer
Susanne Helmer, Wiebe de Boer
„Es war einmal diese Frau, die unter einer Trockenhaube fotografiert wurde.“ Auf einem Flohmarkt im Sauerland fällt der deutsch-niederländischen Filmemacherin Susanne Helmer die Schachtel einer Föhnhaube aus den 1970er Jahren in die Hände. Das darauf abgebildete Modell sieht jung aus und schüchtern – „nicht so, als sei es ihr Ziel, im Leben ein Fotomodell zu sein“. Ausgehend von der Zufallsbegegnung setzt sich die Suche nach der realen wie möglichen Biografie der Unbekannten in Gang.

„Melanie“ vermischt die dokumentarische Recherche mit einem Parallelplot aus Spekulationen und Projektionen. Familienfotos, Reenactments und Tonfragmente aus Spielfilmen schreiben an einem trivialen Foto- und Filmroman – mit fließenden Übergängen zwischen Spießigkeit und Camp. Szenen einer Ehe oder die Geschichte einer luxuriösen Aussteigerexistenz? Neben der Frage nach der Repräsentation von Wirklichkeit und Fiktion wirft der Film auch einen dezidiert ästhetischen Blick auf die bundesrepublikanische Gesellschaft in den Siebzigern und Achtzigern: auf Werbung, Wohn- und Konsumkultur und die darin zum Ausdruck kommenden Geschlechterverhältnisse.

Esther Buss