Filmarchiv

Keeping & Saving – Or How to Live

Dokumentarfilm
Niederlande
2018
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Monique Busman, Michiel van Erp
Digna Sinke
Jan Wich
Albert Elings
Digna Sinke
Mark Wessner
In einer alten Box finden sich allerlei Schätze: ein Armband aus Hühnerknochen, ein kleiner Papierfächer, in dem sich einst Rasierklingen versteckten, ein Bierdeckel, beschrieben von einem Schwarm. Und ein Heft mit einem braunen Flecken darin: „Stimmt, ich hatte Nasenbluten.“

Regisseurin Digna Sinke ist bewusst, dass sie gern und viel sammelt. Doch: „Überall lese ich, dass wir aufräumen müssen. Ein ordentliches Zuhause ist ein ordentliches Leben.“ Sie hängt an Dingen, an denen für sie wiederum Wünsche, Hoffnungen, Leidenschaften hängen – kurz: das, was ein Menschenleben ausmacht. Und sie ist nicht die einzige. Überall trifft sie Personen, denen es ähnlich geht. Aber auch solche, die sich entschieden haben, nichts mehr zu besitzen. Die Regisseurin ahnt: Sie befindet sich in einer Zwischenzeit. Einerseits die materielle Vergangenheit, voller Kunsthandwerk, Greifbarem, Ballast. Da die digitale Zukunft mit ihren Clouds, kollektiven Eigentümern, Unpersönlichem. Sinke stellt beide Optionen einander gegenüber, überprüft den eigenen Hang, die eigene Anhänglichkeit und die Freiheit der anderen, der sie nicht ganz zu trauen scheint, aber mit Offenheit begegnet.

Carolin Weidner

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Principal Wife

Dokumentarfilm
Niederlande
2018
70 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Koert Davidse, Marc Thelosen
Hester Overmars
Diego van Uden
Jefrim Rothuizen
Ralf Verbeek
Hester Overmars
Diego van Uden
Wie man der eigenen Familiengeschichte auf die Spur kommt, obwohl niemand offen darüber sprechen will, zeigt „The Principal Wife“ auf beeindruckende und berührende Weise. Im Mittelpunkt steht dabei die 38-jährige Malerin Marijke van der Meulen, deren Mutter Aagje sie und ihre Familie verließ, um sich einer christlichen Sekte anzuschließen, als die Tochter acht Jahre alt war. Aagje wurde zur Frau des Sektenführers, der seine Anhänger manipulierte und den man später unter anderem wegen Kindesmissbrauchs verurteilte. Marijke selbst entging zwar den Übergriffen, wird aber bis heute von den traumatischen Erinnerungen an diese Zeit verfolgt, ohne genau zu wissen, was eigentlich vorgefallen ist.

Mit ihren Fragen stößt sie auf eine Mauer des Schweigens. Widerwillig lassen sich Familienmitglieder und Freunde auf ein Gespräch ein, wollen allerdings anonym bleiben. Marijke akzeptiert. Fortan konzentriert sich die Kamera komplett auf sie und zeigt, wie sich Emotionen und Ängste, Wut und Trauer auf ihrem Gesicht Bahn brechen. Flankiert von ihren eigenen künstlerischen Arbeiten wird aus der kreativen Notlösung ein filmischer Glücksfall. Nur selten ist es einem Film auf so intensive und packende Weise gelungen, dabei zu sein, wenn ein Mensch die eigene Lebensgeschichte nachvollzieht und dem Geschehenen einen Sinn gibt. Am Ende steht nur noch eine Gesprächspartnerin auf Marijkes Liste …

Luc-Carolin Ziemann

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Trial

Dokumentarfilm
Niederlande
2018
127 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Sergei Loznitsa, Maria Choustova, Peter Warnier
Sergei Loznitsa
Danielius Kokanauskis
Sergei Loznitsa
Vladimir Golovnitski
Der Prozess gegen die sogenannte „Industrie-Partei“ fand im Schicksalsjahr des Ersten Fünfjahresplanes der UdSSR statt, vom 25. November bis zum 7. Dezember 1930. Es war nicht der erste Schauprozess unter Stalin, aber historisch deshalb so zentral, weil die Show hier klappte und das Kalkül voll aufging. Hatten beim Schachty-Prozess 1928 noch einige Angeklagte ihre Schuld bestritten, so gestanden hier alle, zeigten Einsicht und Reue. Vollständig, inständig. „Schädlinge“ und „Saboteure“ seien sie – „Konterrevolutionäre“ also. Zum Zwecke der „sozialen Sicherheit“ mussten demnach – darüber waren sich die Tausenden im Saal mit den draußen auf den Straßen Marschierenden einig – „die höchsten Maßnahmen“ ergriffen werden: „Tod durch Erschießen“. So lautete denn auch das Urteil, nach dessen Verkündung die Menge unter tosendem Applaus in Freudentränen ausbrach.

Gespenstischer, so denkt man sich bei jedem neuen Film Sergei Loznitsas, geht es nicht mehr. Und doch kriecht der Horror der Sowjetmacht diesmal noch ein Stückchen weiter unter die Haut. Unkommentiert baut der Geschichtsanalytiker des Kinos das sorgfältig recherchierte Archivmaterial zu einem Kammerspiel der rhetorischen und inszenatorischen Perfidie. Und er rekonstruiert – in der Ausführlichkeit notwendig brutal – das Ereignis einer allumfassenden juristisch-politischen Fabrikation. Eine „Industrie-Partei“ hat es nie gegeben …

Barbara Wurm

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Love Is Potatoes

Dokumentarfilm
Niederlande
2017
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Frank van den Engel
Aliona van der Horst
Stefano Sasso
Aliona van der Horst, Maasja Ooms
Maasja Ooms, Ollie Huddleston, Aliona van der Horst
Simone Massi
Aliona van der Horst
Tim van Peppen
Eine lustige Frau turnt auf dem Balkon. Im Schnee wird Papier verbrannt. Ein ganzer Raum voller getragener Schuhe. Das Haus birst vor Erinnerungsstücken, Details, nach deren Bedeutung man sucht. Oder die für immer vergessen sind. Die Mutter der niederländischen Filmemacherin Aliona van der Horst lernte eines Tages einen Niederländer kennen, heiratete ihn und verließ Russland. Erst als van der Horst ihr Erbe empfängt – ein heruntergekommenes Holzhaus im russischen Niemandsland – befasst sie sich eingehender mit der Herkunft ihrer Mutter und deren Mutter und deren fünf weiteren Töchtern.

Durchsetzt von den kraftvollen Animationen des italienischen Künstlers Simone Massi, erwacht in „Love Is Potatoes“ ein dunkles Kapitel sowjetrussischer Geschichte zum Leben, dem sich die Betroffenen auf ganz unterschiedliche Weise stellen. Abwehr und Leugnung zählen zu den Strategien, aber auch die schriftliche Annäherung über Briefe. Dieser Film ist von großer Schmerzhaftigkeit geprägt. Trotzdem gibt seine Regisseurin an keiner Stelle der Versuchung nach, daraus einen Schauwert zu machen. Wohl komponiert und maßvoll bringt sie die Elemente, die oft an Puzzlestücke erinnern, zusammen.

Carolin Weidner



Lobende Erwähnung im Internationalen Wettbewerb
Preis der Interreligiösen Jury



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Francofonia

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland,
Niederlande
2015
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Pierre-Olivier Bardet, Thomas Kufus, Els Vandevorst
Alexander Sokurov
Murat Kabardokov
Bruno Delbonnel
Alexei Jankowski, Hansjörg Weissbrich
Alexander Sokurov
André Rigaut, Jac Vleeshouwer
Sein Schaffen zählt zum Eigenwilligsten, das das (russische) Kino in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. In „Francofonia“ finden die Idiosynkrasien des „grand auteur“ Alexander Sokurov zu neuen Dimensionen. Eine animiert-fiktionale Dokumentar-Essay-Collage aus historischem Archiv- wie Reenactment-Material zur bewegten Geschichte rund um den Pariser Louvre ist das Resultat, mit Skype-basierter Container-Philosophie, drohnengetriebener Vogelschau auf die Welt von heute und persönlich eingesprochenen (nur wenig raunenden) Kommentaren zur ewig währenden Beziehung von Kunst und Krieg, Humanismus und Macht sowie (Kultur-)Erbe und Ideologie.

Während Hitler in Frankreich einmarschiert (man kennt das aus Ophüls‘ „Le Chagrin et la Pitié“) und Franz Graf von Wolff-Metternich mit Louvre-Direktor Jacques Jaujard über die Evakuierung von Kulturgut im Sinne der „Kunstschutz“-Verpflichtung kollaboriert, schauen aus dem Jenseits mal Frau Marianne, mal Herr Bonaparte zur Tür herein … Oder die beiden russischen Unsterblichen tauchen auf, Tolstoi und Tschechow, jedoch am Sterbebett …

Die großen Nationen, ihr Geist (und ihre Geister), Europa und die Kunst, die Welt und ihr Verbleib. Es sind wilde Assoziationsketten, die hier ausgeworfen werden, und doch ist Sokurov darin ganz bei sich. Erstaunlich angesichts der Wellen, die dem kontemplativen Kunstschaffenden gerade heute entgegenschlagen.

Barbara Wurm

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The Event

Dokumentarfilm
Belgien,
Niederlande
2015
74 Minuten
Untertitel: 
englische
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Sergei Loznitsa, Maria Choustova, Nicola Mazzanti
Sergei Loznitsa
Sergei Loznitsa, Danielius Kokanauskis
Sergei Loznitsa
Vladimir Golovnitski
Wie schon in früheren Filmen verwendet Sergei Loznitsa Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Archiven, um damit Geschichte zu rekonstruieren, wenn nicht zu konstruieren. Es sind Bilder des historischen Ereignisses, das den endgültigen Zerfall der Sowjetunion einleitete: der gescheiterte Putschversuch am 19. August 1991. In den Straßen von Sankt Petersburg, das damals noch Leningrad hieß, stehen die Menschen. Die Kamera bewegt sich durch die Massen und erfasst Gesichter, ihr Ausdruck: nichtwissend. Sie alle warten und hören den endlosen Verlautbarungen zu.

Loznitsas gekonnte künstlerische Intervention betrifft die Tonspur. Während des dreitägigen Coup d‘État sendete das staatliche Fernsehen der UdSSR – wie stets in Krisensituationen – ununterbrochen Aufzeichnungen des Tschaikowski-Balletts „Schwanensee“. Der Regisseur nimmt das Musikmotiv auf, es gliedert den Film in Kapitel. Die Berichterstattung aus dem Radio ist ein weiteres narratives Element, das Loznitsa zu seinem Quasi-Kommentar macht und damit den Zustand der Unsicherheit, des Nicht-Wissens und der Nicht-Information unterstreicht. Dennoch geht es nicht um eine Neu-Interpretation der Geschichte, sondern eher darum, die Oberfläche des Realen zu durchdringen und nach Deutungsmöglichkeiten zu suchen – in der Hoffnung, zu einer Erkenntnis zu gelangen, wie Aufstände und Machtwechsel generell funktionieren.

Zaza Rusadze



Ausgezeichnet mit dem Filmpreis "Leipziger Ring"

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