Filmarchiv

Little Man, Time and the Troubadour

Dokumentarfilm
Belgien,
Niederlande
2019
104 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jan van der Zanden, Ineke Kanters
Ineke Smits
Walter Hus
Piotr Rosolowski
Katarina Türler
Ineke Smits, Sipa Labakhua
Jeroen Stout
„Nationalitäten waren uns egal“, sagt eine ältere Dame. Sie zeigt ihrer Freundin und dem Kamerateam das Haus, in dem sie als junge Frau mit ihren Kindern wohnte. Die Schule war nur um die Ecke. Alle lebten sie hier harmonisch Tür an Tür: Armenier, Georgier, Abchasier, Mingrelier. Bis der Krieg kam. Jeder, der es sich leisten konnte, flüchtete. Nach Russland, in die Türkei, nach Georgien. Abchasien, das sich selbst als Staat betrachtet, liegt im Süden des Kaukasus und grenzt ans Schwarze Meer. Völkerrechtlich gehört das Land zu Georgien, hat jedoch den Status einer autonomen Region.

Der abchasische Künstler Sipa Labakhua ist nach vielen Jahren in seine Heimat zurückkehrt und zieht nun mit seiner autobiografischen Marionettenshow durchs Land. Er erzählt von seinen eigenen Erfahrungen, seiner Flucht, den Träumen seines Vaters – und sammelt auf seinen Reisen weitere Geschichten: von georgischen Bauern, orthodoxen Priestern, abchasischen Nationalisten, syrischen Flüchtlingen und russischen Hippies. Daraus entsteht das poetische Bild einer Gesellschaft, die diverser kaum sein könnte und sich eine essenzielle Frage stellt, die uns alle beschäftigt: Wie definiert sich die nationale oder kulturelle Identität eines Landes? Sipa Labakhua hat darauf eine ganz eigenwillige Antwort: Er sieht sich als Troubadour, die Kunst als sein Heimatland und sein Talent als Zuhause.

Julia Weigl

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Mama Mania Vincent Sparreboom

Die Mama, ein Neuroleptikum, das Telefon und der Regisseur: Wortkarg, aber vielsagend entfaltet Vincent Sparreboom (s-)eine Mutter-Sohn-Beziehung, in der die eine hofft und der andere bangt.

Mama Mania

Dokumentarfilm
Niederlande
2019
13 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Vincent Sparreboom
Vincent Sparreboom
Joachim Lenting, Vincent Sparreboom
Vincent Sparreboom
Vincent Sparreboom
Erik Langhout, Vincent Sparreboom
„Hallo, Mama, ich bin’s.“ Mit einem Anruf beginnt, was ein kurzer Film über eine lebenslange Mutter-Sohn-Beziehung in Telefonaten, Textnachrichten und Umgebungseindrücken zu erzählen vermag: viel, alles. Der Dialog zwischen Ton und Bild ist wortkarg, aber voll von Nichtgesagtem. Von oben versenkt sich die Kamera in zwei bewohnte Einsamkeiten: die des Filmemachers und die seiner Mutter. Fernmündlich besprechen die beiden das Neuroleptikum Haldol und einen neuen Mann in Mamas Leben. Vincent sorgt sich.

Sylvia Görke

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Living the Light – Robby Müller

Dokumentarfilm
Deutschland,
Niederlande
2018
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Carolijn Borgdorff, Alexander Wadouh, Sven Sauër
Claire Pijman
SQÜRL (Jim Jarmusch, Carter Logan)
Claire Pijman
Katharina Wartena
Claire Pijman
Robby Müller (1940–2018) war eine Lichtgestalt, nur anders, als man dieses Wort gemeinhin versteht. Er hätte gut einen der weisen und wortkargen Indianer in Jim Jarmuschs Spätwestern „Dead Man“ darstellen können. Das ging nur nicht, weil er für diesen Film als Director of Photography fungierte und dort wie in rund 70 anderen Meisterwerken des internationalen Autorenkinos sein spezielles, einerseits fest und wie gemalt, aber zugleich durchscheinend und flirrend sich gebendes Licht auf die Leinwand zauberte.

Über Jahrzehnte führte der Kameramann ein Videotagebuch, das die Filmemacherin Claire Pijman bereits für die große Ausstellung „Master of Light“ im Amsterdamer Filmmuseum EYE aufarbeitete und welches sie nun in ihrem eigenen Film „Living the Light“ als zentralen Bildfundus nutzt. Über einer Sequenz zwischen Dennis Hopper und Nicholas Ray aus Wim Wenders’ „Der amerikanische Freund“ erzählt die Kamerakollegin Agnès Godard, dass Meisterschaft für sie erst darin zum Ausdruck kommt, wenn sich die Grandezza einer Kameraarbeit in den Szenen selber zum Verschwinden gebracht hat, weil sie wie selbstverständlich darin enthalten ist. Seltsam, dass man Robby Müllers Bilder fast immer auch zu hören glaubt. In „Living the Light“ wird dieser Eindruck forciert durch fein improvisierte Soundscapes von Jim Jarmusch und Carter Logan.

Ralph Eue


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

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Western Wild … or How I Found Wanderlust and Met Old Shatterhand

Dokumentarfilm
Niederlande
2018
9 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Martha Colburn
Martha Colburn
Martha Colburn
Martha Colburn
Martha Colburn
Martha Colburn
Martha Colburn
Karl May floh aus der Enge der Wilhelminischen Kaiserzeit in die von edlen Indianern bewohnten Weiten der Fantasiewelt. In den merkwürdigen Canyons des Lebens von May folgt Martha Colburn seiner Fährte mit einer abenteuerlich verdrehten Collageanimation und entdeckt autobiografische Parallelen: Heimatort ihrer Jugend war das Tausend-Seelen-Kaff Biglerville – 1863 Seitenschauplatz einer der blutigsten Schlachten gegen die indigene Bevölkerung, heute berühmt für Esel-Basketball.

André Eckardt

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An Unforgettable Farewell

Dokumentarfilm
Niederlande
2017
23 Minuten
Untertitel: 
englische
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Denise van den Hoek, Bente Mars
Cláudio de Oliveira Marques
Maryna Boiko
Michel Rosendaal
Nikki Gorissen
Ruben Dekker, Karlijn Hendriksen
Finstere Gedanken liegen über dem Film wie der Nebel über der Stadt. Durch sie kann man nicht hindurchsehen, sie lassen sich nicht anfassen. Der Suizid und das Leben, das in ihn mündet, die Trauer, die folgt, und der Abschiedsbrief, den man laut liest – Cláudio de Oliveira Marques sucht in intimen Gesprächen mit Betroffenen und Hinterbliebenen nach Wegen, solche Extreme kommunikabel zu machen. Hätte man es wissen können? Hätte man es wissen müssen? Und vor allem: Hätte man es wissen wollen?

Lukas Stern

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Genderblend

Dokumentarfilm
Niederlande
2017
68 Minuten
Untertitel: 
englische
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Olivia Sophie van Leeuwen
Sophie Dros
Reinier van Harten
Boas van Milligen Bielke
Erik ten Brinke
Job Michel, Gijs den Hartogh
Genderbender unterlaufen duale Geschlechterbilder und verweigern sich der herkömmlichen Einordnung in die Kategorien Weiblich und Männlich. Jeder der fünf Protagonisten in Sophie Dros’ leichtfüßigem Dokumentarfilm hat den ersten Schritt hinaus aus der Konvention bereits hinter sich und ist dabei, die eigene Identität jenseits der Norm für sich zu entdecken. Konfrontiert mit Reaktionen zwischen Unverständnis, Interesse und offener Abwehr, schwanken sie zwischen Trotz, Zweifel und Enthusiasmus über jeden weiteren Schritt. Schließlich gelingt es jedem von ihnen, sich selbst ein kleines Stückchen näher zu kommen. Sogar dann, wenn die Außenwelt – trotz aller Neugierde – dafür manchmal noch nicht bereit ist.

Sophie Dros befragt Lisa, Anne, Dennis, Lashawn und Selm nach ihren Erfahrungen und Träumen und nimmt sich Raum, ihre unterschiedlichen Geschichten erzählerisch und visuell zu entfalten. Während die fußballspielenden Zwillinge Lisa und Anne beeindruckend „bei sich“ zu sein scheinen, haben Dennis, Selm und Lashawn immer wieder mit Verschiebungen von Selbstbild und Fremdbild zu kämpfen. Sie alle lassen uns teilhaben an ihren Wünschen und Widersprüchen. „Genderblend“ feiert sie in ihrem Kampf um eine Gesellschaft, in der Gender nicht mehr für zwei einander entgegengesetzte Idealvorstellungen, sondern für eine individuelle und einzigartige Konstruktion im Sinne des Sowohl-als-auch steht.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Young Eyes Film Award

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Greetings from Aleppo

Dokumentarfilm
Niederlande,
Syrien
2017
17 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jos de Putter, Bas Vroege
Issa Touma, Floor van der Meulen, Thomas Vroege
Darius Timmer
Issa Touma
Floor van der Meulen, Thomas Vroege
Tom Jansen
Der syrische Fotograf Issa Touma reist aus Europa in seine Geburtsstadt Aleppo und besucht seine Familie, alte Freunde und Studenten, die dort noch immer leben. Es ist ein Film über den Alltag und die Kunst des Überlebens im Angesicht von Krieg und Zerstörung, über die Tragik und Absurdität des Lebens in einer Extremsituation. Und vor allem wird erschreckend deutlich, wie wenig die Nachrichtenbilder mit dem eigentlichen Leben und Geschehen in Aleppo korrespondieren.

Frederik Lang

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Melanie Susanne Helmer

Das Bild eines Modells mit Föhnhaube initiiert eine Spurensuche: Wer war die Unbekannte? Aus Recherche und Spekulation ergeben sich Fragen nach der Repräsentation von Wirklichkeit und Fiktion.

Melanie

Dokumentarfilm
Niederlande
2016
73 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Susanne Helmer (Shelmerfilm Amsterdam)
Susanne Helmer
Rik Zaal
Susanne Helmer
Susanne Helmer
Susanne Helmer
Susanne Helmer, Wiebe de Boer
„Es war einmal diese Frau, die unter einer Trockenhaube fotografiert wurde.“ Auf einem Flohmarkt im Sauerland fällt der deutsch-niederländischen Filmemacherin Susanne Helmer die Schachtel einer Föhnhaube aus den 1970er Jahren in die Hände. Das darauf abgebildete Modell sieht jung aus und schüchtern – „nicht so, als sei es ihr Ziel, im Leben ein Fotomodell zu sein“. Ausgehend von der Zufallsbegegnung setzt sich die Suche nach der realen wie möglichen Biografie der Unbekannten in Gang.

„Melanie“ vermischt die dokumentarische Recherche mit einem Parallelplot aus Spekulationen und Projektionen. Familienfotos, Reenactments und Tonfragmente aus Spielfilmen schreiben an einem trivialen Foto- und Filmroman – mit fließenden Übergängen zwischen Spießigkeit und Camp. Szenen einer Ehe oder die Geschichte einer luxuriösen Aussteigerexistenz? Neben der Frage nach der Repräsentation von Wirklichkeit und Fiktion wirft der Film auch einen dezidiert ästhetischen Blick auf die bundesrepublikanische Gesellschaft in den Siebzigern und Achtzigern: auf Werbung, Wohn- und Konsumkultur und die darin zum Ausdruck kommenden Geschlechterverhältnisse.

Esther Buss

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Internationales Programm
Bring the Jews Home Eefje Blankevoort, Arnold van Bruggen

Wenn alle Juden nach Israel heimkehren, erscheint der Messias. Glaubt zumindest der Niederländer Koen und missioniert in der Ukraine. Christlicher Fundamentalismus als schräger Psychotrip.

Bring the Jews Home

Dokumentarfilm
Niederlande
2016
56 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Iris Lammertsma, Boudewijn Koole
Eefje Blankevoort, Arnold van Bruggen
Harry de Wit, Stan Verberkt
Ton Peters
Patrick Schonewille
Alex Tugushin, Mark Glynne
Wie lange müssen die Christen noch auf die Rückkehr des Messias warten? Wie erfüllt sich die Prophezeiung und durch wen? Zum Beispiel durch Koen Carlier. Davon ist der flämische Aktivist zumindest selbst überzeugt. Schließlich liefert die Bibel genaue Handlungsanweisungen: Bringt die Juden nach Hause, dann kommt auch der Messias. Im Namen der niederländischen Zweigstelle der Organisation „Christians for Israel“ beackert er deshalb seit über 20 Jahren die Ukraine, um alle dort verbliebenen Juden über ihr Recht (und eigentlich ihre Pflicht), nach Israel auszuwandern, aufzuklären. Sein Alltag sieht aber wenig glorreich aus und ähnelt dem eines Handlungsreisenden. Auf seinen Touren durch unterentwickelte Regionen stößt er auf gastfreundliche, aber auch skeptische Menschen. Der eine beruft sich auf seinen hohen Blutdruck, der andere will lieber nach Deutschland. Carlier predigt mit sanfter Strenge und unerschütterlichem Enthusiasmus weiter: Niemand bleibt in der Diaspora zurück, ob er will oder nicht.

Mit Maidan und dem Ausbruch des Ukraine-Konfliktes vollzieht sich in seinen Augen eine endgültige Wendung. Alle Zeichen und Symbole stehen auf Armageddon. Hier ändert der Film selbst seine Richtung radikal – vom Porträt eines verirrten Familienvaters zum Psychotrip. Mit voller Bildkraft voraus schraubt er sich in die gefährliche Gedankenwelt eines religiösen Fundamentalismus christlicher Fasson.

Lars Meyer

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Internationales Programm
The Chocolate Case Benthe Forrer

Schokolade, die ohne Kindersklaven produziert wird? Gibt es nicht! Ein niederländischer Journalist will das ändern, klagt sich selbst an und wird zum Produzenten … Ein bittersüßer Thriller.

The Chocolate Case

Dokumentarfilm
Niederlande
2016
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Barbara Coronel
Benthe Forrer
Kyteman
Maarten Kramer
Ralf Verbeek
Benthe Forrer
Eric Leek
Die niederländischen Journalisten Teun van de Keuken, Maurice Dekkers und Roland Duong stolpern im Jahr 2002 über eine kurze Zeitungsmeldung, die von Kindersklaven bei der Kakaoernte berichtet. Bestürzt über die Beiläufigkeit, mit der eine solche Nachricht erscheint, beschließen sie, das Thema aufzugreifen. Ihre Recherchen ergeben recht schnell, dass in jedem Schokoprodukt – ob mit oder ohne Fairtrade-Siegel – Kinderarbeit steckt und dass große Konzerne wie Nestlé dies weder bestreiten noch ändern wollen. Um dafür mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, hat Teun van de Keuken die Idee, sich selbst als Schokokonsument für seine Mitschuld an der Kindersklaverei anzuklagen. Der Fall landet tatsächlich vor Gericht und drei Jahre später wird ein Urteil gefällt. In der Zwischenzeit nehmen die Journalisten die Sache jedoch selbst in die Hand und gehen unter die Süßwarenproduzenten, um die weltweit erste zu hundert Prozent sklavenfreie Schokolade – Tony’s Chocolonely – auf den Markt zu bringen.

Benthe Forrers so bewegender wie unterhaltsamer Film besticht durch viel Archivmaterial, angehäuft in einem Zeitraum von über einem Jahrzehnt, das Recherche, Gerichtsprozess und Firmengründung lückenlos dokumentiert. Und die gute Nachricht am Schluss: Ja, man kann etwas verändern, wenn man will. Und ja, es ist hart. Aber das kommt später. Erstmal muss man anfangen.

Lina Dinkla

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Internationales Programm
Voices of Finance Clara van Gool

In einem Blog des Guardian wurden 2012/13 Selbstauskünfte und -einschätzungen von Managern aus der globalen Finanzwelt gesammelt und unter dem Titel „Voices of Finance“ veröffentlicht.

Voices of Finance

Dokumentarfilm
Niederlande
2015
35 Minuten
Untertitel: 
englische
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Hanneke Niens, Hans de Wolf (KeyFilm), Joost van Krieken (NTR)
Clara van Gool
Nils Post
Kevin Whelan
Clara van Gool
Alex Booy
In einem Blog des Guardian wurden 2012/13 Selbstauskünfte und -einschätzungen von Managern aus der globalen Finanzwelt gesammelt und unter dem Titel „Voices of Finance“ veröffentlicht. In Clara van Gools Film finden sich zehn dieser Stimmen zu virtuosen Performances verstoffwechselt: In extrem stilisierten Choreografien formen sich die Stimmen aus diesem Milieu zu einem großen Tanz ums goldene Kalb, aufgeführt in der realen Umgebung des internationalen Finanzzentrums London.

Ralph Eue

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
9 Days – From My Window in Aleppo Thomas Vroege, Floor van der Meulen

Der Fotograf Issa Touma kann seine Wohnung in Aleppo nicht verlassen – vor der Tür wird hart gekämpft: die Assad-Armee gegen die Aufständischen und schließlich kommt noch der IS.

9 Days – From My Window in Aleppo

Dokumentarfilm
Niederlande,
Syrien
2015
13 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jos de Putter
Thomas Vroege, Floor van der Meulen
Issa Touma
Thomas Vroege, Floor van der Meulen
Issa Touma
Tom Jansen
Der Fotograf Issa Touma kann seine Wohnung in Aleppo nicht verlassen – vor der Tür wird hart gekämpft: die Assad-Armee gegen die Aufständischen und schließlich kommt noch der IS. Issa richtet die Kamera auf sich selbst und durch die heruntergezogene Jalousie aus dem Fenster. So entsteht ein authentisches Bild, das Menschen aus Konfliktregionen vertraut scheinen mag: Nachrichtenbilder, die echten Geräusche der Straßengefechte von draußen und die „Normalität“ des Alltags – Perversion des Kriegs.

Zaza Rusadze

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Between the Devil and the Deep Heinrich Dahms

Südafrikanische Fischer im Überlebenskampf angesichts eines offiziellen Fangverbots. Schwarzfischerei, Drogen, familiäre Dramen, eine Liebe, die zerbricht, und immer das Meer.

Between the Devil and the Deep

Dokumentarfilm
Niederlande
2015
98 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Michele Aime
Heinrich Dahms
Johan Bosgraaf
Heinrich Dahms
Heinrich Dahms
Peter Suyderhoud
Es mag ja einiges dafür sprechen, die vom Aussterben bedrohte Meeresschnecke Abalone (deutsch: Seeohr) unter Schutz zu stellen. In Asien als Aphrodisiakum gehandelt, ist sie viel Geld wert und deshalb vor der Küste Südafrikas nahezu ausgerottet. Aber das von der Regierung ausgesprochene totale Fangverbot trifft in erster Linie die Fischer, das schwächste Glied in der Produktionskette. Was tun, wenn es keine andere Einnahmequelle gibt? Sie tauchen illegal nach der Abalone, wodurch ein neuer Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt, Kriminalisierung und Justiz beginnt. Davon erzählt der Film des Niederländers Heinrich Dahms am Beispiel eines kleinen Fischerdorfs in der Nähe von Kapstadt. Über die Geschichten von drei Familien, die Opfer des Fangverbotes sind, entsteht das Bild einer Gemeinschaft, die zwischen dem täglichen Überlebenskampf und den Fallgruben einer korrupten und gewalttätigen Ordnungsmacht zerrieben wird. Dabei gelingen dem Regisseur ebenso eindrucksvolle Einblicke in die Gefahren (und die Schönheit) der Fischerei wie in die Leben seiner Protagonisten und ihrer Probleme: ein ertrunkener Sohn und der Kampf mit den Ermittlungsbehörden, ein Familienvater im Visier der Polizei, ein Meth-abhängiger Kleingangster, der die Liebe seiner Frau zu verlieren droht. Das Leben im neuen Südafrika, und davon erzählt uns der Film eben auch, ist voller enttäuschter Hoffnungen.

---Matthias Heeder

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Erbarme Dich: Matthäus Passion Stories Ramón Gieling

Die Matthäus-Passion von Bach: Warum berührt sie uns bis heute? Menschen über ihre Beziehung zu Gott, Trauer und Schuld. Musikalisch und visuell kraftvoll inszeniert.

Erbarme Dich: Matthäus Passion Stories

Dokumentarfilm
Niederlande
2015
99 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Sylvia Baan, Hans de Wolf, Janneke Doolaard, Hanneke Niens
Ramón Gieling
Goert Giltay
Barbara Hin
Wouter Veldhuis
Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach ist über 250 Jahre alt, und bis heute berührt und beschäftigt sie ihr Publikum auf eindrucksvolle Weise. Der Film, der sich diesem Phänomen widmet, erzählt mit großer inszenatorischer Kraft von einem Figurenensemble, in dem jeder schicksalhaft mit der Passion verbunden ist. Das Leiden und Sterben Jesu Christi steht nicht allein für sich, sondern wird verwoben mit dem Leiden der Menschen. Wie in einem Theaterstück berichten der Maler, der Tänzer, die Sopranistin und einige mehr von ihren Begegnungen mit dem Werk, von ihren Beziehungen zu Gott, zu Trauer und Schuld. All das ist eingebettet in kraftvolle musikalische und szenische Darbietungen der Kompositionen. Scharfe Lichtsetzung, perspektivische Wechselspiele und eine bedrückende Bildsprache stellen neben den Interviews und der Musik das dritte und nicht minder wuchtige Element des Films dar. Den hochprofessionellen Musikern wird mit einiger Symbolkraft ein Obdachlosenchor gegenübergestellt, der die Darbietungen beobachtet und durch seine stille Anwesenheit kommentiert. Was alle teilen, ist das erlösende Moment der Musik – einer Musik, die sich ihrer erbarmt und die sie ihre eigene Passion finden lässt.

Kim Busch

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Pekka – Inside the Mind of a School Shooter Alexander Oey

Rekonstruktion eines Amoklaufs in Finnland und spannendes Psychogramm des 18-jährigen Täters: unauffällig, sensibel, wohlbehütet, kaltblütig. Tiefer Blick hinter gepflegte Vorortfassaden.

Pekka – Inside the Mind of a School Shooter

Dokumentarfilm
Niederlande
2014
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Femke Wolting, Bruno Felix
Alexander Oey
Alexander Oey
Jackó van 't Hof
Chris van Oers
Alexander Oey
Rasmus Bruun
„Humanity is overrated“ – eine von vielen hasserfüllten Botschaften, die der 18-jährige Pekka im Internet veröffentlicht und die keiner ernst nimmt. Einmal filmt er einfach kommentarlos seine Schule, wie einen Tatort. Dann sieht man ihn mit einem Revolver auf einen Apfel schießen. Am Tag darauf tötet er mehrere seiner Mitschüler, die Schuldirektorin und sich selbst.

„Pekka“ rekonstruiert den Amoklauf im finnischen Jokela, einem beschaulichen und familienfreundlichen Vorort von Helsinki, im Jahr 2007. Der zeitliche Abstand ist groß genug, um Lehrer, Klassenkamerad/innen, die Mitarbeiter des Waffenladens, aber auch Pekkas Eltern erneut zu befragen und ihre einschätzenden Aussagen zu einem Gesamtbild zu montieren. Nüchtern dringt der Film in die Welt des Täters vor. Ein unauffälliger, sensibler Junge, der keine Freunde hat und von seinen Eltern wohl behütet wird. Und doch zeigt sich, dass er überall Spuren hinterließ, die auf seine spätere Tat verweisen.

Mit dem Täterprofil allein begnügt sich der Film aber keineswegs. In langsamen Fahrten, die nicht zufällig an Gus Van Sants Spielfilm „Elephant“ erinnern, erschließt er sich auch optisch das Terrain. Er richtet die Aufmerksamkeit auf die Interieurs der Wohnungen und zeigt die Anordnung von Taschen im staubfreien Regal ebenso wie die Käfer an den Baumrinden in den gepflegten Grünflächen. So entfaltet er den Mikrokosmos eines durch Homogenität geprägten Ortes, an dem nach der Tat die Reflexion des Falls schnell abgewürgt wurde.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Supporting Film

Animadok
Niederlande
2015
12 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Bart Jansen
Douwe Dijkstra
Rob Peters
Douwe Dijkstra
Douwe Dijkstra
Douwe Dijkstra
Douwe Dijkstra
Rob Peters
Regisseure aufgepasst: Das Publikum lässt sich nicht für dumm verkaufen. Auch wenn die Erwartungen an einen Kinobesuch erheblich differieren. Einem Ornithologen kann das Geräusch einer Drossel im Watt, einem Hörgeschädigten die Textzeile „dramatische Musik“ das Filmerlebnis vermiesen. Douwe Dijkstra filtert in seinem Animadokfilm die Essenz aus Gesprächen mit dem Publikum und übersetzt sie in absurd-verspielte Bildwelten, die den Kosmos Kino ironisch neu erschaffen. Der perfekte Vorfilm.

Lars Meyer

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