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Jahr

Next Masters Wettbewerb 2018
Symphony of the Ursus Factory Jaśmina Wójcik

Heraufbeschwörung einer untergegangenen Existenz- und Arbeitsweise. Die Phonosphäre der Schwerindustrie, neu erschaffen mittels Traktoren, Kompositionen und Körpererinnerungen.

Symphony of the Ursus Factory

Dokumentarfilm
Polen
2018
61 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Zuzanna Król
Jaśmina Wójcik
Dominik Strycharski
Kacper Czubak, Jakub Wróblewski
Aleksandra Gowin
Jaśmina Wójcik, Igor Stokfiszewski
Dominik Strycharski
Symbolische Wiederbelebung des glorreichen Zeitalters der polnischen Landmaschinenproduktion. Das traditionsreiche Unternehmen Ursus gehörte einst zu den größten seiner Art in ganz Europa. Mit dem Kollabieren des Kommunismus war jedoch auch das Schicksal von Ursus besiegelt. Heute sind die Produktionsstätten verfallen und Tausenden ehemaligen Beschäftigten erscheint die eigene Arbeitsbiografie nur noch wie ein ferner, gar fremder Schatten.

Vor einigen Jahren begann eine Gruppe von Choreografen, Musikern und Filmemachern um die Künstlerin Jaśmina Wójcik, Kontakt zu den früheren Arbeitern und Angestellten von Ursus herzustellen. Alle Beteiligten staunten nicht schlecht, wie sehr die damals ausgeführten Tätigkeiten in vielen unkontrollierten Momenten die Körpersprache der Protagonisten beeinflussten, ja steuerten. Das Körpergedächtnis war offensichtlich besser trainiert als das kognitive. Der nun erarbeitete Film, eine dokumentarische Inszenierung, ist eine nach musikalischen Regeln organisierte Performance. Die Mitwirkenden versetzten sich als Darsteller ihrer selbst in Charaktere, die sie einmal in der Wirklichkeit der Fabrik gewesen sind. In der lamentablen Realität der heutigen Fabriküberreste empfinden sie rituell einen früheren Arbeitstag nach, gipfelnd in einem aufwändigen Traktorenballett, das jedem hochbudgetierten Hollywoodmusical zur Ehre gereichen würde.

Ralph Eue


Nominiert für den Healthy Workplaces Film Award und den MDR Filmpreis