Filmarchiv

Jahr

Losing Sonia

Dokumentarfilm
Polen
2012
50 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Katarzyna Slesicka, Sideways Film
Radka Franczak
Radka Franczak, Michael Ackerman, Ita Zbroniec-Zajt, Anna Wydra, Małgorzata Szyłak
Radka Franczak, Jarosław Kamiński
Radka Franczak
Der Film führt uns in den Alltag von Schwester Christina, einer jungen, orthodoxen Nonne. Sie betet bei Kerzenschein, dann mäht sie den Rasen auf dem Grünstreifen vor dem Kloster, entfernt alte Schrauben aus ausgebauten Holzfenstern. Sie malt Ikonen, feiert mit den Mitschwestern Silvester. In Interviewpassagen erzählt sie von ihrer Entscheidung für Gott und den anfänglichen Schwierigkeiten im Kloster. Als wir mit Christina – ihr weltlicher Name lautet Sonia – die Eltern besuchen, erahnen wir, was Sonia und die Familie noch immer prägt. Es sind die Traumata der sowjetischen Jahre: Krieg, Lager, Verbannung, sozialistische Erziehung.
Der Film lässt uns verstehen, warum sich eine junge Frau für das rigide Klosterleben entscheidet, ihre Familie verlässt, bei Gott Halt sucht. Die Regisseurin geht damit über die herkömmliche Betrachtung einer einzelnen Biografie hinaus. Sie zeigt, dass sich die sowjetische Geschichte tief in die Lebensläufe der Menschen eingebrannt hat und als Erbe weit hineinragt in die nachfolgenden Generationen. Sonias Mutter sagt, dass die menschlichen Instinkte von den Autoritäten gebrochen wurden. Selbst ihre Tochter hat sie verloren. Sonia jedoch hat ihren Weg gefunden. Am Ende sehen wir sie als Schwester Christina glücklich im Kirchturm die Glocken läuten.
– Antje Stamer
Spätlese 2019
The Wind. A Documentary Thriller Michał Bielawski

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind: Charakterstudie einer Landschaft und eines regionalklimatischen Sonderfalls, der durch polnische Wälder, Organismen und Seelen weht.

The Wind. A Documentary Thriller

Dokumentarfilm
Polen,
Slowakei
2019
75 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Maciej Kubicki
Michał Bielawski
Bartłomiej Solik
Hubert Pusek
Michał Bielawski
Wenn in der Hohen Tatra im Süden Polens der Halny kommt, dann steigt die Zahl der Anrufe bei der Notrufnummer deutlich an. Der Halny ist ein Wind, der die Menschen nervös macht, der ihnen zusetzt und der ihre Krisen verstärkt. Michał Bielawski erzählt in seinem „dokumentarischen Thriller“ die Geschichte einer Naturgewalt und von den Menschen, die mit dem Wind leben müssen.

Nichts ist schwerer zu berechnen als das Wetter, denn es wirkt sich auf jeden Organismus und jede Seele anders aus. Und Bielawski setzt mit seinem Wetterbericht an beiden Endpunkten der Ereignisachse an: In beeindruckenden Panoramaaufnahmen zeigt er, wie der Halny entsteht, wenn sich dicke Wolken von den Bergen in die engen Täler wälzen. Er zeigt aber auch, wie sich die Menschen auf die Umschwünge und auf die gelegentlichen größeren oder kleineren Naturkatastrophen eingestellt haben. Eine besonders beeindruckende Figur scheint sich geradezu mit dieser besonderen Regionalwelt zu identifizieren: Teresa umarmt die Bäume, sie möchte gern einen Flecken für sich in den geschützten Wäldern. Sie wird zur Verkörperung einer Landschaft, über die Michał Bielwaski mit seinen Bildern und mit einem starken, atmosphärischen Soundtrack so etwas wie eine Charakterstudie angelegt hat.

Bert Rebhandl



Ausgezeichnet mit dem MDR-Film-Preis.