Filmarchiv

Jahr

Spätlese 2019
Campo Tiago Hespanha

Inmitten der arkadisch anmutenden Landschaft von Europas größter Militärbasis am Stadtrand von Lissabon treffen Schafe und Bienen auf Ornithologen und für den Einsatz trainierende Soldaten.

Campo

Dokumentarfilm
Portugal
2019
101 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

João Matos
Tiago Hespanha
Tiago Hespanha, Rui Xavier, Luísa Homem, Cláudia Varejão, Paulo Menezes
Francisco Moreira, Tiago Hespanha
Eva Boliño, Adriana Bolito, Giorgio Gristina, Tiago Melo Bento
Am Stadtrand von Lissabon liegt Europas größte Militärbasis. Soldaten trainieren anhand von fiktiven Szenarien für einen zukünftigen Krieg, die Anwohner hören nachts die Einschläge der Geschütze, ein Junge spielt Klavier. Soldaten wie Hobbyastronomen durchwachen auf ihren Missionen die Nacht, Ornithologen lauern auf den Balzgesang seltener Vögel, Scharfschützen auf Feinde und Zielscheiben. Imker schauen nach ihren Bienen, ein Schäfer hilft einem gebärenden Muttertier: Arkadisch anmutende Landschaften mit Rehen und grasenden Schafen im Morgennebel treffen auf ein modernes Marsfeld („campo de marte“), wie die Kriegsübungsplätze im antiken römischen Reich hießen.

Der Film lässt sich Zeit für seine Beobachtungen. Er hört den Erzählungen der Menschen ebenso zu wie der vom Klang des Kriegsspiels inspirierten Klavierkomposition „Battle in the Stars“. Er lauscht den Schafen, den Vögeln, den Bienen. Darin liegt eine Gleichzeitig- wie Gleichwertigkeit – der Gewalt, der Natur, der Menschen, der historischen wie zukünftigen Schichten, des Materiellen und des Transzendentalen.

Frederik Lang

Raw

Dokumentarfilm
Portugal
2017
150 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Carlos Ruiz Carmona
Carlos Ruiz Carmona
Carlos Ruiz Carmona
Carlos Ruiz Carmona
Carlos Ruiz Carmona
Carlos Ruiz Carmona, Pedro Ribeiro
„Cru“ heißt „rau“, „roh“ oder auch „wund“. All das ist diese szenische Aneinanderreihung von Carlos Ruiz Carmona – Momentaufnahmen aus der portugiesischen Stadt Porto, die er über einen Zeitraum von bald einer Dekade gesammelt hat. Hier gibt es Filmküsse und heftig kopulierende Körper, zitternde Hände und Sex gegen Geld. Hostien knacken und Zähne werden ausgeschlagen. Die Bilder sind alles andere als glamourös und doch sind sie aufgeladen: Die Menschen in ihnen agieren angespannt und häufig aggressiv. Das Porto von Carlos Ruiz Carmona ist ein Energiefeld, in dem sich allerorts Spannung aufbaut und wieder entlädt, wo Menschen mal Empfänger, dann Sender jener Ströme werden. Der Film wirkt distanziert und dabei gleichermaßen intim, weil sein Regisseur zwar auf direkte Kommunikation verzichtet, aber ein bohrender Beobachter ist. Einer, den vor allem die Oberflächen interessieren, unter denen es brodelt und die kurz vorm Aufplatzen stehen – sei es in Form eines Ekzems, eines Schlags oder einer Geburt.

Carolin Weidner