Filmarchiv

Jahr

FilmFestival Cottbus 2012
Crulic - The Path to Beyond Anca Damian

Die wahre Geschichte eines Mannes, der in die Mühlen der europäischen Bürokratie geriet und zugrunde ging. Meisterhaft animierte Ballade vom Vergehen der Menschlichkeit.

Crulic - The Path to Beyond

Animadok
Polen,
Rumänien
2011
73 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Anca Damian, Aparte Film
Anca Damian
Ilija Zogowski
Catalin Cristutiu
Anca Damian
Diese animierte Dokumentation rekonstruiert auf eigenwillige Weise das wahre (!) Schicksal eines Mannes, der in die Mühlen der europäischen Bürokratie gerät. Und die sind mörderisch.
Die Regisseurin beleuchtet das in ihrer zweiten abendfüllenden Kinoarbeit mit verschiedenen Mitteln des Animationsfilms: Momente des Zeichentricks, bewegte Collagen aus Fotografien, Computertricks, Knetfiguren, gelegentlich leicht verfremdete Realaufnahmen. Besonderer stilistischer Kniff: Die Hauptfigur kommentiert und rekapituliert das eigene Leben und Sterben ähnlich wie es 1950 Joe Gillis (William Holden) in Billy Wilders legendärem Spielfilm SUNSET BOULEVARD tat. Als Daniel Claudiu Crulic (gesprochen vom Schauspieler Vlad Ivanov) mit seiner Erzählung beginnt, lebt er bereits nicht mehr. Der 33-jährige Rumäne starb 2008 in Polen, nachdem er aus Protest gegen seine Verhaftung wegen eines Diebstahls, den er gar nicht begangen haben konnte, in den Hungerstreik getreten und von der Bürokratie als Nummer abgehakt worden war.
Durch die ausgefeilte Montage von Bild und Ton bekommt die Ballade vom Vergehen aller schlichten Menschlichkeit unter der Allmacht grenzenloser Profitgier einen reizvollen Rhythmus und eine große Sogwirkung. Daraus erwächst eine so beunruhigende wie erschütternde Mahnung: Ein Europa, in dem Behörden und Beamte Zuständigkeiten und Verantwortung am liebsten rasch weit von sich schieben, in dem der Einzelne nichts zählt, ist alles andere als lebenswert.
– Peter Claus, Katalog Cottbus
Spätlese 2019
Marona’s Fantastic Tale Anca Damian

Marona-Sara-Ana-die Neunte ist edler Abstammung, aber keine Prinzessin. Ihre Namen bekam sie von Herrchen und Frauchen. Das moderne Märchen über eine Hündin wirft Identitätsfragen auf.

Marona’s Fantastic Tale

Animationsfilm
Belgien,
Frankreich,
Rumänien
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Anca Damian
Anca Damian
Pablo Pico
Brecht Evens, Gina Thorstensen, Sarah Mazetti
Boubkar Benzabat
Dan Panaitescu, Chloé Roux, Hefang Wei, Mathieu Labaye, Claudia Ilea
Anghel Damian
Clément Badin
Marona-Sara-Ana-die-Neunte ist zwar väterlicherseits von adliger Abstammung, anmutig und schön, aber keine Prinzessin. In ihrem kurzen Leben meistert sie manche Abenteuer: Sie lernt Akrobatik und Zaubertricks, landet kurzzeitig auf der Straße und wird sogar zur Retterin in der Not. Sie ist eine Hündin. Ihre Namen bekam sie von diversen Herrchen und Frauchen. Anca Damian erzählt mit Fantasie und Humor eine berührende Geschichte.

Eine eigenwillige, surrealistisch-kindliche Ästhetik, die Kombination verschiedener Animationstechniken, starke Stilisierungen und die buntfröhliche Farbpalette verleihen den Figuren besondere Ausdruckstärke. Die Hintergründe beeindrucken als witzige und künstlerisch geprägte Wimmelbilder. Durch ungewöhnliche Perspektiven entdecken wir gleichzeitig aus vielen Blickwinkeln urbanes Treiben – wie mit allen Sinnen. Im Herzen des Films entfaltet sich ein realistisch-kritisches Stadtgesellschaftsporträt, das vor Fragen zur Beziehung zu Tieren und damit zu unseren Werten nicht zurückschreckt. Freude und Traurigkeit, Abschied und Anfang bedingen sich – auch der Tod wird sensibel mitbehandelt. Damians modernes Märchen dreht sich um Identität und Zugehörigkeit. Mit musikalischer und visueller Poesie sowie mit philosophischem Esprit feiert es – ebenso schlicht wie extravagant – die Komplexität der Existenz und die Einfachheit des Glücks.

Nadja Rademacher

The Royal Train

Dokumentarfilm
Österreich,
Rumänien
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Johannes Rosenberger, Constantin Wulff, Johannes Holzhausen (Navigator Film), Ada Solomon, Diana Păroiu (HiFilm)
Johannes Holzhausen
Joerg Burger
Dieter Pichler
Johannes Holzhausen, Constantin Wulff
Andreas Hamza, Vlad Voinescu
Eine untergegangene Monarchie wird von einer Prinzessin repräsentiert, deren unerschütterliche Mission es ist, dass ihrer Dynastie wieder eine echte Verantwortung für Politik und Wirtschaft in der rumänischen Gegenwart übertragen wird. Mit großer Energie, manchmal auch komischen Ausrutschern, überwiegend aber mit dem gebührenden royalistischen Ernst spielt Prinzessin Margareta von Rumänien ihre Rolle als Subjekt und Objekt der eigenen Kampagne. Aufgeführt wird das Stück vom neuen Wein in alten Schläuchen. Mit höfischer Entourage bereist Margareta „ihr“ Land im gleichen königlichen Zug, auf derselben königlichen Strecke, in dem auch schon ihr Vater König Michael I. den Kontakt zu seinen Untertanen suchte und pflegte. Dass der rote Teppich als offensichtlichstes Symbol von monarchischer Grandezza auch beim kleinsten Zwischenstopp einen makellosen Eindruck zu machen hat, versteht sich von selbst – lässt sich aber nicht immer hundertprozentig herstellen.

Den Betrieb, der sich um diese Reise ins Rückwärts entfaltet, beobachtet Regisseur Johannes Holzhausen mit distanziert-staunender Neugier, offenbart sich darin doch eine vielsagende (Un-)gleichzeitigkeit zwischen altwurzelndem K.-u.-k.-Zeremoniell und aktueller Marketing-Vision.

Ralph Eue