Filmarchiv

Jahr

Normalization

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2013
100 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Robert Kirchhoff, coproducer: Hypermarket Film, CzechTV
Robert Kirchhoff
Peter Zagar
Ján Meliš
Jana Vlčková, Adam Brothánek
Jozef Giertli Danglár
Robert Kirchhoff
Václav Flegl, Michal Gábor
Die neunzehnjährige Medizinstudentin Ludmilla Cervanova hat eben noch in die Kamera gelächelt. 1976 fand man ihren Leichnam in einem Fluss in einer kleinen slowakischen Stadt. Sieben Männer waren für die grauenvolle Vergewaltigung und den Tod des Mädchens verantwortlich. Glücklicherweise hat man die Täter gefasst und verurteilt. Obwohl Ludmilla aber bei lebendigem Leibe ertränkt wurde, waren an der Leiche seltsamerweise keine Anzeichen von Gewalt festzustellen. Obwohl die Mörder seit Jahren im Gefängnis sitzen, kann sich nicht einer von ihnen an die schreckliche Tat erinnern. Obwohl eine Reihe von Zeugen die Unschuld der Verurteilten bestätigte, wurde keiner von ihnen vor Gericht angehört. Robert Kirchhoff lässt diese Leute zu Wort kommen, viele andere verstummen aber vor seinen Fragen nach plausiblen Tatsachen. Er dringt in die Tiefen eines Falls vor, der bis heute ein ungelöstes Rätsel in der slowakischen Geschichte darstellt. Er rekonstruiert eine „Landkarte der Ereignisse“ und zeichnet ein Bild, das von Macht, deren Missbrauch, von Manipulation, der Perfidität von Geheimdiensten und von den politischen Machenschaften eines Landes erzählt. „Normalization“ demonstriert im besten Sinne, wozu ein Film in der Lage sein kann. Und über der Wahrheit liegt immer noch das unschuldige Lächeln eines neunzehnjährigen Mädchens.

Claudia Lehmann



Ausgezeichnet mit einer Lobenden Erwähnung im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm und dem Preis der Ökumenischen Jury 2013

Spätlese 2019
The Wind. A Documentary Thriller Michał Bielawski

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind: Charakterstudie einer Landschaft und eines regionalklimatischen Sonderfalls, der durch polnische Wälder, Organismen und Seelen weht.

The Wind. A Documentary Thriller

Dokumentarfilm
Polen,
Slowakei
2019
75 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Maciej Kubicki
Michał Bielawski
Bartłomiej Solik
Hubert Pusek
Michał Bielawski
Wenn in der Hohen Tatra im Süden Polens der Halny kommt, dann steigt die Zahl der Anrufe bei der Notrufnummer deutlich an. Der Halny ist ein Wind, der die Menschen nervös macht, der ihnen zusetzt und der ihre Krisen verstärkt. Michał Bielawski erzählt in seinem „dokumentarischen Thriller“ die Geschichte einer Naturgewalt und von den Menschen, die mit dem Wind leben müssen.

Nichts ist schwerer zu berechnen als das Wetter, denn es wirkt sich auf jeden Organismus und jede Seele anders aus. Und Bielawski setzt mit seinem Wetterbericht an beiden Endpunkten der Ereignisachse an: In beeindruckenden Panoramaaufnahmen zeigt er, wie der Halny entsteht, wenn sich dicke Wolken von den Bergen in die engen Täler wälzen. Er zeigt aber auch, wie sich die Menschen auf die Umschwünge und auf die gelegentlichen größeren oder kleineren Naturkatastrophen eingestellt haben. Eine besonders beeindruckende Figur scheint sich geradezu mit dieser besonderen Regionalwelt zu identifizieren: Teresa umarmt die Bäume, sie möchte gern einen Flecken für sich in den geschützten Wäldern. Sie wird zur Verkörperung einer Landschaft, über die Michał Bielwaski mit seinen Bildern und mit einem starken, atmosphärischen Soundtrack so etwas wie eine Charakterstudie angelegt hat.

Bert Rebhandl



Ausgezeichnet mit dem MDR-Film-Preis.