Filmarchiv

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Internationales Programm 2018
Curiosity and Control Albin Biblom

Wilde Tiere faszinieren die Menschen. Die Tier-Präsentationsformen reichen von kunstvoll gestalteten Dioramen in Museen bis hin zu modernen und tiergerechteren zoologischen Gärten.

Curiosity and Control

Dokumentarfilm
Schweden
2018
58 Minuten
Untertitel: 
englische

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Adam Marko-Nord, Sara Waldestam
Albin Biblom
Goran Kajfes, David Österberg
Albin Biblom
Bernhard Winkler
Albin Biblom
David Österberg
Dioramen waren im 19. Jahrhundert eine Art Vorläufer des Kinos. Ausgestopfte Tiere aus fernen Ländern sollten in möglichst naturgetreuer Umgebung inszeniert werden. Der US-amerikanische Forscher und Bildhauer Carl Akeley gilt als Vater der Taxidermie. Anfang des 20. Jahrhunderts schuf er stilbildende Dioramen im Naturkundemuseum in New York. In den 1920er Jahren filmte er als Erster wilde Berggorillas und wurde vom Jäger zum engagierten Tierschützer. In seiner Biografie spiegelt sich nicht nur der gesellschaftliche Wandel im Umgang mit Tieren, sondern auch der technische Fortschritt.

Ausgehend vom Porträt des Pioniers Akeley geht „Curiosity and Control“ auf die Entwicklung von Tier-Präsentationsformen in naturhistorischen Museen und zoologischen Gärten ein und lotet kritisch verschiedene Sichtweisen aus. Was ist des Menschen Beziehung zur Fauna? Neugierde und Kontrolle prägen sie: Erstere hat seit den frühen Expeditionsreisen Forscher dazu getrieben, Tiere zu sammeln, zu besitzen, zu systematisieren – und vor dem Verschwinden zu bewahren. Besitz stellt jedoch auch Dominanz her. Dürfen andere Spezies gefangen gehalten werden? Egal wie „natürlich“ und tiergerecht die Zoo-Architektur gebaut ist: „Man erblickt etwas, das wie ein Elefant aussieht. Aber es benimmt sich nicht wie ein wilder Elefant“, sagt ein Zoodirektor. Ein weiteres Dilemma.

Annina Wettstein

Exit

Dokumentarfilm
Deutschland,
Norwegen,
Schweden
2018
80 Minuten
Untertitel: 
englische

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Eirin Gjørv
Karen Winther
Michel Wenzer
Peter Ask
Robert Stengård
Karen Winther
Yvonne Stenberg, Gisle Tveito
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Dokumentarfilm über Wege aus dem Extremismus

 

Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Klassenstufen: ab 9. Klasse

Themen: Extremismus, Rassismus, Gewalt, Schuld, Neuanfang, Ausstieg
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde, Religion, Ethik, Politik, Deutsch, Philosophie

 

Zum Inhalt

Als Karen Winther wegen eines Umzugs alte Kisten in die Hände fallen, ist sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Gleich obenauf liegen Aufkleber mit Hakenkreuzen, daneben eine Kassette mit der Aufschrift „Blitz“ und „Hits“, einiges anderes Material mit Reichsadlern. Vor zwanzig Jahren schloss sie sich einer rechtsextremistischen Organisation in Norwegen an, suchte dort das Abenteuer und Gleichgesinnte. Heute schämt sie sich für dieses Material und für das, wofür es steht: ihre Zeit als Rechtsextreme. „Exit“ ist Karen Winthers Weg, die eigene Geschichte zu verstehen und ein Stück weit Frieden mit sich selbst zu schließen. Sie macht sich auf die Suche nach Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. In den USA trifft sie mehrere Frauen, die jahrelang in der rechten Szene aktiv waren und sich heute gegenseitig unterstützen. Mit Sören, einem ehemaligen Linksextremisten aus Schweden unterhält sie sich darüber, was es heißt, die eigene Meinung mit Gewalt durchzusetzen. In Deutschland besucht sie Ingo Hasselbach, „The Führer of Berlin“, von
dessen Ausstieg aus der ostdeutschen Neonazi-Szene der Wendejahre Winfried Bonengels Film „Führer Ex“ handelt. In Paris lernt sie den ehemaligen Dschihadisten David kennen, der mit den Attentätern der ersten Terroranschläge in Frankreich bekannt war und während seines Gefängnisaufenthalts den Absprung aus der Dschihadisten-Gemeinschaft geschafft hat. Winther interessiert sich vor allem dafür, was ihren Gesprächspartner/innen als Weckruf diente, Gewalt und Radikalismus hinter sich zu lassen. Was gab bei jedem Einzelnen den Ausschlag zum Ausstieg?

Als Karen Winther wegen eines Umzugs alte Kisten in die Hände fallen, ist sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Gleich obenauf liegen Aufkleber mit Hakenkreuzen, daneben eine Kassette mit der Aufschrift „Blitz“ und „Hits“, einiges anderes Material mit Reichsadlern. Vor zwanzig Jahren schloss sie sich einer rechtsextremistischen Organisation in Norwegen an, suchte dort das Abenteuer und Gleichgesinnte. „It‘s embarrassing to look at“, spricht sie im Off-Kommentar. „Exit“ ist ihr Film, ihre Geschichte und doch weist die Handlung schnell in andere Richtungen, bleibt nicht im eigenen Gefüge verhaftet. Winther reist in die USA, um Frauen zu treffen, die sich ebenfalls im rechtsextremen Milieu bewegten. Sie sitzt mit einem ehemaligen linksextremen Aktivisten im Auto und unterhält sich über eine prägende Begegnung, viele Jahre zuvor. Sie lernt Ingo Hasselbach, „The Führer of Berlin“, kennen, von dessen Ausstieg aus der ostdeutschen Neonazi-Szene der Wendejahre Winfried Bonengels Film „Führer Ex“ handelt. Und sie kommt mit einem Ex-Dschihadisten zusammen, der seine Strafe in einem Pariser Gefängnis abgesessen hat. Neben überraschend verbindenden Motivationen und Erfahrungen teilen alle Schwierigkeiten, die mit ihren „Exits“ zusammenhängen, Schuldgefühle, aber auch Gefährdungen seitens noch aktiver Mitglieder.



Carolin Weidner





Ausgezeichnet mit dem Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, mit dem Young Eyes Film Award und dem Gedanken-Aufschluss-Preis der Jury aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen Strafgefangenen der JSA Regis-Breitingen


Internationales Programm 2018
IKEA for YU Marija Ratković Vidaković, Dinka Radonić

Die Identitätsgeschichte Jugoslawiens und Ex-Jugoslawiens ist konflikt- und widerspruchsreich. Marija bereist diese Geschichte, indem sie in ihre eigene Familie hineinforscht.

IKEA for YU

Dokumentarfilm
Kroatien,
Schweden
2018
52 Minuten
Untertitel: 
englische

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Vera Robić Škarica, Marija Ratković Vidaković
Marija Ratković Vidaković, Dinka Radonić
Siniša Krneta
Dinka Radonić
Damir Čučić
Marija Ratković Vidaković, Dinka Radonić
Johan Bodin, Siniša Krneta
Ein Familien-Selfie vor den „Drei Fäusten“, einem Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg getöteten Bürger von Niš, der drittgrößten Stadt im heutigen Serbien. Drei Betonfäuste aus der Zeit des Titoismus ragen in den Himmel: die Faust eines Vaters, die einer Mutter, die eines Kindes. Marija bringt sich in Position, Mutter und Vater stellen sich daneben, der Bruder drückt den Auslöser. Nichts anderes wird auf diesem Bild gespeichert als die gesamte konflikt- und widerspruchsreiche Identitätsgeschichte Jugoslawiens und Ex-Jugoslawiens – eine Geschichte, die noch immer nachzittert und der Marija Ratković Vidaković, unterstützt von Co-Autorin Dinka Radonić, mit diesem persönlichen Familienfilm auf den Grund geht.

Geprägt durch Eltern und Großeltern, die die realsozialistischen Ideen und Werte der Tito-Ära auf dem Balkan noch in sich tragen, muss sich die Dreiunddreißigjährige mit einem paradoxen Identitätserbe auseinandersetzen, das mit ihrer privaten Welt und ihrem Leben in Kroatien kaum etwas zu tun hat. Marija weiß, dass sie dieses Erbe nicht an ihren Sohn weitergeben möchte, und sie weiß, dass es dafür in ihr verblühen muss. „IKEA for YU“ ist das über Jahre entstandene Zeugnis einer Reise in die eigene Familiengeschichte, tief hinein in die intimsten Geflechte, in denen sich eine lange, wendungsreiche Geschichte festgebissen hat. Und eine Reise weit hinaus aus Kroatien.

Lukas Stern


Nominiert für den MDR-Filmpreis

Internationales Programm 2018
Lyubov – Love in Russian Staffan Julén, Svetlana Alexievich

Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch befragt Menschen zum Thema: „Liebe ist …“ – was schwierig zu beantworten ist, besonders, wenn man von sich selbst erzählt. Genau das passiert hier.

Lyubov – Love in Russian

Dokumentarfilm
Schweden
2017
90 Minuten
Untertitel: 
englische

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Johan Lijleström Seth
Staffan Julén, Svetlana Alexievich
Majaq Julén Brännström
Åsa Mossberg, Rasmus Nyholm Schmidt, Staffan Julén
„Liebe ist …“, stand früher auf Stickern, mit Herzchenumrandung, Firlefanz. Die Frage wird in diesem Film allerdings von einer Persönlichkeit gestellt, die herausragt aus dem Allerlei der Weltliteratur. Und zwar dadurch, dass sie dem „einfachen Menschen“ zuhört, seine je eigene Redeweise aufzeichnet und am Ende zu einem Kaleidoskop der Stimmen zusammenfügt. Dem „roten“, „sozialistischen Menschen“ und seinen Ideen näherte sich die belarussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch mit dieser Methode und bekam dafür den Nobelpreis.

Nun ist sie den universalen Dingen auf der Spur und interviewt ihre Landsleute über Liebe und Beziehung. Eine gut gemeinte Frage, schwer zu beantworten. Das Buch über Tod und Altern, resümiert sie an einer Stelle, werde sicher einfacher, der Mensch scheine über Glück gar nicht so gern zu sprechen. Doch das stimmt natürlich nicht. Die Interviewten öffnen sich enorm, ob glücklich liebend oder unglücklich. Sie legen sich ins Bett ihrer verstorbenen Eheleute, für die sie Tango tanzten. Sie schwärmen heute noch vom grauen KGB-Anzug des Partners. Sie widmen ihr Leben dem nicht-eigenen behinderten Kind. Sie gehen stundenlang spazieren und holen sich Blasenentzündungen, weil weit und breit kein WC zu finden ist. Auch hier ein Kaleidoskop einer Idee also, auch hier ein eleganter Schnitt durch die (ex-sowjetische) Gesellschaft.

Barbara Wurm
Internationales Programm 2018
Vox Lipoma Jane Magnusson, Liv Strömquist

Müssen große Künstler untadelige Menschen sein? Und wenn das Gegenteil der Fall ist: Was nimmt das von ihrer Kunst? Ein animiertes Porträt des Regisseurs Ingmar Bergman.

Vox Lipoma

Animationsfilm
Schweden
2018
11 Minuten
Untertitel: 
englische

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Cecilia Nessen
Jane Magnusson, Liv Strömquist
Lars Kumlin, Jonas Beckman
Johan Sonestedt, Paulina Brink, Veronica Wallenberg, Aurora Febo, Henrik Stensnäs, Sanny Serinkaya Vestmalm
Jane Magnusson, Liv Strömquist
Annika Hedlund
Müssen große Künstler untadelige Menschen sein? Möglicherweise hätten das aufrechte Kunstliebhaber gern so, aber manchmal tickt die Welt eben anders. Während wir Normalsterbliche nur einen kleinen Mann im Ohr haben, der einem penetrant einflüstert, dass wir bessere Menschen sein könnten (wenn wir nur wollten!), hat Ingmar Bergman ein sprechendes Lipom auf der rechten Wange – ein furchtbar nerviges Kerlchen. Mindestens so nervig wie Ingmar selbst. Animierte Blasphemie. Und wirklich vom Feinsten!

Ralph Eue