Filmarchiv

A Snowy Tale

Animationsfilm
Schweiz
2011
5 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Jochen Ehmann, Gerd Gockell, Jürgen Haas © HSLU Art & Design
Christian Indermaur
Abram Cortinas
Christian Indermaur
Christian Indermaur
Christian Indermaur
Thomas Gassmann
Ein kleines Mädchen und der Schneemann erleben aufregende Abenteuer im Wald.

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Brüderchen Winter

Animationsfilm
Schweiz
2011
6 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Gerd Gockell, Hochschule Luzern Design und Kunst HSLU
Charlotte Waltert
Christof Steinmann
Charlotte Waltert
Charlotte Waltert
Charlotte Waltert
Charlotte Waltert
Thomas Gassmann, Delia Hess
Drei Kinder, Frühling, Sommer und Herbst, lassen ihren kleinen Bruder Winter nicht mitspielen. Also muss er einen Weg finden, seine Geschwister auf sich aufmerksam zu machen. Und das tut er.

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Der Kleine Vogel und das Blatt

Animationsfilm
Schweiz
2012
4 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Ruedi Schick, Swiss Effects
Lena von Döhren
Lena von Döhren, Fee Liechti
Lena von Döhren
Christof Steinmann
Der kleine Vogel und das Blatt leben im großen Wald zusammen. Eines Tages, zu Beginn des Winters, ist es Zeit für das Blatt davonzufliegen. Der Vogel folgt seinem Freund, bis sie sich trennen müssen. Ganz alleine muss der kleine Vogel jetzt den Gefahren des Waldes trotzen.

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Internationales Programm
Die Wiesenberger Martin Schilt, Bernard Weber

Ein Schweizer Jodelchor gewinnt eine Casting-Show, und die Alpenbauern werden zu Superstars im Showgeschäft – mitten in der Heuernte! Gute-Laune-Film mit Juchz-Potenzial.

Die Wiesenberger

Dokumentarfilm
Schweiz
2012
85 Minuten
Untertitel: 
englische
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Martin Schilt, Luckyfilm GmbH
Martin Schilt, Bernard Weber
Pantha du Prince
Peter Indergand / Stéphane Kuty / Martin Schilt / Bernard Weber
Mike Schaerer / Stefan Kälin / Dave D. Leins
Martin Schilt / Bernard Weber
Dieter Meyer
Dieser Film räumt mit dem Klischee auf, dass Jodeln nur in der altbackenen Ecke von Musikantenstadl und Co. beheimatet ist. Zwei Jahre lang begleiten die Filmemacher die Wiesenberger Jodler auf ihrem Weg ins Showbusiness. Der Verein besteht aus 20 jodelnden Bergbauern aus der Schweiz. Früher trafen sie sich einmal pro Woche in einer Kapelle, um gemeinsam zu jodeln – bis sie die Talentshow „Die größten Schweizer Hits“ gewannen. Nun nehmen die Hobbyjodler Alben auf und werden mit Angeboten überhäuft. Manche der Bauern stoßen an ihre Grenzen, andere sind berauscht von der neuen Welt, die sich ihnen auftut. Da kommt auch noch das Angebot, die Schweiz auf der Expo in Shanghai zu vertreten – ausgerechnet während des Heumachens im Hochsommer. Spätestens jetzt wird der Erfolg zur Zerreißprobe des Jodelklubs, in dem normalerweise alle Entscheidungen gemeinsam besprochen und basisdemokratisch entschieden werden.
Der Film zeigt uns, wie auch bei unterschiedlichen Auffassungen Zusammenhalt und Freundschaft funktionieren. Er dokumentiert, wie es den Jodlern gelingt, trotz Scheinwerferlichts authentisch zu bleiben. Und ganz nebenbei entstaubt er das Image der Musiker, die im besten Wortsinn Volksmusik machen. Sie werden mit einem Juchzer das Kino verlassen!
– Antje Stamer

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Heart of Winter

Animationsfilm
Schweiz
2012
7 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Isabelle Favez
Isabelle Favez
Mario Batkovic
Fee Liechti
Isabelle Favez
Loic Burkhardt
Die Geschichte begleitet fünf Bewohner des Waldes auf ihrer Nahrungssuche für den Winter und zeigt, wie sie die kalte Jahreszeit überstehen. Die Überraschungen gibt es dann im Frühling.

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Julia und der Schrecken

Animationsfilm
Schweiz
2011
4 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Gerd Gockell, Hochschule Luzern Design und Kunst HSLU
Anja Sidler
Raphael Ochsenbein
Jessica Studer
Anja Sidler
Anja Sidler
Raphael Ochsenbein; Thomas Gassmann
Die kleine Julia ist allein zu Hause, als der Schatten im Wohnzimmer auf einmal lebendig wird! Um ihren Teddybär zu retten, muss Julia sich ihrer Angst stellen und sie überwinden.

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Like Stone Lions at the Gateway Into Night

Dokumentarfilm
Frankreich,
Griechenland,
Schweiz
2012
87 Minuten
Untertitel: 
englische
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Pierre-Alain Meier, prince Film SA
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat, Eleni Gioti
Aris Athanassopoulos
Der langsame Travelling-Shot entlang einer Steinmauer, die nur ab und zu durch Öffnungen im Mauerwerk den Blick auf das azurblaue Meer dahinter freigibt, lässt zunächst an eine antike Ausgrabung denken. Der Eindruck täuscht, wir befinden uns im Jahr 1948. Die Welt steht noch unter dem Schock des Kriegsgeschehens, da brechen in Griechenland alte Fronten auf und ein brutaler Bürgerkrieg beginnt. Die Kommunistische Partei und die Nationale Befreiungsfront, die eben noch die Faschisten in einem aufreibenden Partisanenkrieg bekämpft haben, werden verboten und 80.000 Griechen auf karge Inseln wie Makronisos deportiert. Aus dem knarzenden Lautsprecher ertönen perfide Verbote und das Mantra der zehn Gebote, die das Abschwören vom Kommunismus und den patriotischen Einsatz für „Gott, Vaterland und Freiheit“ einfordern. Das Ziel: Umerziehung. In Wahrheit wird psychischer Terror ausgeübt, der einhergeht mit Schikane und Folter. Aber die Mauern von Makronisos sind nicht stumm. In den Ritzen waren Gedichte der vielen Dichter, wie Yannis Ritsos, Tassos Livaditis und Mikis Theodorakis, die hier interniert waren, versteckt. Mit ihren sehnsuchtsvollen Metaphern und ihrer kraftvollen Poesie versuchten sie sich gegen die plumpe Propaganda zu stemmen, die penetrant über das Zeltlager hinweg tönte. In seiner strengen und konsequenten Komposition lässt der Schweizer Regisseur Oliver Zuchuat die Texte hart aufeinanderprallen und für sich sprechen.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit dem Preis der Ökumenischen Jury 2012

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Internationales Programm
Mein erster Berg - Ein Rigi Film Erich Langjahr

Der Berg Rigi, für die Schweizer die Mitte der Welt, ein Ort der Arbeit und des Tourismus. Präzise und poetisch, mit jazzenden Alphornklängen. Eine Hymne vom Altmeister des Bergfilms.

Mein erster Berg - Ein Rigi Film

Dokumentarfilm
Schweiz
2012
97 Minuten
Untertitel: 
englische
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Erich Langjahr, Langjahr Film GmbH
Erich Langjahr
Hans Kennel
Erich Langjahr
Erich Langjahr
Erich Langjahr
Silvia Haselbeck
Erich Langjahr mag vielen als der Inbegriff des Bergfilmers erscheinen. Seit den 70er Jahren gehört er zu Leipzig, machte mit der Alpen-Trilogie Furore, bezauberte mit dem „Erbe der Bergler“ – und verkündet nun, seinen (angeblich) letzten Bergfilm vorzulegen. Er widmet ihn der Rigi: einem Gipfel, der einst als Mitte der Welt beschrieben wurde und für die Schweizer irgendwie immer noch ist.
Wie beschreibt man einen Berg? Bei Erich Langjahr vor allem: fern jeder Folklore und poetisch, also konkret. Wieder vereinen sich Präzision und Seele, wenn er sich an die Fersen eines Rigi-Älplers heftet: beim Bäume-Fällen, Pfählen, Betongießen oder Schneeschippen, beim gemeinsamen Mahl mit Freunden, dem Almauf- und -abtrieb und auf den Wegen über den Berg. Dessen Aneignung – auch das eine Konstante der Langjahrschen Philosophie – ist keine der kontemplativen Versunkenheit, sondern stets eine tätige. So wie Langjahrs Kamera einst fasziniert dem Heuen am Berg folgte, vertieft sie sich nun voller Ernst in das Ballett eines Kleinbaggers oder die Virtuosität einer Motorsäge. Denn die Rigi ist kein Refugium der Vormoderne: Hier gibt es Massentourismus ebenso wie futuristische Aussichtsplattformen, Hochhäuser und die unvermeidlichen „Rigi Events“.
Dennoch – auch durch die entrückt jazzenden Alphornklänge – gerät „Mein erster Berg“ zu einer Hymne auf das, was uns (auch in einer säkularisierten Welt) heilig ist – und auf die Schweiz, diesen wunderlichen, fernen Planeten.
– Grit Lemke

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Not About Us

Animationsfilm
Estland,
Schweiz
2011
4 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Michael Frei
Michael Frei
Michael Frei
Michael Frei
Michael Frei
Michael Frei
Michael Frei
Michael Frei, Thomas Gassmann
Sie und er. Von einer Zimmerdecke getrennt, nichts ahnend von der Existenz des anderen, wiederholen sie unbewusst die gleichen Gesten. Schwarz und weiß, Licht und Dunkel, ein Mann und eine Frau. Gegensätze, die einander ergänzen und durchdringen. Eine faszinierende Geschichte über emotionale Verwicklungen.

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Room 69

Animationsfilm
Schweiz
2012
3 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Claude Barras, Hélium Films
Claude Barras
Patrick Tresch
Crictor
Elie Chapuis
Germano Zullo
Eine Straße in einer ausgedörrten Wüste. Ein Auto fährt auf den Parkplatz eines Motels. Ein Mann mit einem Karton steigt aus und rennt ins Zimmer Nr. 69 … um die Zuschauer damit zu verblüffen, wie knapp eine Geschichte erzählt werden kann.

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The End of Time

Dokumentarfilm
Kanada,
Schweiz
2012
114 Minuten
Untertitel: 
deutsche
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Cornelia Seitler, Maximage GmbH
Peter Mettler
Gabriel Scotti, Vincent Hänni, Richie Hawtin, Robert Henke, Autechre, Thomas Koner, Costanza Francavilla, Christos Hatzis, Bruno Degazio
Peter Mettler, Camille Budin, Nick De Pencier
Peter Mettler, Roland Schlimme
Peter Mettler
Peter Bräker
Was ist Zeit? Drei Worte formen eine Frage, die wir nie endgültig werden beantworten können. Peter Mettler begibt sich auf eine Reise durch Raum und Zeit – sie dauert 114 Minuten.
Mit einem Heliumballon steigt ein Nasa-Pilot 10.0000 Meter hoch in die Atmosphäre, um sich zur Erde fallen zu lassen. Wo endet die Zeit? Wissenschaftler im schweizerischen CERN versuchen, den Urknall zu ergründen. Gibt es Zeit ohne Raum? Wo Materie alles Leben zerstört, bewegt sich die Erde zurück in ihren Urzustand. Gibt es Orte jenseits der Zeit? Eine Großstadt, in der die menschliche Zivilisation Geschichte ist. Ist Zeit ein niemals endender Kreislauf? Im Angesicht des Todes endlich Leben – im Hier und Jetzt. Nur das ist Leben, unerbittlich.
Peter Mettler befreit den Dokumentarfilm vom erzählerischen Korsett und begibt sich mit uns in den kinematografisch freien Fall. Er versucht sich an der Zeit, dehnt und beschleunigt sie, lässt uns in atemberaubende Tableaus eintauchen, montiert Stimmen, Bilder und Gedankenfragmente zu einem Raum-Zeit-Geflecht, dessen suggestiver Kraft man sich nur verweigern oder ergeben kann. Das ist Anmaßung, mit dem Risiko des Scheiterns behaftet, das ist großes Kino.
– Claas Danielsen

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The Night of the Bear

Animadok
Schweiz
2012
22 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Fred & Sam Guillaume, Cine3d
Fred & Sam Guillaume
Mathieu Kyriakidis
Fred Guillaume
Fred & Sam Guillaume
Elie Chappuis, Claude Barras, Yohan Corthésy, Sam Guillaume, Camilon de Martino
Sam & Fred Guillaume
Florian Pittet
Das Haus liegt idyllisch über den Dächern der Stadt. Es bietet eine sichere Zuflucht und eine warme Mahlzeit für alle die einsam und allein sind.

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Virgin Tales

Dokumentarfilm
Deutschland,
Frankreich,
Schweiz
2012
87 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Mirjam von Arx, ican films gmbh
Mirjam von Arx
Adrian Frutiger
Kirsten Johnson, Claudia Raschke
Sabine Krayenbühl
Michèle Wannaz, Mirjam von Arx
Judy Karp, Tammy Davies
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Klassenstufen: 9-13

Themen: Erwachsenwerden, Ethik, Familie, Individuum und Gesellschaft, Ideologie, Manipulation, Religion/ Religiosität 
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde/ Ethik, Politik, Englisch, Geschichte, Religion, Deutsch

Zum Inhalt

Jungfräulich in die Ehe! Das fordert die evangelikale Purity-Bewegung, die in den Vereinigten Staaten stark im Vormarsch ist. In den USA hat schon jedes achte Mädchen zwischen 8 und 18 ein Keuschheitsgelübde abgelegt. Mirjam von Arx wirft in ihrem Dokumentarfilm Virgin Tales einen staunenden Blick auf dieses Phänomen.

Im Mittelpunkt des Films steht die Familie Wilson, die in ganz Amerika als Vorreiter der Purity-Bewegung bekannt ist. Mit ihren sieben Kindern stehen die Wilsons stellvertretend für das puritanische, hochkonservative Amerika der Tea Party Bewegung, die mit missionarischem Eifer und ohne Pardon versucht, die Welt nach ihrem Bild zu formen – mit der Bibel in der Hand, aber ohne Darwin, ohne Sexualaufklärung und selbstverständlich ohne Sex vor der Ehe. Stattdessen füllen die pubertierenden Mädchen ihre Mitgifttruhen und tanzen in weißen Kleidern mit ihren Vätern auf speziell ausgerichteten Reinheitsbällen um große Holzkreuze. Die Jungen werden mit improvisierten Schwertern unter hochemotionalen Reden nicht zum Ritter, sondern zum Mann geschlagen und auf ihre Rolle als Führer von Familie und Nation eingestimmt.

Mirjam von Arx ist mit diesem Film ein dichtes Portrait einer ungewöhnlichen Familie und einer immer stärker werdenden Strömung in der amerikanischen Gesellschaft gelungen, deren Ideologie nicht nur den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf im Herbst 2012 prägen wird. Längst hat die Purity-Bewegung auch in Europa Fuß gefasst und die Verfechter konservativer Werte gewinnen mehr und mehr an Boden.

Mädchen in Weiß, die ein Kreuz umtanzen, bevor sie von ihren Vätern unter Tränen der Rührung den „Reinheitsring“ und die „Keuschheitstruhe“ empfangen, die auf „Reinheitstreffen“ über das „reine Warten“ und darüber, wie man beim Tee-Servieren züchtig den Ausschnitt bedeckt, referieren. Jungen, die in Ritterrüstung mit dem Schwert zum künftigen Führer des Landes und der Familie geschlagen werden. Weiße Rosen und die Bibel allenthalben. Was anmutet wie ein karnevalesker Mummenschanz, ist für 25 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, Ernst, ja heilig. Über anderthalb Jahre begleitete Mirjam von Arx eine siebenköpfige Familie in Colorado Springs, dem Zentrum der Evangelikalen in den USA. Die Wilsons gelten als Aushängeschild der Bewegung, als besonders eifrige Verfechter, die die heute weltweit um sich greifende Tradition der „Keuschheitsbälle“ begründeten. Eine amerikanische Vorzeigefamilie, smart, adrett und alles andere als unsympathisch. Es ist das Verdienst des Films, seine Protagonisten nicht als Kuriosum auszustellen, sondern das Phänomen in seiner Komplexität, mit allen politisch-ideologischen Implikationen zu beleuchten. Denn das Pendant zur Jungfrau ist der Soldat, der GI. In Afghanistan kämpft er – im Einklang mit der keuschen Gattin zu Hause – für die „wahren“ Werte von Gott und Vaterland: gegen Sex vor der Ehe genauso wie gegen Anders-Farbige, Anders-Gläubige, Schwule, Demokraten etc. Selten war das Private so politisch. – Grit Lemke


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.