Filmarchiv

Spätlese 2018
#Female Pleasure Barbara Miller

Misogynie ist strukturell in die kulturellen Kerne sämtlicher Gesellschaftssysteme der Welt eingeschrieben. Klarsichtig und global perspektiviert, legt „#Female Pleasure“ diese Kerne frei.

#Female Pleasure

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2018
97 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Philip Delaquis, Arek Gielnik
Barbara Miller
Peter Scherer
Anne Misselwitz, Gabriela Betschart, Akiba Jiro
Isabel Meier
Barbara Miller
Tom Weber
Frauen sind dem Mann untergeordnet. Sie sind von Geburt an sündig und haben keinen Rechtsanspruch auf den eigenen Körper. Misogynie ist nicht nur ein Phänomen, das über kontinentale Grenzen hinweg überall auf der Welt auftritt und in Einzelfällen zu Missbrauch und Verbrechen führt. Sie ist strukturell in die kulturellen Kerne sämtlicher religiös fundierter Gesellschaftssysteme eingeschrieben – und zwar wortwörtlich. In der Bibel heißt es etwa: „Bitterer als der Tod ist die Frau […]. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen.“

Fünf Protagonistinnen erzählen in diesem klarsichtigen und global perspektivierten Film von den frauenfeindlichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, von den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt waren, von den Verbrechen, die an ihnen begangen wurden. Rokudenashiko, eine japanische Künstlerin, steht wegen der Obszönität ihrer Kunst vor Gericht. Deborah Feldman brach gemeinsam mit ihrem Sohn aus ihrer chassidischen Gemeinde in Brooklyn aus und trennte sich so auch von ihrem Mann, mit dem sie zwangsverheiratet wurde. Außerdem berichten Leyla Hussein, Doris Wagner und Vithika Yadav von Vergewaltigung und Verstümmelung, von fehlendem Rechtsschutz, von Homophobie, von Scham und von dem fremdartigen Gefühl, dass die eigene Sexualität und der eigene Körper von Geburt an mit Schuld verknüpft sind.

Lukas Stern



Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Interreligiösen Jury

All Inclusive

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
10 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Stella Händler
Corina Schwingruber Ilić
Heidi Happy
Nikola Ilić
Corina Schwingruber Ilić
Corina Schwingruber Ilić
Robert Büchel
In Zeiten von Terror und Blaualgen haben Kreuzfahrten die Urlaubsresorts in Antalya und an der Costa Brava als perfektes Reiseziel für Pauschaltouristen abgelöst. Wie schwimmende Städte bewegen sich die Schiffe durch die Weltmeere, und das nie enden wollende Spektakel an Bord macht Landgänge fast überflüssig. Wer einmal in die Struktur des forcierten Vergnügens eingetaucht ist, kann sich mit Aerobic, Tanzwettbewerb und Captain’s Dinner amüsieren, ohne Luft zu holen. Zumindest, wenn das Geld reicht.

Luc-Carolin Ziemann



Goldene Taube im Internationalen Wettbewerb Kurzfilm; Schweizer Filmpreis Bester Kurzfilm

Internationaler Wettbewerb (ab 2015) 2018
Architektur der Unendlichkeit Christoph Schaub

Auf einer persönlichen Reise durch Zeit und Raum ergründet der Filmemacher mit Architekten und Kunstschaffenden die Magie sakraler Bauwerke und öffnet den Blick: bis ins Unendliche.

Architektur der Unendlichkeit

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
86 Minuten
Untertitel: 
englische

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Brigitte Hofer, Cornelia Seitler
Christoph Schaub
Jojo Mayer
Ramon Giger
Marina Wernli
William Crook
Christoph Schaub, Samuel Ammann
Jan Illing, Jacques Kieffer, Reto Stamm
In der japanischen Ästhetik beschreibt Wabi-Sabi einen kontinuierlichen Kreislauf von Entstehen und Vergehen. Zeitlichkeit und Alterung wohnen jedem Ding und Wesen inne und transzendieren je nach Anschauung ins Unendliche. Wie kann das gedacht werden? Was geht über das hinaus? Der Filmemacher Christoph Schaub setzt in seiner sehr persönlichen Reise durch Zeit und Raum bei seiner Kindheit an, als seine Faszination für sakrale Bauwerke begann. Und sein Staunen über Anfang und Ende.

Architektur hilft, Endliches vom Unendlichen zu trennen. Sie gibt Schutz vor dem Uferlosen und kreiert gleichzeitig ein Gefühl von Weite, so der Erzähler. Gemeinsam mit Architekten und Kunstschaffenden ergründet er die Magie sakraler Räume, deren Definition hier weit über kirchliche Bauten hinausgeht. Der Künstler James Turrell, der unter anderem für seine „Skyspaces“ bekannt ist, denkt darüber nach, wem Spiritualität gehört – grundlegend für diesen Film, der „geistigem Leben“ in Bau- und bildender Kunst, aber auch in der Natur nachgeht und es im wahrsten Sinne über Denkgrenzen hinaushebt. Eine leicht schwebende Kamera lässt uns eintauchen in entrückte, traumwandlerische Bilder, nimmt uns mit auf eine (be-)sinnliche Reise in räumliche Weiten, führt unseren Blick in die Unendlichkeit des Sternenhimmels und in die Tiefe des Meeres. Vergangenheit und Zukunft, Urzeiten und Lichtjahre. Alles ist da.

Annina Wettstein
Internationales Programm 2018
Bay of Plenty Milva Stutz

Auf einer Plattform im Ozean trifft sich gelbe, belebte Masse. Deren primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale erweisen sich als transformativ. Ein seltsam erotisches Spiel beginnt.

Bay of Plenty

Animationsfilm
Schweiz
2018
12 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Milva Stutz
Milva Stutz
Lucia Cadotsch, Ludwig Wandinger
Milva Stutz, David Schlatter
Milva Stutz, David Schlatter
Milva Stutz
Lucia Cadotsch, Ludwig Wandinger
Die winzige Insel im Ozean wird zur Begegnungsstätte zweier merkwürdiger, gelber Figuren: Sie wackeln mit ihren Hintern und strecken ihre Brüste, Geschlechtsmerkmale verschieben sich, lösen sich auf, wachsen neu. Eine immerwährende Transformation, die auch noch neue Wesen hervorzubringen scheint. Plötzlich sind alle im Liebesrausch, schmusen miteinander und saugen an diversen Fortsätzen, eine große Verschmelzung kündigt sich an. Sexy und bizarr gleichermaßen.

Carolin Weidner

Chris the Swiss

Dokumentarfilm
Kroatien,
Finnland,
Deutschland,
Schweiz
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Samir (Dschoint Ventschr), Siniša Juričić (Nukleus Film), Heino Deckert (Ma.ja.de.), Iikka Vehkalahti (IV Films Ltd / p.s.72 productions)
Anja Kofmel
Marcel Vaid
Simon Guy Fässler
Stefan Kälin
Simon Eltz
Anja Kofmel
Daniel Hobi, Marco Teufen, Hrvoje Petek
Christian Würtenberg starb 1992 in Kroatien. Obwohl der junge Schweizer als Journalist gekommen war, trug er die Uniform einer internationalen Miliz, die auf kroatischer Seite im Bürgerkrieg kämpfte. Lange blieb rätselhaft, warum er selbst zur Waffe griff. Seine Cousine, die Filmemacherin Anja Kofmel, hat sich dieser Frage gestellt.

Sie befragt Weggefährten und ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen mit düsteren, aufs Wesentliche reduzierten Animationssequenzen, die das narrative Gerüst des Films bilden. Tief eintauchend in die politischen Wirrungen zeichnet der Film nach, wie Chris Teil der nationalistischen, von Opus Dei unterstützten Söldner wurde. Ein politisch bis heute brisanter, visuell beeindruckender Krimi, der zeigt, wie schnell die persönliche Haltung im Krieg versehrt werden kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den MDR-Filmpreis; Schweizer Filmpreis 2019: Bester Dokumentarfilm, Beste Musik, Beste Montage

Denoise

360°-Film
Italien,
Schweiz,
USA
2017
15 Minuten

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Federico Biasin
Giorgio Ferrero, Federico Biasin
Giorgio Ferrero, Rodolfo Mongitore
Fabrizio Cyreck, Giorgio Ferrero, Federico Biasin
Filippo Vallegra
Giorgio Ferrero, Rodolfo Mongitore
Giorgio Ferrero
Ein Ölfeld in Texas, der Maschinenraum eines Überseefrachters, ein schalltoter Raum, eine Müllverbrennungsanlage – verbindendes Element dieser gegensätzlichen Szenerien sind die Protagonisten dieses collageartigen 360°-Films. Sie führen einsame Existenzen, fernab unseres eigenen Lebensstils. Die Stille der reflexionsarmen Kammer trifft auf das Dröhnen im Maschinenraum. Doch am Ende ist alles eins.

Lars Rummel, Marie Hinkelmann
Deutscher Wettbewerb 2018
Der Esel hieß Geronimo Arjun Talwar, Bigna Tomschin

Die Insel war ein gemeinsamer Traum, der platzte. Jetzt schaukeln alle ehemaligen Bewohner auf ihren Schiffchen im Hafen, betrauern, beschimpfen, betreiben Fehleranalyse.

Der Esel hieß Geronimo

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2018
80 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Arjun Talwar (Lo-Fi Films)
Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Arjun Talwar
Bigna Tomschin
Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Franek Kosłowski
„Eine Insel hat immer zwei Seiten. Die eine heißt Sommer und die andere heißt Winter“, sagt ein Mann namens Rüdiger. Eine Tatsache, die das Leben auf der Insel erschwert, denn die Bewirtschaftung und das Überleben im Winter seien ungleich härter. Andere Hürden des Zusammenlebens: der berühmte Inselkoller, der wohl weltweit auf den unterschiedlichsten Breiten- und Längengraden grassiere.

Die Bewohner der Großen Ochseninsel in der Ostsee konnten all diesen Widrigkeiten über zehn Jahre standhalten. Dann haben sie sich überworfen, das Eiland verlassen, fast alle mit gebrochenem Herzen. Niemand hat den Ort und das, was dort vorgefallen ist, überwunden. Die Insel ist Gesprächsthema, nagende Leerstelle, pochende Wunde. Auf ihr scheint es einen Esel gegeben zu haben, der sich Geronimo nannte. Aber auch unzählige Rosensorten, Kaffee und Bier für alle, die zu Besuch kamen, dazu Musik, Veranstaltungen, einen gemeinsamen Traum. Ein Fixpunkt im Meer. Ohne ihn hätten die Seemänner den Boden unter den Füßen verloren, meint eine Freundin. Und wirklich liegen nun alle auf ihren kleinen Schiffen vor Anker, schaukeln, trinken, schimpfen auf- und bespähen einander, sinnieren.

Carolin Weidner


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Internationales Programm 2018
Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege Hercli Bundi

Etwa 45.000 Arbeiten hat der österreichische Künstler Christian Eisenberger bislang produziert. Ein Werk, das den Kunstbetrieb vor Herausforderungen stellt.

Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
94 Minuten
Untertitel: 
englische

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Peter Zwierko
Hercli Bundi
Daniel Almada
Adrian Stähli, Aurelio Buchwalder, Christian Eisenberger, Hercli Bundi
Nela Märki
Hercli Bundi
Patrick Becker, Matthias Hefel, Hercli Bundi
„Kunst ist nur eine Ausrede der Gesellschaft“, sagt der österreichische Künstler Christian Eisenberger, während er dem Filmemacher Hercli Bundi seine neuste Serie von Bildern zeigt, die auf Sequenzen aus Pornofilmen beruht. Das gehöre zum „großen Menschentheater“, habe er einer empörten Freundin erklärt.

Der Blick in Eisenbergers Atelier zeigt einen für den Betrachter unentwirrbaren Haufen von Arbeiten in verschiedenen Stadien. Die Pappfiguren, mit denen er begann, „wurden über lange Jahre nicht gesammelt, sondern nur weggeworfen“. Heute ist Eisenberger froh, wenn wieder ein Schwung Kunst an die Galeristin rausgeht und Platz frei wird im Atelier. Auf etwa 45.000 Arbeiten wird Eisenbergers Werk geschätzt. Den Kunstbetrieb mit seinen Galerien, Messen und Museen nimmt Eisenberger nicht ohne Geschick zur Selbstvermarktung achselzuckend zur Kenntnis. Hauptsache, er kann weitermachen, ob nun im Atelier oder in einem Emaillierwerk. „Nicht in die laufende Maschine greifen!“, warnt ein vergilbtes Schild an seiner Werkstattwand. Das gilt wohl auch für den Künstler selbst.

Fabian Tietke
Internationales Programm 2018
Immer und Ewig Fanny Bräuning

Ein Paar, beide Ende 60, das mit einem zum mobilen Pflegezimmer umgebauten Caravan durch Europa reist. Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet.

Immer und Ewig

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Thomas Thümena
Fanny Bräuning
Olivia Pedroli
Pierre Mennel
Catrin Vogt
Fanny Bräuning
Patrick Becker, Jean-Pierre Gerth
„Nur“ eine Liebesgeschichte. „Nur“ ein Film über Verbundenheit, Verschlungenheit, Verlässlichkeit, Vertrauen. Ein Paar, beide Ende 60, das mit einem zum mobilen Pflegezimmer umgebauten Caravan trotz der MS-Erkrankung der Frau durch Europa reist. Er, ein ehemaliger Fotograf, der seinen Beruf aufgegeben hat, weil er nicht mit der Pflege seiner Frau zu vereinbaren war. Sie, eine ehemalige Malerin und Grafikdesignerin, die nach einer Zeit im Koma noch einmal ins Leben zurückgekehrt ist, wenngleich seither vom Hals abwärts gelähmt.

Mit einem Strahlen im Gesicht spricht sie davon, wie sehr sie es liebt, bei den gemeinsamen Autofahrten aus dem Fenster zu blicken, selbst wenn draußen nur die Autobahn vorbeizieht. Mit verhaltener Bewunderung für das technisch Innovative führt er vor, wie das eingebaute Pflegebett für verschiedene Schlafstellungen taugt. Verträumter Pragmatismus, alltagskompatible Träumerei – alles, immer, trotzdem. Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet. In den Gesprächen mit ihnen erzählt sie die Geschichte einer Liebe, die den Krisen getrotzt hat.

Fabian Tietke

Krähen schiessen

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
20 Minuten
Untertitel: 
englische

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Christine Hürzeler
Christine Hürzeler
John Gürtler
Tom Gibbons, Tobias Dengler, Christine Hürzeler
Jann Anderegg, Christine Hürzeler
Christine Hürzeler
Jonathan Schorr
Ein trügerisch ruhiger Park im Nebel. Rätselhaftes geschieht: Eine Frau verschwindet, Bäume fallen um wie von einer plötzlichen Schwäche dahingerafft, Schüsse sind zu hören. Überwachungskameras beobachten Krähen aus ungewohnter Perspektive. Sie sind hier die Protagonisten – bekanntermaßen gehören sie zu den intelligentesten Vögeln. Die Kamera, die da in ihrem Revier steht: Ist sie Freund oder Feind? Hektik entsteht, die Krähen gehen zum Angriff über. Oder stellen wir uns das alles nur vor?

Annina Wettstein
Kids DOK 2018
Miles Away Barbara Brunner

Ein Ahornsamen fällt langsam in den Sandkasten, mitten in den Eimer von Miles. Was, wenn ein Baum daraus würde?

Miles Away

Animationsfilm
Schweiz
2018
3 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Barbara Brunner, Franziska Meyer (Brunner&Meyer)
Barbara Brunner
Kaspar König, Martin Waespe
Barbara Brunner
Franziska Meyer, Justine Klaiber, Barbara Brunner, Nils Hedinger
Barbara Brunner
Franziska Feucht
Ein Ahornsamen fällt langsam in den Sandkasten, mitten in den Eimer von Miles. Was, wenn ein Baum daraus würde? Der kleine Junge erträumt für sich und seinen neuen blättrigen Freund ein großes Abenteuer auf dem Jahrmarkt. Und Barbara Brunner erträumt für die ungewöhnlichen Gefährten eine kunterbunte Welt: mit Autoscooter, Riesenrad und Achterbahn.

Marie-Thérèse Antony

Putin’s Witnesses

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Lettland,
Schweiz
2018
107 Minuten
Untertitel: 
englische

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Natalya Manskaya, Gabriela Bussmann, Vít Klusák, Filip Remunda
Vitaly Mansky
Kārlis Auzāns
Gunta Ikere
Vitaly Mansky
Anrijs Krenbergs
„Der Staat ist wie ein Garten“, sagt der Gatte von Putins alter Klassenlehrerin, „damit etwas Anständiges wächst, muss Gras vernichtet werden.“ „So werden wir’s machen“, antwortet der Lifetime-President-to-be fast schüchtern und verlässt die Wohnung der Lehrerin, die er für den Dreh eines Werbefilms besucht hatte. Inszeniert hat Vitaly Mansky, der als führender Dokumentalist des Landes die Kampagne medial begleiten durfte. Nach 18 Jahren konkreter Herrschaft des kleinen Mannes mit den starken Händen blickt der heute längst emigrierte Regisseur zurück auf das Schicksalsjahr 2000 und sichtet sein Footage. Was er dabei zutage fördert, ist atemberaubend und hat den Realaffekt eines fast intimen Homevideos. Der Mansky-Familie graut bereits vor dem neuen Mao, während Jelzins Clan zunächst jubiliert und Ex-Zar Boris in Nachfolger Wladimir gar die Garantie für echte Medienfreiheit sieht – später nennt er den entscheidenden Turnback angewidert „krasnenko“ („rötlich“). Putin selbst spricht über Staatsräson und ein Autokraten-Dasein, das er tunlichst vermeiden will. Die Frage schließlich, ob es richtig war, die alte Sowjethymne mit quasineuem Text zu reanimieren, wird zum Streitpunkt im Duell Putin vs. Mansky. Niemand war, so das traurige Fazit, nur „Zeuge“ allein. Alle machten mit bei den vielen Kompromissen, die angesichts der Hoffnung auf ein „besseres Leben“ eingegangen wurden.

Barbara Wurm
Kids DOK 2018
Roar Owley Samter, Ramón Arango

Dank seines langen Halses kommt Diplodocus auch an die höchsten Blätter heran. Ganz friedlich kaut er vor sich hin – da oben stört ihn ja auch keiner!

2017

Roar

Animationsfilm
Schweiz
2017
1 Minute
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Ramón Arango, Owley Samter (Hochschule Luzern – Design & Kunst)
Owley Samter, Ramón Arango
Jan Willem de With
Thomas Gassmann, Benjamin Lüthold
Dank seines langen Halses kommt Diplodocus auch an die höchsten Blätter heran. Ganz friedlich kaut er vor sich hin – da oben stört ihn ja auch keiner! Schade nur, dass sich kleine freche Dinosaurier mit scharfen Zähnen von seiner Größe nicht beeindrucken lassen und ihn beim Mittagessen herausfordern. Ein Trick muss her, damit der große Diplodocus wieder in Ruhe seine Blätter mampfen kann.

Marie-Thérèse Antony
Kids DOK 2018
Sunday Fanny Dreyer, Gaël Kyriakidis

Die personifizierten Wochentage sind ein eingespieltes Team: Die Menschen werden von einem Tag zum nächsten gereicht und verrichten ihre Aufgaben. Nur bei Dimanche dürfen sie ruhen.

Sunday

Animationsfilm
Schweiz
2018
10 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Sam Guillaume, Fred Guillaume
Fanny Dreyer, Gaël Kyriakidis
Gaël Kyriakidis
Sam Guillaume
Jeanne Boukraa, Camille Müller, Jérémie Dupraz
Fanny Dreyer, Gaël Kyriakidis
Florian Pittet
Die personifizierten Wochentage sind ein eingespieltes Team: Die Menschen werden von einem Tag zum nächsten gereicht und verrichten ihre Aufgaben. Nur bei Dimanche dürfen sie ruhen, bevor das Wochenballett wieder von Neuem beginnt. Doch was passiert, wenn die Ordnung durcheinandergerät? Der Kurzfilm lädt ein zu entdecken, welche Wunder fernab der Monotonie auf uns warten könnten.

Marie-Thérèse Antony
Internationales Programm 2018
The Apollo of Gaza Nicolas Wadimoff

An der Küste zum Gazastreifen taucht 2013 eine Statue von Apollo auf. Nachdem sie zum Objekt von Spekulationen und merkantilen Interessen wurde, ist sie plötzlich verschwunden.

The Apollo of Gaza

Dokumentarfilm
Kanada,
Schweiz
2018
78 Minuten
Untertitel: 
englische

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Philippe Coeytaux, Colette Loumède
Nicolas Wadimoff
Claude Fradette
Franck Rabel
Christine Hoffet
Nicolas Wadimoff, Béatrice Guelpa
Carlos Ibañez Diaz
Im August 2013 taucht in Gaza eine mehr als 2.000 Jahre alte Bronzestatue von Apollo auf. Ein palästinensischer Fischer soll die 750 Kilogramm schwere Plastik auf dem Meeresboden entdeckt und mit viel Arbeit und Mühe geborgen haben. Fotos geraten in Umlauf, die den gut erhaltenen, grünlich schimmernden Gott des Lichts, der Künste, der Heilkunst und der Orakel liegend auf einem Tuch mit Schlumpfmotiven zeigen. Auch wenn nur wenige den „Apollo von Gaza“ mit eigenen Augen zu Gesicht bekamen, wird er unmittelbar zum Objekt von merkantilen wie geopolitischen Interessen und Spekulationen. Es gibt Angebote und Gebote, Verhandlungen mit Museen, Verdachtsmomente und wilde Gerüchte. Dann ist die Statue plötzlich verschwunden, von der Hamas-Regierung beschlagnahmt – so heißt es, bevor man hinzufügt, nicht über die Sache sprechen zu dürfen.

Mit einer Mischung aus Mystery und investigativer Recherche zeichnet „The Apollo of Gaza“ die Geschichte um den spektakulären Fund nach, der nicht zuletzt symbolpolitisches Gewicht hat. Am Ende bleiben die Hoffnungen einer von Krieg und Blockade gezeichneten Region, die sich von dem schönen Gott in Bronze eine Wiederanknüpfung an die verschüttete kulturelle Vergangenheit verspricht.

Esther Buss