Filmarchiv

Internationales Programm 2018
Bay of Plenty Milva Stutz

Auf einer Plattform im Ozean trifft sich gelbe, belebte Masse. Deren primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale erweisen sich als transformativ. Ein seltsam erotisches Spiel beginnt.

Bay of Plenty

Animationsfilm
Schweiz
2018
12 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Milva Stutz
Milva Stutz
Lucia Cadotsch, Ludwig Wandinger
Milva Stutz, David Schlatter
Milva Stutz, David Schlatter
Milva Stutz
Lucia Cadotsch, Ludwig Wandinger
Die winzige Insel im Ozean wird zur Begegnungsstätte zweier merkwürdiger, gelber Figuren: Sie wackeln mit ihren Hintern und strecken ihre Brüste, Geschlechtsmerkmale verschieben sich, lösen sich auf, wachsen neu. Eine immerwährende Transformation, die auch noch neue Wesen hervorzubringen scheint. Plötzlich sind alle im Liebesrausch, schmusen miteinander und saugen an diversen Fortsätzen, eine große Verschmelzung kündigt sich an. Sexy und bizarr gleichermaßen.

Carolin Weidner

Chris the Swiss

Dokumentarfilm
Kroatien,
Finnland,
Deutschland,
Schweiz
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Samir (Dschoint Ventschr), Siniša Juričić (Nukleus Film), Heino Deckert (Ma.ja.de.), Iikka Vehkalahti (IV Films Ltd / p.s.72 productions)
Anja Kofmel
Marcel Vaid
Simon Guy Fässler
Stefan Kälin
Simon Eltz
Anja Kofmel
Daniel Hobi, Marco Teufen, Hrvoje Petek
Christian Würtenberg starb 1992 in Kroatien. Obwohl der junge Schweizer als Journalist gekommen war, trug er die Uniform einer internationalen Miliz, die auf kroatischer Seite im Bürgerkrieg kämpfte. Lange blieb rätselhaft, warum er selbst zur Waffe griff. Seine Cousine, die Filmemacherin Anja Kofmel, hat sich dieser Frage gestellt.

Sie befragt Weggefährten und ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen mit düsteren, aufs Wesentliche reduzierten Animationssequenzen, die das narrative Gerüst des Films bilden. Tief eintauchend in die politischen Wirrungen zeichnet der Film nach, wie Chris Teil der nationalistischen, von Opus Dei unterstützten Söldner wurde. Ein politisch bis heute brisanter, visuell beeindruckender Krimi, der zeigt, wie schnell die persönliche Haltung im Krieg versehrt werden kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den MDR-Filmpreis; Schweizer Filmpreis 2019: Bester Dokumentarfilm, Beste Musik, Beste Montage

Internationales Programm 2018
Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege Hercli Bundi

Etwa 45.000 Arbeiten hat der österreichische Künstler Christian Eisenberger bislang produziert. Ein Werk, das den Kunstbetrieb vor Herausforderungen stellt.

Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
94 Minuten
Untertitel: 
englische

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Peter Zwierko
Hercli Bundi
Daniel Almada
Adrian Stähli, Aurelio Buchwalder, Christian Eisenberger, Hercli Bundi
Nela Märki
Hercli Bundi
Patrick Becker, Matthias Hefel, Hercli Bundi
„Kunst ist nur eine Ausrede der Gesellschaft“, sagt der österreichische Künstler Christian Eisenberger, während er dem Filmemacher Hercli Bundi seine neuste Serie von Bildern zeigt, die auf Sequenzen aus Pornofilmen beruht. Das gehöre zum „großen Menschentheater“, habe er einer empörten Freundin erklärt.

Der Blick in Eisenbergers Atelier zeigt einen für den Betrachter unentwirrbaren Haufen von Arbeiten in verschiedenen Stadien. Die Pappfiguren, mit denen er begann, „wurden über lange Jahre nicht gesammelt, sondern nur weggeworfen“. Heute ist Eisenberger froh, wenn wieder ein Schwung Kunst an die Galeristin rausgeht und Platz frei wird im Atelier. Auf etwa 45.000 Arbeiten wird Eisenbergers Werk geschätzt. Den Kunstbetrieb mit seinen Galerien, Messen und Museen nimmt Eisenberger nicht ohne Geschick zur Selbstvermarktung achselzuckend zur Kenntnis. Hauptsache, er kann weitermachen, ob nun im Atelier oder in einem Emaillierwerk. „Nicht in die laufende Maschine greifen!“, warnt ein vergilbtes Schild an seiner Werkstattwand. Das gilt wohl auch für den Künstler selbst.

Fabian Tietke
Internationales Programm 2018
Immer und Ewig Fanny Bräuning

Ein Paar, beide Ende 60, das mit einem zum mobilen Pflegezimmer umgebauten Caravan durch Europa reist. Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet.

Immer und Ewig

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Thomas Thümena
Fanny Bräuning
Olivia Pedroli
Pierre Mennel
Catrin Vogt
Fanny Bräuning
Patrick Becker, Jean-Pierre Gerth
„Nur“ eine Liebesgeschichte. „Nur“ ein Film über Verbundenheit, Verschlungenheit, Verlässlichkeit, Vertrauen. Ein Paar, beide Ende 60, das mit einem zum mobilen Pflegezimmer umgebauten Caravan trotz der MS-Erkrankung der Frau durch Europa reist. Er, ein ehemaliger Fotograf, der seinen Beruf aufgegeben hat, weil er nicht mit der Pflege seiner Frau zu vereinbaren war. Sie, eine ehemalige Malerin und Grafikdesignerin, die nach einer Zeit im Koma noch einmal ins Leben zurückgekehrt ist, wenngleich seither vom Hals abwärts gelähmt.

Mit einem Strahlen im Gesicht spricht sie davon, wie sehr sie es liebt, bei den gemeinsamen Autofahrten aus dem Fenster zu blicken, selbst wenn draußen nur die Autobahn vorbeizieht. Mit verhaltener Bewunderung für das technisch Innovative führt er vor, wie das eingebaute Pflegebett für verschiedene Schlafstellungen taugt. Verträumter Pragmatismus, alltagskompatible Träumerei – alles, immer, trotzdem. Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet. In den Gesprächen mit ihnen erzählt sie die Geschichte einer Liebe, die den Krisen getrotzt hat.

Fabian Tietke
Internationales Programm 2018
The Apollo of Gaza Nicolas Wadimoff

An der Küste zum Gazastreifen taucht 2013 eine Statue von Apollo auf. Nachdem sie zum Objekt von Spekulationen und merkantilen Interessen wurde, ist sie plötzlich verschwunden.

The Apollo of Gaza

Dokumentarfilm
Kanada,
Schweiz
2018
78 Minuten
Untertitel: 
englische

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Philippe Coeytaux, Colette Loumède
Nicolas Wadimoff
Claude Fradette
Franck Rabel
Christine Hoffet
Nicolas Wadimoff, Béatrice Guelpa
Carlos Ibañez Diaz
Im August 2013 taucht in Gaza eine mehr als 2.000 Jahre alte Bronzestatue von Apollo auf. Ein palästinensischer Fischer soll die 750 Kilogramm schwere Plastik auf dem Meeresboden entdeckt und mit viel Arbeit und Mühe geborgen haben. Fotos geraten in Umlauf, die den gut erhaltenen, grünlich schimmernden Gott des Lichts, der Künste, der Heilkunst und der Orakel liegend auf einem Tuch mit Schlumpfmotiven zeigen. Auch wenn nur wenige den „Apollo von Gaza“ mit eigenen Augen zu Gesicht bekamen, wird er unmittelbar zum Objekt von merkantilen wie geopolitischen Interessen und Spekulationen. Es gibt Angebote und Gebote, Verhandlungen mit Museen, Verdachtsmomente und wilde Gerüchte. Dann ist die Statue plötzlich verschwunden, von der Hamas-Regierung beschlagnahmt – so heißt es, bevor man hinzufügt, nicht über die Sache sprechen zu dürfen.

Mit einer Mischung aus Mystery und investigativer Recherche zeichnet „The Apollo of Gaza“ die Geschichte um den spektakulären Fund nach, der nicht zuletzt symbolpolitisches Gewicht hat. Am Ende bleiben die Hoffnungen einer von Krieg und Blockade gezeichneten Region, die sich von dem schönen Gott in Bronze eine Wiederanknüpfung an die verschüttete kulturelle Vergangenheit verspricht.

Esther Buss