Filmarchiv

Jahr

The Shelter

Dokumentarfilm
Schweiz
2014
101 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fernand Melgar
Fernand Melgar
Fernand Melgar
Karine Sudan
Elise Shubs
Allabendlich im Winter spielen sich vor dem Bunker tumultartige Szenen ab: Genau 50 Obdachlose – nur in Ausnahmefällen wird die Zahl erhöht – dürfen die Bediensteten des städtischen Nachtasyls einlassen. Eine Zerreißprobe für beide Seiten, denn die Abgewiesenen finden im blitzsauberen schweizerischen Lausanne kaum Möglichkeiten, die Nacht ohne Ärger mit der Polizei und vor der Kälte geschützt zu verbringen.
Fernand Melgar erzählt von einer neuen Armut, die nicht nur rumänische Roma-Familien, sondern auch die einstige Mittelschicht und afrikanische Migranten aus dem von der Krise geschüttelten Teil Europas betrifft. Und er erzählt davon, wie das reiche Europa damit umgeht. Im Lauf einer Saison filmt er die Routine in der Unterkunft und auf Ämtern. Er folgt denen, die keinen Einlass fanden, in die Nacht und ist bei ihnen, wenn sie – unter uns, doch praktisch unsichtbar – auf Straßen oder in öffentlichen Einrichtungen den Tag rumbringen. Er sieht, wie sie die Fassade aufrechterhalten, während ihr Leben zu Bruch geht. Doch er zeigt auch, wie die Sozialarbeiter das Elend täglich aufs Neue zu bekämpfen suchen und nur verwalten können, während ihre Menschlichkeit oft genug in Konflikt mit den Vorschriften und ihrem Chef gerät.
Indem er alle Seiten genau ausleuchtet, liefert Melgar weit mehr als eine Sozialstudie. Es ist die beklemmende Analyse eines Systems, das durch barmherzige Spenden nicht zu reparieren ist.
Grit Lemke

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Like Stone Lions at the Gateway Into Night

Dokumentarfilm
Frankreich,
Griechenland,
Schweiz
2012
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Pierre-Alain Meier, prince Film SA
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat
Olivier Zuchuat, Eleni Gioti
Aris Athanassopoulos
Der langsame Travelling-Shot entlang einer Steinmauer, die nur ab und zu durch Öffnungen im Mauerwerk den Blick auf das azurblaue Meer dahinter freigibt, lässt zunächst an eine antike Ausgrabung denken. Der Eindruck täuscht, wir befinden uns im Jahr 1948. Die Welt steht noch unter dem Schock des Kriegsgeschehens, da brechen in Griechenland alte Fronten auf und ein brutaler Bürgerkrieg beginnt. Die Kommunistische Partei und die Nationale Befreiungsfront, die eben noch die Faschisten in einem aufreibenden Partisanenkrieg bekämpft haben, werden verboten und 80.000 Griechen auf karge Inseln wie Makronisos deportiert. Aus dem knarzenden Lautsprecher ertönen perfide Verbote und das Mantra der zehn Gebote, die das Abschwören vom Kommunismus und den patriotischen Einsatz für „Gott, Vaterland und Freiheit“ einfordern. Das Ziel: Umerziehung. In Wahrheit wird psychischer Terror ausgeübt, der einhergeht mit Schikane und Folter. Aber die Mauern von Makronisos sind nicht stumm. In den Ritzen waren Gedichte der vielen Dichter, wie Yannis Ritsos, Tassos Livaditis und Mikis Theodorakis, die hier interniert waren, versteckt. Mit ihren sehnsuchtsvollen Metaphern und ihrer kraftvollen Poesie versuchten sie sich gegen die plumpe Propaganda zu stemmen, die penetrant über das Zeltlager hinweg tönte. In seiner strengen und konsequenten Komposition lässt der Schweizer Regisseur Oliver Zuchuat die Texte hart aufeinanderprallen und für sich sprechen.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit dem Preis der Ökumenischen Jury 2012

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The End of Time

Dokumentarfilm
Kanada,
Schweiz
2012
114 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Cornelia Seitler, Maximage GmbH
Peter Mettler
Gabriel Scotti, Vincent Hänni, Richie Hawtin, Robert Henke, Autechre, Thomas Koner, Costanza Francavilla, Christos Hatzis, Bruno Degazio
Peter Mettler, Camille Budin, Nick De Pencier
Peter Mettler, Roland Schlimme
Peter Mettler
Peter Bräker
Was ist Zeit? Drei Worte formen eine Frage, die wir nie endgültig werden beantworten können. Peter Mettler begibt sich auf eine Reise durch Raum und Zeit – sie dauert 114 Minuten.
Mit einem Heliumballon steigt ein Nasa-Pilot 10.0000 Meter hoch in die Atmosphäre, um sich zur Erde fallen zu lassen. Wo endet die Zeit? Wissenschaftler im schweizerischen CERN versuchen, den Urknall zu ergründen. Gibt es Zeit ohne Raum? Wo Materie alles Leben zerstört, bewegt sich die Erde zurück in ihren Urzustand. Gibt es Orte jenseits der Zeit? Eine Großstadt, in der die menschliche Zivilisation Geschichte ist. Ist Zeit ein niemals endender Kreislauf? Im Angesicht des Todes endlich Leben – im Hier und Jetzt. Nur das ist Leben, unerbittlich.
Peter Mettler befreit den Dokumentarfilm vom erzählerischen Korsett und begibt sich mit uns in den kinematografisch freien Fall. Er versucht sich an der Zeit, dehnt und beschleunigt sie, lässt uns in atemberaubende Tableaus eintauchen, montiert Stimmen, Bilder und Gedankenfragmente zu einem Raum-Zeit-Geflecht, dessen suggestiver Kraft man sich nur verweigern oder ergeben kann. Das ist Anmaßung, mit dem Risiko des Scheiterns behaftet, das ist großes Kino.
– Claas Danielsen

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