Filmarchiv

Appunti del passaggio

Dokumentarfilm
Belgien,
Italien,
Schweiz
2016
44 Minuten
Untertitel: 
englische

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Maria Iorio, Le Souvenir du Présent
Maria Iorio, Raphaël Cuomo
Alessandra Eramo
Gilles Aubry
„Ich habe keine bildliche Erinnerung. Ich erinnere mich an die Empfindungen.“ In ihrem künstlerisch bemerkenswert verdichteten Dokumentarfilm bündeln Maria Iorio und Raphaël Cuomo verschiedene Zeitzeugenaussagen zum persönlichen Bericht einer Italienerin, die 1965 als Arbeitsmigrantin in die Schweiz einreiste. Zentral ist für die Stellvertreterin vieler damaliger Wirtschaftsflüchtlinge aus Südeuropa das Gefühl, ein „vogelfreier Arbeits-Körper“ gewesen zu sein. Sie fühlt sich gedemütigt und kontrolliert durch die Prozeduren in der „Grenzsanität“, durch massive Unterbezahlung, gefährliche Arbeitsbedingungen, psychischen Druck in der Fabrik sowie durch offen geäußerte, verletzende Ressentiments gegenüber dem Fremden.

Der Film ist eine Collage aus Erinnerungsstücken, der eine weibliche Sprecherin ihre Stimme leiht und die bildlich bewusst im Ungefähren bleibt. Im Ungefähren, aber äußerst wirkungsvoll und offensichtlich skeptisch gegenüber realitätsversprechenden visuellen Zeugnissen. Neben verdrehten Detailausschnitten und Negativen von wenigen überlieferten Fotos bieten vor allem ruhige Videoaufnahmen aus der Jetztzeit, etwa die eines verlassenen Gebäudes mit all seinen Gebrauchsspuren, dem Audiobericht der Sprecherin und einer Stimmenperformance den passenden poetischen Raum.

André Eckardt

Balloon Birds

Animationsfilm
Schweiz
2014
1 Minute
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Nicolas Burlet, Marjolaine Perreten
Marjolaine Perreten
Marjolaine Perreten
Marjolaine Perreten
Marjolaine Perreten
Marjolaine Perreten
Die (sehr) kurze Geschichte zweier Ballonvögel, die sich gerade erst kennenlernen, als ein Dritter dazukommt …
Internationales Programm 2018
Bay of Plenty Milva Stutz

Auf einer Plattform im Ozean trifft sich gelbe, belebte Masse. Deren primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale erweisen sich als transformativ. Ein seltsam erotisches Spiel beginnt.

Bay of Plenty

Animationsfilm
Schweiz
2018
12 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Milva Stutz
Milva Stutz
Lucia Cadotsch, Ludwig Wandinger
Milva Stutz, David Schlatter
Milva Stutz, David Schlatter
Milva Stutz
Lucia Cadotsch, Ludwig Wandinger
Die winzige Insel im Ozean wird zur Begegnungsstätte zweier merkwürdiger, gelber Figuren: Sie wackeln mit ihren Hintern und strecken ihre Brüste, Geschlechtsmerkmale verschieben sich, lösen sich auf, wachsen neu. Eine immerwährende Transformation, die auch noch neue Wesen hervorzubringen scheint. Plötzlich sind alle im Liebesrausch, schmusen miteinander und saugen an diversen Fortsätzen, eine große Verschmelzung kündigt sich an. Sexy und bizarr gleichermaßen.

Carolin Weidner
Internationales Programm 2019
Bird Island Maya Kosa, Sergio Da Costa

Eine Vogelpflegestation ist ein wundersames Refugium für verletzte Wildvögel – und für den Protagonisten Antonin, der nach längerer Krankheit dort eine Arbeit aufnimmt.

Bird Island

Dokumentarfilm
Schweiz
2019
60 Minuten
Untertitel: 
englische

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Joëlle Bertossa, Flavia Zanon
Maya Kosa, Sergio Da Costa
Sergio Da Costa
Gabriel Gonzalez, Maya Kosa, Sergio Da Costa
Maya Kosa, Sergio Da Costa
Xavier Lavorel
Nach längerer Krankheit und Isolation nimmt Antonin in einer Vogelpflegestation seine Arbeit auf. Als Folge der Krankheit hat er noch immer mit Fatigue zu kämpfen. Die neuen Kolleginnen und Kollegen lassen ihm geduldig Zeit anzukommen. In diesem kleinen Universum erhält Antonin genauso Schutz wie die Patienten. Die Wildvögel werden mit teilweise sehr schweren Verletzungen abgeliefert, einige leiden unter Schock. Sie benötigen die ganze Hingabe der Tierärztin und der Pflegerin – und die bekommen sie auch. Vom lauten Getöse des nahegelegenen Flughafens lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Tagebuchartig berichtet Antonin als Erzähler im Off über die Station. In einer literarischen Sprache erklärt er die Arbeitsabläufe und berichtet von den Schicksalen der Schwäne, Uhus oder Krähen. Auch die Interaktionen im Team und die Behandlungen der Tiere sind minimalistisch gezeigt. So pendelt der Film zwischen stilisierter Künstlichkeit und dokumentarischer Beobachtung hin und her. Behutsam entwickelt sich die warmherzige Geschichte an diesem wundersamen Ort zu einer Fabel über die Rettung von Tieren – und Menschen – in Not.

Annina Wettstein



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award.

Chris the Swiss

Dokumentarfilm
Kroatien,
Finnland,
Deutschland,
Schweiz
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Samir (Dschoint Ventschr), Siniša Juričić (Nukleus Film), Heino Deckert (Ma.ja.de.), Iikka Vehkalahti (IV Films Ltd / p.s.72 productions)
Anja Kofmel
Marcel Vaid
Simon Guy Fässler
Stefan Kälin
Simon Eltz
Anja Kofmel
Daniel Hobi, Marco Teufen, Hrvoje Petek
Christian Würtenberg starb 1992 in Kroatien. Obwohl der junge Schweizer als Journalist gekommen war, trug er die Uniform einer internationalen Miliz, die auf kroatischer Seite im Bürgerkrieg kämpfte. Lange blieb rätselhaft, warum er selbst zur Waffe griff. Seine Cousine, die Filmemacherin Anja Kofmel, hat sich dieser Frage gestellt.

Sie befragt Weggefährten und ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen mit düsteren, aufs Wesentliche reduzierten Animationssequenzen, die das narrative Gerüst des Films bilden. Tief eintauchend in die politischen Wirrungen zeichnet der Film nach, wie Chris Teil der nationalistischen, von Opus Dei unterstützten Söldner wurde. Ein politisch bis heute brisanter, visuell beeindruckender Krimi, der zeigt, wie schnell die persönliche Haltung im Krieg versehrt werden kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den MDR-Filmpreis; Schweizer Filmpreis 2019: Bester Dokumentarfilm, Beste Musik, Beste Montage

Das Fieber

Dokumentarfilm
Österreich,
Deutschland,
Schweiz
2019
99 Minuten
Untertitel: 
englische

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Markus Wailand
Katharina Weingartner
Siri Klug
Andrea Wagner
Toby Cornish
Katharina Weingartner
Patrick Becker, Peter Braeker
Der Kampf will nicht enden. Noch immer regiert Malaria weite Teile Afrikas. Alle 60 Sekunden stirbt südlich der Sahara ein Kind an diesem Parasiten. Insgesamt ist sie der Grund für rund eine halbe Million Todesfälle im Jahr. Aber warum gelingt es einfach nicht, die Krankheit erfolgreich zu bezwingen, obwohl seit etlichen Jahren unzählige internationale Hilfsorganisationen an einer Lösung arbeiten?

Natürlich liegt das am Geld, an globalen Interessenskonflikten, an der mächtigen Pharmaindustrie. Das ist nichts Neues. Doch der österreichischen Filmemacherin Katharina Weingartner ist nun ein spannender dokumentarischer Thriller gelungen, der in das leidlich bekannte große Bild im Wortsinn aufregende, den Kontext verschiebende und erweiternde Verbindungslinien einzeichnet: zwischen dem Parasiten und der Pharmaindustrie, zwischen Selbstbestimmung in Ostafrika und dem reichsten Mann der Welt. Im Fokus stehen drei mutige Menschen in Uganda und Kenia, die vor Ort gegen die Krankheit kämpfen und oft mit alternativen Methoden weiter kommen, als das die westliche Medizin gerne hätte. Denn eine eigene Lösung, ohne fremde Hilfe und Technologien, ohne die merkantilen oder öffentlichkeitswirksam philanthropischen Interessen der Helfenden, würde ja Unabhängigkeit bedeuten.

Julia Weigl

Das Forum

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2019
116 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Christian Beetz, Georg Tschurtschenthaler, Karin Koch, Marcus Vetter
Marcus Vetter
Marcel Vaid
Georg Zengerling
Marcus Vetter, Ana Fernandez Rocha, Michele Gentile
Christian Beetz
Melanie Westphal, Dieter Meyer, Marco Teufen, Jonathan Schorr, Marcus Vetter
Jährlich im Januar gibt das schweizerische Davos die Kulisse für das Weltwirtschaftsforum (WEF). Dieses Treffen ist ein Stelldichein der globalen Eliten aus Wirtschaft und Politik. Zwar werden seit einiger Zeit die öffentlichen Debatten und Pressekonferenzen auf der Website des WEF gestreamt – im Sinne eines transparenten, jedoch auch des Offiziösen verdächtigen audiovisuellen Protokolls –, doch noch nie in der 49-jährigen Geschichte des WEF gewährte man einem unabhängigen Filmemacher Einblicke in die Maschinerie des Ereignisses oder hinter die Fassaden der Institution.

Über einen Zeitraum von drei Jahren beobachtete Regisseur Marcus Vetter das Funktionieren dieser Maschinerie. Er warf dabei auch wenige, dafür hochkonzentrierte Blicke in die Geschichte des 1971 von Klaus Schwab gegründeten Forums und verknüpft nun, sehr souverän, individuelle Biografien, historische Momente, folgerichtig Zusammenhängendes und peripher Umherschwirrendes zum komplexen Bild eines weltumspannenden Gewebes. Klaus Schwab, inzwischen 79-jährig, kann der Gewebe-Metapher viel abgewinnen, äußerte er doch mehr als nur einmal, dass in „seinem“ WEF die Fäden der Welt zwar zusammenlaufen mögen, dass Sinn und Zweck dieser Verknotung aber erst entstünden, wenn die Fäden später wieder verantwortungsvoll verteilt würden. Um nicht weniger als diese Fäden, also den Sinn und Zweck des WEF, geht es in diesem Film.

Ralph Eue
Internationales Programm 2013
Die Reise zum sichersten Ort der Erde Edgar Hagen

Einmal um die ganze Welt – auf der Suche nach einer sicheren Endlagerstätte für Atommüll. Wissenschaftler, Politiker, Lobbyisten und ihre Gegner in einem Panoptikum des Wahnsinns.

Die Reise zum sichersten Ort der Erde

Dokumentarfilm
Schweiz
2013
100 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Hercli Bundi
Edgar Hagen
Tomek Kolczynski
Peter Indergand
Paul-Michael Sedlacek, Edgar Hagen
Bruno Conti
Edgar Hagen
Jean-Pierre Gerth
Während Edgar Hagen in seinen letzten Filmen Psychiatriepatienten begleitete, blickt er nun in die Abgründe einer geistig kranken Gesellschaft. Jener, die an eine sich zunehmend als unbeherrschbar erweisende Technologie glaubt und sie wider besseres Wissen fördert. Denn angeblich gibt es ihn, den sichersten Ort der Welt, an dem todbringender Atommüll über Hunderttausende von Jahren unschädlich gelagert werden kann.
In der Tradition des mittelalterlichen Schelms stellt Hagen sich dumm und möchte ihn sehen, diesen Ort. Er reist dazu um die ganze Welt, von der Schweiz nach Großbritannien, Deutschland, Schweden, China, Japan, in die USA, nach Australien und wieder zurück. Er schippert über Meere, durchquert Wüsten, stapft durch Wälder und Moore, erkundet das Innere von Bergen. Immer unwirklicher werden die Szenerien, immer weiter weg rückt der Gral. Hagen trifft Geologen und Atomlobbyisten, Umweltaktivisten, Stammesführer und Lokalpolitiker. Überzeugt von der Sache die einen, zweifelnd die anderen. Dabei ist immer viel von „Nachweisen“ und „grundsätzlicher Machbarkeit“ die Rede. Doch er fragt nach, scheinbar naiv. Mit dieser Erzählhaltung gelingt es ihm, sämtliche Rechtfertigungsstrategien der Atomindustrie geschickt als Konstrukt zu entlarven – in dem es schon lange nicht mehr um technische Möglichkeiten geht, sondern nur noch darum, das Unmögliche gut zu verkaufen. Ein Film über den Wahnsinn.

Grit Lemke
Internationales Programm 2012
Die Wiesenberger Martin Schilt, Bernard Weber

Ein Schweizer Jodelchor gewinnt eine Casting-Show, und die Alpenbauern werden zu Superstars im Showgeschäft – mitten in der Heuernte! Gute-Laune-Film mit Juchz-Potenzial.

Die Wiesenberger

Dokumentarfilm
Schweiz
2012
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Martin Schilt, Luckyfilm GmbH
Martin Schilt, Bernard Weber
Pantha du Prince
Peter Indergand / Stéphane Kuty / Martin Schilt / Bernard Weber
Mike Schaerer / Stefan Kälin / Dave D. Leins
Martin Schilt / Bernard Weber
Dieter Meyer
Dieser Film räumt mit dem Klischee auf, dass Jodeln nur in der altbackenen Ecke von Musikantenstadl und Co. beheimatet ist. Zwei Jahre lang begleiten die Filmemacher die Wiesenberger Jodler auf ihrem Weg ins Showbusiness. Der Verein besteht aus 20 jodelnden Bergbauern aus der Schweiz. Früher trafen sie sich einmal pro Woche in einer Kapelle, um gemeinsam zu jodeln – bis sie die Talentshow „Die größten Schweizer Hits“ gewannen. Nun nehmen die Hobbyjodler Alben auf und werden mit Angeboten überhäuft. Manche der Bauern stoßen an ihre Grenzen, andere sind berauscht von der neuen Welt, die sich ihnen auftut. Da kommt auch noch das Angebot, die Schweiz auf der Expo in Shanghai zu vertreten – ausgerechnet während des Heumachens im Hochsommer. Spätestens jetzt wird der Erfolg zur Zerreißprobe des Jodelklubs, in dem normalerweise alle Entscheidungen gemeinsam besprochen und basisdemokratisch entschieden werden.
Der Film zeigt uns, wie auch bei unterschiedlichen Auffassungen Zusammenhalt und Freundschaft funktionieren. Er dokumentiert, wie es den Jodlern gelingt, trotz Scheinwerferlichts authentisch zu bleiben. Und ganz nebenbei entstaubt er das Image der Musiker, die im besten Wortsinn Volksmusik machen. Sie werden mit einem Juchzer das Kino verlassen!
– Antje Stamer
Internationales Programm 2018
Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege Hercli Bundi

Etwa 45.000 Arbeiten hat der österreichische Künstler Christian Eisenberger bislang produziert. Ein Werk, das den Kunstbetrieb vor Herausforderungen stellt.

Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
94 Minuten
Untertitel: 
englische

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Peter Zwierko
Hercli Bundi
Daniel Almada
Adrian Stähli, Aurelio Buchwalder, Christian Eisenberger, Hercli Bundi
Nela Märki
Hercli Bundi
Patrick Becker, Matthias Hefel, Hercli Bundi
„Kunst ist nur eine Ausrede der Gesellschaft“, sagt der österreichische Künstler Christian Eisenberger, während er dem Filmemacher Hercli Bundi seine neuste Serie von Bildern zeigt, die auf Sequenzen aus Pornofilmen beruht. Das gehöre zum „großen Menschentheater“, habe er einer empörten Freundin erklärt.

Der Blick in Eisenbergers Atelier zeigt einen für den Betrachter unentwirrbaren Haufen von Arbeiten in verschiedenen Stadien. Die Pappfiguren, mit denen er begann, „wurden über lange Jahre nicht gesammelt, sondern nur weggeworfen“. Heute ist Eisenberger froh, wenn wieder ein Schwung Kunst an die Galeristin rausgeht und Platz frei wird im Atelier. Auf etwa 45.000 Arbeiten wird Eisenbergers Werk geschätzt. Den Kunstbetrieb mit seinen Galerien, Messen und Museen nimmt Eisenberger nicht ohne Geschick zur Selbstvermarktung achselzuckend zur Kenntnis. Hauptsache, er kann weitermachen, ob nun im Atelier oder in einem Emaillierwerk. „Nicht in die laufende Maschine greifen!“, warnt ein vergilbtes Schild an seiner Werkstattwand. Das gilt wohl auch für den Künstler selbst.

Fabian Tietke
Internationales Programm 2013
Elegy For a Lighthouse Dominique de Rivaz

Um den Tod des Vaters zu bewältigen, fährt die Regisseurin bis weit hinter Archangelsk, wo ein Dorf gegen den Sand und den Untergang kämpft. Überlebenswille, Trauer und Schönheit.

Elegy For a Lighthouse

Dokumentarfilm
Schweiz
2013
56 Minuten
Untertitel: 
englische

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Heinz Dill
Dominique de Rivaz
Guy Klucevsek, Père Thomas Pott, Jonas Fischer
Dmitrij Leltschuk, Dominique de Rivaz
Prune Jaillet
Dominique de Rivaz
Dmitrij Leltschuk, Dominique de Rivaz
Eine Reise zur Überwindung der Trauer: Der Vater ist gestorben. Das Gefühl einer Leerstelle in der Seele. Zur gleichen Zeit, weit oben im Norden, noch hinter Archangelsk, in Schoina am Weißen Meer, hat man gerade einen Leuchtturm dazu verdammt, für immer zu erlöschen. Magisch fühlt sich die Filmemacherin angezogen von diesem fremden Ort, der ihr etwas bedeutet, dessen Sinn sie jedoch nicht versteht. Angekommen an der Westküste der Kanin-Halbinsel, ist der Leuchtturmwärter, der seit langem dort die Stellung gehalten hatte, jedoch schon nicht mehr da. Sie findet nur noch ein paar Dutzend Bewohner vor, die sich stoisch dem Untergang der Geschichte entgegenstellen, und eben diesen Leuchtturm, der melancholisch vor sich hin rostet. Dabei gab es einmal eine Zeit, da die Hiesigen eine rosige Zukunft vor sich hatten: Etliche Jahrzehnte lang blühte hier die sowjetische Fischindustrie – zeitweise zählte Schoina über tausend Einwohner. Heute ist das Meer überfischt. Statt Tonnen von Fisch gibt es hier nur noch Tonnen von Sand, der sich, vom Wind getragen, über die alten Schiffswracks, Häuser und Straßen der ehemaligen Vorzeigekolchose legt. Je länger aber die Filmemacherin Dominique de Rivaz sich dem Überlebenswillen der Verbliebenen gegenübersieht, desto mehr ringt sie der Gegenwart von Schoina und den dortigen Menschen Momente von überwältigender Schönheit ab.

Ralph Eue

Ephemeral

Animationsfilm
Schweiz
2013
3 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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François Chalet
Sophie Haller
Sophie Haller
Carlos Ibañez Diaz
Einsamkeit und Schmerz, Leidenschaft und Liebe, Zerbrechen und Wiederaufbauen, das Leben selbst, alles verändert sich und vergeht und ist: ephemer.

Frühzug

Animationsfilm
Schweiz
2012
5 Minuten
Untertitel: 
englische

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François Chalet
Delia Hess
Joan & The Sailors
Delia Hess
Delia Hess, Anja Sidler, Charlotte Waltert
Delia Hess
Thomas Gassmann, Christof Steinmann
Ein Paar trennt sich nach einer gemeinsamen Nacht. Angeregt von den morgendlichen Ritualen des Mannes versinkt sie in einen Traum, der vom Rhythmus des Frühzugs begleitet wird, und findet sich allein wieder.

Greater Than

Animationsfilm
Deutschland,
Schweiz
2017
9 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Roland Fischer
Kate Haase, Sebastian Hühnel
Verena Marisa
Sebastian Hühnel
Kate Haase
Kate Haase, Sebastian Hühnel
Kate Haase, Sebastian Hühnel
Lukas Fuchs
Wer aus seinem schützenden Kokon ins gleißende Licht der Außenwelt tritt, geht ein Wagnis ein. Vor allem, wenn die Welt aus langen, stelenartigen, weißen Gebilden besteht, die sich unberechenbar bewegen und einen zu erfassen drohen. Hier trifft Herma auf eine weit größere Kreatur, die ihre eigene Sprache spricht. Beiden gelingt es, je eine Stele zu erklimmen. Kann ihr sonderbarer Dialog trotz der Entfernung fortgeführt werden? Stilisierte Puppenanimation über Selbstbefreiung und ihre Grenzen.

Nadja Rademacher
Internationales Programm 2015
Grozny Blues Nicola Bellucci

Die Spuren des Kriegs in Tschetschenien scheinen getilgt: Grosny protzt in neuem Glanz und huldigt Väterchen Putin. Aber vier Frauen kämpfen gegen das Vergessen.

Grozny Blues

Dokumentarfilm
Schweiz
2015
104 Minuten
Untertitel: 
englische

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Frank Matter
Nicola Bellucci
Blues Brothers Cafe Band
Simon Guy Fässler
Anja Bombelli
Nicola Bellucci, Lucia Sgueglia
Nicola Bellucci
Die Bilder des Kriegs scheinen vergessen zu sein – Tschetschenien ist längst aus den Nachrichten der westlichen Presse verschwunden. Die Spuren der jahrelang andauernden militärischen Auseinandersetzungen mit Russland sind in der Hauptstadt Grosny kaum noch zu sehen. Es protzt mit neuen Promenaden, modernen Hochhäusern und greller Straßenbeleuchtung. Die Oberfläche glänzt, aber in den Seelen der Menschen sitzt der Schmerz noch tief. Ein Land, das dabei ist, seine Vergangenheit zu vergessen und neben dem nationalen Präsidenten Kadyrov allerorten auch Vladimir Putin huldigt. Vier Frauen, die sich jahrelang für Menschenrechte eingesetzt haben, versuchen, das kollektive Gedächtnis zu erhalten. Seit Beginn des Kriegs in den 90er Jahren haben sie Geschichten in Videos gesammelt und dokumentieren bis heute das Grauen des Kriegs und seiner Folgen, die im offiziellen Tschetschenien niemand sehen möchte. Geschickt stellt der Film Bilder aus diesem Archiv und solche aus dem heutigen Grosny gegeneinander. Dazwischen liegt die Geschichte des Unabhängigkeitskampfes und eines vergessenen Genozids.

---Zaza Rusadze
Internationales Programm 2018
Immer und Ewig Fanny Bräuning

Ein Paar, beide Ende 60, das mit einem zum mobilen Pflegezimmer umgebauten Caravan durch Europa reist. Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet.

Immer und Ewig

Dokumentarfilm
Schweiz
2018
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Thomas Thümena
Fanny Bräuning
Olivia Pedroli
Pierre Mennel
Catrin Vogt
Fanny Bräuning
Patrick Becker, Jean-Pierre Gerth
„Nur“ eine Liebesgeschichte. „Nur“ ein Film über Verbundenheit, Verschlungenheit, Verlässlichkeit, Vertrauen. Ein Paar, beide Ende 60, das mit einem zum mobilen Pflegezimmer umgebauten Caravan trotz der MS-Erkrankung der Frau durch Europa reist. Er, ein ehemaliger Fotograf, der seinen Beruf aufgegeben hat, weil er nicht mit der Pflege seiner Frau zu vereinbaren war. Sie, eine ehemalige Malerin und Grafikdesignerin, die nach einer Zeit im Koma noch einmal ins Leben zurückgekehrt ist, wenngleich seither vom Hals abwärts gelähmt.

Mit einem Strahlen im Gesicht spricht sie davon, wie sehr sie es liebt, bei den gemeinsamen Autofahrten aus dem Fenster zu blicken, selbst wenn draußen nur die Autobahn vorbeizieht. Mit verhaltener Bewunderung für das technisch Innovative führt er vor, wie das eingebaute Pflegebett für verschiedene Schlafstellungen taugt. Verträumter Pragmatismus, alltagskompatible Träumerei – alles, immer, trotzdem. Regisseurin Fanny Bräuning hat ihren Eltern einen zutiefst intimen Film gewidmet. In den Gesprächen mit ihnen erzählt sie die Geschichte einer Liebe, die den Krisen getrotzt hat.

Fabian Tietke