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Jahr

Overtime

Dokumentarfilm
Türkei
2012
20 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Gürcan Keltek, 29P
Gürcan Keltek
Rick Tomlinson
Gürcan Keltek & Murat Tuncel
Eytan İpeker
Marc Van Goethem
„Overtime“ ist ein stilistisch sehr eigenwilliger Blick in die Arbeitswelt der türkisch-kurdischen Niedriglohn-Arbeiter, die, angezogen vom boomenden Istanbul doch bleiben, was sie schon immer waren – underdogs. Schlecht ausgebildet, ohne Versicherungs- oder Arbeitsschutz, der Willkür ihrer Chefs ausgesetzt und ohne die geringste Aussicht, sich jemals zu verbessern. Dieses Lebensgefühl seiner Protagonisten übersetzt der Film in eine Bildsprache, die so prekär ist wie deren Leben. Raues, körniges Schwarz-Weiß, Handkamera mit langen Brennweiten, ineinander geschnittene Fahrten, das Bild unruhig, immer auf dem Sprung, immer in Bewegung. Dazu die knappen, gut getimten Erzählungen der Menschen aus dem Off. Kurze Einblicke in Mentalitäten, die geprägt davon sind, sich zu beugen: dem Chef, der schlägt; dem Staat, der nicht hilft; dem Leben, das den Liebsten nimmt, weil kein Geld zum Heiraten da ist. Einzig der Stricher, dessen Arbeit diesen filmischen Streifzug durch ein graues Istanbul an seiner industriellen Peripherie beendet, scheint gegen diese Ordnung aufzubegehren. Doch spricht seine Erfahrung von keinem besseren Leben. Nur von Körpern, die der Arbeit unterworfen sind. Das ist ein ziemlich verwegenes und zugleich deprimierendes Bild. Und wurde die Bosporus Brücke, Symbol einer prosperierenden, der Zukunft zugewandten Türkei jemals so traurig fotografiert wie in diesem Film?

– Matthias Heeder

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