Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Deutscher Wettbewerb
Alleine Tanzen Biene Pilavci

Gewalt, Hass und Entfremdung bestimmten das Leben der türkischen Familie in Deutschland. Sehr persönliche Geschichte einer missglückten Migration und Versuch eines Neuanfangs

Alleine Tanzen

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
98 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Max Milhahn, Telekult Film- und Medienproduktion GmbH
Biene Pilavci
Armin Dierolf
Biene Pilavci
Biene Pilavci
Daniel Engel
Auslöser für diese weitgreifende filmische Untersuchung war die Frage: „Können meine vier Geschwister und ich es schaffen, nach vielen hasserfüllten Jahren und Gewaltexzessen in unserer Familie, gute Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, wenn es schon unsere Eltern nicht konnten und deren Eltern auch nicht?“
Mit ihrem Film "Alleine Tanzen" navigiert Birnur Pilavci sicher zwischen den Klippen gegensätzlicher Gewissheiten. Einerseits die Hypothek der Familie, in die wir hineingeboren werden und deren Last wir immer weiter zu tragen haben, andererseits die Freiheit, Entscheidungen für sich selbst (oder andere) nicht schicksalhaft, sondern dem eigenen Kompass folgend so oder so zu treffen. Oder: wie es der große deutsche Publizist und Exilschriftsteller Willy Haas formuliert hat: „Es gibt die Menschen, die Unrecht tun, weil sie selbst Unrecht erlitten haben (wie jeder). Und es gibt die, die nicht Unrecht tun, gerade, weil sie Unrecht erlitten haben.“ Mit zunehmender Dauer scheint es, dass "Alleine Tanzen" gar nicht geplant war, sondern den Beteiligten mehr oder weniger zugestoßen ist – ein Experiment mit offenem Ausgang. „Ob das gut ist“, so die Regisseurin, „wage ich zu bezweifeln, doch es musste wohl sein.“

– Ralph Eue

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
And Who Taught You to Drive Andrea Thiele

Eine Deutsche in Mumbai, ein Amerikaner in Tokio und eine Koreanerin in München versuchen verzweifelt, den Führerschein zu erlangen. Beim Auto hört die Globalisierung eben auf.

And Who Taught You to Drive

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
90 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Stefan Kloos, Kloos & Co. Medien GmbH
Andrea Thiele
Michaela Kay, Hauke Kliem
Sebastian Bäumler
Christoph Senn, Ulf Albert
Lia Jaspers
Marcial Kuchelmeister
Mirela, Mitte 30, steht an einer viel befahrenen Straße in der Millionenmetropole Mumbai und flucht. Wieder einmal hat die Deutsche ein Auto mit Fahrer gebucht, um Geschäftstermine wahrzunehmen. Und wieder einmal streikt das Auto und der Fahrer spricht kaum Englisch. Der US-Amerikaner Jake versucht, den öffentlichen Nahverkehr in Tokio zu ergründen und zwängt sich mit Rucksack in eine der überfüllten U-Bahnen. Die Studentin Hye-Won lebt mit ihrem Mann und kleinen Sohn in München. Die Süd-Koreanerin hat den Traum, mobil zu sein. Alle drei Protagonisten beschließen, einen Führerschein zu machen, um sich selbstständig mit dem Auto durch ihre Wahlheimat bewegen zu können.
Die Filmemacherinnen begleiten die drei während ihrer Fahrstunden und zeigen Szenen aus ihrem Alltag, in denen die kulturellen Unterschiede besonders deutlich hervortreten. Die Situationen mit den Fahrlehrern sind manchmal urkomisch, aber wir sehen auch die Verzweiflung und das Fremdsein fern der Heimat. Wir leben zwar in einer globalisierten Welt, aber der Film führt uns exemplarisch vor, wie tief jeder von uns durch seine Kultur geprägt ist und diese nicht einfach ablegen kann. In einer fremden Kultur sich auf die Fahrprüfung vorzubereiten, scheint genau so schwierig wie das Lernen einer anderen Sprache. Beim Autofahren hört die Globalisierung eben auf.
– Antje Stamer

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Deutscher Wettbewerb
Breathing Earth - Susumu Shingu's Dream Thomas Riedelsheimer

Shingu Susumu, japanischer Schöpfer kinetischer Skulpturen, bei der Umsetzung seines „Breathing Earth“ Projekts. Die Kraft der Elemente, transferiert in Kunst und Film.

Breathing Earth - Susumu Shingu's Dream

Dokumentarfilm
Deutschland,
UK
2012
93 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Stefan Tolz, Filmpunkt GmbH, Leslie Hills, Skyline Productions
Thomas Riedelsheimer
„Die Natur kennt keinen starren Widerstand“, sagt Shingu Susumu, ein japanischer Schöpfer kinetischer Skulpturen in der Nachfolge von Alexander Calder und Jean Tinguely. Shingu setzt sich seit vielen Jahren künstlerisch mit der Energie von Wind und Wasser auseinander. Als Seismograph der Lage der (Um-)Welt entwirft er Skulpturen, die sich den Kräften der Natur stellen, sie in sich aufnehmen und sich durch diese auch wieder selbst transformieren. Die Kraft der Elemente sichtbar zu machen, ist sein Credo. In "Breathing Earth - Susumu Shingu's Dream" begleitete Thomas Riedelsheimer den Künstler bei seiner weltweiten Recherche nach dem geeigneten Standort, an dem ein von ihm ins Leben gerufenes, interdisziplinäres Projekt namens „Breathing Earth“ Wirklichkeit werden könnte: ein Gemeinwesen, das nur mit natürlichen Energien aus Wind, Wasser und Sonne betrieben würde, das als Ort der Inspiration für Künstler, Wissenschaftler und Kinder fungierte und so ein prototypisches Zukunftslabor darstellen könnte.

– Ralph Eue

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Deutscher Wettbewerb
Camp 14 - Total Control Zone Marc Wiese

Eine Kindheit und Jugend im nordkoreanischen Straflager, umgeben von Terror und Tod, und der Versuch eines Lebens danach – bewegende Biografie, atmosphärisch dicht erzählt.

Camp 14 - Total Control Zone

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
111 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Axel Engstfeld
Marc Wiese
Jörg Adams
Jean-Marc Lesguillons
cartoonamoon / Ali Soozandeh
Marc Wiese
Shin Dong-Huyk wurde 1983 in einem der härtesten Straflager Nordkoreas geboren und wuchs dort auf. Er kannte nur die Lagerhölle. Von der Welt auf der anderen Seite des Stacheldrahts erfuhr er erst, als ein Mitgefangener ihm von seinem Leben vor der Internierung berichtete. Shin beschloss zu fliehen - doch er wollte nicht die Freiheit kennenlernen, denn er wusste gar nicht, was das ist. Er wollte sich einmal im Leben satt essen, auch wenn er danach erschossen würde. Die Flucht gelang, als Shin 22 Jahre alt war.
Heute lebt er alleine in einer kleinen Wohnung in Süd-Korea. Dort erzählt Shin in sehr intensiven Interviews von seinem Leben in der Strafkolonie – die Traumatisierung ist deutlich zu spüren. Indem der Regisseur aber nicht nur die Sicht des Opfers präsentiert, geht er noch einen Schritt weiter. Er lässt auch zwei Täter vor die Kamera treten, die selbst Menschen quälten, folterten und töteten. Um das Lagerleben zu illustrieren, verwendet der Filmemacher fein gezeichnete und zurückhaltend animierte Szenen sowie einige Original-Aufnahmen. Die ruhige Erzählweise des Films und der unaufdringlich, aber atmosphärisch eingesetzte Ton geben den Protagonisten und ihren Berichten zudem den angemessenen Raum. Das Unfassbare nimmt so sukzessive Gestalt an, denn bis heute leben in Nord-Korea 200 000 Menschen in Internierungslagern.

– Antje Stamer

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Das Venedig Prinzip

Dokumentarfilm
Deutschland,
Italien,
Österreich
2012
80 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Thomas Tielsch, Filmtank GmbH
Andreas Pichler
Jan Tilman Schade
Attila Boa
Florian Miosge
Andreas Pichler, Thomas Tielsch
Stefano Bernardi

Kaum eine Stadt ist so beliebt wie Venedig. Aber was für die einen ein Traum, ist für die Bewohner zum Albtraum geworden. Der Film zeigt wie ganze Kreuzfahrtschiffe und Busladungen voller Touristen am Ufer der Altstadt ausgekippt werden und sich über die Plätze, Brücken und Gassen ergießen. Die Touristen bringen zwar Geld – vor allem den großen Konzernen, sind aber auch der Fluch dieser Stadt. Der Film begleitet einige Venezianer, vielleicht die letzten ihrer Art, durch ihr Venedig. Sie zeigen, dass die Infrastruktur zusammenbricht. Lebensmittelgeschäfte rar sind, Schulen und die Post dicht gemacht haben. Dafür entstehen immer mehr Hotels und Hafenflächen für riesige Kreuzfahrtschiffe. „Was soll man hier machen?“, fragt eine Venezianerin resigniert. „Glassachen und Souvenirs verkaufen?“ Auch sie vermietet ihr Haus, um die Sanierung zu bezahlen. Ein anderer Ur-Venezianer muss aufs Festland ziehen, da er sich die Miete nicht mehr leisten kann. Nur Ausländer und reiche Italiener können die teuren Quadratmeterpreise bezahlen, bilanziert ein verbitterter Immobilienmakler. Im historischen Zentrum leben heute nur noch 60000 Einwohner. Das sind genauso viele Menschen wie Besucher pro Tag. Venedig verkommt zum Freilichtmuseum. Der Film wirft einen ernüchternden Blick hinter die Postkartenidylle von Dogenpalast, Rialtobrücke und den Tauben vom Markusplatz. – Antje Stamer


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Eine Art Liebe

Dokumentarfilm
Deutschland,
Türkei
2012
70 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Dirk Schäfer
Dirk Schäfer
Armand Amar
Dirk Schäfer
Dirk Schäfer
Saydelizade
Auch wenn er es nicht so ausdrückt: Nevzat, der 30-jährige Protagonist dieses berührenden Porträts aus der Tiefe der kurdischen Provinz, war Zeit seines Lebens ein Gefangener. Eingemauert zwischen den archaischen Gesetzen der Familienklans und dem Gehorsam gegenüber dem Vater bleibt kein Platz für eigene Wünsche oder Entscheidungen. Nur Arbeit, die er sich nicht aussuchen kann, und ungewollte Verpflichtungen. Geld sparen und das Dorf verlassen. Einmal die Liebe erleben. Doch noch irgendwie ein schönes Leben führen. Der Filmemacher Dirk Schäfer scheint in genau dem Moment in Nevzats Leben getreten zu sein, als sich dessen heimliche Wünsche Bahn brechen und er beginnt, kulturellen Ballast abzuwerfen. Beständig pendelt er zwischen den Baustellen in Istanbul und seinem Dorf. Dort das Versprechen der Metropole, zu Hause die Mauer, die zwischen ihm und seinen Wünschen steht. Auf dieser Ebene erzählt „Eine Art Liebe“ von einem Mann, der an das Recht auf ein ganz persönliches, selbstbestimmtes Glück glaubt. Auf einer zweiten Ebene entwickelt sich sehr vorsichtig, oft nur in einem Blick oder einer Geste gefasst, die Geschichte zwischen Nevzat und dem Regisseur. Dirk Schäfer spricht dessen Sprache, wodurch es ihm möglich ist, zurückhaltend und die gesetzten Grenzen respektierend, in einen direkten Dialog mit Nevzat zu treten. Die Arbeit des Filmemachers besteht darin, uns über das Aufbegehren seines Protagonisten die Tür zu einer Wirklichkeit zu öffnen, die uns fremd und aus der Zeit gefallen scheint. Nevzats Gewinn hingegen ist der Austausch mit dem Deutschen, der wie ein Resonanzboden auf seine Zweifel und Wünsche reagiert. Lehrer nennt er ihn am Ende, weil es sich nicht gehört, den Älteren beim Vornamen zu nennen. Ein Lehrer, von dem er sich aber ebenso emanzipiert wie von seinen kulturellen Zwängen.

Matthias Heeder



Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm 2012

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Deutscher Wettbewerb
Heino Jaeger - Look Before You Kuck Gerd Kroske

Aufstieg und Fall eines begnadeten Malers und Kabarettisten im Nachkriegsdeutschland, Spurensuche auf St. Pauli und Denkmal für einen Gescheiterten zwischen Genie und Wahn.

Heino Jaeger - Look Before You Kuck

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
120 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Gerd Kroske, realistfilm
Gerd Kroske
Klaus Janek
Susanne Schüle
Karin Gerda Schöning
Gerd Kroske
Genie und Wahnsinn, diese Antipoden künstlerischen Quells, treffen auf Heino Jaeger zweifellos zu. Der Regisseur Gerd Kroske jedoch setzt in seinem Film nicht auf das Spektakuläre, sondern interessiert sich für das Dazwischen. Wie wird aus einem begnadeten Maler und Kabarettisten ein Fall für die Psychiatrie? Nach den Filmen „Der Boxprinz“ und „Wollis Paradies“ zieht es ihn ein weiteres Mal auf den Hamburger Kiez. Auch Heino Jaeger hat St. Pauli, seine beste Zeit zu verdanken. Dort wurde seine Gabe, Stimmen zu imitieren und boshaft-gewitzte Texte zu improvisieren, entdeckt. Für den Saarländischen Rundfunk realisiert er in den 70er Jahren „Fragen Sie Dr. Jaeger“. Die Radiosendung erlangt Kultstatus und wird auch auf LP vertrieben. Doch ihm wird das Milieu, das ihn so beflügelte, zum Verhängnis. Gerd Kroske wählt die Gesprächsform, um mit Jaegers Wegbegleitern, denen er viel Raum lässt, minutiös den Abstieg in den Abgrund des Alkoholismus nachzuvollziehen und jene Traumata freizulegen, die vor allem aus der Kriegszeit herrühren. Jaeger war es weder gegeben, im prosperierenden Westdeutschland den Aufschwung für die Verdrängung zu nutzen, noch konnte er sich der zynischen 68er-Attitüde seiner bürgerlichen Freunde anschließen. Dafür war er dann doch zu sehr Sonderling und Einsiedler. Gerd Kroske schafft in seinem Film ein Denkmal für einen Scheiternden und erhebt das Scheitern selbst zur folgerichtigen Reaktion auf die ver-rückten Verhältnisse jener Zeit.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm 2012

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MansFeld

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
98 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Mario Schneider, 42film GmbH
Mario Schneider
Cornelius Renz, Mario Schneider
Florian Kirchler, Mario Schneider
Gudrun Steinbrück, Mario Schneider
Mario Schneider
Henning Raatz
Wie eine Wand erhebt sich die Halde über dem kleinen Ort im Mansfelder Land. Relikt einer Vergangenheit, als es hier noch Bergbau und Industrie gab – so wie das „Glückauf“, das stets zu Beginn des Pfingstfestes erklingt. Seit Jahrhunderten versammelt man sich dann, um in einem archaischen Ritual den Winter auszutreiben. Im Schlamm der aufgetauten Wiesen wälzen sich Männer, krallen sich in der Erde fest und werden von Jungen in weißen, mit Blumen festlich geschmückten Trachten und langen Peitschen verjagt.
Immer wieder sehen wir Tom, Paul und Sebastian das Peitscheschwingen üben. Der Film folgt ihnen bei der Vorbereitung auf den großen Tag und dringt dabei tief in ihre Welt vor. Es ist eine der bescheidenen Verhältnisse, in der man davon träumt, „dass alle Arbeit haben“, und über Gefühle eher nicht spricht. In der man darum kämpft, in der Schule oder im Job nicht unterzugehen und vor allem den Zusammenhalt nicht zu verlieren – auch wenn alles andere sich auflöst.
Auch im letzten Teil seiner Mansfeld-Trilogie richtet Mario Schneider den Blick auf Menschen, für die sich weder Politik noch Medien interessieren. Er ist von Wärme und großem Respekt bestimmt. Wie ernst er das Leben und die Geschichten der Kinder und ihrer Eltern nimmt, zeigt sich auch in der Musik, die er ihnen widmet und die als wichtiges dramaturgisches Moment fungiert. Für die Vertreibung des Alten steht nichts Geringeres als Strawinskis „Le sacre du printemps“, das „Frühlingsopfer“. Das Neue wird kommen und es wird Tom, Paul und Sebastian heißen.

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit dem DEFA-Förderpreis 2012

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Deutscher Wettbewerb
Nach Wriezen - Ein Film über das Leben nach der Haft Daniel Abma

Einfach normal leben: fast unmöglich für drei Jugendliche, die wegen Mord und Gewalt einsaßen, nach der Haftentlassung in Brandenburg. Ungewöhnliche Langzeitstudie.

Nach Wriezen - Ein Film über das Leben nach der Haft

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
88 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Holger Lochau, HFF „Konrad Wolf“ Potsdam-Babelsberg
Daniel Abma
Henning Fuchs
Johannes Praus und Anja Läufer
Jana Dugnus
Daniel Abma
Kay Riedel und Christoph Walter
Die Welt, die sie draußen erwartet, ist kalt. Brandenburgische Winterbilder ziehen auf. Keine Familie wartet auf die drei straffällig gewordenen Jugendlichen, die wegen Gewalt und Mord in der Jugendstrafanstalt Wriezen einsaßen, und schon gar nicht der Arbeitsmarkt. Immerhin kann Imo (22) bei einem Kumpel und Marcel (25) bei seiner Freundin unterkommen. Jano, mit seinen 17 Jahren der Jüngste, ist nur auf Bewährung entlassen. Der holländische Filmemacher Daniel Abma, Student der HFF Potsdam-Babelsberg, begleitet die drei vom ersten Tag ihrer Entlassung über mehrere Jahre. Hartnäckigkeit ist angesagt, denn der Film droht zu scheitern. Das Team ist nicht immer erwünscht, zu vieles läuft schief. Aber Abma macht diesen Prozess sichtbar, belässt das Kantige. Das wahre Leben lässt sich nicht immer für die richtige Kameraposition arrangieren. So verfolgt der Film die Stigmatisierten, die, so sehr sie sich drehen und wenden, doch von den alten Geschichten und der Verführung des schnellen Geldes eingeholt werden. Dabei geben sie sich alle Mühe. Sie haben Freundinnen, es kommen Kinder und selbst im Container ist noch Platz für eine Couchgarnitur. Aber ein spießiges Heim rettet nicht vor dem unberechenbaren Selbst. Nur bei Marcel glimmt so etwas wie Hoffnung auf. Wie lebt man, wenn man einer der Täter von Potzlow war? Seine Freundin mit ihrer Chuzpe, mit der sie versucht, dem Ex-Neonazi ein Zuhause zu geben, verspricht Halt. Dass gerade er sich der Kamera stellt, ist mutig. Daniel Abma – und das ist ebenso mutig, führt uns in ein Milieu, das so ausweglos scheint, dass alle wegschauen.

– Cornelia Klauß

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Deutscher Wettbewerb
Randland Leopold Grün, Dirk Uhlig

Eine eingeschworene Gemeinschaft im ostdeutschen Niemandsland schlägt sich durch, schlachtet, feiert, arbeitet und wartet auf die Zukunft. Reise an den Rand der Gesellschaft.

Randland

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
93 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Benny Drechsel, Rohfilm GmbH
Leopold Grün, Dirk Uhlig
Olivier Fröhlich, Jan Weber
Börres Weiffenbach
Leopold Grün, Dirk Uhlig
Leopold Grün, Dirk Uhlig
Klaus Barm
Vor allem gibt es Himmel. Er ändert seine Farben, die Wolken ziehen – während sonst alles gleich bleibt in dem kleinen Dorf irgendwo in der Provinz nördlich von Berlin. Arbeitsplätze gibt es keine und an Zukunft glaubt hier schon lange keiner mehr. In der Gegenwart aber haben sie sich eingerichtet: Der Tüftler und Angler-Philosoph Harry, der für das ganze Dorf Geräte repariert; Gabi, die fünf Kinder und zwei Pferde durchbringt; Maik, der sich für einen Hungerlohn/Tarif Ost mit Zeitarbeit durchschlägt; Cordula, die ihre späte Liebe gefunden hat und irgendwann mal wieder Geld verdienen möchte; der Jugendliche Uli, ohne Lehrstelle, der mit seinen Geschwistern über die weiten Felder tobt; Bauer Maxe, der von den LPG-Zeiten träumt und sich die Mauer, aber nicht „die rote Scheiße“ zurückwünscht.
Eine Gemeinschaft am Rand einer Gesellschaft, die sie vergessen hat und von der sie nichts mehr erwartet. Man hilft sich gegenseitig, schlachtet, säuft, feiert und trauert gemeinsam. Eine Art Utopie, die Arbeit jenseits der Koordinaten von Wirtschaft und Politik neu definiert.
Börres Weiffenbachs Bilder verleihen einer Geschichte, die doch eigentlich weder Anfang noch Ende hat, Kontur. Wenn Harry im Kleinbus am Horizont entschwindet, wird er zum Lonesome Cowboy. In einer Kulisse, die leicht schäbig wirken könnte, aber es nie tut, beginnen die Menschen zu leuchten. Denn dies hier ist kein Abgesang, sondern ein Blues in warmen, kräftigen Tönen.
– Grit Lemke
Foto: Börres Weiffenbach

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Deutscher Wettbewerb
Vergiss mein nicht David Sieveking

Der Alltag mit einer an Alzheimer erkrankten Mutter, die Erkundung ihrer Biografie: revolutionäre Gruppen, offene Beziehung, Frauenkreise. Und ein leiser, zärtlicher Abschied.

Vergiss mein nicht

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
88 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Martin Heisler, Lichtblick Media GmbH
David Sieveking
Jessica de Rooij
Adrian Stähli
Catrin Vogt
Der Filmemacher David Sieveking führt uns mit erstaunlicher Offenheit in das Leben seiner an Alzheimer erkrankten Mutter Gretel. Sein Vater Malte kümmert sich seit der Pensionierung um die kranke Gretel. Das Leben nach der Hochschule hatte sich der jung gebliebene Mathematikprofessor auch anders vorgestellt. Denn es erfordert viel Kraft und Zeit, sich stets um einen Menschen zu kümmern, der alles vergisst. Nach Hause will, obwohl er zu Hause ist. Der sich verweigert und am liebsten im Bett liegt. Um den Vater nun zu entlasten, zieht der Sohn für ein paar Wochen mit kleinem Filmteam wieder zu Hause ein und dokumentiert aus nächster Nähe den Alltag mit der Demenzkranken. Der Sohn nutzt die Chance, seiner Mutter auf diese Weise noch einmal nahe zu kommen. Je mehr sich Gretel gedanklich aus dieser Welt verabschiedet, um so mehr fördert Sieveking über sie und ihre Vergangenheit zu Tage. K-Gruppen, „offene Beziehung“, Frauenkreise. Malte beschließt, die Tagebücher seiner Frau zu lesen. Der Sohn spricht mit dem Vater, dem Liebhaber und Freundinnen der Mutter. Eine Biografie wird greifbar.
Dieser leise, berührende Film ist eine Liebeserklärung an die Mutter und an die Familie, doch er ist auch ein langsames Abschiednehmen von einem Menschen, der zwar physisch noch da ist, aber längst ein anderer geworden ist.

Antje Stamer



Ausgezeichnet mit dem Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2012

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