Filmarchiv

Anger

Dokumentarfilm
Spanien
2014
24 Minuten
Untertitel: 
englische
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Sergi Casamitjana
Mireia Fontanals
Jordi París
Anna Serra
Eli Sort
Mireia Fontanals
Aleix Burgueño
Anita und Amadeu sind immer noch ein Paar, obwohl ihnen das Alter schon arg zusetzt. Den unterschiedlichen Gewohnheiten können sie nicht entfliehen. Alle Abläufe absolvieren sie unendlich langsam. Nur die Katzen und der Hund sind ihnen als Gefährten geblieben. Sie ist noch flott bei der Sache und hält den Laden am Laufen, während sich Amadeu duldsam und mühsam gerade noch so aufrechthält. So aufeinander angewiesen, wird der Ton schärfer.
In ein paar wenigen Szenen wird das ganze Drama des Altwerdens präzise skizziert. Über einen längeren Zeitraum kehrt die junge Filmemacherin Mireia Fontanals immer wieder zu den beiden zurück, um dieselben Vorgänge zu dokumentieren. Im Prinzip ganz einfach, denn es gibt ja nur noch wenige Schauplätze, die im Leben der Eheleute eine Rolle spielen: das Haus, die Krankenstation, das Pflegeheim. Und es sind nur noch wenige Fragen, die zu klären sind. Zum Beispiel die: Liebst du mich noch?
Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Escort

Dokumentarfilm
Niederlande
2013
19 Minuten
Untertitel: 
englische
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Zinzy Nimako, Jonne Roos
Guido Hendrikx
Lucas Malec
Emo Weemhoff
Lot Rossmark
Guido Hendrikx
Tijn Hazen, Taco Drijfhout
Wie hebt man jemanden an, der gefesselt am Boden liegt? Wie trage ich ihn, wenn er sich wehrt? Wie fixiert man einen Körper? Wie bugsiert man ihn eine Gangway hoch? Was macht man, wenn er schreit? Und wie kriegt man es fertig, einen verzweifelten Menschen, der vielleicht eine Familie zurücklässt, abzuschieben in ein Land, wo ihn nichts als Unsicherheit, Armut oder Verfolgung erwartet? Mit diesen Fragen sehen sich junge Rekrutinnen und Rekruten der niederländischen Bundespolizei konfrontiert. Sie absolvieren eine Spezialausbildung darin, abgewiesene Asylbewerber auf ihren Abschiebeflügen zu begleiten.
Dicht und im Stil des Direct Cinema erzählt, gibt Guido Hendrikx komprimiert in wenigen Szenen Einblick in eine gängige, allerdings für die Öffentlichkeit meist unsichtbare Praxis. Ohne dezidiert zu emotionalisieren, gelingt es ihm dennoch, Erschütterung auszulösen. Denn auch wir können uns der Frage nicht entziehen: Was ist human? (Und uns bange weiterfragen, was wir tun würden, wenn im Flugzeug hinter uns ein „Escort“ mit seinem Passagier säße.)

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb für kurze Dokumentarfilme 2014

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Hotel 22

Dokumentarfilm
USA
2014
8 Minuten
Untertitel: 
englische
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Elizabeth Lo
Elizabeth Lo
Jonathan Zalben
Elizabeth Lo
Elizabeth Lo
Elizabeth Lo
Christopher Giamo
Endstation Palo Alto, Kalifornien. Der Bus Nummer 22 fährt ununterbrochen Passagiere durch das wohlhabende Silicon Valley. Tagsüber ein normaler Linienbus, führt er nachts ein glanzloses Doppelleben. Nach Einbruch der Dunkelheit versammeln sich an der Bushaltestelle die Armen, die Obdachlosen, Gestalten im Schatten des Reichtums. Schweigend und schwerfällig erklimmen sie den Bus, der sich in einen fahrenden Schlafplatz verwandelt. Eine Nacht lang werden sie durchgerüttelt, Streitigkeiten und Rassismen ausgesetzt und mit Ordnungsanweisungen beschallt, die suggerieren, dass hier alles noch im grünen Bereich und unter Kontrolle ist: „If you're tired, put your head up against the window.“ In knapp acht Minuten fängt der Film die Stimmungsschwankungen einer Fahrt durch die Nacht ein, die für Viele schon zum Alltag geworden ist, und liefert damit zugleich die Skizze für ein großes Gesellschaftsporträt.
Lars Meyer

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Metaphor or Sadness Inside Out

Dokumentarfilm
Portugal,
UK
2013
32 Minuten
Untertitel: 
englische
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Catarina Vasconcelos
Catarina Vasconcelos
Lucie Troger
Catarina Vasconcelos
Catarina Vasconcelos
Catarina Vasconcelos
Mike Wyeld
Ein junger Mann schreibt seiner Schwester, der Filmemacherin, aus Lissabon nach London. Er gesteht ihr, dass er, neun Jahre nach dem Tod der Mutter, eine Leere in seinem Leben fühlt. Sie antwortet ihm mit einem Film, um jene Leerstelle zu füllen. Der Bruder beschreibt seine Sehnsucht nach einer Zeit, in der er noch gar nicht lebte, eine Vergangenheit, die verloren scheint. Es ist die Zeit der Mutter, die Zeit der Revolution in Portugal, die ein innerlich gebrochenes Land wieder mit sich vereinte. Das Gefühl der Freiheit ist heute für die Nachrevolutionsgeneration, mitten in der Eurokrise, schwer greifbar. Kann man sich in der Zeit rückwärts filmen?
Das körnige Super-8-Material schlägt eine Brücke ins Gestern. Die Kamera sucht Orte von drei Familiengenerationen auf, die sich nur noch halb anfühlen. Auch das Meer gehört dazu, von dem der Großvater einst sagte, es sei eine Metapher für die Welt. Immer wieder kommt der lyrische Wortwechsel zwischen Bruder und Schwester auf das Gefühl der Halbheit zurück. Auf der Bildebene wird nach der anderen Hälfte gesucht, durchaus mit einer feinen Ironie, die den melancholischen Grundton aufhebt. Eine Metapher bleibt schließlich eine Metapher. So entsteht ein selbstreflexives, poetisches Suchbild, in dem das Persönliche stets über sich hinausweist.
Lars Meyer

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Of God and Dogs

Dokumentarfilm
Syrien
2013
11 Minuten
Untertitel: 
englische
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Abounaddara Collective
Abounaddara Collective
Abounaddara Collective
Abounaddara Collective
Das Gesicht und die Stimme eines jungen syrischen Kämpfers. Die linke Hälfte seines Antlitzes in tiefem Schatten. Zu hören: eine Erzählung, immer noch glühend von der Erinnerung an eine Vernehmung, zu der er als Verhörspezialist hinzugezogen wurde. Die Worte und Sätze kommen zögernd und gewichtig. Der erste Satz, den er trocken und klar spricht, nachdem er sich rauchend, mit geneigtem Kopf und geschlossenen Augen gesammelt hat: „Ich habe getötet.“ Der Mann, den er am Ende des Verhörs erschoss, war unschuldig, davon ist er überzeugt. Die zehn Männer aber, die dem Verhör beiwohnten, hatten den Verdächtigen schon vorverurteilt, wollten ihren Befund nur legitimiert sehen. Was ein gewöhnlicher Arbeitseinsatz für den jungen Mann hätte sein sollen, wird binnen weniger langer Minuten zur Bewährungsprobe seines Menschseins, und er empfindet, dass er versagt hat. Von diesem Versagen handelt „Of God and Dogs“ und schwingt sich zum großen filmischen Requiem auf: unversöhnt, meisterlich, verzweifelt.
Ralph Eue

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Presence

Dokumentarfilm
Iran
2013
18 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Hossein Rasti
Hossein Rasti
Hossein Rasti
Hossein Rasti
Mosoud Asadi
Männer, die sich geißeln, bis Blut fließt, ekstatisches Wehklagen und eine der Trauer hingegebene Masse … An Aschura gedenkt die Schia jährlich der Ermordung des dritten Imam in der Schlacht von Kerbela. Die martialischen Bilder der Prozession bestimmen unsere Vorstellung von einer Religion, deren Geschichte und aktuelle Gegenwart von Repression und Leiden geprägt sind.
Auch Hossein Rasti beginnt mit diesem Ritual und schafft doch eine überraschende Wendung, indem er dessen säkulare Seite ins Visier nimmt. Hier wird gekocht und gegessen. In einer flugs zur heiligen Stätte umgebauten Mehrzweckhalle verköstigen Heerscharen von Köchen 5.000 Gläubige mit einer traditionellen Lammsuppe. Von den Tränen der Klagenden geht der Schnitt zu jenen des Mannes, der Berge von Zwiebeln schneiden muss. In riesigen, brodelnden Töpfen (sollte es eine Hölle geben, muss sie so aussehen) werden Hektoliter von Suppe gekocht, die in Windeseile auf Tellern verteilt und virtuos vor die aufgereiht sitzenden Gläubigen geschleudert werden. Ebenso routiniert erfolgt der geordnete Rückzug.
Das Blut, das Fleisch und das Brot – archaische Symbole, in einer gekonnten Montage ihrer religiösen Aura entkleidet, ohne dass diese beschädigt würde. Die kraftvolle (und mutige) Miniatur zeigt, dass sich Glaubensgemeinschaft auch irdisch definieren lässt.
Grit Lemke

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Starting Point

Dokumentarfilm
Polen
2014
25 Minuten
Untertitel: 
englische
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Ewa Jastrzebska
Michał Szcześniak
Przemysław Niczyporuk
Jacek Tarasiuk, Daniel Gąsiorowski
Katarzyna Bonda, Michał Szcześniak
Man wächst an seinen Aufgaben, heißt es. Anetas Aufgabe ist enorm groß und schmerzhaft. Täglich muss sie sich mit ihrer Vergangenheit konfrontieren, um wieder eine Zukunft zu haben. Mit 19 rebellierte sie gegen ihr gesamtes Umfeld und endete als Mörderin. Neun Jahre später darf sie hin und wieder das Gefängnis verlassen, um Sozialdienst im Pflegeheim zu leisten. Dort trifft sie auf eine alte Dame, Helena – und mit ihr auf eine komplett gegenläufige Lebensgeschichte. Während Aneta ihre Chancen und ihre Freiheit aufs Spiel gesetzt hat, ist Helena bereits mit Rheuma aufgewachsen und kennt die Welt, wie sie sagt, nur durch das Fenster. Und trotzdem nennt sie sich eine Realistin.
Das Anerkennen der Umstände, der Realitätssinn sozusagen, wird hier zum Schlüssel für Anetas banges Hoffen auf Vergebung und einen Neuanfang außerhalb des monotonen Gefängnisalltags. Fein dosiert legt der Film nach und nach die Stationen ihres Weges und ihren inneren Kampf offen, gespiegelt in Helenas aufrichtigem Interesse. Im Zwiegespräch zwischen der gefassten kleinen Frau im Rollstuhl, die unter ihrer Mütze fast verschwindet, und der emotional pendelnden Pflegerin offenbart sich mehr als bloße Sympathie, vielleicht sogar eine gegenseitige Faszination.
Lars Meyer

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T's World: The Over-identification of Terry Thompson

Animadok
Frankreich,
UK,
USA
2014
29 Minuten
Untertitel: 
keine
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Ramon Bloomberg
Ramon Bloomberg
Ramon Bloomberg
Stark Haze
József Szimon, Balázs Őrley
Am 18. Oktober 2011 erhält der Sheriff von Zanesville in Ohio einen aufgeregten Anruf: Die Tiere, die der Sonderling Terry Thompson völlig legal auf seiner Ranch hält, würden durch das County streifen. Alarm! Ein schwer bewaffneter Polizeitross tötet in jener Nacht über 56 Bären, Tiger, Wölfe, Leoparden und Löwen. Thompson hatte die Käfige geöffnet, sich erschossen und den Tieren seinen Körper als Nahrung angeboten. So weit, so gut, so amerikanisch.
Das bizarre Geschehen verwandelt der britische Medienkünstler Ramon Bloomberg in eine Erzählung Brecht’scher Prägung. Dessen Lehrstück „Der Jasager“, das überlieferten Brauch und formalisiertes Gesetz thematisiert, verbindet Bloomberg mit der anarchistischen Freiheitslogik der amerikanischen Siedlermentalität, die jede Staatlichkeit als Einschränkung individueller Freiheitsrechte bekämpft: Ich bin der Herr über meine Tiere, mein Land, mein Haus, meine Familie. Basta!
Bloomberg übersetzt episches Theater in die Sprache des Films zu Zeiten der Play-Station-Spiele. Realaufnahmen wechseln mit Bildern der Videokamera aus Streifenwagen, Google-Earth-Data-Mining-Sequenzen und computeranimierten Reenactments. Dazu hören wir Protokolle und Aussagen der Beteiligten sowie einen Kommentar in Form des (antiken) Chors, der Stimme des Gesetzes, des Nachbarn und des Tiers. Nur Terry Thompson hören wir nicht. So bleibt sein Motiv ein großes Geheimnis.

Matthias Heeder



Lobende Erwähnung im Internationalen Wettbewerb Animationsfilm 2014

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The Predicate and the Poppy

Animadok
Frankreich
2013
24 Minuten
Untertitel: 
englische
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Valérianne Boué, Luc Camili
Jeanne Paturle, Cécile Rousset
Thomas Dappelo
Mélanie Braux
Jeanne Paturle, Cécile Rousset
Jeanne Paturle, Cécile Rousset
Manuel Vidal
Wenn Ritter aufmarschieren, unbekannte Flugobjekte durch die Luft schwirren und sich der Raum plötzlich in ein undurchdringliches Labyrinth verwandelt, dann befinden wir uns im Klassenzimmer einer ganz gewöhnlichen Schule am Stadtrand von Paris. So in etwa erleben fünf junge Lehrer die erste Zeit ihres Arbeitsantritts. Und da Worte kaum auszudrücken vermögen, „was so abgeht“ an einer Schule, greifen Jeanne Paturle und Cécile Rousset auf das reiche Arsenal an Animationsfilmtechniken zurück, um diese Mischung aus Verzweiflung, Anarchie und Chaos in Bilder zu übersetzen. Mittels Fotocollage, Flachbildanimation, Knetfigurentechnik und klassischem Zeichentrick entsteigen historische Persönlichkeiten den Geschichtsbüchern, lässt sich der Big Bang rekonstruieren und beginnen Zahlen zu tanzen. Der Film explodiert förmlich! Aber er will mehr und vor allem nicht über die Bildungsmisere lamentieren. Nur, wenn der Lehrer selbst zum Lernenden wird, indem er das Alphabet der Straße und die Klaviatur eines jedes einzelnen Schülers kapiert, kann sich der Albtraum Schule vielleicht in einen Freiraum verwandeln.
Cornelia Klauß

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Victory Day

Dokumentarfilm
Russland
2013
29 Minuten
Untertitel: 
englische
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Sergey Vinokurov, Alina Rudnitskaya
Alina Rudnitskaya
Fedor Bakulin
Alina Rudnitskaya
Sergey Vinokurov
Alexsey Antonov
„Nur in Russland ist es denkbar, dass der Präsident jenes Jahr, in dem er seine Scheidung einreicht, zum ‚Jahr der Familie‘ erklärt.“ Während unten auf den Straßen Sankt Petersburgs das Fahnenmeer der Siegesparade verdeutlicht, wie sehr mittlerweile Russisch-Nationales, Kommunistisches und Orthodoxes verschmolzen sind im Land der ideologischen Extreme, sitzen lesbische und schwule Paare zu Hause auf ihren Sofas. Hinter geschlossenen Fenstern und jenseits der neuen Öffentlichkeit, die nunmehr rein zu halten ist von „Perversen“. Sie erzählen, wie sie sich kennengelernt haben und wie Eltern und Umgebung mit ihrem Bekenntnis zur Homosexualität umgehen. Im TV läuft eine Talkshow, ein Biedermann hält das im Juni 2013 verabschiedete Anti-Homosexuellen-Gesetz für zu harmlos: „Solchen muss man das Spenden von Blut und Sperma verbieten, und im Fall eines Autounfalls sollte man ihre Herzen in der Erde vergraben oder verbrennen, als ungeeignet für die Fortsetzung jedweden Lebens.“ Er erntet minutenlangen Applaus.
Das Schöne an diesem Film ist die Normalität dieser Lieben und Liebenden, die Selbstverständlichkeit ihrer Ansichten und Haltungen. Und doch hat sich – spätestens gegen Ende, in der fulminanten Schlussmontage – eine Schicht der Verzweiflung über ihre klugen Gesichter gelegt. Nach Juden und Queers, sagt einer, fehle jetzt eigentlich nur noch ein Gesetz über Hexen. Willkommen im Mittelalter, willkommen im Russland von heute.
Barbara Wurm

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White Death

Dokumentarfilm
Chile
2014
17 Minuten
Untertitel: 
englische
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Isabel Orellana Guarello
Roberto Collío
Roberto Collío
Matías Illanes
Roberto Collío
Jota Sandoval, Roberto González
Roberto Collío
Roberto Collío
Vivisektion einer Landschaft: In düsteren Schwarz-Weiß-Bildern werden Panoramen einer kargen Bergregion aufgeblättert. Schmale Pfade winden sich durch das Andengebirge. Kreuze zieren den Weg. Die Überreste einer Kaserne kommen zum Vorschein. Einst waren hier Rekruten untergebracht, die zu einer letzten Übung aufbrachen und in einen Schneesturm gerieten. Bruchstückhaft kollidieren Realaufnahmen mit Animationen, die aufs Äußerste reduziert sind. Die Emulsionsschicht des Filmmaterials beginnt zu pulsieren, sich aufzulösen. Abrupte Lichtblitze zerstören jeglichen Ansatz von Narration. Hier soll kein Ereignis aus dem Jahre 2005 rekonstruiert, sondern ein Albtraum aus Kälte und Tod nachvollzogen werden, der sich unwiderruflich in die Landschaft eingeschrieben hat.
Regisseur Roberto Collío weiß nicht nur, virtuos mit den verschiedenen Materialien zu experimentieren und grafische Analogien zu evozieren. Seine Laufbahn begann als Sounddesigner, und so findet auf der subtil gearbeiteten Tonspur das einsame Sterben der jungen Soldaten in den immer leiser werdenden Tönen einer Trillerpfeife seinen langen traurigen Nachhall.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube Animierter Dokumentarfilm 2014

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