Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Deutscher Wettbewerb
Akt Mario Schneider

Aktmodelle in Leipzig: Nacktheit als Motiv, über Verletzungen und menschliche Nähe zu reflektieren. Liebeserklärung an das Leben und den Körper, der seine Narben in Würde trägt.

Akt

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
105 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Christoph Kukula
Mario Schneider
Cornelius Renz, Mario Schneider
Friede Clausz
Gudrun Steinbrück-Plenert
Mario Schneider
Johannes Doberenz, Christian Carl, Kai Hesselbarth, Frieder Wohlfarth
Nach seiner preisgekrönten Mansfeld-Trilogie kehrt Mario Schneider mit einem Film nach Leipzig zurück, der schlicht in Erstaunen versetzt. Die Grundidee ist bestechend: Auf einer Ebene wird die Geschichte dreier Menschen, die an der hiesigen Kunsthochschule Akt stehen, erzählt. Das schafft einen Schnittpunkt, von dem aus der Film glaubwürdig in der Welt seiner Protagonisten ein- und ausgeht. Gleichzeitig verbindet er die Arbeit der Kunst mit der des Lebens, während der Moment des Aktstehens einlädt zur Betrachtung des menschlichen Körpers.

Die Geschichten, denen wir eben noch folgten – eine Kindheitserinnerung, der Beginn einer Liebe –, erfahren in diesen Augenblicken eine überraschend leibliche Entsprechung, die uns bewegt, den Blick auf uns selbst zu richten. Auf dieses erzählerische Gerüst legt sich eine weitere Ebene, eingeführt durch eine Kunststudentin, die selber Akt steht und nach der künstlerischen Form für eine alte Frage sucht: Wie funktioniert menschliche Nähe? Dramaturgisch klug gesetzt, verbindet dieses Thema die individuellen Erzählungen zu einer gesellschaftlichen Erfahrung, die wiederum Motiv des Künstlers Mario Schneider ist. Vielschichtig, souverän in Schnitt und Timing und von einer exzellenten Kamera getragen, ist „Akt“ eine Liebeserklärung an das Leben wie an den menschlichen Körper, der seine Narben in Würde trägt.

Matthias Heeder

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Atl Tlachinolli

Dokumentarfilm
Deutschland,
Mexiko
2015
76 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
University for Television and Films Munich, Centro de Capacitación Cinematográfica, A.C.
Alexander Hick
Juan Pablo Villa
Alexander Hick
Julian Sarmiento
Alexander Hick, Ileana Villareal
Man muss kein Zoologe sein, um Alexander Hicks Faszination für dieses Tier zu verstehen, das sich wie kaum ein anderes zur Mythenbildung eignet. Der Axolotl, ein Schwanzlurch, verweigert die Metamorphose. Er geht nicht an Land, sondern verbleibt als Larve im Wasser, vermag sich dennoch fortzupflanzen und darüber hinaus selbst zu regenerieren. Sogar sein Herz oder sein Hirn können nachwachsen! Nur sein Lebensraum ist ihm abhandengekommen. Aus den einstigen Gewässern erhebt sich nunmehr ein 8-Millionen-Moloch, Mexico City. Alexander Hick wirft in insistierenden Bildern, aufgeladen mit kulturhistorischen, religiösen und mythologischen Verweisen, die Frage auf, wie der Mensch mit dem eroberten Paradies umgeht. In bruchstückhaft nebeneinander stehenden Episoden skizziert er Bewohner dieser Megalopolis in ihrem Überlebenskampf. Gewalt und Korruption haben alles ausgehöhlt: die Familie, die Institutionen, den Staat. Den Glauben daran, dass sie sich selbst wieder „regenerieren“ könnten, vermittelt der Film nicht. Im Gegenteil.

So ist der von den Azteken verehrte Axolotl der letzte Zeuge einer geschundenen, missbrauchten Landschaft und einer Zeit, als der Mensch noch in der Lage war, Hochkulturen zu schaffen. Ein im edelsten Wortsinn kluger Essayfilm und ein kühnes Stadtporträt.

---Cornelia Klauß

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Deutscher Wettbewerb
Café Waldluft Matthias Koßmehl

Seit die italienischen Touristen wegbleiben, bewohnen Flüchtlinge das Hotel im bayrischen Alpenidyll. Mal komisch, mal tragisch kreuzen sich Lebenswege. Ein Heimatfilm besonderer Art.

Café Waldluft

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
79 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Matthias Koßmehl
Matthias Koßmehl
André Feldhaus
Bastian Esser
Andreas Nicolai
Matthias Koßmehl
Till Wollenweber
Einst kamen die Touristen in ganzen Busladungen, um im schönen Café Waldluft einen Platz an der Sonne zu suchen, zumindest für die Zeit ihres wohlverdienten Urlaubs. Seit zwei Jahren aber beherbergt das Traditionshotel in Berchtesgaden, mit Blick auf den deutschen „Schicksalsberg“ Watzmann und seine Ausläufer, Gäste aus anderen Regionen der Welt: Sie stammen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone und haben sich das Alpen-Musteridyll keineswegs ausgesucht. Ihr Aufenthalt als Asylbewerber ist geprägt von endlosem Warten, ermüdenden Behördengängen, Heimweh und Sorge um ihre Verwandten.

Seither hat sich die Dynamik im Städtchen verändert. Doch wenn Matthias Koßmehl seinen Film mit einer bayrischen Trachtenparade in Zeitlupe eröffnet, dann nur, um mit den Erwartungen, die dieses Klischee hervorruft, aufzuräumen und stattdessen nüchtern, aber offenen Herzens zu schauen, was für Begegnungen wirklich stattfinden an diesem sonderbaren Ort. Da ist Mama Flora, die Inhaberin, die sich gottergeben um jeden ihrer Schützlinge kümmert, und da ist die ostdeutsche Köchin, die hier ihre Wahlheimat gefunden hat. Die Zufallsbegegnungen mit Stammkunden oder Wanderern und das alltägliche Miteinander im Haus entsprechen einer Vielzahl sich kreuzender Lebenspfade. Der Watzmann, ob verhangen oder klar, bleibt stets am Horizont. Ein dokumentarischer Heimatfilm, in dem das Wort Heimat viele Facetten hat.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem DEFA-Förderpreis 2015

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Deutscher Wettbewerb
Der Kuaför aus der Keupstraße Andreas Maus

Das NSU-Nagelbombenattentat, bei dem 2004 in Köln 22 Menschen verletzt und später nur die Opfer verdächtigt wurden. Vielschichtig inszenierte Rekonstruktion eines Skandals.

Der Kuaför aus der Keupstraße

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
92 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Herbert Schwering, Christine Kiauk
Andreas Maus
Maciej Sledziecki
Hajo Schomerus
Rolf Mertler
Maik Baumgärtner, Andreas Maus
Ralf Weber
Der Mittwochnachmittag ist mit Bedacht gewählt. Vor und in dem Friseurgeschäft der Brüder Özcan und Hasan Yildirim ist viel los, als sich am 9. Juni 2004 plötzlich 700 zehn Zentimeter lange Tischlernägel mit einer Reichweite von 250 Metern in Projektile verwandeln. Sie verletzen 22 Menschen. So infam der Anschlag ist, so skandalös der Verlauf der Ermittlungen: Verdächtigt werden die Opfer. Überwachungsvideos wertet man nicht aus und Bundesinnenminister Otto Schily schließt einen rechtsradikalen Hintergrund dezidiert aus. Erst 2011 wird mit den Enthüllungen über die rechtsextreme terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ auch diese Tat aufgedeckt. Der Prozess dauert bis heute an.

Der Regisseur Andreas Maus konzentriert sich darauf, zehn Jahre nach dem Kölner Nagelbomben-Attentat jenen eine Stimme zu geben, die lange niemand hören wollte. Die von ihm angewandten Erzählstrategien zielen auf Distanz, um freizulegen, mit welcher Systematik vertuscht, verschwiegen und verdrängt wurde. Dokumentarisches und inszeniertes Material verschränken sich miteinander, Schauspieler agieren neben Betroffenen, Räume werden rekonstruiert. Die vielstrapazierten Fernsehbilder überschreibt Andreas Maus mit seinen Bild-Erfindungen. Die Kamera hält inne, der Blick, der auf den Zuschauer gerichtet ist, gefriert. Was eigentlich kommt nach der „Willkommenskultur“, möchte man fragen?

Cornelia Klauß

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Fastentuch 1472

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
93 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jens Körner
Bernhard Sallmann
Jürgen Kurz
Andreas Bergmann
Christoph Krüger
Harald Kögler, Christoph Krüger
Klaus Barm
In Haltung, Thema und Stil ein franziskanischer Film: eine kinematografische Annäherung an das Große Zittauer Fastentuch und die darauf aufgetragenen biblischen Legenden. Darüber hinaus: ein Essay über die Herkunft dieser speziellen Bildform aus abendländischer Geschichte und Kultur. Außerdem: eine Unterweisung zum prekären gegenwärtigen Sein dieses Tuchs von 8,20 m Höhe und 6,80 m Breite in der Kirche zum Heiligen Kreuz in Zittau.

„Fastentuch 1472“ ist ein angenehm altmodischer Versuch, über unterschiedliche Zugänge in die verschiedenen Wirklichkeiten dieses Artefakts einzudringen. Nicht minder angenehm: das Didaktische, welches diese Arbeit atmet. Sie ist ebenso didaktisch wie die elf schlichten Geschichten (die dazu noch jegliche dramaturgische Regeln zu missachten scheinen), aus denen Roberto Rossellinis „Franziskus, der Gaukler Gottes“ (1950) besteht. Die Kritik war damals extrem gespalten in ihrem Urteil zwischen „steinalt“ und „ultramodern“. Jedenfalls muss der Film zu seiner Zeit gewirkt haben wie von einem anderen Planeten. Möglicherweise wird „Fastentuch 1472“ sein Publikum ähnlich spalten. Ins Feld zu führen wäre in diesem Zusammenhang dann der Gedanke von Pier Paolo Pasolini: „Nie vergessen werden sollte, dass zu den ersten und vornehmsten Aufgaben des Künstlers gehört, keine Furcht vor der Unpopularität zu haben.“

Ralph Eue

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Deutscher Wettbewerb
Herr von Bohlen André Schäfer

Arndt von Bohlen und Halbach, letzter Spross der Krupp-Dynastie, schwuler Exzentriker und lebenslang ein Außenseiter. Zwischen Dok- und Spielfilm, Trash und Tragik.

Herr von Bohlen

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Marianne Schäfer
André Schäfer
Ritchie Staringer
Andy Lehmann
Fritz Busse
André Schäfer
Maximilian Pellnitz, Thorsten Czart, Alexander Czart, Christian Hermanns
Auch der zeitgenössische deutsche Dokumentarfilm nimmt mediale Trends auf: In „Herr von Bohlen privat“ verwischen die Grenzen zwischen dem Fiktiven und dem Realen, der Nachinszenierung und dem authentischen Archivmaterial. Der Regisseur stellt dies gleich am Anfang des Films klar: „Wir machen einen Dokumentarfilm, der eigentlich kein Dokumentarfilm ist, oder einen Spielfilm, der kein Spielfilm ist.“ Das Casting, bei dem ein passender Darsteller des zu porträtierenden Protagonisten gesucht wird, ist ebenso Teil der filmischen Narration wie die Aussagen seiner Zeitgenoss/innen und Freunde. Erzählt wird die Geschichte des Arndt von Bohlen und Halbach (1938–1986), letzter Spross eines großen deutschen Adelsclans: der Krupp-Dynastie, deren Kanonen unzählige Menschen in zwei Weltkriegen getötet haben. Innerhalb seiner Familie und seines Milieus blieb der schwule Lebemann ein Exot, der freiwillig von seinem Erbe zurücktrat. Die reichlich vorhandenen Zitate aus der deutschen Klatschpresse dienen als Grundlage für gespielte Szenen, die den Zugang zur Lebenswelt des Außenseiters eröffnen. Der Film nimmt uns mit auf eine Reise in die 1970er Jahre – als der Paragraph 175 homosexuelle Handlungen unter Männern noch unter Strafe stellte – und enthüllt das Leben eines einsamen Exzentrikers auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

---Zaza Rusadze

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Deutscher Wettbewerb
Könige Hristiana Raykova, Lisa Block

Früher nannte man sie Vagabunden: Menschen, die der Freiheit wegen auf der Straße leben. Nicht Opfer, sondern selbstbestimmt. Ein Film über Lebensentwürfe und die Suche.

Könige

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
83 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
FB2 Medienproduktion Hochschule Ostwestfalen-Lippe / pöapö filmproduktion
Hristiana Raykova, Lisa Block
Hristiana Raykova
Hristiana Raykova
Hristiana Raykova, Lisa Block
Lisa Block
Wer möchte schon auf der Straße leben? Michael jedenfalls nicht. Im Angesicht der Räumungsklage schwört er: „Das wäre für mich die größte Schmach. Die Beleidigung meines Daseins.“ Ben, Knüppel und Chris sehen das anders. Die Straße bedeutet für sie selbstgewählte Freiheit. Eine bewusste Entscheidung gegen „die Doppelhaushälfte“. Aussteigen aus dem System, Anarchie. Sie erinnern an die „Vagabunden“, die in den 30er Jahren eine Bewegung gründeten. Wenngleich deutlich wird, dass viel passieren muss, bevor einer einen solchen Schritt tut. Hristiana Raykova und Lisa Block geht es nicht um „Obdachlosigkeit in Deutschland“, nicht um Elend, arme Opfer und zu allerletzt um Mitleid (höchstens für die Doppelhaushälfte). Ohne zu idealisieren oder zu beschönigen, bewegt sich der Film um Lebensentwürfe und die existenzielle Frage: Was ist Glück? Jederzeit aufbrechen zu können? Oder vielleicht doch, einen Rückzugsort und Sicherheit zu haben? So ganz genau, erfahren wir, wissen das die Protagonisten auch nicht. Wer schon?

Und so ist dieser Film vor allem einer über die unablässige Suche. Nach einer „Kleingeldspende“, einem Ort, nach Sinn. Entsprechend ruhelos folgt die Kamera den „Königen“ durch die Städte, die man neu zu sehen lernt. Nein, um „schöne“ Bilder geht es hier nicht. Aber zum Beispiel um die interessante Frage, die Knüppel bewegt: Kann einer, der arbeiten geht, noch ein guter Punk sein?

---Grit Lemke

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Deutscher Wettbewerb
Parchim International Stefan Eberlein, Manuel Fenn

Ein kleiner Flughafen in Mecklenburg und ein chinesischer Investor mit großen Visionen. Provinzposse und Culture-Clash-Komödie mit Tiefgang zwischen Parchim und Peking.

Parchim International

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
93 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Kathrin Lemme
Stefan Eberlein, Manuel Fenn
Eckart Gadow
Manuel Fenn
Antonia Fenn
Stefanie Saghri
Stefan Eberlein
Urs Krüger
Inmitten blühender Landschaften, die hauptsächlich aus Rapsfeldern bestehen, liegt Parchim. Nördlich von Berlin („bei Hamburg“, sagt Herr Pang), fern der Welt und des Wachstums. Das wird Herr Pang, millionenschwerer Chinese, ändern. Denn Parchim hat einen kleinen, einst militärisch genutzten Flughafen, dessen Landebahn Hasen statt Flugzeuge bevölkern. Herr Pang hat Visionen, wobei weltweiter Flugverkehr seine kleinste Übung ist: Business-Center, Marken-Tempel, künstliche Berge, Hotels, hunderte Arbeitsplätze, tausende Shops, Millionen Kunden, Milliarden Umsätze – Wohlstand für alle von Parchim bis Peking. Nur zu gern hört das die Politik in der strukturschwachen Region. Doch während Herr Pang landauf, landab unterwegs ist, um unverdrossen um investitionskräftige Partner zu werben, mahlen in Mecklenburg die Mühlen langsam, und die Feuerwehr mäht weiter Rasen auf der leeren Fläche. „Nächstes Jahr starten wir im großen Stil“, sagt Herr Pang und läuft …

Sicher bewegen sich Stefan Eberlein und Manuel Fenn zwischen Culture-Clash-Komödie und Provinzposse, ohne Handlung oder Protagonisten je der Lächerlichkeit preiszugeben. Insbesondere bewahren sie die Figur des Jonathan Pang davor, als „der Chinese“ wahrgenommen zu werden, indem sie ihn mit Tiefe und auch Tragik zeichnen. Der abgenutzte Begriff „Aufschwung“ bekommt eine neue Dimension – auch wenn man in Parchim noch auf ihn wartet.

Grit Lemke



Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb 2015

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