Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Der Esel hieß Geronimo

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2018
80 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Arjun Talwar (Lo-Fi Films)
Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Arjun Talwar
Bigna Tomschin
Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Franek Kosłowski
„Eine Insel hat immer zwei Seiten. Die eine heißt Sommer und die andere heißt Winter“, sagt ein Mann namens Rüdiger. Eine Tatsache, die das Leben auf der Insel erschwert, denn die Bewirtschaftung und das Überleben im Winter seien ungleich härter. Andere Hürden des Zusammenlebens: der berühmte Inselkoller, der wohl weltweit auf den unterschiedlichsten Breiten- und Längengraden grassiere.

Die Bewohner der Großen Ochseninsel in der Ostsee konnten all diesen Widrigkeiten über zehn Jahre standhalten. Dann haben sie sich überworfen, das Eiland verlassen, fast alle mit gebrochenem Herzen. Niemand hat den Ort und das, was dort vorgefallen ist, überwunden. Die Insel ist Gesprächsthema, nagende Leerstelle, pochende Wunde. Auf ihr scheint es einen Esel gegeben zu haben, der sich Geronimo nannte. Aber auch unzählige Rosensorten, Kaffee und Bier für alle, die zu Besuch kamen, dazu Musik, Veranstaltungen, einen gemeinsamen Traum. Ein Fixpunkt im Meer. Ohne ihn hätten die Seemänner den Boden unter den Füßen verloren, meint eine Freundin. Und wirklich liegen nun alle auf ihren kleinen Schiffen vor Anker, schaukeln, trinken, schimpfen auf- und bespähen einander, sinnieren.

Carolin Weidner


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Der Funktionär Andreas Goldstein

Ein „Film über den Vater“, den DDR-Kulturfunktionär Klaus Gysi. Auch ein Film über einen Staat, der oft mit Unrecht assoziiert wird. Nicht hier: Der gute Kommunist ist eine tragische Figur.

Der Funktionär

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
72 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Andreas Goldstein, Heino Deckert
Andreas Goldstein
Jakobine Motz
Chris Wright
Andreas Goldstein
Der „Film über den Vater“ ist ein schwieriges Genre. Andreas Goldstein, Sohn des DDR-Kulturfunktionärs Klaus Gysi (1912–1999), hat sich dieser Aufgabe gestellt. Er tut das so uneitel wie nachdrücklich: bedächtig unaufgeregt, ehrlich intellektuell, analytisch persönlich. Er legt dabei ein Mosaik frei, das auf die Teleologien der selbsternannten Geschichtssieger ebenso verzichtet wie auf die Simplizismen (west-)deutscher Oscar-Anwärter. Nicht vom Leben der Anderen handelt dieser Film, sondern vom eigenen. Nicht vom Gestern, auch vom Heute.

Der Fokus bleibt beim Vater und dessen lebenslangem Versuch, eine Gesellschaftsordnung zu gründen, in der „Geist und Macht voll übereinstimmen“: bei der Urszene des jüdischen Intellektuellen (Anblick eines toten Arbeiters), der Karriere des SED-Parteikommunisten (Verlagsleiter, Kultusminister, Botschafter, Staatssekretär für Kirchenfragen), Einblicken in ein Privatleben, das ein getriebenes war. Selbst Teil dieser „kommunistischen Abstammungsgeschichte“, kommentiert Goldstein aus dem Off eigene Fotografien, gefundenes Fernseharchiv-Material und Bilder aus Berlin (damals, heute) und legt dabei die Latte für eine Neubetrachtung jenes Staates, aus dem er immer gekommen sein wird, hoch. „Wir würden Fragen nach der Legitimität unserer gegenwärtigen Existenz abweisen. Wie kommen wir eigentlich dazu, sie immerzu an die Vergangenheit zu richten?“

Barbara Wurm


Nominiert für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Der Stein zum Leben Katinka Zeuner

Den Stein zu finden, welcher der Persönlichkeit des Verstorbenen gerecht wird, darum geht es Michael Spengler und jenen, die zu ihm kommen. Im Prozess reift das individuelle „Grabzeichen“.

Der Stein zum Leben

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
77 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Katinka Zeuner
Katinka Zeuner
Katinka Zeuner
Anna Pesavento
Oliver Eberhard, Birte Gerstenkorn, Martin Nevoigt, Joel Vogel
„Also es ist ja so, dass ein Mensch immer sehr vielschichtig zu sein pflegt“, sagt Michael Spengler. Zu ihm kommen Personen, die nach einem Grabstein streben, der sich von den üblichen unterscheidet. Der die Persönlichkeit des Verstorbenen widerspiegelt, das vergangene Leben reflektiert. Drei Todesfälle und den anschließenden Prozess der Steinfindung begleitet Katinka Zeuner in ihrem Film: ein junges Elternpaar, das ihr Kind verloren hat, eine Frau mit ihren zwei Söhnen, die sich gemeinsam mit Spengler dem Leben des Vaters, beziehungsweise Großvaters anzunähern suchen, und eine Frau, die nach der richtigen Form für einen Mann namens „Cliewe“ forscht. Spengler wird dabei zu einer Art Medium, welches die Erinnerungen und Emotionen seiner Kunden aufnimmt, um sie anschließend ins Material zu übersetzen. Das Vorgehen ist ein gemeinschaftliches, über Wochen und Monate treffen sich die Parteien immer wieder, um etwas zu schaffen, das Michael Spengler als „Grabzeichen“ benennt.

Carolin Weidner


Ausgezeichnet mit dem ver.di Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Lobende Erwähnung Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts



Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Der zweite Anschlag Mala Reinhardt

Präzise Studie zum Zusammenhang zwischen rechtsradikalen Übergriffen in Deutschland und der unzureichenden politischen und gesellschaftlichen Ächtung von Rassismus und Gewalt.

Der zweite Anschlag

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
62 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kate Blamire, Benjamin Cölle, Katharina Degen, Patrick Lohse, Mala Reinhardt
Mala Reinhardt
Macarena Solervicens
Patrick Lohse, Katharina Degen
Federico Neri
Kate Blamire, Gerald Mandl
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 12 Jahre 
Klassenstufen: ab 7. Klasse

Themen: Rassismus, Gewalt, Vorurteile, Medien, Justiz, Strafverfolgung, Empowerment, Solidarität 
Lehrplanbezüge: Politik und Medien, Recht und Gerechtigkeit 
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde, Geschichte, Politik, Ethik, Religion, Deutsch

Zum Inhalt

Ibrahim Arslan überlebte als Kind den Brandanschlag auf sein Elternhaus in Mölln, bei dem drei Mitglieder seiner Familie starben. Heute sagt er, seine Familie habe nicht nur einen, sondern zwei Anschläge erlitten. Kurz nachdem die Molotow-Cocktails flogen, wurden die Arslans ein zweites Mal zum Ziel von Attacken aus Medien, Politik und Gesellschaft. Diese Attacken, so sagt Arslan heute, waren schlimmer als der Brandanschlag, denn sie wären vermeidbar gewesen.

Der Film befragt Arslan und andere Opfer rechtsradikaler Gewalt wie der Anschläge in Rostock-Lichtenhagen 1992 und Angehörige von NSU-Opfern nach ihren Erfahrungen. Sie alle mussten nicht nur erleben, wie Familienmitglieder und Freunde einer politisch motivierten Straftat zum Opfer fielen, sondern dass sich Polizei, Politik und Medien danach von Vorurteilen zu falschen Schlüssen verleiten ließen. So wurden die Morde des NSU jahrelang öffentlich als „Döner-Morde“ verbrämt. Die Familien der Betroffenen wurden angefeindet und kriminalisiert und leiden bis heute darunter. Die wahren Hintergründe und ihr Leiden sind öffentlich kaum bekannt. Dieser Film konzentriert sich nicht auf die Täter, sondern auf diejenigen, die grundlos durch rassistisch motivierte Gewalt aus dem Leben katapultiert wurden. 

Nach der Kritik des Fußballers Mesut Özil und den Ereignissen in Chemnitz hat das Thema Rassismus in Deutschland eine neue Aktualität bekommen. An der Frage, wie rassistisch die deutsche Gesellschaft ist, scheiden sich die Geister, einfache Antworten gibt es nicht. Das macht die Diskussion darüber umso wichtiger. Dieser Film ermöglicht einen Einstieg in diese hochaktuelle Debatte, ohne dabei aus dem Blick zu verlieren, dass „die Gesellschaft“ kein abstraktes Gebilde ist, sondern aus Menschen wie Du und ich besteht. Wer sich die Mühe macht, eigene Vorurteile und Stereotype zu erkennen und Rassismus im Schulalltag, bei der Arbeit oder in der Familie entgegen zu treten, der hat den wichtigsten Schritt schon getan.

Ibrahim Arslan überlebte als Kind den Brandanschlag auf sein Elternhaus in Mölln, bei dem drei Mitglieder seiner Familie starben. Heute sagt er, seine Familie habe nicht nur einen, sondern zwei Anschläge erlitten. Nachdem die Molotowcocktails erloschen waren, wurden die Arslans ein weiteres Mal zum Ziel von Attacken: aus Medien, Politik und Gesellschaft. Diese Attacken waren schlimmer als die Brandsätze, denn sie wären vermeidbar gewesen, sagt Arslan. Mala Reinhardt fragt in ihrem Film, warum viele Opfer rechtsradikaler Gewalt bis heute die gleichen Erfahrungen machen müssen, angefeindet und kriminalisiert werden. Mit beeindruckender Klarheit analysieren die Betroffenen, die sich inzwischen untereinander vernetzt haben, welche Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass Rassismus hierzulande noch immer gesellschaftsfähig ist. Nun gilt es, zuzuhören.



Luc-Carolin Ziemann





Lobende Erwähnung ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, 

Nominiert für den Filmpreis Leipziger Ring und den Young Eyes Film Award


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Die Sinfonie der Ungewissheit Claudia Lehmann

So klug wie beseelt. Wer nach diesem sinfonischen Essay noch sagt, dass Physik und Dokumentarfilm einander fremde Disziplinen seien, muss Herz und Hirn und sämtliche Sinne verschlossen haben.

Die Sinfonie der Ungewissheit

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
95 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Andrea Schütte, Dirk Decker (Tamtam Film), Claudia Lehmann, Konrad Hempel (Institut für experimentelle Angelegenheiten IXA)
Claudia Lehmann
Konrad Hempel
Eike Zuleeg
Marianne von Deutsch, Claudia Lehmann
Claudia Lehmann, Konrad Hempel
Corinna Zink
Weit ausgreifend wird hier befragt, wovon im Normalfall als unzweifelhafte Voraussetzung des Lebens (im Allgemeinen) und des Filmemachens (im Besonderen) ausgegangen wird: eine objektive, im besten Fall noch interpretierbare Realität.

Ausgehend von Gerhard Mack, emeritierter Professor für theoretische Elementarteilchenphysik am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, unternehmen Claudia Lehmann und Konrad Hempel eine ebenso aufs Universale zielende wie in den molekularen (und noch kleineren) Bereich abtauchende filmische Expedition und fragen nach dem Sinn jeglichen Lebens in unserer komplexen Welt. Mack ist anerkannter Großmeister seiner Disziplin, als solcher aber alles andere als ein Fachidiot. In unfassbar persönlichen Gesprächen mit der Hypnosetherapeutin Rosemarie Dypka und dem Filmemacher Hark Bohm, die in der zweigeteilten Rolle des gesunden Menschenverstands auftreten, agiert der Physiker als begnadeter Übersetzer seiner Theorien. Und dann natürlich noch, last but not least, der von Konrad Hempel komponierte Score, den man hier nur verkürzt als Industrial Music bezeichnen kann. Er ist die zweite, lebhaft pulsierende Herzkammer dieses dokumentarischen Essays. Aus den Soundscapes des DESY, also aus auditiver Feldforschung entwickelt, betritt die Musik zunehmend als gleichwertiger Mitspieler die Bühne und strukturiert den Film als sinfonisches Werk.

Ralph Eue


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness



Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
In Search … Beryl Magoko

Eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Weiblichkeit, die ihr durch Genitalverstümmelung im Kindesalter genommen wurde. Ein mutiger, vielschichtiger Film aus der Ich-Perspektive.

In Search …

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Beryl Magoko
Beryl Magoko
Jule Katinka Cramer
Fani Schoinopoulou
Beryl Magoko
Malin Schmid, Johannes von Barsewisch
Die Filmemacherin Beryl Magoko wurde als Kind in Kenia einem lebensgefährlichen Ritual unterzogen, das bis heute viele Mädchen durchlaufen. Damals erschien ihr die „Beschneidung“, ein freundlicher, kaum angemessener Begriff für die Genitalverstümmelung, die sie unter furchtbaren Schmerzen ertrug, als etwas, das zum Heranwachsen unabdingbar dazugehört. Heute weiß sie, dass es nicht so sein muss. Weil das Wissen allein ihr nicht weiterhilft, trifft sie andere Betroffene, die wie sie zwischen Wut und Scham schwanken und noch Jahrzehnte später unter dem Übergriff leiden.

Mit ihrem persönlichen und hochpolitischen Film begibt sich Beryl Magoko auf eine Reise, die sie gleichzeitig in die Vergangenheit und die Zukunft führt. Mit frappierender Offenheit, aber ohne Groll konfrontiert sie die eigene Familie mit Fragen und Vorwürfen. Gleichzeitig steht sie vor der Entscheidung, sich einer wiederherstellenden Operation zu unterziehen und damit ein neues Kapitel in ihrem Leben zu beginnen.

Luc-Carolin Ziemann


Ausgezeichnet mit dem Filmpreis Leipziger Ring

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Le ciel, la terre et l’homme Caroline Reucker

Inmitten großartiger, einsamer und windumtoster Landschaften in Marokko lebt ein Nomadenvolk wie vor Urzeiten. Oder doch nicht mehr ganz. Sie hüten Ziegen und Schafe – und Funkmasten.

Le ciel, la terre et l’homme

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
70 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Caroline Reucker, Götz Reinicke (Filmakademie Baden-Württemberg)
Caroline Reucker
Moritz Laux, Max Clouth
David Finn
Isabella Kohl, Caroline Reucker
Caroline Reucker
Volker Ambruster
Leute aus den Wüsten Marokkos. Inmitten großartiger, einsamer und windumtoster Landschaften leben die Aït Seghrouchen, ein Nomadenvolk, das mit Zelten den Sandstürmen trotzt und von der Tierzucht lebt – wie vor Urzeiten. Oder doch nicht mehr ganz. Es gibt auch Funkmasten, die von einzelnen Männern gehütet werden. Sie freuen sich über die zeitgenössischen Annehmlichkeiten wie Handy, Fernsehen, Internet und Strom.

Die Kinder in der Wüste hören mit dem großen Bruder Transistorradio. Die Familien hüten Ziegen und Schafe gemeinsam und verkaufen sie auf dem Markt, die Besten für 30 €. Einen Sohn hat es in die nächste Stadt gezogen. Eine sandfarbene Gebäudeansammlung, noch größtenteils aus Lehmziegeln gebaut. Er verdingt sich als Tagelöhner und hat sich schon ein Grundstück erarbeitet. Beim großen Lemma-Fest des Stammes wird die ganze Nacht gemeinsam getanzt und man kann seinen Geist treffen. Andere arbeiten im Müll und sortieren die Überreste, die der Tourismus in diese immer noch unberührt wirkende Gegend gebracht hat. Ein uralter Lebens- und Naturkreislauf.

Saskia Walker


Nominiert für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Lord of the Toys Pablo Ben Yakov

Eine Clique von Dresdner Videobloggern und ihre ambivalenten Ego-Shows. Der Rausch der Dauerparty um Adlersson, Inkognito Spastiko und Hector Panzer samt Hangover.

Lord of the Toys

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
95 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Pablo Ben Yakov
Pablo Ben Yakov
Kat Kaufmann
André Krummel
Pablo Ben Yakov, André Krummel
Pablo Ben Yakov, André Krummel
Tobias Adam, Simon Peter
Roland Scheliga
Die Flasche mit Schaumwein in die Melonenhälfte geschüttet und ab damit – in den Kopf und Videoblog. Der Herr der Fliegen zieht 2017 seine Jünger mit Entgrenzung, Gadgets, Smartphone an. Selbstbewusst, narzisstisch, 24/7 via Youtube. Er lässt an Goldkrone-Exen und Zocken teilhaben, an Dingen, die smart oder einfach nur zum Lachen blöde sind: in Atem halten, krass sein wollen. Das Fäustchen des Ostens riskiert dafür auch mal die Nazilippe und Cybermobbing, das im Realen eskaliert. „Es schmeckt dem Publikum jedenfalls. Und das wird auch nachgeahmt und das ist das Ziel.“ Wenn alle nach Hause gegangen sind, sirren Textmessages durch den rötlichen Morgenhimmel – wie ein Schutzschild, der die Stadt vor einer Kommunikationspause schützen will.

Ben Yakov und sein Team begleiten eine Clique von Dresdner Youtubern – zu alt für Pubertät, ohne Lust auf Erwachsensein. Unglaublich nah fangen sie den Rausch der Dauerparty um Adlersson, Inkognito Spastiko und Hector Panzer samt Hangover ein und scheuen sich nicht, den Jungs zuweilen die Bühne zu überlassen – schließlich geht es hier um deren ureigenes Metier. Doch die gekonnte Erzählung ritzt Löcher in die Tapete der ambivalenten Egoshows. Glücklicherweise greift sie nach jedem dramaturgischen Kniff, um mit Pop-Appeal ein Lebensgefühl zu vermitteln und alles zu einem grandiosen Partyfinale zu führen, wo Klischees kippen … neu inszeniert werden.

André Eckardt


Ausgezeichnet mit einer Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb Langfilm
Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Nachtwanderer Benjamin Rost

Die Nacht macht Leute und Dinge schöner, sie legt schroffe und ungeschönte Geschichten frei. Ein deutsches Außenseitersittenbild in Neon-, Scheinwerfer- und Lagerfeuerlicht.

Nachtwanderer

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
57 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Lennart Lenzing
Benjamin Rost
Leonhard Kaufmann
Janina Kaltenböck
Markus Rebholz, Oliver Kirschig, Lena Beck, Moritz Drath
Die Nacht macht Leute und Dinge schöner. Sie lässt Gesichter aufleuchten, Trucks glitzern, Feuer flackern, Lichter funkeln. Die Nacht legt schroffe und ungeschönte Geschichten frei. In der Nacht ist die Zeit, sich ihnen zu widmen, sie zu studieren und zu einem deutschen Außenseitersittenbild zusammenzufügen. Erzählt wird von der Einsamkeit als älterer schwuler Mann, der sich nicht mehr outen kann, da sein Bruder ihm zuvor gekommen ist und schon Trauer über die katholische Familie gebracht hat. Wir warten mit einem Tramper, der sich über das Warten mit Musikmachen hinwegtröstet. Wir sehen angestrengte Männer an Glücksspielautomaten, schlichte Frauen in Läden, die Sex verkaufen, Outdoorfans, die – um Frau und Tochter willen – Angst vor Flüchtlingen haben, und eine ehemalige Busfahrerin, heute frohgemut im Rollstuhl. Lebensfunken, die aufleuchten, ungeschönt, nah und genau. Und derweil wird mühsam eine Autobahnbrücke abgerissen.

Saskia Walker


Nominiert für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.