Filmarchiv

Jahr

Countries (Film Archive)

Lisa, Go Home!

Dokumentarfilm
Estland,
Litauen
2012
27 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Uljana Kim, Studio Uljana Kim
Oksana Buraja
Kristina Sereikaite
Oksana Buraja
Oksana Buraja
Giedrius Aleknavicius
Lisa hat ein Geheimnis. Es wird ihn geben, diesen Ort irgendwo hoch oben, an dem keiner keinem weh tut, an dem es schön ist: „Dort werden wir leben, meine Familie und ich.“ – Lisa wispert vor sich hin, wenn es um ihre Gefühlswelt geht, und um die geht es in diesem ganz schön provokativen Film von Oksana Buraja. Die Mutter „zählt bis drei“, dann müssen die Tränen weggewischt sein und „Kommando lustig“ wird ausgegeben. „Ecke stehen“ gehört ebenfalls zum Alltag. Das Mädchen läuft regelmäßig von zu Hause weg aus dieser Welt der Subalternen, die so augenscheinlich defizitär, ekelhaft und schrecklich gezeichnet ist, dass die Grenzen des Voyeurismus durchaus als angekratzt gelten müssen. Der Fokus bleibt jedoch immer auf Lisa. Ihre Perspektive ist es, durch die wir ihrer Mutter und deren Freundin bei ihren beschwipst-verrauchten Tanzabenden zusehen (mit Typen, die grade mal zum Partymachen gut sind). Ihre kindlichen Augen sind es auch, die idyllische Gegenwelten kreieren – von der Jungfrau Maria bis zum Plätschern eines Bachs. Lisa trippelt barfuß. Lisa singt. Lisa wispert. Unschuld pur. Ein Kind. Es grenzt an ein Wunder (und dann auch wieder nicht), dass sie ihre Familie „dort, hoch oben“, wo es so schön ist, dabei haben will.
– Barbara Wurm

Little Afghanistan

Dokumentarfilm
Afghanistan
2011
28 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Stéphane Jourdain, La Huit Production
Basir Seerat
Basir Seerat
Laurence Attali
Nasim Karawan, Reza Sahel, Mirwais Wahja, Zahra Sadat, Taj Mohammad Bakhtari
Afghanistan und kein Ende? Müde von den 'embedded reports' über die Härten des Auslandseinsatzes alliierter Berufssoldaten im tückischen Feindesland? Dann werfen Sie einen Blick in die Qala-e Wahid Straße in Kabul - ein Mikrokosmos, in dem sich die ganze Misere dieses geschundenen Landes spiegelt. Unterstützt von der französischen Filmschule Atelier Varant, die jungen FilmemacherInnen die Produktionsmittel zur Verfügung stellt, tief in das soziale Leben ihres Landes einzutauchen, folgt der afghanischen Regisseur Basir Seerat den Alltagshärten gewöhnlicher Menschen. In diesem Fall den Lenkern der letzten Pferdekutschen Kabuls. Sie kämpfen an vielen Fronten: gegen die wachsende Flut der Autos; gegen Ladenbesitzer, die ihre Nase voll haben von dem Gestank der Pferdepisse; gegen Fußgänger, streunende Hunde, untätige Lokalpolitiker, gerne auch gegeneinander und alle gegen die Schlaglöcher, die sich überall auftun. Denn die Qala-e Wahid ist nur ihrem Verlauf zwischen den Häusern nach, eine Straße zu nennen. In Wahrheit ist sie eine üble unbefestigte Staubpiste im Sommer und ein matschiger Schlammpfad im Winter. Basir Seerats Blick auf dieses wuselige Little Afghanistan, dem die verordnete Modernität des Westens so gar nicht passt, ist zwiespältig: einerseits ist da eine große Sympathie für die Menschen, ihre Sorgen und ihre mitunter zotigen Späße und derben Umgangsformen. Gleichzeitig spüren wir die tiefe Melancholie über die Verrohung des Landes, dessen sozialen Bezüge sich in dem Chaos aufgelöst haben, das der Krieg verursacht hat. Afghanistan, so hören wir, steht mit heruntergelassener Hose da, und der Nachbar ist ein Dieb. Seine Menschen - 'embedded' in der permanenten Krise.

– Matthias Heeder