Filmarchiv

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Deutscher Wettbewerb 2020
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80.000 Schnitzel Hannah Schweier
Monika hat einen neuen Traum: Unermüdlich kämpft sie um den Fortbestand des maroden Gast- und Bauernhofs ihrer Großmutter. Eine Familienchronik und ein Film über Ziele im Leben.
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80.000 Schnitzel

80.000 Schnitzel
Hannah Schweier
Deutscher Wettbewerb 2020
Dokumentarfilm
Deutschland
2020
102 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Credits DOK Leipzig Logo

Hannah Schweier
Stefan Sporbert
Stefanie Reinhard
Romy Steyer
Johannes Kunz
Ella Zwietnig
Hannah Schweier

Trailer DOK Leipzig Logo

Das geliebte „Zollhaus“ von Oma Berta steht kurz vor dem Ruin. Ihr ganzes Leben hat sie dem Gast- und Bauernhof gewidmet. Nun soll ihre Enkelin Monika, die Schwester der Filmemacherin, den hoch verschuldeten Familienbetrieb in der Oberpfalz übernehmen. Was bringt Monika dazu, ihre bisherigen Pläne aufzugeben und aufs Land zur Großmutter zu ziehen? Die Regisseurin beschließt, ihre Schwester bei diesem vermeintlichen Sisyphus-Unterfangen ein Jahr lang zu begleiten.

Monika steckt ihre gesamte Energie in den maroden Hof und ist immer wieder konfrontiert mit dessen Geschichte: Oma Bertas Schnitzel waren legendär. Doch von ausgelassenen Abenden im voll besetzten Gasthaus ist allein noch die Musikbox übrig geblieben. Berta musste ihren Mann, zwei ihrer Söhne und einen Enkel beerdigen. Sie ist keine Frau der zarten Worte und schonungslos direkt. Das führt bald zu Konflikten. Die Regisseurin schaut ihrer unermüdlichen Schwester dabei anfangs fassungslos zu. Aber immer besser versteht sie, dass Monika mit dem Zollhaus einen neuen Traum gefunden hat. So gelingt ihr ein intimer Einblick in eine Familienchronik. Der Film konfrontiert uns mit der universellen Frage, wann es an der Zeit ist, Träume zu leben, und wie schnell diese Zeit vorbei sein kann.

Annina Wettstein
Nominiert für: Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, DEFA Förderpreis, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, Gedanken-Aufschluss-Preis
#
Natur in Bearbeitung
Umverteilen und Mitreden
Familienbande
Ländlich vs. urban
Kleine Welten, große Menschen
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Deutscher Wettbewerb 2015
Akt Mario Schneider

Aktmodelle in Leipzig: Nacktheit als Motiv, über Verletzungen und menschliche Nähe zu reflektieren. Liebeserklärung an das Leben und den Körper, der seine Narben in Würde trägt.

Akt

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
105 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Christoph Kukula
Mario Schneider
Cornelius Renz, Mario Schneider
Friede Clausz
Gudrun Steinbrück-Plenert
Mario Schneider
Johannes Doberenz, Christian Carl, Kai Hesselbarth, Frieder Wohlfarth
Nach seiner preisgekrönten Mansfeld-Trilogie kehrt Mario Schneider mit einem Film nach Leipzig zurück, der schlicht in Erstaunen versetzt. Die Grundidee ist bestechend: Auf einer Ebene wird die Geschichte dreier Menschen, die an der hiesigen Kunsthochschule Akt stehen, erzählt. Das schafft einen Schnittpunkt, von dem aus der Film glaubwürdig in der Welt seiner Protagonisten ein- und ausgeht. Gleichzeitig verbindet er die Arbeit der Kunst mit der des Lebens, während der Moment des Aktstehens einlädt zur Betrachtung des menschlichen Körpers.

Die Geschichten, denen wir eben noch folgten – eine Kindheitserinnerung, der Beginn einer Liebe –, erfahren in diesen Augenblicken eine überraschend leibliche Entsprechung, die uns bewegt, den Blick auf uns selbst zu richten. Auf dieses erzählerische Gerüst legt sich eine weitere Ebene, eingeführt durch eine Kunststudentin, die selber Akt steht und nach der künstlerischen Form für eine alte Frage sucht: Wie funktioniert menschliche Nähe? Dramaturgisch klug gesetzt, verbindet dieses Thema die individuellen Erzählungen zu einer gesellschaftlichen Erfahrung, die wiederum Motiv des Künstlers Mario Schneider ist. Vielschichtig, souverän in Schnitt und Timing und von einer exzellenten Kamera getragen, ist „Akt“ eine Liebeserklärung an das Leben wie an den menschlichen Körper, der seine Narben in Würde trägt.

Matthias Heeder
Deutscher Wettbewerb 2012
Alleine Tanzen Biene Pilavci

Gewalt, Hass und Entfremdung bestimmten das Leben der türkischen Familie in Deutschland. Sehr persönliche Geschichte einer missglückten Migration und Versuch eines Neuanfangs

Alleine Tanzen

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
98 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Max Milhahn, Telekult Film- und Medienproduktion GmbH
Biene Pilavci
Armin Dierolf
Biene Pilavci
Biene Pilavci
Daniel Engel
Auslöser für diese weitgreifende filmische Untersuchung war die Frage: „Können meine vier Geschwister und ich es schaffen, nach vielen hasserfüllten Jahren und Gewaltexzessen in unserer Familie, gute Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, wenn es schon unsere Eltern nicht konnten und deren Eltern auch nicht?“
Mit ihrem Film "Alleine Tanzen" navigiert Birnur Pilavci sicher zwischen den Klippen gegensätzlicher Gewissheiten. Einerseits die Hypothek der Familie, in die wir hineingeboren werden und deren Last wir immer weiter zu tragen haben, andererseits die Freiheit, Entscheidungen für sich selbst (oder andere) nicht schicksalhaft, sondern dem eigenen Kompass folgend so oder so zu treffen. Oder: wie es der große deutsche Publizist und Exilschriftsteller Willy Haas formuliert hat: „Es gibt die Menschen, die Unrecht tun, weil sie selbst Unrecht erlitten haben (wie jeder). Und es gibt die, die nicht Unrecht tun, gerade, weil sie Unrecht erlitten haben.“ Mit zunehmender Dauer scheint es, dass "Alleine Tanzen" gar nicht geplant war, sondern den Beteiligten mehr oder weniger zugestoßen ist – ein Experiment mit offenem Ausgang. „Ob das gut ist“, so die Regisseurin, „wage ich zu bezweifeln, doch es musste wohl sein.“

– Ralph Eue
Deutscher Wettbewerb 2014
Am Kölnberg Robin Humboldt, Laurentia Genske

Vier Kölner in einem Plattenbau am Rand der Stadt. Eine Geschichte vom Kampf gegen die Sucht und die Armut, von Leben, die einmal anders liefen. Und von Freundschaft und Glück.

Am Kölnberg

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Kunsthochschule für Medien, Köln
Robin Humboldt, Laurentia Genske
Laurentia Genske, Robin Humboldt, Johannes Waltermann
Carina Mergens
Robert Keilbar
1974 wurde am südlichen Rand von Köln eine aus neun Hochhäusern bestehende Siedlung auf den platten Acker gebaut. Aus der Ferne und im richtigen Licht erscheint die Silhouette wie eine massive Erhebung, weshalb der Komplex schnell den Namen Kölnberg weghatte. Ebenso schnell galt er als sozialer Brennpunkt. Vom Kölnberg redet man am liebsten gar nicht, und wenn doch, hört man eigentlich nur saftige Schlagzeilen. 2013 lebten 4.100 Männer, Frauen und Kinder aus etwa 60 Nationen am Kölnberg, der Ausländeranteil ist mit 61,8 % angegeben. Statistik ist ein effektives Werkzeug, und wer die Macht über statistische Definitionen hat, formt auch unser Bild der Wirklichkeit wesentlich mit.
Die Filmemacher Robin Humboldt und Laurentia Genske erarbeiteten sich geduldig und über einen langen Zeitraum einen Weg hinter die sozialen Typologien, Schlagzeilen und Statistiken. Der Film begleitet vier Menschen, denen der Kölnberg seit Langem Heimat ist oder vor Kurzem wurde. Er vermeidet dabei, sie mit dem ebenso gutmeinenden wie herablassenden Auge der Fürsorge zu betrachten und versucht sich stattdessen an einer respektvoll-teilnehmenden Begegnung mit seinen Protagonisten, die in ihrer jeweiligen „Normalität“ so außergewöhnlich wie unterschiedlich sind.

Ralph Eue



Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb 2014

Deutscher Wettbewerb 2012
And Who Taught You to Drive Andrea Thiele

Eine Deutsche in Mumbai, ein Amerikaner in Tokio und eine Koreanerin in München versuchen verzweifelt, den Führerschein zu erlangen. Beim Auto hört die Globalisierung eben auf.

And Who Taught You to Drive

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
90 Minuten
Untertitel: 
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Stefan Kloos, Kloos & Co. Medien GmbH
Andrea Thiele
Michaela Kay, Hauke Kliem
Sebastian Bäumler
Christoph Senn, Ulf Albert
Lia Jaspers
Marcial Kuchelmeister
Mirela, Mitte 30, steht an einer viel befahrenen Straße in der Millionenmetropole Mumbai und flucht. Wieder einmal hat die Deutsche ein Auto mit Fahrer gebucht, um Geschäftstermine wahrzunehmen. Und wieder einmal streikt das Auto und der Fahrer spricht kaum Englisch. Der US-Amerikaner Jake versucht, den öffentlichen Nahverkehr in Tokio zu ergründen und zwängt sich mit Rucksack in eine der überfüllten U-Bahnen. Die Studentin Hye-Won lebt mit ihrem Mann und kleinen Sohn in München. Die Süd-Koreanerin hat den Traum, mobil zu sein. Alle drei Protagonisten beschließen, einen Führerschein zu machen, um sich selbstständig mit dem Auto durch ihre Wahlheimat bewegen zu können.
Die Filmemacherinnen begleiten die drei während ihrer Fahrstunden und zeigen Szenen aus ihrem Alltag, in denen die kulturellen Unterschiede besonders deutlich hervortreten. Die Situationen mit den Fahrlehrern sind manchmal urkomisch, aber wir sehen auch die Verzweiflung und das Fremdsein fern der Heimat. Wir leben zwar in einer globalisierten Welt, aber der Film führt uns exemplarisch vor, wie tief jeder von uns durch seine Kultur geprägt ist und diese nicht einfach ablegen kann. In einer fremden Kultur sich auf die Fahrprüfung vorzubereiten, scheint genau so schwierig wie das Lernen einer anderen Sprache. Beim Autofahren hört die Globalisierung eben auf.
– Antje Stamer
Deutscher Wettbewerb 2013
Art War Marco Wilms

Kunst ist Waffe! Graffitis an den Wänden von Kairo als Medium des Aufstands, ägyptische Underground-Künstler als Chronisten der Ereignisse. Furioser Trip durch Farben und Rhythmen.

Art War

Dokumentarfilm
Deutschland
2013
87 Minuten
Untertitel: 
deutsche
englische

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Marlen Burghardt, Marco Wilms
Marco Wilms
Ramy Essam, Bosaina and Wetrobots, Tonbüro Berlin
Marco Wilms, Abdelrhman Zin Eldin, Emanuele Ira, Bashir Mohamed Wagih, Ali Khaled
Stephan Talneau
Mohamed Khaled
Marco Wilms
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Klassenstufen: 9-13

Themen: Protest, Kunst, Demokratie, Meinungsfreiheit, Medien, Graffiti 
Unterrichtsfächer: Gemeinschaftskunde/Ethik, Politik, Geschichte, Religion, Deutsch

Zum Inhalt

ART WAR wirft einen Blick auf die jungen Künstler und Aktivisten, die den Arabischen Frühling geprägt und mitgestaltet haben. Wir lernen Menschen kennen, die mit rebellischer Musik, haushohen Graffitis und anderen künstlerischen Mitteln Aufklärung betreiben und versuchen, ihre Revolution vor dem Untergang zu retten.

Der Film begleitet die revolutionären Künstler seit der Zeit der Euphorie im Jahr 2011 bis zum Fall Mursis und der Muslimbrüder. Er beschreibt die Explosion der Kreativität nach dem Sturz Mubaraks und zeigt, wie die Künstler lernten, ihre Kunst als Waffe im Kampf für die unvollendete Revolution zu nutzen. Dabei beziehen sich die jungen Graffiti-Künstler, Grafikdesigner, Maler und Schriftsteller überraschend oft auf die antiken Wurzeln der ägyptischen Kunst und zeigen damit, dass ihr Protest tief in der ägyptischen Kultur verankert ist.

Kunst ist Waffe! In Kairo gilt die Losung immer noch. Nach 30 Jahren Autokratie wurde Präsident Mubarak von seinem Volk hinweggefegt. Nun gehört die Straße ihnen, den jungen Rebellierenden und Künstlern. Die Graffitisprayer und Maler bringen die Wände zum Sprechen. Sie erzählen in blutverschmierten Porträts von den Tagen des Kampfes, in wilden Collagen von der Zeit der Anarchie, in obszönen Darstellungen von den Befreiungsversuchen aus unterdrückter Sexualität. Wände werden zu Chronisten der sich überstürzenden Ereignisse. Elektropop und Rap liefern den aufwühlenden Soundtrack dazu. Der Euphorie folgen Übermalungen und Zerstörungen. Sniper sind am Werk und zielen auf die Augen der Demonstrierenden. So wenig gefällig die Underground-Kunst ist, die provozieren will und etwas wagt, so wenig romantisch ist diese Revolution. Regisseur Marco Wilms schlägt in einer Episode den Bogen zu den historischen Wandmalereien bis ins Zeitalter der Pharaonen. In einem Land, wo die Analphabetenrate hoch ist, avanciert eine solche Tradition zum probaten Medium des Aufstands. „Art War“ zeigt den gefährlichen Tanz auf dem Vulkan in einem furiosen Parforceritt durch die letzten zwei Jahre der permanenten und radikalen Umbrüche als einen Trip, der von den Farben und Rhythmen der ägyptischen Maler und Musiker vorangetrieben wird.



Cornelia Klauß





Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm 2013


Deutscher Wettbewerb 2015
Atl Tlachinolli Alexander Hick

Mexiko-Stadt, Millionenmoloch im Überlebenskampf. Im Gegensatz dazu der mythische Axolotl, der keine Metamorphose durchläuft, aber Lebensraum verliert. Ein kühnes Stadtporträt.

Atl Tlachinolli

Dokumentarfilm
Deutschland,
Mexiko
2015
76 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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University for Television and Films Munich, Centro de Capacitación Cinematográfica, A.C.
Alexander Hick
Juan Pablo Villa
Alexander Hick
Julian Sarmiento
Alexander Hick, Ileana Villareal
Man muss kein Zoologe sein, um Alexander Hicks Faszination für dieses Tier zu verstehen, das sich wie kaum ein anderes zur Mythenbildung eignet. Der Axolotl, ein Schwanzlurch, verweigert die Metamorphose. Er geht nicht an Land, sondern verbleibt als Larve im Wasser, vermag sich dennoch fortzupflanzen und darüber hinaus selbst zu regenerieren. Sogar sein Herz oder sein Hirn können nachwachsen! Nur sein Lebensraum ist ihm abhandengekommen. Aus den einstigen Gewässern erhebt sich nunmehr ein 8-Millionen-Moloch, Mexico City. Alexander Hick wirft in insistierenden Bildern, aufgeladen mit kulturhistorischen, religiösen und mythologischen Verweisen, die Frage auf, wie der Mensch mit dem eroberten Paradies umgeht. In bruchstückhaft nebeneinander stehenden Episoden skizziert er Bewohner dieser Megalopolis in ihrem Überlebenskampf. Gewalt und Korruption haben alles ausgehöhlt: die Familie, die Institutionen, den Staat. Den Glauben daran, dass sie sich selbst wieder „regenerieren“ könnten, vermittelt der Film nicht. Im Gegenteil.

So ist der von den Azteken verehrte Axolotl der letzte Zeuge einer geschundenen, missbrauchten Landschaft und einer Zeit, als der Mensch noch in der Lage war, Hochkulturen zu schaffen. Ein im edelsten Wortsinn kluger Essayfilm und ein kühnes Stadtporträt.

---Cornelia Klauß
Deutscher Wettbewerb 2020
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Atomkraft Forever Carsten Rau
Bildgewaltige und gleichzeitig nüchterne Bestandsaufnahme zum Nullsummenspiel zwischen Klimawandel und nuklearem Gau: ohne jede Dramatisierung und dennoch zutiefst verstörend.
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Atomkraft Forever

Atomkraft Forever
Carsten Rau
Deutscher Wettbewerb 2020
Dokumentarfilm
Deutschland
2020
94 Minuten
Deutsch,
Französisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit

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Carsten Rau
Hauke Wendler
Carsten Rau
SWR Südwestrundfunk
NDR Norddeutscher Rundfunk
Georg Gruber
Kai Henkel
Timo Grosspietsch
Andrzej Krol
Carsten Rau
Stephan Haase
Augusto Castellano
Ketan Bhatti
Vivan Bhatti

Dieser genaue und nüchterne Blick auf das Thema Atomkraft beginnt da, wo Deutschland steht: beim Abschalten. Gerade weil dem Film jeder Alarmismus fehlt, wird das Alarmierende der Situation deutlich. Der nukleare Albtraum ist nicht zu Ende, eine sichere Endlagerung nicht in Sicht. Dennoch scheint die „saubere“ Kernenergie, befördert durch den Kohleausstieg, für viele wieder eine Option zu sein. Der Schrecken des Klimawandels sticht den Schrecken des atomaren GAUs. Ein Nullsummenspiel.

Carsten Rau gelingt es meisterhaft, die aufgeheizte Debatte in aller Ruhe zu sondieren. Er spricht mit Menschen, die alle von und mit der Atomkraft leben. Sehr bewusst setzt er sie, egal ob Ingenieur, Wissenschaftlerin oder Wirtin, mit genau der gleichen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Nonchalance in Szene. Erzählt wird ohne Dramatisierung, aber mit bestechend „schönen“ Bildern, die durchaus die Faszination für diese Technologie nachvollziehbar machen. Wenn sich dann noch hippe französische Atomingenieure in die Front der Klimaschützer einreihen wollen, zeigt sich, wie falsch die Rede von einem „alternativlosen Weg“ heute ist und immer schon war. Es formt sich das Porträt einer Gesellschaft, die sehenden Auges eine Sackgasse betreten hat und erst langsam realisiert, dass sie sich mit jedem Schritt weiter vom Ausgang entfernt.
Luc-Carolin Ziemann
Nominiert für: DEFA Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts, VER.DI Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness, Gedanken-Aufschluss-Preis, Young Eyes Film Award
#
Natur in Bearbeitung
Zustand der Welt
Umverteilen und Mitreden
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Deutscher Wettbewerb 2012
Breathing Earth - Susumu Shingu's Dream Thomas Riedelsheimer

Shingu Susumu, japanischer Schöpfer kinetischer Skulpturen, bei der Umsetzung seines „Breathing Earth“ Projekts. Die Kraft der Elemente, transferiert in Kunst und Film.

Breathing Earth - Susumu Shingu's Dream

Dokumentarfilm
Deutschland,
UK
2012
93 Minuten
Untertitel: 
deutsche

Credits DOK Leipzig Logo

Stefan Tolz, Filmpunkt GmbH, Leslie Hills, Skyline Productions
Thomas Riedelsheimer
„Die Natur kennt keinen starren Widerstand“, sagt Shingu Susumu, ein japanischer Schöpfer kinetischer Skulpturen in der Nachfolge von Alexander Calder und Jean Tinguely. Shingu setzt sich seit vielen Jahren künstlerisch mit der Energie von Wind und Wasser auseinander. Als Seismograph der Lage der (Um-)Welt entwirft er Skulpturen, die sich den Kräften der Natur stellen, sie in sich aufnehmen und sich durch diese auch wieder selbst transformieren. Die Kraft der Elemente sichtbar zu machen, ist sein Credo. In "Breathing Earth - Susumu Shingu's Dream" begleitete Thomas Riedelsheimer den Künstler bei seiner weltweiten Recherche nach dem geeigneten Standort, an dem ein von ihm ins Leben gerufenes, interdisziplinäres Projekt namens „Breathing Earth“ Wirklichkeit werden könnte: ein Gemeinwesen, das nur mit natürlichen Energien aus Wind, Wasser und Sonne betrieben würde, das als Ort der Inspiration für Künstler, Wissenschaftler und Kinder fungierte und so ein prototypisches Zukunftslabor darstellen könnte.

– Ralph Eue
Deutscher Wettbewerb 2015
Café Waldluft Matthias Koßmehl

Seit die italienischen Touristen wegbleiben, bewohnen Flüchtlinge das Hotel im bayrischen Alpenidyll. Mal komisch, mal tragisch kreuzen sich Lebenswege. Ein Heimatfilm besonderer Art.

Café Waldluft

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
79 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Matthias Koßmehl
Matthias Koßmehl
André Feldhaus
Bastian Esser
Andreas Nicolai
Matthias Koßmehl
Till Wollenweber
Einst kamen die Touristen in ganzen Busladungen, um im schönen Café Waldluft einen Platz an der Sonne zu suchen, zumindest für die Zeit ihres wohlverdienten Urlaubs. Seit zwei Jahren aber beherbergt das Traditionshotel in Berchtesgaden, mit Blick auf den deutschen „Schicksalsberg“ Watzmann und seine Ausläufer, Gäste aus anderen Regionen der Welt: Sie stammen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone und haben sich das Alpen-Musteridyll keineswegs ausgesucht. Ihr Aufenthalt als Asylbewerber ist geprägt von endlosem Warten, ermüdenden Behördengängen, Heimweh und Sorge um ihre Verwandten.

Seither hat sich die Dynamik im Städtchen verändert. Doch wenn Matthias Koßmehl seinen Film mit einer bayrischen Trachtenparade in Zeitlupe eröffnet, dann nur, um mit den Erwartungen, die dieses Klischee hervorruft, aufzuräumen und stattdessen nüchtern, aber offenen Herzens zu schauen, was für Begegnungen wirklich stattfinden an diesem sonderbaren Ort. Da ist Mama Flora, die Inhaberin, die sich gottergeben um jeden ihrer Schützlinge kümmert, und da ist die ostdeutsche Köchin, die hier ihre Wahlheimat gefunden hat. Die Zufallsbegegnungen mit Stammkunden oder Wanderern und das alltägliche Miteinander im Haus entsprechen einer Vielzahl sich kreuzender Lebenspfade. Der Watzmann, ob verhangen oder klar, bleibt stets am Horizont. Ein dokumentarischer Heimatfilm, in dem das Wort Heimat viele Facetten hat.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem DEFA-Förderpreis 2015

Deutscher Wettbewerb 2012
Camp 14 - Total Control Zone Marc Wiese

Eine Kindheit und Jugend im nordkoreanischen Straflager, umgeben von Terror und Tod, und der Versuch eines Lebens danach – bewegende Biografie, atmosphärisch dicht erzählt.

Camp 14 - Total Control Zone

Dokumentarfilm
Deutschland
2012
111 Minuten
Untertitel: 
englische

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Axel Engstfeld
Marc Wiese
Jörg Adams
Jean-Marc Lesguillons
cartoonamoon / Ali Soozandeh
Marc Wiese
Shin Dong-Huyk wurde 1983 in einem der härtesten Straflager Nordkoreas geboren und wuchs dort auf. Er kannte nur die Lagerhölle. Von der Welt auf der anderen Seite des Stacheldrahts erfuhr er erst, als ein Mitgefangener ihm von seinem Leben vor der Internierung berichtete. Shin beschloss zu fliehen - doch er wollte nicht die Freiheit kennenlernen, denn er wusste gar nicht, was das ist. Er wollte sich einmal im Leben satt essen, auch wenn er danach erschossen würde. Die Flucht gelang, als Shin 22 Jahre alt war.
Heute lebt er alleine in einer kleinen Wohnung in Süd-Korea. Dort erzählt Shin in sehr intensiven Interviews von seinem Leben in der Strafkolonie – die Traumatisierung ist deutlich zu spüren. Indem der Regisseur aber nicht nur die Sicht des Opfers präsentiert, geht er noch einen Schritt weiter. Er lässt auch zwei Täter vor die Kamera treten, die selbst Menschen quälten, folterten und töteten. Um das Lagerleben zu illustrieren, verwendet der Filmemacher fein gezeichnete und zurückhaltend animierte Szenen sowie einige Original-Aufnahmen. Die ruhige Erzählweise des Films und der unaufdringlich, aber atmosphärisch eingesetzte Ton geben den Protagonisten und ihren Berichten zudem den angemessenen Raum. Das Unfassbare nimmt so sukzessive Gestalt an, denn bis heute leben in Nord-Korea 200 000 Menschen in Internierungslagern.

– Antje Stamer
Deutscher Wettbewerb 2019
Coming off the Real Time, for a While Anna Friedrich

An der schwedischen Küste lebt Bauer Sven Axel mit seiner Mutter, einigen Tieren und viel Fantasie. Er träumt vom Filmemachen und von der Schauspielerei. Nun erprobt er beides.

Coming off the Real Time, for a While

Dokumentarfilm
Deutschland
2019
62 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Anna Friedrich, Ray Peter Maletzki (ROSENPICTURES)
Anna Friedrich
Stef Ketteringham
Anna Friedrich
Anna Friedrich
Anna Friedrich
Andrea Rüthel, André Görbing, Leo Rocker, Maximilian Glaß, Anna Friedrich
Anna Friedrich folgt Sven Axel Nilsson in den Morgennebel. Irgendwo in Schweden, das Meer in unmittelbarer Nähe, arbeitet Sven Axel als Bauer. Aber er ist noch viel mehr als das. Friedrich kitzelt es aus ihm heraus, indem sie ihn nach seinen Träumen und Ängsten befragt, wissen möchte, welches der vier Elemente ihm das liebste sei. Sie gibt ihm die Kamera in die Hand, weil er sich wünscht, Steine zu filmen, sodass zudem ein kurzer, dabei nicht minder spektakulärer Beitrag über eine mystische Steinformation Teil des unkonventionellen Porträts ist. Doch auch die Schauspielerei gefällt Sven Axel und so wird er kurzerhand auch das – Schauspieler.

Weitab beinahe jeglicher Störung beginnen die beiden also eine Art Spiel miteinander, bei dem Sven Axels Mutter ebenso eine Rolle hat wie ein Gelände, das die schwedische Armee für ihre Übungen nutzt. „Für mich ist die Welt eine ziemlich große Kugel, weil ich in meinem Leben nicht gerade viel gereist bin“, sagt er. Und setzt nach: „Heute wirkt die weite, weite Welt sehr klein. Aber das ist nicht wahr. Wenn man segelt, geht oder reitet, ist es tatsächlich eine ganz schön große Welt.“ Eine überaus reiche ist jedenfalls die von Sven Axel. Anna Friedrich macht sie passierbar.

Carolin Weidner
Deutscher Wettbewerb 2013
Das kalte Eisen Thomas Lauterbach

Waffen in Deutschland: Schützen und Sammler, die Eltern der Opfer von Winnenden, ein Büchsenmacher mit Berufsehre. Facettenreiche Betrachtung von Schuld und Verantwortung.

Das kalte Eisen

Dokumentarfilm
Deutschland
2013
89 Minuten
Untertitel: 
englische

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Florian Fickel
Thomas Lauterbach
Christian Biegai
Gunther Merz
Ana R. Fernandes
Thomas Lauterbach
Thomas Lauterbach
Die Menge der eingezogenen oder freiwillig abgegebenen Waffen, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Baden-Württemberg jährlich vernichtet, werde in Tonnen gemessen, heißt es. Eine Maßnahme zur Minimierung der Gewalt oder zumindest der Minimierung einer „Gelegenheit“. Eine solche nutzte im März 2009 ein 17-jähriger Junge, als er mit der Pistole seines Vaters seine ehemalige Schule aufsuchte und 15 Menschen tötete. Auch Jana Schober und Nina Denise Mayer befanden sich unter den Opfern. Janas Vater und Ninas Mutter setzen sich seitdem aktiv für diese Waffenvernichtung ein. Die betroffenen Sportschützen, Jäger oder Waffensammler betrachten die sogenannte „Nachschau von Winnenden“ allerdings eher skeptisch, zum Teil sind sie verärgert. Und dann gibt es da noch den ansässigen Büchsenmacher, der hervorragende Präzisionswaffen herstellt und darunter leidet, dass sein Beruf heutzutage mehr geächtet sei als der einer Prostituierten. Thomas Lauterbach nähert sich den ganz persönlichen Anliegen seiner Protagonisten und gewährt einen außergewöhnlichen Einblick in die unterschiedlichen Perspektiven der Problematik. So beleuchtet der Film sehr verschiedene Facetten der Frage nach Schuld und Verantwortung. Aber vor allem gelingt es ihm auf erstaunliche Art und Weise, ein Weltbild ins Wanken zu bringen.

Claudia Lehmann

Das Venedig Prinzip

Dokumentarfilm
Deutschland,
Italien,
Österreich
2012
80 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Thomas Tielsch, Filmtank GmbH
Andreas Pichler
Jan Tilman Schade
Attila Boa
Florian Miosge
Andreas Pichler, Thomas Tielsch
Stefano Bernardi

Kaum eine Stadt ist so beliebt wie Venedig. Aber was für die einen ein Traum, ist für die Bewohner zum Albtraum geworden. Der Film zeigt wie ganze Kreuzfahrtschiffe und Busladungen voller Touristen am Ufer der Altstadt ausgekippt werden und sich über die Plätze, Brücken und Gassen ergießen. Die Touristen bringen zwar Geld – vor allem den großen Konzernen, sind aber auch der Fluch dieser Stadt. Der Film begleitet einige Venezianer, vielleicht die letzten ihrer Art, durch ihr Venedig. Sie zeigen, dass die Infrastruktur zusammenbricht. Lebensmittelgeschäfte rar sind, Schulen und die Post dicht gemacht haben. Dafür entstehen immer mehr Hotels und Hafenflächen für riesige Kreuzfahrtschiffe. „Was soll man hier machen?“, fragt eine Venezianerin resigniert. „Glassachen und Souvenirs verkaufen?“ Auch sie vermietet ihr Haus, um die Sanierung zu bezahlen. Ein anderer Ur-Venezianer muss aufs Festland ziehen, da er sich die Miete nicht mehr leisten kann. Nur Ausländer und reiche Italiener können die teuren Quadratmeterpreise bezahlen, bilanziert ein verbitterter Immobilienmakler. Im historischen Zentrum leben heute nur noch 60000 Einwohner. Das sind genauso viele Menschen wie Besucher pro Tag. Venedig verkommt zum Freilichtmuseum. Der Film wirft einen ernüchternden Blick hinter die Postkartenidylle von Dogenpalast, Rialtobrücke und den Tauben vom Markusplatz. – Antje Stamer


Deutscher Wettbewerb 2018
Der Esel hieß Geronimo Arjun Talwar, Bigna Tomschin

Die Insel war ein gemeinsamer Traum, der platzte. Jetzt schaukeln alle ehemaligen Bewohner auf ihren Schiffchen im Hafen, betrauern, beschimpfen, betreiben Fehleranalyse.

Der Esel hieß Geronimo

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2018
80 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Arjun Talwar (Lo-Fi Films)
Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Arjun Talwar
Bigna Tomschin
Arjun Talwar, Bigna Tomschin
Franek Kosłowski
„Eine Insel hat immer zwei Seiten. Die eine heißt Sommer und die andere heißt Winter“, sagt ein Mann namens Rüdiger. Eine Tatsache, die das Leben auf der Insel erschwert, denn die Bewirtschaftung und das Überleben im Winter seien ungleich härter. Andere Hürden des Zusammenlebens: der berühmte Inselkoller, der wohl weltweit auf den unterschiedlichsten Breiten- und Längengraden grassiere.

Die Bewohner der Großen Ochseninsel in der Ostsee konnten all diesen Widrigkeiten über zehn Jahre standhalten. Dann haben sie sich überworfen, das Eiland verlassen, fast alle mit gebrochenem Herzen. Niemand hat den Ort und das, was dort vorgefallen ist, überwunden. Die Insel ist Gesprächsthema, nagende Leerstelle, pochende Wunde. Auf ihr scheint es einen Esel gegeben zu haben, der sich Geronimo nannte. Aber auch unzählige Rosensorten, Kaffee und Bier für alle, die zu Besuch kamen, dazu Musik, Veranstaltungen, einen gemeinsamen Traum. Ein Fixpunkt im Meer. Ohne ihn hätten die Seemänner den Boden unter den Füßen verloren, meint eine Freundin. Und wirklich liegen nun alle auf ihren kleinen Schiffen vor Anker, schaukeln, trinken, schimpfen auf- und bespähen einander, sinnieren.

Carolin Weidner


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

Deutscher Wettbewerb 2018
Der Funktionär Andreas Goldstein

Ein „Film über den Vater“, den DDR-Kulturfunktionär Klaus Gysi. Auch ein Film über einen Staat, der oft mit Unrecht assoziiert wird. Nicht hier: Der gute Kommunist ist eine tragische Figur.

Der Funktionär

Dokumentarfilm
Deutschland
2018
72 Minuten
Untertitel: 
englische

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Andreas Goldstein, Heino Deckert
Andreas Goldstein
Jakobine Motz
Chris Wright
Andreas Goldstein
Der „Film über den Vater“ ist ein schwieriges Genre. Andreas Goldstein, Sohn des DDR-Kulturfunktionärs Klaus Gysi (1912–1999), hat sich dieser Aufgabe gestellt. Er tut das so uneitel wie nachdrücklich: bedächtig unaufgeregt, ehrlich intellektuell, analytisch persönlich. Er legt dabei ein Mosaik frei, das auf die Teleologien der selbsternannten Geschichtssieger ebenso verzichtet wie auf die Simplizismen (west-)deutscher Oscar-Anwärter. Nicht vom Leben der Anderen handelt dieser Film, sondern vom eigenen. Nicht vom Gestern, auch vom Heute.

Der Fokus bleibt beim Vater und dessen lebenslangem Versuch, eine Gesellschaftsordnung zu gründen, in der „Geist und Macht voll übereinstimmen“: bei der Urszene des jüdischen Intellektuellen (Anblick eines toten Arbeiters), der Karriere des SED-Parteikommunisten (Verlagsleiter, Kultusminister, Botschafter, Staatssekretär für Kirchenfragen), Einblicken in ein Privatleben, das ein getriebenes war. Selbst Teil dieser „kommunistischen Abstammungsgeschichte“, kommentiert Goldstein aus dem Off eigene Fotografien, gefundenes Fernseharchiv-Material und Bilder aus Berlin (damals, heute) und legt dabei die Latte für eine Neubetrachtung jenes Staates, aus dem er immer gekommen sein wird, hoch. „Wir würden Fragen nach der Legitimität unserer gegenwärtigen Existenz abweisen. Wie kommen wir eigentlich dazu, sie immerzu an die Vergangenheit zu richten?“

Barbara Wurm


Nominiert für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness