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Next Masters Wettbewerb
A Summer Love Jean-François Lesage

Grelles Neonlicht, stampfende Techno-Rhythmen, im Gras liegen, reden und tanzen … Der Sommernachtstraum einer Gruppe von Jugendlichen, ein sinnlicher Rausch.

A Summer Love

Dokumentarfilm
2015
63 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jean-François Lesage
Jean-François Lesage
Gold Zebra
Jean-François Lesage, Marianne Ploska
Mathieu Bouchard-Malo, Ariane Pétel-Despots
Jean-François Lesage
Bruno Bélanger, Alexis Pilon-Gladu, Aude Renaud-Lorrain
Die grellen Neonfarben spiegeln sich auf den Gesichtern der jungen Menschen in einem nächtlichen Park. Man hört die Rhythmen der elektronischen Musik aus der Ferne. In der Dunkelheit erkennt man die großen Bäume, deren Äste hoch hinaus in den Himmel reichen und die so dastehen, als wachten sie über die Jugendlichen. Die liegen im Gras. Etwas später tanzen sie … und sie reden … viel. Manchmal überkommt einen das Gefühl, in einem dieser französischen Schwarzweiß-Filme aus den 60er Jahren gelandet zu sein, in denen auch ununterbrochen geredet wurde. Auch in dem Werk des kanadischen Regisseurs Jean-François Lesage spricht man Französisch und viel über das Nichts und viel über die Liebe. Aus dem Off ist die poetische Bemerkung eines jungen Mannes zu hören: „Liebe existiert trotzdem.“ Die Generation des digitalen Zeitalters hat offenbar viel über Beziehungen und Liebesdramen nachzudenken und einander zu erzählen. Das Neonlicht weist ihnen den Weg durch die nächtliche Natur, in eine ungewisse Zukunft des Erwachsenseins. Dies zu beobachten ist ein sinnliches Erlebnis.

Zaza Rusadze

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Filmpreis Leipziger Ring
Black Sheep Christian Cerami

Zwei Brüder aus einer Suburb in Nordengland geraten unter den Einfluss der rechtsgerichteten „English Defence League“, die sich vor allem durch ihren lautstarken Anti-Islamismus-Kurs hervortut.

Black Sheep

Dokumentarfilm
2015
16 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Alex Sedgley
Christian Cerami
Simon Plunkett
Samuel Haskell
Vicky Harris
Zwei Brüder aus einer Suburb in Nordengland geraten unter den Einfluss der rechtsgerichteten „English Defence League“, die sich vor allem durch ihren lautstarken Anti-Islamismus-Kurs hervortut. Was mit Neugier beginnt, wird für den Älteren zum Trip in die Welt der harten Jungs mit klarer Gesinnung, für den erst 13-jährigen Jack aber zum Albtraum. Mit einer am Spielfilm geschulten Kamera fängt der Regisseur mit beeindruckender Präzision das Kräftemessen nicht nur zweier ungleicher Charaktere ein.

Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb Kurzfilm
Boy Ginan Seidl, Yalda Afsah

Wie entkommt ein Mädchen den Restriktionen, die der weiblichen Rolle in einer traditionellen Gesellschaft eingeschrieben sind? Indem sie zum „Boy“ wird. In Afghanistan sind „bacha posh“ Mädchen, die als Jungen aufgezogen werden.

Boy

Dokumentarfilm
2015
30 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ray Peter Maletzki, Stephan Helmut Beier
Ginan Seidl, Yalda Afsah
Ginan Seidl
Ginan Seidl, Yalda Afsah
Steffen Martin, Manuela Schininá
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Klassenstufen: ab 9. Klasse

Themen: Gender, Identität, Sexualität, fremde Kulturen, Kindheit, Außenseiter 
Unterrichtsfächer: Deutsch, Gemeinschaftskunde, Politik, Kunst, Ethik, Religion

Zum Inhalt

Warum dürfen Jungs oft mehr als Mädchen? Warum gelten Mädchen immer als braver? Warum spielen tradierte Geschlechterrollen – bei uns und anderswo in der Welt - bis heute eine so große Rolle?

In unserer nächsten Schulvorstellung steht die Frage im Mittelpunkt, wie Kinder und Jugendliche damit umgehen (können), dass bis heute gesellschaftliche Vorgaben existieren, die festlegen, was typisch männlich und was typisch weiblich ist.

Der Dokumentarfilm Boy, der das Leipziger Publikum im Wettbewerb 2015 begeisterte, widmet sich dieser Frage am Beispiel zweier junger Frauen, die in Afghanistan aufgewachsen sind, wo Mädchen und Frauen in ihrem Recht auf Entfaltung ausgesprochen stark eingeschränkt werden.

Beide Frauen haben sich entschieden, diese Einschränkungen nicht hinzunehmen und einen ungewöhnlichen Weg gewählt, sich dagegen zur Wehr zu setzen: sie sind zum Boy geworden. Der Film zeigt Ausschnitte aus dem Alltag der 14- jährigen Faranoz, die in Afghanistan als Junge aufwuchs und verwebt diese mit den Erfahrungen einer jungen afghanischen Sängerin in London, die ebenfalls in ihrer Kindheit Jungenkleidung trug, um sich freier in der Gesellschaft zu bewegen. Der Film hinterfragt gesellschaftliche Stereotype, die nicht nur in der afghanischen Gesellschaft wirken und zeigt zwei beeindruckende junge Frauen, die sich die Freiheit nehmen, sich nicht durch ihr Geschlecht definieren zu lassen.

Wie entkommt ein Mädchen den Restriktionen, die der weiblichen Rolle in einer traditionellen Gesellschaft eingeschrieben sind? Indem sie zum „Boy“ wird. In Afghanistan sind „bacha posh“ Mädchen, die als Jungen aufgezogen werden. Das Künstlerinnenduo Afsah/Seidl folgt zwei Mädchen und ihrer Entscheidung, welche Rolle sie im Leben einnehmen wollen. In traumhaften Bildern, die in langen Kamerafahrten die Menschen als Teil eines sozialen Umfelds erfassen, gelingt eine berührende Etüde über Gender und Freiheit.



Grit Lemke


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Lampedusa in Winter

Dokumentarfilm
2015
93 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jakob Brossmann
Jakob Brossmann
Serafin Spitzer, Christian Flatzek
Nela Märki
Mit Einsetzen des Flüchtlingsstroms über das Mittelmeer wurde die winzige italienische Insel Lampedusa zur Projektionsfläche paranoider Fremdenhasser wie zum Symbol einer unmenschlichen Asylpolitik. Im Winter 2014 reist der Theater- und Filmemacher Jakob Brossmann auf die Insel, um zu untersuchen, wie es um das Leben dort wirklich bestellt ist.

Touristen und Medien sind fort und die wirklichen Probleme der Bewohner treten in den Vordergrund: Die alte Fähre, überlebensnotwendig, ist abgebrannt und wurde durch eine noch ältere ersetzt. Deshalb treten die Fischer in den Ausstand. Eine Gruppe von Flüchtlingen, die seit Monaten hier festsitzt, will endlich aufs Festland. Sie streiken vor der Kirche. Weil es keine Fähre gibt, stapelt sich der Müll und die Lebensmittel werden knapp. Mitten in dieser angestrengten Lage kämpfen die Bürgermeisterin und eine engagierte Anwältin aus tiefster persönlicher Überzeugung um menschliche Lösungen.

Brossmanns Blick ist unaufdringlich und genau. Mit sicherer Hand führt der Regisseur durch die Ereignisse dieser Krise, während er uns gleichzeitig Orte und Menschen vorstellt, die mit dem Schicksal der Migranten verbunden sind. Bemerkenswert ist, dass Bewohner und Flüchtlinge sich nicht gegeneinander instrumentalisieren lassen. Beide sind Opfer der gleichen zynischen Politik. Das herauszuarbeiten ist die große Stärke dieses Films.

Matthias Heeder

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Pekka – Inside the Mind of a School Shooter Alexander Oey

Rekonstruktion eines Amoklaufs in Finnland und spannendes Psychogramm des 18-jährigen Täters: unauffällig, sensibel, wohlbehütet, kaltblütig. Tiefer Blick hinter gepflegte Vorortfassaden.

Pekka – Inside the Mind of a School Shooter

Dokumentarfilm
2014
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Femke Wolting, Bruno Felix
Alexander Oey
Alexander Oey
Jackó van 't Hof
Chris van Oers
Alexander Oey
Rasmus Bruun
„Humanity is overrated“ – eine von vielen hasserfüllten Botschaften, die der 18-jährige Pekka im Internet veröffentlicht und die keiner ernst nimmt. Einmal filmt er einfach kommentarlos seine Schule, wie einen Tatort. Dann sieht man ihn mit einem Revolver auf einen Apfel schießen. Am Tag darauf tötet er mehrere seiner Mitschüler, die Schuldirektorin und sich selbst.

„Pekka“ rekonstruiert den Amoklauf im finnischen Jokela, einem beschaulichen und familienfreundlichen Vorort von Helsinki, im Jahr 2007. Der zeitliche Abstand ist groß genug, um Lehrer, Klassenkamerad/innen, die Mitarbeiter des Waffenladens, aber auch Pekkas Eltern erneut zu befragen und ihre einschätzenden Aussagen zu einem Gesamtbild zu montieren. Nüchtern dringt der Film in die Welt des Täters vor. Ein unauffälliger, sensibler Junge, der keine Freunde hat und von seinen Eltern wohl behütet wird. Und doch zeigt sich, dass er überall Spuren hinterließ, die auf seine spätere Tat verweisen.

Mit dem Täterprofil allein begnügt sich der Film aber keineswegs. In langsamen Fahrten, die nicht zufällig an Gus Van Sants Spielfilm „Elephant“ erinnern, erschließt er sich auch optisch das Terrain. Er richtet die Aufmerksamkeit auf die Interieurs der Wohnungen und zeigt die Anordnung von Taschen im staubfreien Regal ebenso wie die Käfer an den Baumrinden in den gepflegten Grünflächen. So entfaltet er den Mikrokosmos eines durch Homogenität geprägten Ortes, an dem nach der Tat die Reflexion des Falls schnell abgewürgt wurde.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Next Masters Wettbewerb
Strange Particles Denis Klebleev

Quantenphysik ist alles für Konstantin, doch seine Schüler interessieren sich leider eher für Mädchen. Liebevolles Porträt eines Menschen, der nicht in die Welt passt.

Strange Particles

Dokumentarfilm
2015
52 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Denis Klebleev
Denis Klebleev
Denis Klebleev
Denis Klebleev
Denis Klebleev
Der introvertierte junge Wissenschaftler Konstantin ist beauftragt, während der Ferien in einem Sommerlager die Jugendlichen mit Physik vertraut zu machen. Denis Klebleev macht Konstantin zum Zentrum seiner Beobachtung und Bildkompositionen. Es gibt fast keine einzige Einstellung im Film, die nicht durch die starke Präsenz dieses charismatisch-seltsamen Sonderlings leben und atmen würde. Die Kamera weilt auf ihm und interessiert sich scheinbar nicht für die Umgebung, in der der Held des Films sich verloren hin und her zu bewegen scheint. Konstantins Gedanken kreisen ununterbrochen um die Quantentheorie. Er ist besessen von der Idee, die Welt dadurch irgendwie erklären zu können. Umso größer ist seine Frustration, als er im Lauf der Zeit herausfinden muss, dass die jungen Leute im Camp seine Leidenschaft nicht teilen wollen. Die Isolation treibt ihn in die Enge. Auch der erzählte Raum wird kleiner und Konstantins nachdenklich-nervöses Gesicht beginnt, die Leinwand zu dominieren. „Strange Particles“ ist ein Porträt und steht zugleich für den Leidensweg aller, die glauben: stark, an etwas manchmal Unerklärliches, das nicht nachweisbar ist. Eine existentielle Frage.

Zaza Rusadze



Lobende Erwähnung im Next Masters Wettbewerb 2015

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Next Masters Wettbewerb
The Amina Profile Sophie Deraspe

Eine syrische Bloggerin, die in der Revolution zum Medienstar wird, eine lesbische Online-Beziehung, ein Verbrechen. Enigmatisches Verwirrspiel um Social Media, Hype und Hysterie.

The Amina Profile

Dokumentarfilm
2015
75 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Isabelle Couture, Nathalie Cloutier
Sophie Deraspe
Sam Shalabi
Sophie Deraspe
Geoffrey Boulangé, Sophie Deraspe
Frédéric Cloutier
In alten Märchen verliefen sich die Kinder im Wald, heute verirren sich die Menschen in den Tiefen des Internets. Eine junge Frau, Sandra aus Montreal, beginnt eine Online-Beziehung mit der syrischen Bloggerin Amina. Aus dem digitalen Flirt wird eine Romanze, erotische Phantasien werden beflügelt und miteinander ausgetauscht. Als 2011 in Syrien der Aufstand ausbricht, ermutigt Sandra Amina, aus ihrem Alltag zu berichten. Die internationalen Medien springen reflexartig an: „A Girl from Damascus“ berichte von den Kriegswirren, eine zarte weibliche Stimme inmitten der immer unübersichtlicher werdenden Frontlinien, dazu noch „gay“. Dann wird Amina entführt. Was den Medien ins Bild passt und zu einer internationalen Suchaktion führt, wird für Sandra zur privaten Mission – und Obsession. Aber plötzlich verlieren sich die Spuren …

Die kanadische Filmemacherin Sophie Deraspe dekonstruiert gemeinsam mit Sandra den Fall, der sich als hochkomplexe Gemengelage aus Hype und Hysterie erweist. Sie begegnet dem Stoff mit einer komplexen und changierenden Erzählweise, die die Überlagerungen von Realität und Fiktion, Medienwirklichkeit und Projektion, Sehnsucht und Revolution aufgreift. Uns Zuschauer führt sie in ein Labyrinth, an dessen Ausgang uns eine geradezu triviale, gleichwohl allzu menschliche Erkenntnis erwartet.

Cornelia Klauß

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Magic Mountain

Animadok
2015
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Anca Damian, Guillaume de Seille, Joanna Ronnikier
Anca Damian
Alexander Balanescu
Ion Ioachim Stroe
Theodore Ushev, Sergiu Negulici, Raluca Popa, Dan Panaitescu and Tomek Ducki
Anca Damian, Anna Winkler
Frédéric Théry, Sebastian Wlodarczyk
„Manchmal denke ich, dass ich nicht für diese Zeiten gemacht bin.“ Diese lakonische Feststellung des Protagonisten in Anca Damians zweitem animierten Dokumentarfilm markiert früh in der Erzählung dessen Standort: irgendwie verkehrt. Adam Jacek Winkler, polnischer Fotograf, antikommunistischer Dissident, Bergsteiger und Künstler, ist ein unruhiger Geist, immer auf der Suche nach der edlen Sache, für die zu kämpfen und zu sterben sich lohnt. Ein moderner Don Quijote, dessen Besessenheit ihn bis nach Afghanistan führt, wo er sich den Mudschaheddin im Widerstand gegen die Rote Armee anschließt.

Es ist ein romantischer und gleichzeitig zerrissener Held, von dem uns die Regisseurin erzählt. Hierbei verbindet sie Material aus Winklers persönlichem Archiv (Fotos, Skizzen, Videos) mit dem stilistischen Reichtum des künstlerischen Animationsfilms wie Collagen, grafisch verfremdetem Film- und Fotomaterial, Zeichnungen, Knetanimationen oder schlicht bemaltem Papier, das zu einem Gebirge gefaltet wird. Die verschiedenen Techniken greifen die jeweiligen Situationen auf, wodurch es gelingt, die Gefühlswelt des Protagonisten in eine ganz eigene, mal surrealistische, mal absurd-bittere Filmrealität zu übersetzen. „The Magic Mountain“ ist der zweite Teil einer geplanten Trilogie über moderne Helden, auf deren Abschluss man nach diesem Kinoerlebnis mehr als gespannt sein darf.

Mattias Heeder



Ausgezeichnet mit dem MDR Filmpreis 2015

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Next Masters Wettbewerb
Train to Adulthood Klára Trencsényi

Drei Budapester Kinder auf dem Weg zum Erwachsensein: Wo die Familien mit Armut kämpfen und Eltern abwesend sind, gibt die Pioniereisenbahn Halt. Sensibles Coming-of-Age-Drama.

Train to Adulthood

Dokumentarfilm
2015
79 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Julianna Ugrin
Klára Trencsényi
Andor Sperling
Márton Vízkelety, Klára Trencsényi
Judit Czakó
Klára Trencsényi
Rudolf Várhegyi
Die Pioniereisenbahn, bei der Kinder Lokführer oder Schaffner sind, Fahrkarten verkaufen oder Züge abfertigen, war einst der Traum jedes Jungen (und vieler Mädchen) zwischen Leipzig und Wladiwostok. Auch die Budapester Zwillinge Viktor und Karmen sowie Gergő bedienen altmodische Schalter, Hebel und Telefone, treten zum Fahnenappell an und singen am Lagerfeuer die alte Hymne: „Das Land der Pioniere ist voll glücklicher Töne …“. Doch was leicht zur klebrig-verlogenen Nostalgie geraten könnte, entfaltet sich als sensibles Coming-of-Age-Drama voller Zwischentöne – und nicht der glücklichen. Denn an der Schwelle zum Erwachsensein haben die drei nicht nur bei der Bahn Verantwortung zu tragen: Früh sind sie mit der harten Realität des Kapitalismus konfrontiert. Die alleinerziehende Mutter der Zwillinge verdient trotz stetiger Schufterei kaum genug, um Essen zu kaufen, und die Familie verliert das Dach über dem Kopf. Gergő hingegen lebt bei den Großeltern, weil die Eltern gezwungen sind, im Ausland zu arbeiten, und muss sich entscheiden, ob dies auch seine Zukunft ist.

Klára Trencsényi zeigt eine Welt, in der ein Relikt aus der Vergangenheit den einzigen Halt gibt auf dem Weg in die Zukunft, während alle dafür vorgesehenen Institutionen abwesend sind. Das Bild vom fahrenden Zug als Sehnsuchtsraum bekommt eine andere Bedeutung. Eine bittere Eisenbahnromantik.

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Next Masters Wettbewerb 2015

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Next Masters Wettbewerb
TransFatty Lives Patrick O'Brien

Mit 30 erhält DJ TransFatty die tödliche Diagnose: ALS … und richtet fortan die Kamera auf sich. Die Chronik eines Verfalls – sarkastisch, selbstironisch, böse, wild, schräg. Rolli-Punk.

TransFatty Lives

Dokumentarfilm
2015
84 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Patrick O'Brien, Michele Dupree, Amelia Green-Dove, Darin Hallinan, Marcia Mohiuddin, Doug Pray
Patrick O'Brien
Bradford Reed
Ian Dudley
Lasse Jarvi
Augenblick Studios, Inc.
Patrick O'Brien, Lasse Jarvi, Doug Pray
Lenny Schmitz
Der Autor, Regisseur und Protagonist des aufwühlenden „Kunstprojektes meiner Existenz“ war 30, als er die Diagnose erhielt: ALS. Eine degenerative Nervenerkrankung, in deren Folge sich ein Muskel nach dem anderen abschaltet, bis der Patient schließlich erstickt. Allein das Gehirn bleibt bis zum letzten Atemzug intakt. Patrick, ein anarchischer Underground-Filmer und Millionen von Fans aus dem Internet als DJ TransFatty bekannt, richtet vom Moment des ärztlichen Befundes an die Kamera auf sich. In Form eines Briefes an seinen Sohn, den er – unglaublich genug – halb gelähmt noch zeugte, erzählt er seinen fortschreitenden Verfall als eine Art Reise. In Erinnerungen an ein vergangenes Leben mit Clips aus frühen wilden Filmen brechen Bilder der beginnenden Lähmung ein, bis sich die Erzählung vollständig auf das Jetzt konzentriert. Das aber ist, trotz fortschreitendem Kontrollverlust, von einer enormen, auch künstlerischen Betriebsamkeit und beschert uns die sicher schrägste Rolli-Sequenz des jüngeren dokumentarischen Kinos. Gleichzeitig sind Zweifel, Liebeskummer oder politische Kommentare so selbstironisch und heiter-sarkastisch in diese Chronik eingebaut, dass das Bild des paralysierten Körpers verschwindet hinter dem kreativen Geist, der fest entschlossen ist, sich der Welt mitzuteilen. Das Wunderbare ist, dass Patrick O‘Brien sein Leben tatsächlich in ein Kunstwerk übersetzt hat.

Matthias Heeder



Ausgezeichnet mit dem Young Eyes Film Award 2015

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.