Filmarchiv

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Jahr

Spätlese
Campo Tiago Hespanha

Inmitten der arkadisch anmutenden Landschaft von Europas größter Militärbasis am Stadtrand von Lissabon treffen Schafe und Bienen auf Ornithologen und für den Einsatz trainierende Soldaten.

Campo

Dokumentarfilm
Portugal
2019
101 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
João Matos
Tiago Hespanha
Tiago Hespanha, Rui Xavier, Luísa Homem, Cláudia Varejão, Paulo Menezes
Francisco Moreira, Tiago Hespanha
Eva Boliño, Adriana Bolito, Giorgio Gristina, Tiago Melo Bento
Am Stadtrand von Lissabon liegt Europas größte Militärbasis. Soldaten trainieren anhand von fiktiven Szenarien für einen zukünftigen Krieg, die Anwohner hören nachts die Einschläge der Geschütze, ein Junge spielt Klavier. Soldaten wie Hobbyastronomen durchwachen auf ihren Missionen die Nacht, Ornithologen lauern auf den Balzgesang seltener Vögel, Scharfschützen auf Feinde und Zielscheiben. Imker schauen nach ihren Bienen, ein Schäfer hilft einem gebärenden Muttertier: Arkadisch anmutende Landschaften mit Rehen und grasenden Schafen im Morgennebel treffen auf ein modernes Marsfeld („campo de marte“), wie die Kriegsübungsplätze im antiken römischen Reich hießen.

Der Film lässt sich Zeit für seine Beobachtungen. Er hört den Erzählungen der Menschen ebenso zu wie der vom Klang des Kriegsspiels inspirierten Klavierkomposition „Battle in the Stars“. Er lauscht den Schafen, den Vögeln, den Bienen. Darin liegt eine Gleichzeitig- wie Gleichwertigkeit – der Gewalt, der Natur, der Menschen, der historischen wie zukünftigen Schichten, des Materiellen und des Transzendentalen.

Frederik Lang

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Spätlese
Ceremony Phil Collins

Was verbindet Manchester im Jahr 2017 mit der russischen Revolution? Friedrich Engels. Dessen Theorien bilden den Ausgangspunkt für Reflexionen über den Zustand des heutigen Großbritannien.

Ceremony

Dokumentarfilm
Deutschland,
Ukraine,
UK
2018
67 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Siniša Mitrović, Natasha Dack Ojumu
Phil Collins
Mica Levi, Demdike Stare, Gruff Rhys
Neus Ollé-Soronellas, Joseph Briffa, Jonathan Stow, Alex Large, David Bewick, Pedro Labanca, Federico Funari, Phil Collins, Siniša Mitrović, Matthias Schellenberg
David Charap, Andreas Dalström
Phil Collins
Jochen Jezussek
Was verbindet das Manchester des Jahres 2017 mit der russischen Revolution 100 Jahre zuvor? Friedrich Engels. Bevor er gemeinsam mit Karl Marx das Kommunistische Manifest verfasste, hatte der Philosoph und Unternehmer einige Jahre in der nordenglischen Industriehauptstadt des 19. Jahrhunderts gelebt. Ausgehend von Engels’ kommunistischen Theorien reflektiert der Künstler Phil Collins über deren Aktualität: Wie sieht „die Lage der arbeitenden Klasse in England“ – so ist eines seiner Hauptwerke überschrieben – heute aus? Würde Engels nicht vielmehr über die „working poor“ schreiben, die arbeitenden Armen? Wie unterscheidet sich die „Tyrannei des Kapitals“ von damals und heute, die unsere Gesellschaften, unser Leben, Denken und Handeln noch immer fest im Griff zu haben scheint? Ist deshalb der Kommunismus wieder ein denkbares Ideal?

Und auch Engels selbst darf erneut nach Manchester reisen, in Form einer Statue, deren Transport aus einem ukrainischen Dorf zu ihrem neuen Aufstellungsort in der ehemaligen Industriekapitale der Film begleitet – ein vielschichtiges sozialistisches Roadmovie von der einen Außenseite der EU zur (demnächst) anderen.

Frederik Lang

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Spätlese
Honeyland Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Eine Bienenflüsterin im mazedonischen Bergidyll, vor dessen kräftezehrendem Alltag sie gelegentlich flüchtet. Ein verdichtetes, intensives Drama, das viel mehr ist als nur ein Porträt.

Honeyland

Dokumentarfilm
Nordmazedonien
2019
86 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Atanas Georgiev
Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov
Foltin
Fejmi Daut, Samir Ljuma
Atanas Georgiev
Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov
Rana Eid
Hatidze ist nicht allein. Sie hat ihre Bienen. Außerdem pflegt sie liebevoll ihre kranke, bettlägerige Mutter. Ab und zu packt sie ihre Honiggläser und die selbst gemachten Körbe zusammen und begibt sich zum Markt in die Hauptstadt. Dort schäkert sie mit den Verkäufern, gönnt sich eine Haarfarbe und genießt es, einen Moment lang der Einsamkeit ihrer mazedonischen Bergidylle zu entfliehen: für kurze Zeit nichts als eine alleinstehende Frau um die Fünfzig sein, befreit von allen Alltagslasten und bereit, das Leben auszukosten. Dazu kommt sie im entlegenen kargen Dorf kaum, denn dort züchtet sie zwischen Felsspalten mit aller Hingabe Bienenvölker. Als Bienenflüsterin singt sie ihren Schützlingen alte Volkslieder vor, braucht weder Gesicht- noch Handschutz und nimmt sich nur so viel Honig, wie ihr zusteht. Den Rest überlässt sie ihren Bienen. Sie sind ihre Familie. Als sich auf dem Nachbargrundstück plötzlich ein Nomadenclan mit sieben Kindern und 150 Kühen einnistet, droht ihre einsame Idylle zu zerbrechen.

Poetisch verdichtet das Regieduo Ljubomir Stefanov und Tamara Kotevska das rund 400 Stunden umfassende Filmmaterial zu einem intensiven Drama, das viel mehr ist als nur Porträt einer Bienenzüchterin. Zwischen Beobachtung und Metaphorik begleiten sie Hatidze durch Höhen und Tiefen. In ihrer Welt entscheiden die Bienen, wer am Ende bleiben darf.

Julia Weigl

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Spätlese
Marona’s Fantastic Tale Anca Damian

Marona-Sara-Ana-die Neunte ist edler Abstammung, aber keine Prinzessin. Ihre Namen bekam sie von Herrchen und Frauchen. Das moderne Märchen über eine Hündin wirft Identitätsfragen auf.

Marona’s Fantastic Tale

Animationsfilm
Belgien,
Frankreich,
Rumänien
2019
92 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Anca Damian
Anca Damian
Pablo Pico
Brecht Evens, Gina Thorstensen, Sarah Mazetti
Boubkar Benzabat
Dan Panaitescu, Chloé Roux, Hefang Wei, Mathieu Labaye, Claudia Ilea
Anghel Damian
Clément Badin
Marona-Sara-Ana-die-Neunte ist zwar väterlicherseits von adliger Abstammung, anmutig und schön, aber keine Prinzessin. In ihrem kurzen Leben meistert sie manche Abenteuer: Sie lernt Akrobatik und Zaubertricks, landet kurzzeitig auf der Straße und wird sogar zur Retterin in der Not. Sie ist eine Hündin. Ihre Namen bekam sie von diversen Herrchen und Frauchen. Anca Damian erzählt mit Fantasie und Humor eine berührende Geschichte.

Eine eigenwillige, surrealistisch-kindliche Ästhetik, die Kombination verschiedener Animationstechniken, starke Stilisierungen und die buntfröhliche Farbpalette verleihen den Figuren besondere Ausdruckstärke. Die Hintergründe beeindrucken als witzige und künstlerisch geprägte Wimmelbilder. Durch ungewöhnliche Perspektiven entdecken wir gleichzeitig aus vielen Blickwinkeln urbanes Treiben – wie mit allen Sinnen. Im Herzen des Films entfaltet sich ein realistisch-kritisches Stadtgesellschaftsporträt, das vor Fragen zur Beziehung zu Tieren und damit zu unseren Werten nicht zurückschreckt. Freude und Traurigkeit, Abschied und Anfang bedingen sich – auch der Tod wird sensibel mitbehandelt. Damians modernes Märchen dreht sich um Identität und Zugehörigkeit. Mit musikalischer und visueller Poesie sowie mit philosophischem Esprit feiert es – ebenso schlicht wie extravagant – die Komplexität der Existenz und die Einfachheit des Glücks.

Nadja Rademacher

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Spätlese
Nomad: In the Footsteps of Bruce Chatwin Werner Herzog

Einmal mehr geht Werner Herzog auf Reisen, um nicht nur einen intimen Film über einen Freund zu machen, sondern auch über sich selbst – einen neugierigen Träumer und unermüdlichen Nomaden.

Nomad: In the Footsteps of Bruce Chatwin

Dokumentarfilm
UK
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Lucki Stipetić, Steve O’Hagan
Werner Herzog
Louis Caulfield, Mike Paterson
Marco Capalbo
Werner Herzog
Bruce Chatwin und Werner Herzog sind Brüder im Geiste. Der eine ein legendärer Autor, der andere ein legendärer Filmemacher, zwei eigensinnige Männer. Beide liebten und lieben sie das Abenteuer, vor allem die Wanderschaft. Oder wie Herzog seine Obsession für lange Spaziergänge gerne selbst beschreibt: „Die Welt offenbart sich denjenigen, die sie zu Fuß erkunden.“

Chatwin starb 1989 an Aids. Kurz vor seinem Tod besuchte ihn sein filmemachender Freund, um sich noch einmal von ihm zu verabschieden. Dreißig Jahre hat es nun gedauert, bis der Deutsche dem Briten ein sehr persönliches dokumentarisches Porträt widmet. Auf den Spuren von Chatwin bereist er – in gewohnt lässiger und exploratorischer Manier – dessen Wirkungsstätten. Im Gepäck hat er stets den alten kastanienbraunen Lederrucksack, den er von Chatwin als Abschiedsgeschenk bekam. Es geht ans Ende der Welt nach Südamerika, um dort des Freundes beeindruckendem Buch „In Patagonien“ nachzugehen, ins australische Outback, um die Gesangstraditionen der Aborigines kennenzulernen, die Chatwin zu „Traumpfade“ inspirierten, und schließlich in dessen nebelige Heimat Wales. Einmal mehr geht Werner Herzog auf eine Reise, um am Ende nicht nur einen intimen Film über einen Weggefährten zu drehen, sondern vor allem über sich selbst – über einen neugierigen Träumer und unermüdlichen Nomaden.

Julia Weigl

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Spätlese
That Which Does Not Kill Alexe Poukine

Eine unaufgeregte, performativ inszenierte Bestandsaufnahme zum Thema Vergewaltigung. Alexe Poukine birgt das Delikt aus der Dunkelzone und bringt neben Betroffenen auch Täter zur Sprache.

That Which Does Not Kill

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Cyril Bibas (CVB), Cécile Lestrade, Elise Hug (Alter Ego)
Alexe Poukine
Elin Kirschfink
Agnès Bruckert
Ada Leiris
Bruno Schweisguth
Conchita Paz, Epona Guillaume, Aurore Fattier, Marijke Pinoy, Marie Préchac, Sophie Sénécaut, Anne Jacob, Tristan Lamour, Noémie Boes, Maxime Maes, Yves-Marina Gnahoua, Tiphaine Gentilleau, Séverine Degilhage, Laurence Rosier
Es ist bekannt, dass der größte Teil sexualisierter Gewalt nicht im öffentlichen Raum, sondern im scheinbar geschützten Bereich von Familie, Partner- und Bekanntschaft stattfindet. So auch bei einer jungen Frau, die bei einer privaten Verabredung von einem guten Freund vergewaltigt wurde. Ihr Bericht war Anlass und Grundlage dieses Films, der ihn in verteilten Rollen von verschiedenen Frauen und auch Männern erst darstellerisch, dann analytisch interpretieren lässt.

Dabei kommen neben der Tat selbst ihre Folgen und der Umgang mit den Gefühlen von Schuld, Scham, Lähmung und Verdrängung zur Sprache – aber bald auch eigene Opfer- und Täter-Erfahrungen der Vortragenden. In seiner Direktheit und Ausführlichkeit ist das Sprechen für alle Beteiligten manchmal quälend. Doch das Erzählen und das Zuhören sind die einzige Chance, die Phantome und Dämonen der Vergangenheit einzuholen und so die erlittenen Wunden zu heilen. Uns, der Öffentlichkeit, gibt Alexe Poukines differenzierter und vielschichtiger Umgang mit dem sonst meist sensationalistisch verhandelten Thema die Möglichkeit, den Blick auf den Tatbestand der Vergewaltigung unaufgeregt neu zu justieren.

Silvia Hallensleben

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Spätlese
The Wind. A Documentary Thriller Michał Bielawski

Der Wind, der Wind, das himmlische Kind: Charakterstudie einer Landschaft und eines regionalklimatischen Sonderfalls, der durch polnische Wälder, Organismen und Seelen weht.

The Wind. A Documentary Thriller

Dokumentarfilm
Polen,
Slowakei
2019
75 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Maciej Kubicki
Michał Bielawski
Bartłomiej Solik
Hubert Pusek
Michał Bielawski
Wenn in der Hohen Tatra im Süden Polens der Halny kommt, dann steigt die Zahl der Anrufe bei der Notrufnummer deutlich an. Der Halny ist ein Wind, der die Menschen nervös macht, der ihnen zusetzt und der ihre Krisen verstärkt. Michał Bielawski erzählt in seinem „dokumentarischen Thriller“ die Geschichte einer Naturgewalt und von den Menschen, die mit dem Wind leben müssen.

Nichts ist schwerer zu berechnen als das Wetter, denn es wirkt sich auf jeden Organismus und jede Seele anders aus. Und Bielawski setzt mit seinem Wetterbericht an beiden Endpunkten der Ereignisachse an: In beeindruckenden Panoramaaufnahmen zeigt er, wie der Halny entsteht, wenn sich dicke Wolken von den Bergen in die engen Täler wälzen. Er zeigt aber auch, wie sich die Menschen auf die Umschwünge und auf die gelegentlichen größeren oder kleineren Naturkatastrophen eingestellt haben. Eine besonders beeindruckende Figur scheint sich geradezu mit dieser besonderen Regionalwelt zu identifizieren: Teresa umarmt die Bäume, sie möchte gern einen Flecken für sich in den geschützten Wäldern. Sie wird zur Verkörperung einer Landschaft, über die Michał Bielwaski mit seinen Bildern und mit einem starken, atmosphärischen Soundtrack so etwas wie eine Charakterstudie angelegt hat.

Bert Rebhandl



Ausgezeichnet mit dem MDR-Film-Preis.

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Spätlese
The Young Observant Davide Maldi

Luca soll Hotelfachangestellter werden, auch wenn er eigentlich ein schüchterner, rebellischer Teenager ist. Eine intime Coming-of-Age-Geschichte in sorgsam gebauten Vintage-Bildern.

The Young Observant

Dokumentarfilm
Italien
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Gabriella Manfrè, Davide Maldi, Micol Roubini, Fabio Scamone
Davide Maldi
Freddy Murphy, Chiara Lee
Davide Maldi
Enrica Gatto
Davide Maldi, Micol Roubini
Stefano Grosso, Marzia Cordò, Giancarlo Rutigliano
Um Hotelfachangestellter zu werden, braucht es vor allem eines: Disziplin. Das ist für pubertierende Jugendliche natürlich nicht so leicht. Besonders der schüchterne vierzehnjährige Luca tut sich schwer. Er kann weder ruhig stehen noch möchte er seine zotteligen roten Haare schneiden lassen. Lieber flirtet er im Französischunterricht mit der Lehrerin oder geht im einsamen Wald auf die Jagd. Die gleichermaßen renommierte wie spießige Hotelfachschule langweilt ihn und geht ihm mit ihrer ständigen Routine auf die Nerven: Servietten falten, Gläser polieren, zuhören. Das Problem ist allerdings, dass seine Familie große Erwartungen in ihn setzt.

In einem winzigen Bergdorf in den Alpen aufgewachsen, kennt sich der Junge natürlich mit den Kühen auf dem heimischen Hof aus. Die umliegenden Wälder waren sein Revier, in dem er sich austoben konnte. Nun soll ihn die Schule zähmen, ihm Selbstbeherrschung beibringen und ihm am Ende zu einem ordentlichen Job verhelfen. In ruhigen Vintage-Bildern illustriert der italienische Regisseur Davide Maldi das enge Korsett einer Ausbildungsanstalt, die aus der Zeit gefallen scheint. Antike Holzmöbel, zitronengelbe Wände, junge Herren in schwarzen Anzugwesten und zugeknöpften weißen Hemden. Sie bilden Kostüm und Setting für eine intime Coming-of-Age-Geschichte, in der es um ein Opfer geht: Muss Luca seinen Freigeist aufgeben, um „etwas“ zu werden?

Julia Weigl

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Tiny Souls

Dokumentarfilm
Frankreich,
Jordanien,
Libanon,
Qatar
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Dina Naser
Dina Naser
Ronald Heu
Dina Naser, Hasan Abu Hammad
Najwa Khachimi, Qutaiba Barhamji
Dina Naser
Antonin Dalmasso
Sie und all die anderen werden das Leben immer inspirieren, schreibt Dina Naser am Ende ihres Films über drei Kinder des Krieges in Syrien. Sie wachsen in einem Lager für Geflüchtete in Jordanien auf: Marwa ist die älteste, dann kommt ihre Schwester Ayah und schließlich Mahmoud, der Kleine. Sie haben noch sieben weitere Geschwister, aber die Familie ist auseinandergerissen worden, seit ein Bruder in Syrien nicht mehr in der Armee und damit dem Diktator Assad dienen wollte. Marwa ist die Heldin des Films. Sie wird bald groß sein oder jedenfalls von ihren Eltern als beinahe heiratsfähig betrachtet werden. Mutter und Vater achten nun darauf, dass sie nicht mehr ausgeht. Dabei hat sie doch schon einen Freund.

Dina Naser verfolgt das Geschick und den Alltag der drei Kinder über einen längeren Zeitraum, beginnend im Jahr 2014. Vorübergehend gibt die Filmemacherin ihren Protagonisten sogar eine Kamera in die Hand – für die Zeit, in der sie nicht bei ihnen sein kann. Zu vergleichen ist und darf dies sein mit der Situation geflüchteter Palästinenser im Jahr 1948, darunter Dina Nasers Vater, auf dessen Erfahrungen die Regisseurin anspielt. Damit öffnet sich ein größerer Kontext für diese zutiefst allgemein menschliche, mit vielen Details zugleich aber in den komplizierten Syrien- und Nahostkonflikt eingebundene Geschichte.

Bert Rebhandl

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Spätlese
Where We Belong Jacqueline Zünd

Analytisch und eloquent sprechen fünf Trennungskinder über die Fragen und Leerstellen, die ihre Eltern hinterließen. Was Normalität bedeutet, das müssen sie und wir selbst entscheiden.

Where We Belong

Dokumentarfilm
Schweiz
2019
78 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Jacqueline Zünd, Stefan Jung
Jacqueline Zünd
Thomas Kuratli
Nikolai von Graevenitz
Gion-Reto Killias
Jacqueline Zünd
Marco Teufen, Reto Stamm, Benoit Barraud
Die Eltern trennen sich, die Kinder bleiben mit Fragen und Leerstellen zurück: Papa hat Mama betrogen, da hat sie ihn rausgeschmissen. Aber hat nicht auch Mama Papa betrogen? Das Leben spielt sich nun zwischen zwei Wohnungen ab, zwischen zwei Welten. Nach einem Streit fährt die Mutter in die „Ferien“, die auch nach einem Jahr noch andauern. Gesprochen wird darüber nicht. Bruder und Schwester landen im Heim, nachdem sie von der Mutter wegwollten. Der Vater hatte sie immer wieder vor ihnen schlechtgemacht. Die Kinder zu sich zu nehmen, kommt ihm allerdings nicht in den Sinn.

Mit solchen Erfahrungen fertig zu werden, lässt einen früh erwachsen werden. Erstaunlich analytisch und eloquent sprechen die fünf Trennungskinder über das Erlebte, um im nächsten Moment wieder ganz Kind zu sein. Mit atmosphärischen Bildern, mal impressionistisch-experimentell, mal mit der perfekten Ausleuchtung für die Stars auf der großen Leinwand, die sie für kurze Zeit werden, schafft die Regisseurin eine Überhöhung dieses Alltäglichen, von dem ihre Protagonisten berichten: Wohin sie gehören, wissen sie inzwischen wahrscheinlich besser als alle Erwachsenen um sie herum. Was Normalität bedeutet, das müssen sie und wir selbst herausfinden. Am besten jeweils ganz elternseelenallein.

Frederik Lang



Ausgezeichnet mit dem Young Eyes Film Award.

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Spätlese
#Female Pleasure Barbara Miller

Misogynie ist strukturell in die kulturellen Kerne sämtlicher Gesellschaftssysteme der Welt eingeschrieben. Klarsichtig und global perspektiviert, legt „#Female Pleasure“ diese Kerne frei.

#Female Pleasure

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2018
97 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Philip Delaquis, Arek Gielnik
Barbara Miller
Peter Scherer
Anne Misselwitz, Gabriela Betschart, Akiba Jiro
Isabel Meier
Barbara Miller
Tom Weber
Frauen sind dem Mann untergeordnet. Sie sind von Geburt an sündig und haben keinen Rechtsanspruch auf den eigenen Körper. Misogynie ist nicht nur ein Phänomen, das über kontinentale Grenzen hinweg überall auf der Welt auftritt und in Einzelfällen zu Missbrauch und Verbrechen führt. Sie ist strukturell in die kulturellen Kerne sämtlicher religiös fundierter Gesellschaftssysteme eingeschrieben – und zwar wortwörtlich. In der Bibel heißt es etwa: „Bitterer als der Tod ist die Frau […]. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen.“

Fünf Protagonistinnen erzählen in diesem klarsichtigen und global perspektivierten Film von den frauenfeindlichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, von den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt waren, von den Verbrechen, die an ihnen begangen wurden. Rokudenashiko, eine japanische Künstlerin, steht wegen der Obszönität ihrer Kunst vor Gericht. Deborah Feldman brach gemeinsam mit ihrem Sohn aus ihrer chassidischen Gemeinde in Brooklyn aus und trennte sich so auch von ihrem Mann, mit dem sie zwangsverheiratet wurde. Außerdem berichten Leyla Hussein, Doris Wagner und Vithika Yadav von Vergewaltigung und Verstümmelung, von fehlendem Rechtsschutz, von Homophobie, von Scham und von dem fremdartigen Gefühl, dass die eigene Sexualität und der eigene Körper von Geburt an mit Schuld verknüpft sind.

Lukas Stern



Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Interreligiösen Jury

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Aquarela

Dokumentarfilm
Dänemark,
Deutschland,
UK
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Aimara Reques, Heino Deckert, Sigrid Dyekjær
Victor Kossakovsky
Eicca Toppinen
Victor Kossakovsky, Ben Bernhard
Victor Kossakovsky, Molly Malene Stensgaard, Ainara Vera
Victor Kossakovsky, Aimara Reques
Alexander Dudarev
Ein Film über das Wasser. Schönheit, Kraft und Bedrohung mischen sich in den Bildern von Victor Kossakovskys neuester Arbeit: Die Ruhe des Eises am Baikalsee trügt. Unter der Oberfläche brodelt es, schmilzt es – deutlich früher als sonst. Viel zu tun für eine Gruppe von Nothelfern. Ein Auto nach dem anderen ziehen sie aus den gefrorenen Massen und bergen die Fahrer.

Eisberge versinken hier im Meer, Stürme peitschen Regenfluten in Florida an Land, ganze Ozeane stürzen den Salto Ángel in Venezuela hinunter. 40 Jahre nach seinen Anfängen als Filmemacher, 30 Jahre nach seinem Abschluss an den Höheren Kursen für Drehbuch und Regie in Moskau und rund sieben Jahre nach seinem Dokumentarfilm „Vivan Las Antipodas!“, der den Globus in geografischen Gegensätzen durchmaß, hat Victor Kossakovsky einen weiteren Film gedreht, der die Landschaften der Welt zu seinen Protagonisten erhebt. „Aquarela“ zeigt Gewässer aus aller Welt, in all ihren Erscheinungsformen, in all ihren sich wandelnden, von vergleichsweise winzigen Temperaturunterschieden bedingten Aggregatzuständen. Die Kamera kartografiert auf Booten, taucht unter die Oberflächen, erhebt sich in die Luft, um die Weite des Raumes zu erfassen. Kossakovsky komponiert zu Heavy-Metal-Musik eine visuelle Symphonie der Urgewalten. Die mächtigen Bilder gebieten Ehrfurcht. Staunen flutet wie die Gischt von der Leinwand.

Fabian Tietke

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Putin’s Witnesses

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Lettland,
Schweiz
2018
107 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Natalya Manskaya, Gabriela Bussmann, Vít Klusák, Filip Remunda
Vitaly Mansky
Kārlis Auzāns
Gunta Ikere
Vitaly Mansky
Anrijs Krenbergs
„Der Staat ist wie ein Garten“, sagt der Gatte von Putins alter Klassenlehrerin, „damit etwas Anständiges wächst, muss Gras vernichtet werden.“ „So werden wir’s machen“, antwortet der Lifetime-President-to-be fast schüchtern und verlässt die Wohnung der Lehrerin, die er für den Dreh eines Werbefilms besucht hatte. Inszeniert hat Vitaly Mansky, der als führender Dokumentalist des Landes die Kampagne medial begleiten durfte. Nach 18 Jahren konkreter Herrschaft des kleinen Mannes mit den starken Händen blickt der heute längst emigrierte Regisseur zurück auf das Schicksalsjahr 2000 und sichtet sein Footage. Was er dabei zutage fördert, ist atemberaubend und hat den Realaffekt eines fast intimen Homevideos. Der Mansky-Familie graut bereits vor dem neuen Mao, während Jelzins Clan zunächst jubiliert und Ex-Zar Boris in Nachfolger Wladimir gar die Garantie für echte Medienfreiheit sieht – später nennt er den entscheidenden Turnback angewidert „krasnenko“ („rötlich“). Putin selbst spricht über Staatsräson und ein Autokraten-Dasein, das er tunlichst vermeiden will. Die Frage schließlich, ob es richtig war, die alte Sowjethymne mit quasineuem Text zu reanimieren, wird zum Streitpunkt im Duell Putin vs. Mansky. Niemand war, so das traurige Fazit, nur „Zeuge“ allein. Alle machten mit bei den vielen Kompromissen, die angesichts der Hoffnung auf ein „besseres Leben“ eingegangen wurden.

Barbara Wurm

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Touch Me Not

Dokumentarfilm
Bulgarien,
Tschechische Republik,
Frankreich,
Deutschland,
Rumänien
2018
123 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Bianca Oana, Philippe Avril, Adina Pintilie
Adina Pintilie
Ivo Paunov
George Chiper-Lillemark
Adina Pintilie
Adina Pintilie
Veselin Zografov, Dominik Dolejší, Marek Poledna
Die Einstürzenden Neubauten tönen „Mela-Mela-Melancholia“ und hinterfragen die Befindlichkeit des Landes. Zwischen den Szenen, die traumwandlerisch den Grenzbereich von Dokumentarismus und Fiktion betreten, werden tief liegende Intimitäten behandelt, die uns alle betreffen. Das Projekt – diesjähriger Gewinner des Goldenen Bären – ist experimentell: Viele der Protagonistinnen und Protagonisten sind „real“, spielen sich selbst, andere wie Laura Benson und ihr Schauspielerkollege Tómas Lemarquis greifen Drehbuchskizzen auf, lassen die Rollen aber so nah auf sich zukommen, dass sie in eigenes Leben dringen. Sie sprechen von Sex und performen ihn, von Hemmungen und Visionen, von Ängsten und Überwindungsformen. Ihr Ziel – Ziel dieses ungewöhnlichen Films: (Selbst-)Befreiung.

Gelegentlich tritt die Regisseurin ins Bild, setzt sich auf die Couch, zu Christian Bayerlein, dem „kissability“-Blogger, oder zur transsexuellen Hanna Hofmann. So weiß man, dass sie dabei ist und hinsehend dem Voyeurismus trotzt, wenn die Kamera über eine Gruppen-BDSM-Session schwebt oder fast hautnah den Touch-Therapie-Workshop mit teilweise körperlich schwerbehinderten Menschen verfolgt. Sie selbst spricht auch, über ihre eigenen Schamgrenzen, weit weg vom Like-Wahn narzisstischer Social-Network-Egos. Eine transgressive Normkritik, ästhetisch und politisch korrekt (und das ist gut). Und absolut gewagt obendrein.

Barbara Wurm

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