Filmarchiv

Sections (Film Archive)

A Baptism of Fire

Dokumentarfilm
Frankreich
2015
58 Minuten
Untertitel: 
englische
französische
Credits DOK Leipzig Logo
Jérôme Caza – 2P2L
Jérôme Clément-Wilz
Jérôme Clément-Wilz
Ael Dallier Vega
Jérôme Clément-Wilz
Zahlreiche Journalist/innen und Fotograf/innen sind heute auf der ganzen Welt unterwegs, um so schnell wie möglich Neuigkeiten und Bilder aus den Konfliktregionen direkt zu uns nach Hause zu liefern. Oft hat das Kino von Kriegsreportern als Helden erzählt. Jérôme Clément-Wilz nimmt eine andere Perspektive ein: Auch der Nachrichtenjournalismus ist eine Industrie. Viele freiberufliche, zumeist junge Fotografinnen und Fotografen reisen auf eigene Kosten in die Kriegsgebiete – in der Hoffnung, zur richtigen Zeit am richtigen Ort das entscheidende Foto zu schießen und es für teures Geld an die führenden Medien oder Agenturen zu verkaufen. In einer intimen Beobachtung folgt der Film dem Alltag junger französischer Reporterinnen und Reporter und gibt ihnen Raum, über ihre Arbeit zu reflektieren. Während des Arabischen Frühlings erfüllt sich ihr Traum: Ihre Bilder schaffen es auf die Titelseiten der größten Blätter. Dennoch vermeidet Clément-Wilz jedes heldenhafte Pathos, sondern zeigt einerseits Abenteuerlust und jugendliche Unbekümmertheit seiner Protagonist/innen, andererseits aber auch das harte Geschäft, in dem es keine Absicherung gibt und am ehesten der überlebt, der sein Leben am bereitwilligsten aufs Spiel setzt. Der Beruf des Kriegsreporters – ein prekärer Job.

Zaza Rusadze

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Healthy Workplaces Film Award
Automatic Fitness Alejandra Tomei, Alberto Couceiro

Ein Leben auf dem Förder- und Forderband. Die detailreiche und ideenfunkelnde Puppenanimation denkt als bitterböse Satire auf unsere schöne neue Arbeitswelt den Begriff „Human Resources“ zu Ende und erfindet en passant noch einen neuen Laufschritt.

Automatic Fitness

Animationsfilm
Deutschland
2015
21 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Alejandra Tomei
Alejandra Tomei, Alberto Couceiro
Boris Joens, Ole Wulfers
Alejandra Tomei
Dietmar Kraus
Alberto Couceiro
Alejandra Tomei, Alberto Couceiro
Dietrich Körner
Stellen Sie sich vor, Sie erwachen morgens in Ihrem Bett, das auf dem Fließband steht. Ein automatischer Weckruf und ein paar von Roboterhand gereichte Tabletten machen Sie fit für den Arbeitstag. Und dann immer weiter im vorgegebenen Tempo. Ein Leben auf dem Förder- und Forderband. Die detailreiche und ideenfunkelnde Puppenanimation denkt als bitterböse Satire auf unsere schöne neue Arbeitswelt den Begriff „Human Resources“ zu Ende und erfindet en passant noch einen neuen Laufschritt.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award 2015

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Next Masters Wettbewerb
Brumaire Joseph Gordillo

Die letzten Kohlekumpel Frankreichs in Fotos mit Charisma. Die Gegenwart aber hält für die junge Generation nur prekäre Jobs bereit. Das Ende der Arbeit in suggestiven Bildern.

Brumaire

Dokumentarfilm
Frankreich
2015
66 Minuten
Untertitel: 
englische
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Juan Gordillo, Martine Vidalenc
Joseph Gordillo
Hervé Birolini
Laetitia Giroux
Dominique Petitjean
Cynthia Gonzalez
Sandrine Mercier, Christian Lamalle
Bevor 2004 die letzte französische Kohlemine in Lothringen schloss, war Joseph Gordillo bereits viele Male mit den Arbeitern in die Tiefe gefahren, um sie zu fotografieren und auf den Bildern auch seine eigene Faszination für die Welt untertage zu fixieren. Die Mine erscheint bei ihm als ein lebendiger Kosmos, dem die Arbeiter angehören. Selbst in Einzelporträts bleiben sie ein Teil des Ganzen. Ihr Charisma entdeckt man in den leuchtenden Augen, ihre Stärke aber in der Gruppe.

In seinem Film verfremdet Gordillo das Fotomaterial. In Kamerafahrten und Bildbearbeitungen sowie abstrakten Toncollagen rekonstruiert er das Zeitalter der Mine. Ein ehemaliger Arbeiter gibt seine Stimme dazu – plastischer Erfahrungsbericht und Gedankenstrom.

Doch Gordillo geht es nicht um Arbeit in der Vergangenheit, sondern um deren gesellschaftliche Bedeutung. Und so fügt er eine zweite Stimme hinzu: eine junge Frau, Tochter eines Minenarbeiters. Auf ihn kann sie noch stolz sein, auf sich selbst nicht mehr. Ihr Leben als Putzfrau in einem Ort, der vom Niedergang geprägt ist, fängt die Kamera in all seiner Sterilität und Perspektivlosigkeit ein. Von der Solidarität und Identität der Minenarbeiter führt der Schritt direkt in die Isolation. Mit den spürbaren Folgen: Entpolitisierung, Arbeitslosigkeit, Rechtsruck. Über zwei Generationen erzählt der Film in suggestiven Bildern vom Herbst der Arbeitsgesellschaft.

Lars Meyer

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Länderfokus Südkorea
Factory Complex Heung-soon Im

Nike, Samsung, H&M. Callcenter, Supermärkte, Onlinehändler. Ode an die Frauen, die nicht nur in Korea unseren Konsum produzieren. Experimentell, dokumentarisch, erschütternd.

Factory Complex

Dokumentarfilm
Südkorea
2015
95 Minuten
Untertitel: 
englische
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Min-kyung Kim
Heung-soon Im
Tae-won Lee
Sun-young Lee, Heung-soon Im, Gil-ja Kim, Yun-jeong Jee
Hak-min Lee
Min-kyung Kim
Regelmäßig lässt ein neuer Hype die Teenies der Welt nach Sneakers Schlange stehen. Sie ahnen nicht, dass die Frauen, die diese herstellen, sich keine leisten können. „I want to wear Nike shoes, too“ war ihre Parole, als sie in den 1980er Jahren begannen, sich zu wehren. Der Videokünstler Im Heung-soon, dessen Mutter in einer Textilfabrik arbeitete, macht sie sichtbar: das Ameisenheer von Arbeiterinnen, die die Grundlage für Südkoreas kometenhaften Aufstieg zur Wirtschaftsmacht schufen und dafür mit ihrer Gesundheit, oft mit dem Leben zahlten. Im Heung-soon spannt den Bogen zur globalisierten Konsumwelt von heute, in der es wiederum Frauen sind, die in Textilfabriken, der Elektroindustrie, in Supermärkten, Callcentern oder als Servicekräfte den Laden am Laufen halten, kaum genug zum Leben verdienen und immer freundlich lächeln. Die gnadenlos-nüchterne Chronik der Ausbeutung, erzählt in Interviewpassagen, durchwebt er mit surrealistisch-experimentellen Performances. Sie individualisieren den Schmerz derjenigen, die sonst als Masse und vorrangig als Humankapital wahrgenommen werden.

Auf der Biennale wurde Im Heung-soon für sein erschütterndes Werk, das zwischen Kunst und Dokumentation changiert, mit einem Silbernen Löwen geehrt. Noch besser wäre es, vor dem Kauf des nächsten Handys einen Gedanken an die Frauen aus dem „Factory Complex“ zu verwenden. Und den Kauf selbst in Frage zu stellen.

Grit Lemke

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Since the World Was World

Dokumentarfilm
Österreich,
Spanien
2015
103 Minuten
Untertitel: 
deutsche
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Günter Schwaiger, Cristina G. Alía
Günter Schwaiger
Bence Boka, Los Linces
Günter Schwaiger
Günter Schwaiger, Martin Eller
Günter Schwaiger
Cristina García Alía
Gonzalo lebt mit seiner Familie als Bauer von altem Schlag in Kastilien. Für einen wie ihn würde es vermutlich eine Beleidigung bedeuten, sollte ihn jemand als Agronom bezeichnen. Seine Art des Wirtschaftens steht in vielem gegen die alles zermahlende Ökonomisierung sämtlicher Lebensbereiche. Die Existenz als Widerständler aber hat er nur zur Hälfte selbst gewählt. Zur anderen Hälfte ward sie ihm aufgegeben. Erstens von einer Tradition, die ihm gewissermaßen in den Knochen steckt. Zweitens von einer tiefen Verwurzelung in der Erde, die ihn nährt. Und schließlich auch einer handfesten Philosophie, die ihn solch einfache und klare Sätze sagen lässt, wie: „Früher, als alle das Geld zum Fenster hinaus warfen und mit Geldscheinen Feuer machten, wurde unsereins als überholt und rückständig angesehen. Jetzt, wo die meisten Leute nichts mehr haben, geht es den anderen so wie uns und uns nicht viel anders als zuvor.“

Empathische Schadenfreude und surrealistischer Humor sind essenzielle Bestandteile von Gonzalos bäuerlicher Lebenswelt. Günter Schwaigers zugewandte Betrachtung dieser Welt über einen langen Zeitraum hinweg lässt sich auch als kinematografische Arznei zur Steigerung der Abwehrkräfte gegen die Versuchungen von Konsumismus und Agrarkapitalismus sehen. Abwehrkräfte, die dringend gebraucht werden.

Ralph Eue

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Healthy Workplaces Film Award
Tagelöhner Syndrom Rita Bakacs

Rita Bakacs musste früh aufstehen, um ihre Protagonisten (tatsächlich alle männlich!) zu filmen: um vier Uhr wird an Werktagen im Jobcenter Neukölln die Luke der Vermittlung geöffnet. Wer später kommt, kann Pech haben

Tagelöhner Syndrom

Dokumentarfilm
Deutschland
2015
30 Minuten
Untertitel: 
englische
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Damian Schipporeit, Rita Bakacs
Rita Bakacs
Rasmus Sievers
Rita Bakacs
Rita Bakacs
Vensan Mazmanyan
Rita Bakacs musste früh aufstehen, um ihre Protagonisten (tatsächlich alle männlich!) zu filmen: um vier Uhr wird an Werktagen im Jobcenter Neukölln die Luke der Vermittlung geöffnet. Wer später kommt, kann Pech haben. Warten, rauchen, Kaffeetrinken. Wer Glück hat und Arbeitsschuhe mit Stahlkappe wird vielleicht einen der begehrten Tagesjobs ergattern – harte Arbeit für wenig Geld.

In wenigen, präzise beobachteten und gesetzten Szenen erzählt Bakacs vom toten Ende der prekären Arbeit.

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award 2015

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Wie die anderen

Dokumentarfilm
Österreich
2015
86 Minuten
Untertitel: 
englische
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Johannes Rosenberger
Constantin Wulff
Johannes Hammel
Dieter Pichler
Constantin Wulff
Claus Benischke, Andreas Hamza, Klaus Kellermann
Galten psychiatrische Institutionen einst als Randzonen der Zivilisation, wo die „Gestörten“ aus der Gemeinschaft der „Gesunden“ ausgeschlossen (oder weggesperrt) werden, geht man inzwischen theoretisch davon aus, dass es sich hierbei um haltlose Klischees handelt. Indes fehlen angemessene Bilder, um solche Annahmen auch praktisch und nachhaltig zu verinnerlichen. Constantin Wulff, ein engagierter Vertreter der Methode des Direct Cinema, hat zusammen mit seinem Kameramann Johannes Hammel anderthalb Jahre in der Jugendpsychiatrie des niederösterreichischen Landesklinikums Tulln verbracht. Sie beobachteten die zwischenmenschlichen und institutionellen Prozesse, die ablaufen, wenn Kinder oder Jugendliche unversehens aus der Spur kippen. Wie kommt ein Mensch in eine solche Einrichtung? Wie wird er zum „Fall“? Solch ein „Fall“ kann jedoch nur sinnvoll durchgearbeitet werden, wenn man über den Vorgang hinausschaut und den Menschen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Mit bewundernswerter Souveränität findet Wulff den Weg seines Films zwischen vorschneller Kumpanei und wohlfeiler Distanzierung – immer darum bemüht, den sehr komplexen Interaktionen, die sich vor der Kamera ereignen, gerecht zu werden. Außerdem im Fokus: institutionelle Arbeit als permanenter Balanceakt zwischen Behutsamkeit und Druck, Routine und emotionaler Involviertheit, Regelwerk und Improvisation.

---Ralph Eue

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

El Gort

Dokumentarfilm
Tunesien,
Vereinigte Arabische Emirate
2013
87 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Hamza Ouni
Hamza Ouni
Mohamed Hakim Boujomaa, Hatem Nechi
Najwa Khechimi
Hassen Najar
Dieser Film vibriert vor Wut. Nichts war gut, ist gut, wird gut sein. Diese bittere Wahrheit umschließt das Leben von Washwasha und Khairi wie eine Mauer. Beide Anfang 20, bettelarm, ohne Aussicht, jemals etwas anderes zu machen, als für wenig Geld Heuballen zu stapeln und auf LKWs auf- und abzuladen. Jobs? Es gibt keine in Tunesien. Also wollen sie weg, nach Europa. Doch auch dies ist nur ein Traum.
„El Gort“ erfasst die Jahre vor dem Aufstand gegen Ben Ali bis zu den ersten freien Wahlen, 2007 bis 2012. Aber diese Ereignisse haben für die beiden keine wirkliche Bedeutung. Washwasha saß während der Revolution im Gefängnis, Khairi ging wie die meisten Bewohner der Stadt brandschatzen. Irgendwie musste der Zorn raus. Geändert hat sich nichts. Außer dem Personal, das die Armen genauso betrügt wie das alte Regime. Und die islamischen Parteien? F*** them!
Die Wut übersetzt der Film in eine raue, direkte Bildsprache, die der Erzählung eine unglaubliche Wucht verleiht. Harte, schnelle Schnitte, eine unruhige, bewegte Kamera, keine Einstellung verweilt in der Schönheit des Augenblicks. Statt dessen ein Höchstmaß an Leben, das immer weiter gelebt werden muss. Und das ist das wirklich Erstaunliche an diesem ersten langen Film von Hamza Ouni – dass seine Protagonisten die Verhältnisse klarsichtig beschreiben, ohne sich aus der Verantwortung für ihre Handlungen zu stehlen.

Matthias Heeder



Ausgezeichnet mit der Talent-Taube im Wettbewerb für junges Kino 2014

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Harvest

Dokumentarfilm
Frankreich
2014
82 Minuten
Untertitel: 
englische
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Didier Creste
Paul Lacoste
Yvan Quehec
Anthony Brining
Schauplatz: eine kleine Weinregion östlich von Toulouse. Die Zeit: Mitte September. Das Personal: eine Kompanie von etwa 15 Frauen und Männern – mit Lesescheren und Eimern bewaffnete „Zeitsoldaten“ für die paar Wochen der Weinernte. Der Trupp ist in die Rebzeilen eines mittelständischen Anbaubetriebs in der Region Gaillac ausgeschwärmt. Die Statistik führt sie als Erntehelfer, und im soziologischen Jargon heißen sie „prekär Beschäftigte“. Die Akteure selbst würden diese Zuschreibung jedoch nur bedingt für sich akzeptieren. Sie anzuerkennen hieße, einen großen Teil des eigenen Stolzes herzugeben. Eine solche Haltung mag man unrealistisch nennen, aber genau das scheint den Regisseur Paul Lacoste zu interessieren: mehr, was Menschen tun und was sie damit im wahrsten Wortsinn verkörpern, weniger, was sie an Meinungen äußern. Fast beiläufig vermittelt der Film dann aber doch, wie massiv sich die Unsicherheit einer solchen Existenz in den gesamten Habitus seiner Protagonisten eingeschrieben hat. Alle spüren, wie sie dem stummen Zwang der Verhältnisse unterworfen sind. Sie mögen zwar unterschiedlich virtuos im Verdrängen solch emotionaler und mentaler Erkenntnisse sein – die objektiven Effekte lassen sich kaum leugnen.

Ralph Eue



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award 2014

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Internationales Programm
Mar de Fons Bruno López, Florencia Luna

Vater, Sohn, ein Fischerboot und die verschmutzte Küste vor Barcelona. Vom Sterben einer Tradition und der Krankheit der Zivilisation. Kleine Novelle mit Charisma.

Mar de Fons

Dokumentarfilm
Spanien
2014
30 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Sergi Casamitjana, Escac Films
Bruno López, Florencia Luna
Julián Sánchez
Florencia Luna, Dídac Sáez
Bruno López, Dídac Sáez
Bruno López, Florencia Luna
Yago Flaquer, Mar Rosselló
„Wieder ein schlechter Tag!“ So klingt es, wenn sich katalanische Fischer treffen. Das Fischsterben und die Umweltverschmutzung im Großraum Barcelona machen ihnen zu schaffen. Ramón Costa hat in seiner langen Laufbahn dramatische Veränderungen erlebt. Damit ist nicht gemeint, dass er es vom Ruder- zum Motorbootbesitzer geschafft hat – nein: Von 100 Fischerboten sind in seinem Heimatort Badalona gerade einmal sechs geblieben. Eines davon gehört Ramón. Doch auch er denkt daran, das kleine Familienunternehmen aufzugeben, zumal sein älterer Sohn ihm Sorgen bereitet. Eine Strandbar zu eröffnen, wäre lukrativer. Der jüngere, endlich aus der Adoleszenz erwacht, macht ihm zwar neuen Mut. Doch ist der Junior störrisch und besserwisserisch.
All die Probleme ballen sich auf dem engen Raum des Fischerbootes zusammen, wenn Vater und Sohn aufs Meer hinausfahren. Der Film hat alles, was eine kleine Novelle ausmacht. Er erzählt von rastlosen Männern, vom Sterben der Tradition und von der Krankheit der Zivilisation. Im Zentrum steht eine charismatische Hauptfigur. Ramón ist nicht nur ein passionierter Geschichtenerzähler, sondern bemüht sich als Vater rührend um eine Verbindung zu seinen Söhnen, auch wenn sie in einem vollkommen anderen Zeitalter groß geworden sind als er selbst.
Lars Meyer

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Marmato

Dokumentarfilm
Kolumbien,
USA
2014
88 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Stuart Reid, Mark Grieco
Mark Grieco
Todd Boekelheide
Mark Grieco
Ricardo Acosta, Mark Grieco
Noah Conti
Mark Grieco, Stuart Reid
Bob Edwards
Jeden Tag verabschiedet sich Dumar mit einer langen Zeremonie, bestehend aus Küssen und Segnungen, von Frau und Kindern, als wäre es das letzte Mal. Ausgestattet mit dem ideellen Schutz der Familie und dem religiösen der Jesusstatue, die vom Ort Marmato aus mit ausgestreckten Armen die grüne Bergwelt Kolumbiens überblickt, geht es in die Goldmine. Seit über 500 Jahren graben und sprengen die Anwohner klaustrophobisch enge Tunnel in den Berg, der jeden Moment einzustürzen droht. Doch etwas anderes als das Gold haben die Bergleute nicht, auch wenn sie selbst am wenigsten davon profitieren. Seit die Regierung 2006 die Türen für ausländische Konzerne geöffnet hat, herrscht hier internationale Goldgräberstimmung. Mit den uralten Methoden soll nun Schluss sein. Eine kanadische Firma will, angeblich umwelt- und sozialverträglich, den Berg von außen abtragen. Was aber wird aus Marmato? Der Kampf um einen der größten Goldvorräte der Welt beginnt.
Sechs Jahre lang verfolgt Mark Grieco in seinem bereits preisgekrönten Film die komplexe Auseinandersetzung um die Ausbeutung des Bergs, um Existenz und Identität der Einheimischen. Mit der Dichte eines Spannungsromans – und durchaus romantauglichen Charakteren – erzählt er vom wachsenden Widerstand gegen die Globalisierung. Als Kommentar auf die jeweils aktuelle Lage brennt sich der Gold-Aktienkurs in die Stollenwand ein und ein alter Bänkelsänger mit Cowboyhut zupft seine ironischen Liedchen.
Lars Meyer

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Rules of the Game

Dokumentarfilm
Frankreich
2014
106 Minuten
Untertitel: 
englische
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Muriel Meynard, Patrick Sobelman
Claudine Bories, Patrice Chagnard
Patrice Chagnard
Stéphanie Goldschmidt
Claudine Bories, Patrice Chagnard
Benjamin van de Vielle
Es geht das Gerücht, dass der Arbeitsmarkt mutige Individualisten sucht. Aber bitte in Grenzen, versteht sich. Tatsächlich gilt: Was nicht passt, wird passend gemacht – oder aussortiert.
Lolita liegt es fern zu lächeln. Kevin weiß nicht, wie er sich verkaufen soll. Hamid kann Chefs nicht ausstehen. Sie sind zwanzig. Sie haben keine Qualifikation. Sie suchen nach Arbeit und werden sich sechs Monate lang von einer Beratungsfirma schulen lassen, um sich die Verhaltensweisen und Ausdrucksformen anzueignen, die auf dem heutigen Arbeitsmarkt gefragt sind.
Die Motive der Berater sind mehr als redlich: jungen Menschen ein anständiges Leben im gegebenen Betrieb zu ermöglichen. Für die Kids ist es eine fremde, seltsame Welt, die sich vor ihnen auftut. Beide Seiten üben sich im Praktizieren bester Absichten, aber mitunter geht trotzdem etwas zu Bruch und manchmal droht gar der Absturz.
Man kennt filmische Darstellungen über das Aufnahmeprocedere bei Schauspielschulen (u.a. „Die Spielwütigen“). Solche sicher aufregenden Situationen sind aber ein Kinderspiel im Vergleich zu dem Rollenstudium, dem sich Lolita, Kevin und Hamid zu unterziehen haben, um einen Part in der Aufführung zu bekommen, welche „(Über-)Leben im gegenwärtigen Kapitalismus“ heißt.

Ralph Eue



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm 2014

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The Last Limousine

Dokumentarfilm
Deutschland,
Russland
2013
79 Minuten
Untertitel: 
englische
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Marina Razbezhkina, Heino Deckert
Daria Khlestkina
Anton Silaev
Anna Dashina, Evgeniy Kurbatov
Daria Khlestkina, Mieneke Kramer
Daria Khlestkina
Sergey Ovcharenko, Maria Ushenina
Sie waren nicht nur der Stolz der Nation, sondern auch Sinnbild für offen zur Schau gestellte Macht, die zunehmend zur leeren Pose geriet. Die ebenso feudalen wie formvollendeten Limousinen, die die Paraden des sowjetischen Militärs auf dem Roten Platz anführten, forderten im Osten wie im Westen Ehrfurcht und Respekt ein. Bis zum Kollaps 1990 wurden sie im Moskauer Autowerk ZIL handgefertigt. Dann kam die Produktionsstrecke zum Erliegen. An einem Mangel an Diktatoren und Repräsentationsgelüsten kann es nicht gelegen haben. Vielleicht sind die offenen Limousinen zu riskant geworden? Kurzum: Plötzlich bricht ein Auftrag über die schon fast abgewickelte Fabrik herein. Drei Wagen werden von Staats wegen bestellt. Der Geist des alten Kollektivs erwacht, die Maschinen werden hochgefahren und der Betriebsdirektor schreitet ernst die gigantischen Hallen ab, wo es sich die Katzen längst gemütlich gemacht haben. Die Regisseurin Daria Khlestkina protokolliert präzise dieses letzte Aufbäumen eines Giganten und gewährt – nicht ohne Wehmut – Einblick in die Restposten einer einstmals sozialistischen Betriebsstruktur, wo Langmut und Improvisationskunst doch das eigentliche Kapital stellten.
Cornelia Klauß

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The Shelter

Dokumentarfilm
Schweiz
2014
101 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fernand Melgar
Fernand Melgar
Fernand Melgar
Karine Sudan
Elise Shubs
Allabendlich im Winter spielen sich vor dem Bunker tumultartige Szenen ab: Genau 50 Obdachlose – nur in Ausnahmefällen wird die Zahl erhöht – dürfen die Bediensteten des städtischen Nachtasyls einlassen. Eine Zerreißprobe für beide Seiten, denn die Abgewiesenen finden im blitzsauberen schweizerischen Lausanne kaum Möglichkeiten, die Nacht ohne Ärger mit der Polizei und vor der Kälte geschützt zu verbringen.
Fernand Melgar erzählt von einer neuen Armut, die nicht nur rumänische Roma-Familien, sondern auch die einstige Mittelschicht und afrikanische Migranten aus dem von der Krise geschüttelten Teil Europas betrifft. Und er erzählt davon, wie das reiche Europa damit umgeht. Im Lauf einer Saison filmt er die Routine in der Unterkunft und auf Ämtern. Er folgt denen, die keinen Einlass fanden, in die Nacht und ist bei ihnen, wenn sie – unter uns, doch praktisch unsichtbar – auf Straßen oder in öffentlichen Einrichtungen den Tag rumbringen. Er sieht, wie sie die Fassade aufrechterhalten, während ihr Leben zu Bruch geht. Doch er zeigt auch, wie die Sozialarbeiter das Elend täglich aufs Neue zu bekämpfen suchen und nur verwalten können, während ihre Menschlichkeit oft genug in Konflikt mit den Vorschriften und ihrem Chef gerät.
Indem er alle Seiten genau ausleuchtet, liefert Melgar weit mehr als eine Sozialstudie. Es ist die beklemmende Analyse eines Systems, das durch barmherzige Spenden nicht zu reparieren ist.
Grit Lemke

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C(us)todians

Dokumentarfilm
Brasilien
2013
89 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Antônio Jr.
Aly Muritiba
Elisandro Dalcin
João Menna Barreto, Aly Muritiba
Aly Muritiba
Alexandre Rogoski, João Menna Barreto
Jefferson Walkiu ist der neue Chefinspektor im „Alpha-Team“ eines brasilianischen Gefängnisses, das über 900 Insassen beherbergt. Kein ungefährlicher Job, denn kriminelle Vereinigungen agieren außerhalb und innerhalb der Gefängnismauern, und das Wachpersonal ist schlecht ausgestattet. Mit guten Vorsätzen geht Walkiu daran, seine Abteilung zu professionalisieren. Doch die Dynamik in der Anstalt arbeitet gegen ihn.
Dass es für alle Gefangenen zusammen nur eine Krankenschwester und drei funktionierende Handschellen gibt, sind nur zwei unter vielen Herausforderungen. Täglich diskutiert Walkiu mit Häftlingen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, die sich keinen Regeln verpflichtet fühlen. Doch auch sein ständiges Krisenmanagement kann Pannen nicht ausschließen. Umso überraschender wirkt sein ihn offenbar erfüllendes Doppelleben als Seelsorger einer kleinen Gemeinde. Hier lässt der stets um Kontrolle bemühte Mann emotionalen Dampf ab.
Der Alltag im Gefängnis aus Sicht des Wachpersonals und das Porträt eines Mannes, der es richtig machen will und gegen Wände anrennt. Regisseur Aly Muritiba hat selbst lange im Alpha-Team gearbeitet und kennt sich in den hohen, schmalen Fluren des Gefängnisses sichtlich aus. Lange Einstellungen und gezielte Perspektivwechsel erzeugen in seinem Film ein Gefühl des zunehmenden Kontrollverlustes.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award 2013

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Internationales Programm
Men at Work Kesang Tseten

Ein Junge beim Spielen, ein Automechaniker, ein buddhistischer Mönch und ein Soldat in der Ausbildung – Männlichkeit, Arbeit und soziales Umfeld in Nepal, ruhig und genau beobachtet.

Men at Work

Dokumentarfilm
Nepal
2013
66 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kesang Tseten
Kesang Tseten
Arjun Sen
Gairik Sarkar, Kesang Tseten
Sankha Biswajit, Kesang Tseten
Kesang Tseten
Sukanto Majumdar
Kesang Tseten, Dokumentarfilmer aus Nepal, der schon zweimal bei DOK Leipzig vertreten war, hat diesmal mehrere Filme zu einem verbunden. In vier stilistisch wie dramaturgisch höchst unterschiedlichen Episoden nähert er sich Alltags- und Arbeitsabläufen. In einer Mischung aus Meditation, Befragung, Beobachtung und Investigation umkreisen sie thematisch den „Mann bei der Arbeit“.
Ein Junge auf einer Terrasse wird dabei beobachtet, wie er mit Hingabe dem Wäschewaschen nachgeht und währenddessen immer wieder neugierig anderen Jungs beim Fußballspielen zuschaut. Der Schauplatz wechselt in eine Autowerkstatt, in der mit stoischer Geduld alte Karossen zusammengeschweißt und verputzt werden, die wirklich schon bessere Zeiten gesehen haben. Danach führt uns Kesang Tseten in eine Priesterschule, in die vor allem Jungen aus armen Familien geschickt und auf ihr Leben als Geistliche vorbereitet werden. Harte Arbeit und zurückgehaltene Tränen sind das tägliche Brot.
Den Reigen beschließt der Blick auf ein nachkoloniales Relikt, den Gurkha. Für viele junge nepalesische Männer ist es nach wie vor die höchste Ehre, als Soldat für die britischen Streitkräfte rekrutiert zu werden. Nicht nur ein Job, sondern eine Lebensaufgabe.

Lina Dinkla

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