Gefälschte Nachrichten sind im Mainstream angekommen. Mitverantwortlich ist der „Fake-News-König“ Jestin Coler. Ein Film zwischen Journalismus, Meme, Wahrheit und Lüge in den USA.
Der Journalismus in den USA ist in der Krise. Jestin Coler, auch bekannt als „Fake-News-König“, hat höchstwahrscheinlich dazu beigetragen. Schlagzeilen seiner Satireseite wurden vom Mainstream aufgegriffen und geglaubt. Coler bezeichnet Fake News als Einstiegsdroge – und ironischerweise als Gegenmittel zugleich. Regisseurin Laura Gamse scrollt sich in ihrem Film durch Nachrichten und Memes und gibt damit einen eindrucksvollen Kommentar zum Zustand westlicher Gesellschaften ab.
Kim Busch
Credits
Regie
Laura Gamse
Produktion
Daydream Reels
Musik
Mike Diva, Steven O’Brien, Lostboyevsky, Sony Cleveland, Greg Sinibaldi, Jesse Canterbury
Philosophische Reise vom Amazonas in die Ardennen. Der eine unzugänglich, der andere übersichtlich, laden beide Wälder dazu ein, sich Fragen zum Ursprung des Seins zu stellen.
8.500 Kilometer liegen zwischen dem Amazonas und den Ardennen. In seiner Heimat Brasilien betrachtet Diego Quinderé de Carvalho den unzugänglichen und bedrohlichen Wald nur von außen. Das belgische Pendant lässt sich hingegen leicht erkunden. Hier ist alles von Menschen angelegt, übersichtlich und aufs Wesentliche reduziert. Ein Geologe, ein Goldgräber und ein Astronom liefern ihm Einsichten für die philosophische Auseinandersetzung mit dem Ursprung des Seins und der Zukunft unseres Planeten.
Ein Film über das Feststecken im Kreislauf häuslicher Gewalt. Mit beklemmenden Animationen, die immer wieder ausradieren, was war, ohne es jedoch unsichtbar zu machen.
Der Kreislauf häuslicher Gewalt: Spannung, Eskalation, Reue und dann wieder von vorn. Der Frau in Izabela Plucińskas Film ergeht es so wie vielen Betroffenen: Sie schafft den Ausbruch nicht. 98 Kilogramm wiegen die metaphorischen Hanteln, die sie dafür stemmen müsste – und auch der Mann, der ihr das antut. Ihr bleibt nur, sich aufzulösen, abzutauchen und stumm in ihre Einzelteile zu atmen. Die Animationen radieren sich immer wieder aus, und trotzdem bleiben schmerzhafte Spuren zurück.
Corona-Lockdown in Sankt Petersburg. Aufgezeichnete Anrufe bei einer Hilfe-Hotline werden zum Spiegelbild eines maroden Systems, in dem alte und schwache Menschen besonders leiden.
Sankt Petersburger Hinterhöfe während des Corona-Lockdowns. Tatyana Chistova verschmilzt Aufnahmen der fast leeren Stadt mit den aufgezeichneten Anrufen bei einer kommunalen Hotline. Sie soll Hilfe und Rat bieten. Das Themenspektrum reicht aber von Banalem bis zu existenziellen Fragen. Vor allem ältere Menschen sind von Armut, Hunger und Vereinsamung betroffen. Chistova zeigt auf, dass in einem System, welches seine Schwächsten vernachlässigt, das Virus nicht die einzige Bedrohung ist.
Dreck fressen und lustvoll rülpsen – ein Wurm gibt sich mit diesem peinlichen Evolutionsergebnis für seine Spezies nicht zufrieden. Er zieht aus, um Besseres zu lernen.
Dreck fressen und lustvoll rülpsen – ein Wurm gibt sich mit diesem peinlichen Evolutionsergebnis für seine Spezies nicht zufrieden und zieht aus, um Besseres zu lernen. Aber die Nachahmung von vielbeinigen und geflügelten Insekten sorgt nicht für distinguiertes Benehmen, sondern birgt Todesgefahren. Grandios belegt Ethan Barrett, dass Knete auf der Entwicklungspyramide der Animationsgeschichte ganz weit oben steht, vor allem, wenn sie mit solcher Leichtigkeit und so pointiert vertont wird.
Der Sohn des Filmemachers ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Der Vater beendet dessen Arbeit an einem Daumenkino. Die Nähe von Glück und Verlust in knappster Form.
Ein ganz kurzer Film, unendlich traurig, zugleich verschmitzt und verspielt. Die erschütternde Nachricht teilt uns der Vorspann mit: Der Sohn des Filmemachers ist bei einem Unfall ums Leben gekommen und hinterließ ein angefangenes Daumenkino. Der Vater nimmt die Arbeit daran wieder auf und zeichnet die Superheldengeschichte weiter, um damit einen Trickfilm zwischen tiefer Trauer und unbeschwerter Kinderlogik zu schaffen. In knappster Form wird hier die Nähe von Glück und Verlust eingefangen.
Monster-Sein ist nicht leicht. Als eine Großstadt plattgemacht werden muss, versagt der kleine Go Zilla: Viel zu wenige Häuser bekommt er kaputt! Ein Familienausflug mit Folgen.
Ein gemütliches Familienpicknick an dem Ort, den man seit der Kreidezeit besucht – das wünscht sich die Familie, bestehend aus Mom, Dad und Go Zilla. Dafür muss aber erstmal die Großstadt plattgemacht werden, die dort lästigerweise gewuchert ist. In den Augen des Vaters lässt die Performance des Nachwuchses leider zu wünschen übrig: zu verträumt und immer noch am Schnuller nuckelnd, zerstört der Kleine einfach nicht genug. Eine kurzweilige Geschichte aus einem fast normalen Familienalltag.
Eine poetische Porträtskizze in analoger Filmästhetik: Das Leben am und im Wasser bestimmt den Alltag einer Frau, die ein Frachtschiff liebevoll zum Hausboot umgebaut hat.
Alles plätschert in dieser poetischen Porträtskizze: der Regen aufs Dach, der Hund in der Pfütze, die Enkel im Planschbecken und die Protagonistin in der Moldau. Eine Frau mittleren Alters hat ein Frachtschiff liebevoll zum Hausboot umgebaut. In impressionistischer, analoger Ästhetik fängt der Film ihren neuen Alltag ein, vom Morgenkaffee im Bademantel bis zur letzten Zigarette an Deck in der Dämmerung. Sie scheint sich einen Wunsch erfüllt zu haben – ein Leben am und im Fluss.
Das Hotel Astoria war der Hotspot Leipzigs. Champagner und Schildkrötensuppe wurden den Gästen serviert – die Stasi hörte mit. Animierte Erinnerungen aus einer anderen Zeit.
Alle Leipziger kennen es: das Hotel Astoria, welches seit 1996 leer steht. Der Film wirft einen Blick in die Zeit, als das Haus der Hotspot der Messestadt war. Mit dem für die DDR größtmöglichen Prunk wurden hier Geschäftsleute, Politiker und Gäste aus aller Welt empfangen und bewirtet. Aber auch die Stasi ging im Hotel ein und aus. Anhand von Archivmaterial und Berichten des Personals sowie mit den unverkennbaren Animationen von Falk Schuster wird ein spannendes Kapitel Stadtgeschichte erzählt.
Kim Busch
Credits
Regie
Falk Schuster, Alina Cyranek
Buch
Alina Cyranek
Schnitt
Alina Cyranek, Falk Schuster
Produktion
Alina Cyranek, Falk Schuster
Co-Produktion
MDR Mitteldeutscher Rundfunk
Ton
Florian Marquardt
Musik
Florian Marquardt
Animation
Falk Schuster, Tim Romanowsky, Alexander Schmidt, Julian Quitsch
Marcel Barelli war auf der Pirsch, hat genauestens beobachtet und belauscht. Flott animiert und mit Witz erzählt er von zoologischen Launen in Gender- und Sexualitätsfragen.
Tiere kennen kein „LGBTQIA*“, sie sind und machen einfach. Gender, Sexualität und Familienkonstellationen praktizieren sie nach Lust und Notwendigkeit. Da gibt es noch viel zu entdecken, wie Marcel Barelli zu berichten weiß. Er war auf der Pirsch, hat genauestens beobachtet und belauscht. Flott animiert und mit Witz erzählt er von großartigen zoologischen Launen und Beziehungswundern.
Gefängnisinsassen, die Karpfen züchten, reflektieren über Freiheit und verpasste Weihnachtsessen. Kunstvoller Schwarz-Weiß-Film mit anonymen Protagonisten in trister Landschaft.
In Anglermontur im Wasser stehen, Fische fangen und die raue Winterlandschaft auf sich wirken lassen. Was zunächst nach einem Traum für Outdoor-Fans klingt, gehört im ostslowakischen Perín-Chym zum Arbeitsalltag von Gefängnisinsassen. Ihre Aufgabe ist die Zucht von Karpfen, die primär bei Weihnachtsessen zum Einsatz kommen. Marek Moučka anonymisiert die Gefangenen in seinem kunstvollen Schwarz-Weiß-Film mit ausradierten Augenpartien. Er spricht mit ihnen über Freiheit und verpasste Feiertage.
Bild für Bild blättert sich eine Tochter durch das Familienalbum: Eltern, Geschwister, Feiern, Ausflüge. Das Salz, das Gift hinter der Normalität schmeckt man in ihren Kommentaren.
Klick, Bildwechsel, klick, Bildwechsel. Die Erzählerin stellt ihre Familie in Schnappschüssen vor: der Vater in jung, die im Sessel posierende Mutter, Geschwister, Geburtstage, Ausflüge, das Übliche. Doch in die albumhaft aufgeblätterte Normalität kommt durch die Kommentare der zurückblickenden Tochter etwas hintergründig Versalzenes, vielleicht sogar Vergiftetes. Winzige Kränkungen häufen sich zu Traurigkeit. Da tut es (fast) nichts zur Sache, dass hier von einer Faultierfamilie die Rede ist.
Eine junge Frau liest erneut die Briefe, die ihr der Vater vor fünfzehn Jahren aus dem Gefängnis schrieb. Die Beziehung zwischen Vater und Tochter als fragmenthafter Animationsfilm.
Eine junge Frau hält nach langer Zeit erneut Briefe in der Hand, die ihr Vater ihr vor fünfzehn Jahren geschrieben hat, als er im Gefängnis saß. Seine Worte sind voller Liebe und Zuneigung: So nah seien sie sich danach nie wieder gewesen, resümiert die Tochter heute. Was ist passiert? Das versucht sie, in einem Brief an ihn zu beantworten, und schreibt auf, was bislang nicht gesagt werden konnte. Die komplexe Beziehung zwischen Vater und Tochter in Form eines fragmenthaften Animationsfilms.
Lina Dinkla
Credits
Regie
Diana Cam Van Nguyen
Buch
Diana Cam Van Nguyen, Lukáš Janičík
Kamera
Matěj Piňos, Kryštof Melka
Schnitt
Lukáš Janičík
Produktion
Karolína Davidová
Co-Produktion
Jakub Viktorín, Tomáš Šimon
Ton
Viera Marinová
Musik
Viera Marinová
Animation
Vojtěch Domlátil, David Štumpf, Barbora Halířová, Diana Cam Van Nguyen
Filmvertrieb
Luce Grosjean
Ausgezeichnet mit:
Silberne Taube (Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm)
Isabela Bianchi , Ignacio Ruiz Gómez, Pablo Adiego Almudevar, María Gómez
Madrid heute, aus der Sicht einer soziologischen Studie von 1901: kriminelles, tätowiertes, queeres Leben überall. Eine humorvolle, verspielte Eloge auf die Widerspenstigkeit.
Isabela Bianchi , Ignacio Ruiz Gómez, Pablo Adiego Almudevar, María Gómez
Wettbewerb um den Publikumspreis Kurzfilm 2021
Dokumentarfilm
Spanien
2021
13 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch, deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit
Madrid 2020 aus Sicht von vor über hundert Jahren. Eine „psycho-soziologische Studie mit Zeichnungen und Fotografien aus dem echten Leben“ von 1901 gibt Aufschluss über die Arten verschiedener „Nichtsnutze“: Kriminelle, Parasiten, Outcasts und Homosexuelle bevölkern die Stadt. Humorvoll und kritisch zugleich untersucht der Film Architektur, Gesellschaftsstruktur und Kategorien des Außenseitertums. Dabei entsteht eine verspielte Eloge auf die Widerspenstigkeit.
Marie Kloos
Credits
Regie
Isabela Bianchi , Ignacio Ruiz Gómez, Pablo Adiego Almudevar, María Gómez
Buch
Isabela Bianchi , Pablo Adiego Almudevar, Ignacio Ruiz Gómez, María Gómez
Ein herkömmliches Schild mit dem Wort „Park“ löst bei einem gut situierten älteren Herrn einen Gedankensturm aus. Nur ein Wort, und die behagliche Alltagsroutine steht Kopf.
Im Leben des Protagonisten verläuft alles friedlich und in geordneten Bahnen: Er ist Abteilungsleiter in einem Kaufhaus und führt eine gute Ehe. An einem Sonntag unternimmt er, wie immer, seinen Spaziergang durch den Park. Doch da irritiert ihn plötzlich ein Schild, auf dem nur ein Wort steht: „Park“. Die Konfusion ist so groß, dass sein ganzer Alltag durcheinandergerät. Frei nach einer Erzählung von Arthur Schnitzler.
Ein Videogame auf amüsant-philosophischen Abwegen: Der Tennisspieler rutscht vom Centre-Court in eine Parallelwelt. Eine Identitätssuche außerhalb der Spielregeln beginnt.
Ein Videogame auf amüsant-philosophischen Abwegen: Die Tennisspielerfigur rutscht vom Centre-Court in eine Parallelwelt und wird um ihr Racket gebracht. Aus dem verschrobenen „Pong“-Setting entwickelt sich ein Parcours der verzweifelten Identitätssuche außerhalb der Spielregeln. Der bemitleidenswerte Roger Federer im Polygon-Look stolpert über Glitches. Halbstarke Nebencharaktere bieten erst Häme, dann Hilfe an. Das Design, dieser Untote aus der Games-Vergangenheit, ist subversiver Mitspieler.