Filmarchiv

Countries (Film Archive)

A Hole in the Head

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2016
92 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Barbara Janišová Feglová
Robert Kirchhoff
Miroslav Tóth
Juraj Chlpík
Jan Daňhel
Robert Kirchhoff
Václav Flégl
Eine kleine Kunstgalerie irgendwo in Serbien, in der ausschließlich Werke von Roma ausgestellt werden. Ist Clinton nicht auch ein Roma? Da ist sich die Galeristin nicht so sicher. Aber Antonio Banderas sei Roma, auch Yul Brynner. Sie wagten es nur nicht, sich öffentlich dazu zu bekennen. Diese rührende Szene kultureller Selbstvergewisserung ist Teil einer Erzählung über den Holocaust an den Roma, der weitgehend aus dem europäischen Gedächtnis getilgt ist und dessen Spuren der Regisseur akribisch nachgeht. Ein Film gegen das Vergessen.

Wir lernen Menschen aus Frankreich, Serbien, Deutschland, Tschechien und Polen kennen, die als Kinder in die Fänge der Mordmaschine der Nazis gerieten. Rita war keine drei Wochen alt, als SS-Ärzte in einem Würzburger Krankenhaus grauenhafte Experimente an ihr vornahmen. Ihre Zwillingsschwester starb, sie überlebte mit einem „Loch im Kopf“. Raymond, ein 90-jähriger, extrem wacher Rom, erinnert daran, dass es die französische Gendarmerie war, die sie damals zusammentrieb, nicht die Deutschen. Heute dringt die gleiche Polizei ohne Durchsuchungsbeschluss in seinen Wohnwagen ein und verhaftet drei seiner Söhne, weil sie ihm zu Hilfe kamen. Was hat sich also geändert? Eine Frage, die sich an jeder Station dieser Reise des Gedenkens neu stellt und uns zwingt, Stellung zu beziehen und ideologischen Müll zu entsorgen.

Matthias Heeder


Nominiert für MDR-Filmpreis

A Marriage Story

Dokumentarfilm
Tschechische Republik
2017
102 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kateřina Černá, Pavel Strnad
Helena Třeštíková
David Cysař, Vlastimil Hamerník, Jan Malíř, Miroslav Souček, Ervín Sanders, Jiří Chod, Robert Novák, Antonín Kutík
Jakub Hejna
Helena Třeštíková
Richard Müller
Geschichten von der Ehe filmt die Pragerin Helena Třeštíková seit den frühen 1980er Jahren, mehrere Langzeitdokumentationen sind auf diese Weise entstanden. Ivana und Václavs ewiger Bund ist Beobachtungsgegenstand dieser Folge, die vom Tag vor der Hochzeit bis ins Heute reicht. Damals, im Dezember 1980, ist Ivana 21 Jahre alt und Václav 24. Beide studieren Architektur und heiraten, „weil wir uns mögen. Und andere Dinge. Dinge, über die man besser nicht spricht.“ Kurz nach der Hochzeit ist das erste Kind da: Honza.

Helena Třeštíkovás Film „René“ gewann 2008 in Leipzig die Goldene Taube, ein Stück über einen hoffnungslosen, aber einnehmenden Amoralisten, den es immer wieder an den gleichen Ort zog: ins Gefängnis. Offenbar ist auch Třeštíková angezogen von bestimmten Orten, vor allem aber von Menschen und der Art, wie sie ihr Leben in sinnvolle Richtungen zu entwickeln versuchen. In dieser „Marriage Story“ lässt sich beispielsweise ein unglaublicher Wunsch nach Vergrößerung und Wachstum ausmachen, der sich in einer Anhäufung von Gegenständen, Kindern und Verantwortlichkeiten zeigt – eines der inneren Motive des Ehepaares Strnad, das sich über 35 gemeinsame Jahre entklappt.

Carolin Weidner


Nominiert für MDR-Filmpreis

Awaker

Animationsfilm
Tschechische Republik
2017
9 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Lukáš Gregor
Filip Diviak
Jan Nevyjel, Noemi Valentíny, Vít Přibyla, Barbora Kadlíčková
Filip Diviak, Josef Erla
Filip Diviak
Filip Diviak
Jiří Hloušek
Jeden Morgen geht der Aufwecker seiner beschwerlichen Arbeit nach. Als er eines Tages keine Kraft mehr dafür hat, kommt sein Enkel auf die rettende Idee.

Lina Dinkla

Chronicle of Oldrich S.

Animadok
Tschechische Republik
2011
18 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jakub Hora, AniFest
Rudolf Šmíd
Jaroslav Koran
Jakub Halousek
Lucie Haladova
Rudolf Šmíd
Rudolf Šmíd
Jaroslav Koran
Von 1981 bis 2005 schrieb Herr Sedláček jeweils einen Satz lange Einträge in seine Chronik. Darunter sind Alltagsgeschichten aus seinem Leben und dem seiner Familie, seines Dorfes und der Umgebung ebenso wie internationale Ereignisse. Der Film erzählt 80 von insgesamt über zweitausend täglichen Notizen und gibt so einen erstaunlich konzentrierten Überblick über das Leben von Herrn Sedláček und unserer Gesellschaft.

Cinema, Mon Amour

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Rumänien
2015
74 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Tudor Giurgiu
Alexandru Belc
Tudor Vladimir Panduru
Ion Ioachim Stroe
Alexandru Belc, Tudor Giurgiu
Vlad Voinescu
Victor Purice gebührt definitiv ein Orden als „Held der Arbeit“. Mit welcher Verzweiflung, welchem Elan, welcher Hartnäckigkeit er um sein Kino kämpft, da kommen einem die Tränen. Das „Dacia“ Panorama-Filmtheater irgendwo in der rumänischen Provinz, eine Kinoschönheit in Beton mit mehreren hundert Plätzen, großzügigem Foyer und einer gediegenen 35-mm-Projektionstechnik, steht kurz vor dem Aus. Sein Schicksal ist das vieler Kinos in Rumänien, kaum 30 existieren noch. Die anderen wurden privatisiert, verhökert, in Spielhallen oder Diskotheken umgebaut, selbst das Filmstudio hat viele verkauft. Was für ein Widersinn – während wir hierzulande das „rumänische Filmwunder“ feiern!

Aber Victor Purice und sein ihm verbliebenes kleines Team lassen sich aus ihrem Traum vom Kino nicht einfach so verjagen. Sie wohnen und kochen zwischen den Filmspulen, funktionieren das Foyer zu einer Tischtennishalle um und schauen sich im Zweifel auch mal einen Hollywood-Blockbuster alleine an. All das ist mit liebevollem Blick erzählt, aber auch voller Bewunderung für diesen Don Quichotte der Moderne, der gegen Missmanagement, den digitalen Fortschritt und eine kaputte Heizung zu Felde zieht. Der Preis, den er zahlt, ist hoch. Zu befürchten steht, dass es in dieser Geschichte kein Happy End gibt. Mission: Impossible.

Cornelia Klauß
Kids DOK
Deep in Moss Filip Pošivač, Barbora Valecká

Eine Wassernymphe, die nicht singen kann, entdeckt mit Hilfe der zwei Elfen Josephine und Bertie ihre wirkliche Stärke: Geschichten erzählen!

Deep in Moss

Animationsfilm
Tschechische Republik
2015
26 Minuten
Untertitel: 
englische
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Pavla Janoušková Kubečková
Filip Pošivač, Barbora Valecká
Matej Portes
Václav Fronk
Lucie Haladová
Barbora Valecká
Iva K. Jestřábová
Martin Blauber
Eine Wassernymphe, die nicht singen kann, entdeckt mit Hilfe der zwei Elfen Josephine und Bertie ihre wirkliche Stärke: Geschichten erzählen!

Die Trasse

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Deutschland,
Russland
2013
121 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Natalia Manskaya, Filip Remunda, Vít Klusák, Simone Baumann
Vitaly Mansky
Alexandra Ivanova
Pavel Mendel-Ponamarev
Vitaly Mansky
Dmitry Nazarov
Es war – so die „IG Erdgastrasse“ auf ihrer noch im deutsch-sowjetischen Freundschaftsstil gehaltenen Website – ein „Bauwerk des Jahrhunderts“, das mit dem Spatenstich am 6. Juni 1966 im fast-arktischen Westsibirien begonnen wurde, in den Vorperestroika-Jahren (zum Schrecken Reagans) reale transkontinentale Form annahm und heute beispielsweise den Rohstoffbedarf eines der wichtigsten rituellen Ereignisse Westeuropas deckt: den Rheingas-betriebenen Rosenmontagszug in Köln. Die „Urengoy–Pomary–Uzhgorod-Trasse“ erstreckt sich vom autonomen Kreis der Jamal-Nenzen bis zum Golf von Biskaya, so unbemerkt wie alles, was mit unserer Energieversorgung zu tun hat. Doch geopolitisch-ökologisch-ökonomisch ist die Pipeline eine riesige Goldader – mit klaren Konsequenzen (Abhängigkeiten, Technikgläubigkeit, Umweltschäden).
Entlang der unterirdischen Fährte erkundet Vitaly Mansky, den es zuletzt mit „Motherland or Death“ nach Kuba zog, diesmal unsere eigene fremde Heimat. Den politisch widerspenstigen Dok-Maître interessiert der Alltag jener, die neben und über der Trasse leben, nicht notwendigerweise jedoch von ihr (wo kein Geld, da kein Gas): indigene Eisfischer, orthodoxe Kirchenprozessionen, Putin-wählende Tuba-Bläser, Gorbatschow-kritische Veteranen, aufgebrachte Roma, fluchende Polen und marienverehrende Polinnen. Er kokettiert mit dem Klischee, weicht ihm aber geschickt aus. Big-Screen-Cinema, bildgewaltig und mit tollem Sounddesign.

Barbara Wurm



Ausgezeichnet mit dem MDR-Filmpreis 2013

Eugenic Minds

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2013
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jiří Konečný
Pavel Štingl
Jaroslav Kořán
Miroslav Janek
Tonička Janková, Otakar Šenovský
Jan Míka
Pavel Štingl
Vladimír Chrastil
Ausdrucksstarke Gesichter, Körperteile, anatomische Assoziationen. Die Menschen sind vielfältig: „Manche sind klug, manche sind dumm, manche sind gutaussehend, manche sind hässlich …“ Eugenik stammt aus dem Griechischen, bedeutet so viel wie „gutes Geschlecht“ und bezeichnet die Wissenschaft zur Verbesserung der Erbanlagen durch die Wahl passender sexueller Partner. Um der Menschheit „genetische Belastungen“ zu ersparen, entscheide man sich für den Klugen und Gutaussehenden. Bestimmt der Mensch die Selektion, nimmt er die „Arbeit Gottes in seine eigenen Hände“. Das Dritte Reich benutzte und erweiterte die Forschung für seine Ideologie, was dazu führte, dass der Begriff schließlich vermieden und vergessen wurde. Mithilfe fesselnder Archivaufnahmen, origineller Animationen und deren anschaulicher „Befruchtung“, wenn sich zum Beispiel die Dresdner „Gläserne Frau“ immer wieder unter die Menschenmenge mischt, wird die Entwicklung einer faszinierenden und bis ins Irrsinnige betriebenen Wissenschaft reflektiert. Sie erzählt sehr viel mehr über die Spezies Mensch, als es jede anthropometrische Messung tun könnte.

Claudia Lehmann

Fortress

Dokumentarfilm
Tschechische Republik
2012
70 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Pavla Kubečková, Tomas Hruby, nutprodukce
Lukáš Kokeš, Klára Tasovská
Lukáš Kokeš
Alexandra Gojdičová
Lukáš Kokeš, Klára Tasovská
Die Pridnestrowische Moldauische Republik, auch bekannt als Transnistrien. Man stelle sich einen Raum vor, in dem die Zeit eingefroren wurde. Das Land, dessen Unabhängigkeit nur von einer Handvoll anderer Staaten anerkannt wird, ist eine isolierte Vielvölker-Enklave, zusammengehalten von einem autoritären Regime. Es ist ein Land, wo man nur vom Zugfenster aus filmen darf, wo die Einwohner Angst vor Denunziationen haben, aber froh sind, in dieser gemütlichen Zuflucht vor der hektischen modernen Welt zu leben, und wo die Lieder im Fernsehen den Präsidenten preisen. Die Zeit wurde angehalten, und das Leben ist in einer Form steckengeblieben, die an die Ära der Sowjetunion erinnert. Irgendwie hatten sich die Menschen an die Herrschaft der Geheimpolizei und die Furcht vor Bespitzelung gewöhnt. Die sowjetisch anmutende Propaganda des autoritären, machtbetonten Regimes von Präsident Igor Smirnov macht aus den meisten Bürgern der PMR einfache Arbeiter ohne jedes Bedürfnis zu verstehen, wie unerträglich ihre Situation ist. Smirnov herrscht schon seit zwanzig Jahren über dieses nicht-existierende Land.
Der Film konzentriert sich auf ein paar Personen, die in dieser geopolitischen Lücke feststecken, zwischen der Europäischen Union und Russland, Gegenwart und Vergangenheit, Verbrechen und Anstand, Dekadenz und der Hoffnung auf Veränderung. Er bleibt innerhalb des Zeitrahmens der Präsidentenwahl und zeigt sich als Reise in ein Museum des kommunistischen Totalitarismus, wo er die Organisation dieses „Nicht-Staates“ und die Regeln des Alltags dort analysiert.
Kids DOK
Fruits of Clouds Kateřina Karhánková

Tief in einem dunklen Wald lebt eine Gemeinschaft von pelzigen kleinen Wesen. Sehnsüchtig warten sie jeden Tag auf goldene Wolkenfrüchte, die vom Himmel fallen.

Fruits of Clouds

Animationsfilm
Tschechische Republik
2017
10 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Tomáš Michálek, Dagmar Sedláčková
Kateřina Karhánková
Jan Richtr
Kateřina Karhánková
Blanka Klímová
Alžběta Skálová
Kateřina Karhánková
Jan Richtr
Tief in einem dunklen Wald lebt eine Gemeinschaft von pelzigen kleinen Wesen. Sehnsüchtig warten sie jeden Tag auf goldene Wolkenfrüchte, die vom Himmel fallen. Ohne sie kommt nämlich kein Licht und keine Nahrung in die Erdlöcher! Doch auf einmal bleiben die Wolkenfrüchte aus. Nun ist großer Mut gefragt: Der finstere Wald muss durchquert werden, damit die kleine Gemeinschaft überlebt.

Marie-Thérèse Antony

H*ART ON

Dokumentarfilm
Tschechische Republik
2016
73 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Miroslav Novák
Andrea Culková
BAZEL
Lukáš Milota
Thomas Ernst
Despina Kannaourou
Andrea Culková, Thomas Ernst
Petr Čechák
Ein Künstlerleben würde allein aus der Perspektive anderer Künstler erfahrbar, denn deren Biografien seien tendenziell Lügen. So sah es die tschechische Schriftstellerin Milada Součková. Dem Leben und Werk von Součkovás Mann Zdeněk Rykr (1900–1940) nähert sich Andrea Culková aus der Perspektive zeitgenössischer Künstler und Rykr-Kenner in Tschechien, Japan und Frankreich sowie mit Archivmaterial. Rykrs grafisches Erbe besteht bis heute hauptsächlich im Design der Orion-Schokolade – mit seinen kommerziellen Arbeiten hatte er früh Erfolg. Jenseits solcher Aufträge jedoch fand er als Avantgardist, der manche Entwicklung in der Konzeptkunst der 1960er Jahre vorwegnahm, weniger Anerkennung.

Auf Spurensuche versammelt die vielstimmige Filmcollage programmatische, proklamatische, provozierende Akte und Aussagen unterschiedlicher Persönlichkeiten. Auch heute ist das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ausdruck, Provokation, Lifestyle und Kommerz ein bedeutendes Thema für Künstler und Kuratoren. Es findet statt in der Wohnung eines tschechischen Künstlerpärchens, am Rande der Messe Art Basel, bei Ausstellungsvorbereitungen in Japan … Verbindend bleibt die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und der (eigenen) Vergänglichkeit.

Nadja Rademacher


Nominiert für MDR-Filmpreis

My Unknown Soldier

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Lettland,
Slowakei
2018
79 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Michal Kráčmer, Sergei Serpuhov
Anna Kryvenko
Andris Dzenitis, Yair Elazar Glotman, David Střeleček
Radka Šišuláková
Daria Chernyak
Anna Kryvenko
Viktor Krivosudský
Prager Frühling, sowjetische Panzer, der Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes, das epochemachende Jahr 1968: Ausgangspunkte einer Familiengeschichte zwischen Tschechien, der Ukraine und Russland. „Die Besetzung von 1968 übersetzt sich in einen Mann mit einem Dachshund, der sich berechtigt fühlt, ein junges Mädchen in der Tram anzuschreien, weil er Ukrainisch nicht von Russisch unterscheiden kann.“

Eine Reihe von Fotos aus einem Familienalbum, aus denen ein Mann entfernt wurde, setzt Anna Kryvenko, die als Ukrainerin in Prag Film studiert, auf die Fährte einer Spurensuche nach ihrem Großonkel. Der „unbekannte Soldat“, dem so viele Mahnmale gewidmet sind, dass man beinahe vergisst, dass mit der summarischen Gedenkgeste konkrete Gesichter, Namen, Geburts- und Sterbedaten, vor der Zeit abgebrochene Biografien gemeint sind. Nach anfänglichem Zögern bricht die Familie der Filmemacherin das Schweigen und allmählich fügen sich die Teile zu einem neuen Bild. Familien- und Weltgeschichte kreuzen sich.

Fabian Tietke


Nominiert für den MDR-Filmpreis

Nabbin

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Israel
2018
30 Minuten
Untertitel: 
englische
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Nadav Harel, Kat Tolkovsky
Kat Tolkovsky
Kat Tolkovsky
Kat Tolkovsky
Kat Tolkovsky
Rotem Dror
Nach Jahren in Israel kehrt die Filmemacherin nach Nabbin in Tschechien zurück, an jenen Ort, an dem sie aufgewachsen ist, und zu den Menschen, die sie damals umgaben.

None of Your Business

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Iran
2019
64 Minuten
Untertitel: 
englische
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Kaveh Farnam
Kamran Heidari
Kamran Heidari, Mansour Vahdani
Kamran Heidari
Saeideh Keshavarzi, Kamran Heidari
Ali Farmani
Es gehe niemanden etwas an, wie er gelebt habe und gestorben sei. So der Sänger Ebrahim Monsefi in einem Lied, das in einem vor Altersschwäche flackernden Video dokumentiert ist. Dieses steht am Ende eines Films, der durch sein Dasein das Gegenteil behauptet. Denn er erzählt genau von diesem Leben, das von der Liebe zur Musik und dem Absturz durch den Verlust geliebter Menschen geprägt war. Es begann in der traditionell weltoffenen südiranischen Hafenstadt Bandar Abbas an der Straße von Hormus. Sogar einen (verlassenen) Hindutempel gibt es, in dem die Waise beim Großvater aufwuchs. Um sich herum Musik aus aller Welt, die von den Einheimischen aufgesogen und adaptiert wurde. So kam auch Ebram früh zur Gitarre und wurde als Singer-Songwriter zu einem lokalen Star, bevor er dem Heroin verfiel und 1997 starb.

Heute sind seine Songs in der Region populäre Standards. Und melancholische Ohrwürmer, die in Kamran Heidaris Film in Archivaufnahmen mit Ebram selbst und Straßensets aktueller Interpreten zum vibrierenden Grundgerüst werden. Dazu die Reinszenierung einzelner Lebensstationen. Und der Künstler als Geist, dessen aufkommende, fast krankhafte Besessenheit vom Weiblichen sich auch als Kommentar zum Weltbild der explizit nicht erwähnten Islamischen Revolution lesen lässt. So ist der Film mehr Parabel als Biografie, aber auch Porträt einer faszinierenden, vitalen Stadt.

Silvia Hallensleben

Normal Autistic Film

Dokumentarfilm
Tschechische Republik
2016
92 Minuten
Untertitel: 
englische
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Jan Macola (Mimesis Film)
Miroslav Janek
Miroslav Janek
Tonička Janková
Miroslav Janek
Matěj Němec, Daniel Němec
In einem der wunderbarsten Dialoge dieses sehr intimen Porträts über Jugendliche mit Asperger-Syndrom heißt es: „Sind Autisten nicht auch so eine Art von Alien? Sie denken die ganze Zeit.“ Zwei Jahre lang folgte Miroslav Janek mehreren „Aspies“ und entdeckte auf dieser Reise eine Fabelwelt: hyper, besessen, nervend, künstlerisch, melancholisch, abgedreht. Auch voller Selbsthass, wenn die 14-jährige Majda wütend ihren depressiven Rap raushaut, während sie durch ihr Dorf stampft.

Diese ganz eigene Energie der „Aspies“ gibt dem Film seinen Drive. Die Kamera arbeitet überwiegend mit Nahaufnahmen und schafft damit eine überraschende Bereitschaft beim Zuschauer, diesen merkwürdigen Menschen in ihre Welt zu folgen. Merkwürdig aus der Perspektive der Mehrheit, die festlegt, was geht und was nicht und sich damit der eigenen „Normalität“ beziehungsweise „geistigen Gesundheit“ versichert. Womit die Herausforderung beschrieben ist, denen sich die jugendlichen Protagonisten täglich stellen müssen: in einer Umgebung zu existieren, die nicht sieht, fühlt, denkt und wahrnimmt wie sie. Dieses Lebensgefühl haben Miroslav Janek und Tonička Janková, deren Montage der Film seine bemerkenswerte Leichtigkeit verdankt, übertragen in eine große poetische und berührende Erzählung über die Schönheit der Andersartigkeit.

Matthias Heeder


Nominiert für MDR-Filmpreis, Young Eyes Film Award

Normalization

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Slowakei
2013
100 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Robert Kirchhoff, coproducer: Hypermarket Film, CzechTV
Robert Kirchhoff
Peter Zagar
Ján Meliš
Jana Vlčková, Adam Brothánek
Jozef Giertli Danglár
Robert Kirchhoff
Václav Flegl, Michal Gábor
Die neunzehnjährige Medizinstudentin Ludmilla Cervanova hat eben noch in die Kamera gelächelt. 1976 fand man ihren Leichnam in einem Fluss in einer kleinen slowakischen Stadt. Sieben Männer waren für die grauenvolle Vergewaltigung und den Tod des Mädchens verantwortlich. Glücklicherweise hat man die Täter gefasst und verurteilt. Obwohl Ludmilla aber bei lebendigem Leibe ertränkt wurde, waren an der Leiche seltsamerweise keine Anzeichen von Gewalt festzustellen. Obwohl die Mörder seit Jahren im Gefängnis sitzen, kann sich nicht einer von ihnen an die schreckliche Tat erinnern. Obwohl eine Reihe von Zeugen die Unschuld der Verurteilten bestätigte, wurde keiner von ihnen vor Gericht angehört. Robert Kirchhoff lässt diese Leute zu Wort kommen, viele andere verstummen aber vor seinen Fragen nach plausiblen Tatsachen. Er dringt in die Tiefen eines Falls vor, der bis heute ein ungelöstes Rätsel in der slowakischen Geschichte darstellt. Er rekonstruiert eine „Landkarte der Ereignisse“ und zeichnet ein Bild, das von Macht, deren Missbrauch, von Manipulation, der Perfidität von Geheimdiensten und von den politischen Machenschaften eines Landes erzählt. „Normalization“ demonstriert im besten Sinne, wozu ein Film in der Lage sein kann. Und über der Wahrheit liegt immer noch das unschuldige Lächeln eines neunzehnjährigen Mädchens.

Claudia Lehmann



Ausgezeichnet mit einer Lobenden Erwähnung im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm und dem Preis der Ökumenischen Jury 2013