Filmarchiv

Countries (Film Archive)

11 Images of a Human

Dokumentarfilm
Finnland
2012
75 Minuten
Untertitel: 
englische

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Markku Lehmuskallio, Giron Filmi Oy
Markku Lehmuskallio, Anastasia Lapsui
Heikki Laitinen, Anna-Kaisa Liedes
Johannes Lehmuskallio, Markku Lehmuskallio
Anastasia Lapsui, Markku Lehmuskallio
Anastasia Lapsui, Markku Lehmuskallio
Martti Turunen
Poetisch-reflexive Untersuchung der Silhouetten, die zum Teil vor Jahrtausenden in Felsgestein fixiert wurden und seither dort existieren: Die Felsbilder, die Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio an vielen Orten der Welt aufsuchten, gelten den Filmemachern zum einen wie Bilderschriften, mit denen die Damaligen ihr Weltverständnis zum Ausdruck brachten, zum anderen wie Spiegel, in denen unsere Vorfahren sich selbst betrachteten. Vor allem aber sehen sie darin Phänomene, die mit einer magischen Aura behaftet sind: Objektivierungen menschlichen Staunens. Geschichten werden anverwandelt und verwandelt. „Stell ein Bild her, so dass du für immer darin leben kannst“, so eine der Erzählerstimmen. Unverrückbar erscheinende Subjekt-Objekt-Verhältnisse werden in magischem Zauber wieder verflüssigt. Wiederholt ergreifen die Bilder des Films das Wort, sagen ICH und sprechen UNS an: Denn nicht nur wir betrachten diese Figuren auf den Felsen, sie schauen auch auf uns zurück. Einmal lösen sich diese verzauberten Wesen gar, von der visionären Kraft der Filmemacher animiert, vom Stein, wechseln, wie Schamanen, die Ufer der Realitäten – tauchen für einen Moment in die Jetzt-Zeit eines gefilmten Tanzrituals ein, geistern dann aber auch schon wieder, gänzlich unbekümmert, zurück in ihre steinerne Ewigkeit.
– Ralph Eue
Retrospektive 2017
A Day at the Grave of Karl Marx Peter von Bagh

Ein Jahrhundert nach dem Tod des Philosophen Karl Marx besuchen Menschen aus zwanzig verschiedenen Nationen dessen Grab.

A Day at the Grave of Karl Marx

Dokumentarfilm
Finnland
1984
30 Minuten
Untertitel: 
deutsche

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Peter von Bagh
Peter von Bagh
Tapani Tamminen
Tony Chapman
Elina Katainen
Chris Barton
Ein Jahrhundert nach dem Tod des Philosophen Karl Marx (1818–1883) besuchen Menschen aus zwanzig verschiedenen Nationen dessen Grab auf dem Londoner Highgate Cemetery. Gedanken und Gespräche über den Toten sowie Dialoge mit ihm.

Ralph Eue
Internationales Programm 2018
A Life from Death Tuuli Teelahti

Der Tod aus der Sicht der pflegenden Begleiter: stilisiert und konkret. Um das Sterben zirkuliert das Leben. Bettwäsche wird gewechselt, Kerzen werden entzündet, Bettwäsche wird gewechselt.

A Life from Death

Dokumentarfilm
Finnland
2017
20 Minuten
Untertitel: 
englische

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Paria Eskandari, Aalto University, ELO Film School Finland
Tuuli Teelahti
Max Smeds
Tuuli Teelahti, Kai Rintamaa
Tuuli Teelahti
Tarmo Pehkonen
Aus dem Klavier schwindet der Klang, aus dem Leben der Atem, aus dem Film die Schärfe. Eine Mimesis des Sterbens. Stilisiert, aber konkret. Der Tod aus der Sicht der pflegenden Begleiter: das Wechseln der Bettwäsche, das Zurückhalten der Tränen, der Kaffee in der Pause, das Halten verstummender Hände, das Entzünden der Kerzen. Und von vorn: das Wechseln der Bettwäsche, das Zurückhalten der Tränen, der Kaffee … Lebenszyklen.

Lukas Stern
Internationales Programm 2019
About Finnish Manhood Samuli Salonen

Finnische Männerposen: am Wasser, vor der Sauna, im Wald. Sie stehen einfach da. Aber man kann ihnen lauschen. Sie erzählen von verschlossenen Gefühlen. Und dem Wunsch nach Öffnung.

About Finnish Manhood

Dokumentarfilm
Finnland
2019
10 Minuten
Untertitel: 
englische

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Samuli Salonen (Kino Euphoria)
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Einer starrt aufs Meer. Der andere steht im Wald. Einer versucht, einen Korb zu werfen. Und da, vor der Saunahütte, lehnt sich jemand ans Geländer. Männer. Finnische Männer. Fast allen ist gemein: ein Zustand emotionaler Deckelung, tief eingespeichert im eigenen Selbstverständnis. Was zunächst eingefroren anmutet, löst sich schnell – man muss nur zuhören wollen. „Aber wenn du nicht über Gefühle sprechen kannst, fühlst du auch kaum etwas“, gesteht einer. Dies ist eine Einladung zum Gespräch.

Carolin Weidner

Alppikatu 25 – Home to the Homeless

Dokumentarfilm
Finnland
2012
27 Minuten
Untertitel: 
englische

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Cilla Werning, Liisa Juntunen
Inka Achté, Marika Väisänen
Graham Hadfield
Sari Aaltonen, Daniel Lindholm, Tuomas Järvelä
Hannele Majaniemi
Alppikatu-Straße 25 lautet seit 1937 die Adresse eines Obdachlosenheimes in Helsinki. Ein Ort für Männer ohne eigenen Ort. Männer ohne Vergangenheit? „Create your own memories“, steht jedenfalls als Motto auf einem Zettel an der Wand. Und doch speichert das eintönige Gebäude, das mit seinen langen, kahlen Fluren und schmalen Zellen durchaus Assoziationen an ein Gefängnis wachruft, gewissermaßen die Erinnerungen und Lebensspuren vieler Menschen, die sich hier ein minimales Zuhause geschaffen haben, wenn auch nur vorübergehend. Fünf von ihnen kommen zu Wort. Jeweils für einen Moment taucht der Film in ihre innere Welt ein, nur durch ihre Stimme, ergänzt durch subtile Geräuschcollagen. Optisch bleiben die Männer Phantome. Manchmal sind sie gebannt in die Unschärfe des Raumes, manchmal erscheinen sie nahe am Stillstand. Nur der Zigarettenrauch scheint sich dann noch zu bewegen. Der Raum indessen lässt sich widerstandslos von der Kamera ergründen, so als gäbe er tatsächlich Auskunft über seine Bewohner. Das Abstrakte liegt nahe am Konkreten, die Zeit streift den Raum.

Lars Meyer
Internationales Programm 2013
American Vagabond Susanna Helke

Nach seinem Coming-out wird der Teenager James von den Eltern verstoßen und lebt auf den Straßen San Franciscos – bis alles anders kommt. Berührendes Coming-of-Age-Drama.

American Vagabond

Dokumentarfilm
Finnland
2013
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Cilla Werning
Susanna Helke
Samuli Kosminen
Susanna Helke, Marko Luukkonen
Niels Pagh Andersen
Es sollte nie wieder erwähnt werden, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Doch entgegen des Verdikts seines Vaters wurde aus James kein „richtiger“ Junge, der gern zum Jagen und Angeln ging, sondern das Schlimmste, was die amerikanische Mittelschichtsfamilie sich vorzustellen vermochte. Also warfen sie den schwulen Sohn, ein Teenager noch, aus dem Haus und überließen ihn seinem Schicksal als einer von Tausenden obdachlosen Jugendlichen in den USA. Bis zu vierzig Prozent von ihnen leben auf der Straße, weil sie einer „sexuellen Minderheit“ angehören.
Susanna Helke begleitet James und seine große Liebe Tyler durch die dreckigen Straßen und dunklen Parks von San Francisco, der „schwulsten Stadt der Welt“. Statt des erhofften Paradieses finden sie sich dort frierend, hungernd und marginalisiert wieder, auch von der arrivierten Gay Community. Doch alles kommt anders: Nachdem im ersten Teil des Films James aus dem Off seine Geschichte erzählt, geht es im zweiten um seine Abwesenheit – als „Sexualstraftäter“ sitzt er ein. Denn während nun selbst die konservative Familie zum Umdenken bereit ist, kennt das „Mutterland der Demokratie“ nur Härte gegen alles, was anders als der Mainstream ist. Atmosphärisch dicht und behutsam erzählt der Film nicht nur eine so zarte wie erschütternde Coming-of-Age-Geschichte. Er ist zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Liebe (zum Menschen), die bedingungslos ist.

Grit Lemke

Beginning Filmmaking

Dokumentarfilm
Finnland,
USA
2008
23 Minuten
Untertitel: 
englische
Englische Zwischentitel

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Jay Rosenblatt (Locomotion Films), YLE Teema
Jay Rosenblatt
Thomas Logoreci, Ella Rosenblatt
Jay Rosenblatt
Ella Rosenblatt, Jay Rosenblatt
Ein weiterer Film mit Ella, hier vier Jahre alt. Die Botschaft: Vorsicht bei der Berufswahl für die eigenen Kinder!
Internationales Programm 2016
Cheer Up Christy Garland

Die Arctic Circle Spirit Ice Queens sind das schlechteste Cheerleader-Team Finnlands. Trainerin Miia will das ändern, doch ihre Mädchen haben andere Sorgen … Gewinnen, Verlieren und Erwachsenwerden.

Cheer Up

Dokumentarfilm
Kanada,
Finnland
2016
82 Minuten
Untertitel: 
englische

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Liisa Juntunen
Christy Garland
Tom Third
Sari Aaltonen
Thor Ochsner, Graeme Ring
Try to cheer up! Selbst wenn eine der kunstvoll aufgebauten Körperpyramiden zusammengebrochen ist und die Mädchen blutend und lädiert am Boden liegen, bekommen sie das zu hören. Cheerleading ist der Inbegriff des Motivationscoachings, das ganze Ratgeberregale füllt und uns stets zu neuen Höchstleistungen antreibt – geht es bei diesem Sport doch genau um Letzteres. Nur bei den Arctic Circle Spirit Ice Queens in Rovaniemi am Polarkreis scheint die Logik des immerwährenden Gewinnen-Wollens nicht zu funktionieren: Sie sind das schlechteste Cheerleading-Team Finnlands. Trainerin Miia aber ist fest entschlossen, das zu ändern. Nach einem Besuch bei der Weltspitze im texanischen Dallas – der einer Gehirnwäsche gleicht – möchte sie ihre Schäfchen mit der „Yes You Can“-Strategie zur „Number One“ machen. Die aber haben ganz andere Sorgen: Patu muss nach dem Tod der Mutter mit der neuen Partnerschaft des Vaters klarkommen, Aino verliert sich im wilden Partyleben und gefährdet ihre Stellung im Team. Dazu die erste Liebe und der Auszug von zu Hause. Und es stellt sich auch für Miia heraus, dass das amerikanische Credo „Alles ist möglich“ eventuell ganz anders verstanden werden kann …

Sicher mischt Christy Garland die Dramaturgie des klassischen Sportlerfilms mit der des Coming-of-Age-Dramas und bleibt dabei nah an ihren Protagonistinnen. Fallen und wieder aufstehen. Klingt leichter, als es ist.

Grit Lemke


Nominiert für Young Eyes Film Award

Chris the Swiss

Dokumentarfilm
Kroatien,
Finnland,
Deutschland,
Schweiz
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche

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Samir (Dschoint Ventschr), Siniša Juričić (Nukleus Film), Heino Deckert (Ma.ja.de.), Iikka Vehkalahti (IV Films Ltd / p.s.72 productions)
Anja Kofmel
Marcel Vaid
Simon Guy Fässler
Stefan Kälin
Simon Eltz
Anja Kofmel
Daniel Hobi, Marco Teufen, Hrvoje Petek
Christian Würtenberg starb 1992 in Kroatien. Obwohl der junge Schweizer als Journalist gekommen war, trug er die Uniform einer internationalen Miliz, die auf kroatischer Seite im Bürgerkrieg kämpfte. Lange blieb rätselhaft, warum er selbst zur Waffe griff. Seine Cousine, die Filmemacherin Anja Kofmel, hat sich dieser Frage gestellt.

Sie befragt Weggefährten und ergänzt die dokumentarischen Aufnahmen mit düsteren, aufs Wesentliche reduzierten Animationssequenzen, die das narrative Gerüst des Films bilden. Tief eintauchend in die politischen Wirrungen zeichnet der Film nach, wie Chris Teil der nationalistischen, von Opus Dei unterstützten Söldner wurde. Ein politisch bis heute brisanter, visuell beeindruckender Krimi, der zeigt, wie schnell die persönliche Haltung im Krieg versehrt werden kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts und den MDR-Filmpreis; Schweizer Filmpreis 2019: Bester Dokumentarfilm, Beste Musik, Beste Montage

Internationales Programm 2015
Daddy's Girl Melisa Üneri

Um ihrem dominanten Vater zu entkommen, zieht Melisa in die Türkei. Doch dort wartet schon Oma – Daddy hoch drei … Herrlich schwarze Komödie über das Erwachsenwerden.

Daddy's Girl

Dokumentarfilm
Finnland
2015
52 Minuten
Untertitel: 
englische

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Mika Ronkainen
Melisa Üneri
Olli Tuomainen
Melisa Üneri
Mesut Ulutas
Melisa Üneri
Esa Nissi
Zugegeben – um zu erfahren, dass Familien schlimm sind, müsste man nicht ins Kino gehen. Dieser Film aber hat mehr zu bieten. Beispielsweise eine Familie, die besonders, ja auf geradezu kinotaugliche Art schrecklich ist. Und dies mit Wonne vor der Kamera ausspielt. „Daddy’s Girl“ ist die Regisseurin, allerdings will in dieser Familie jeder die Regie führen. Zuvorderst Daddy selbst, der als Filmheld ein Naturtalent, als Vater anstrengend ist. Der Türke hatte die Tochter in Finnland allein großgezogen. (Wir werden erfahren, warum er nicht nach Hause zurückkehrte.) Um sich von seiner erdrückenden, dominanten Liebe zu befreien, zieht Melisa an den einzigen Ort, wohin Daddy ihr garantiert nicht folgt: in die Türkei. Dort aber wartet schon Oma – Daddy hoch drei. Zum familiären Konflikt kommt jetzt der kulturelle, denn Oma weiß ganz genau, was sich für Frauen gehört und was nicht …

Eine herrlich schwarze Komödie voll klug beobachteter und gesetzter Details, in der zumindest zwei der drei Hauptpersonen sich nach allen Regeln der Boshaftigkeit das Leben gegenseitig schwer zu machen versuchen. Dahinter steht die Frage, wie eine Generation, der von ihren Eltern jedes Hindernis aus dem Weg geräumt wurde und wird, sich je von ihnen lösen kann. In Istanbul begegnet Melisa zornigen jungen Menschen, deren Gezi-Proteste auch gegen die Generation der Eltern rebellieren.

Grit Lemke

Emergency Calls

Dokumentarfilm
Finnland
2013
15 Minuten
Untertitel: 
englische

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Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen
Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen
Joonatan Portaankorva
Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen
Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen
Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen
Hannes Vartiainen, Pekka Veikkolainen
Joonatan Portaankorva
What is your emergency? Mit der Frage, die stets am Anfang des Telefonats mit einer Notfallzentrale steht, beginnt auch dieser Film. Auf der Tonspur aufgeregte, manchmal verzweifelte Menschen. Notfälle: eine Sturzgeburt, eine Massenkarambolage. Aber auch ein Amoklauf und der letzte Funkspruch der„Estonia“. Der Anruf markiert die Grenze zwischen Leben und Tod, die – vielleicht – überschritten wird. Das hängt auch von denen ab, die ihn entgegennehmen: hier verkörpert von weißen Gestalten, bar jeglicher Status generierender Symbole wie Kleidung oder sogar Haare. Reduziert auf den nackten, puren Menschen, auf den es ankommt. Oder sind es die Erinnyen, die unser Schicksal in den Händen halten?
Es gibt kein Blut, keine Katastrophenbilder. Stattdessen NASA-Aufnahmen der Erde aus dem All, Wolken, Lichtspiele, Radaranzeigen, pointiert verfremdet. Was ist die Not eines Menschen angesichts der Unendlichkeit des Universums? – Alles, sagt dieser Film, der sich wie alle Werke des Regieduos Vartiainen/Veikkolainen jeder Kategorisierung entzieht. Er erinnert an den Konjunktiv, der unser gesichertes Leben als Möglichkeit des Worst Case durchzieht. Ein Menetekel, das leise über uns schwebt. Hätte. Könnte. What is your emergency?

Grit Lemke

Every Other Couple

Dokumentarfilm
Finnland
2016
77 Minuten
Untertitel: 
englische

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Aleksi Salmenperä
Mia Halme
Ville A. Tanttu
Heikki Färm, Peter Flinckenberg
Antony Bentley
Mia Halme
Micke Nyström
Statistisch gesehen haben viele Eheleute, die einander immerwährendes Zusammensein geschworen haben, schlechte Karten, vor der Ewigkeit zu bestehen. Ihnen ist vorherbestimmt, dass die nähere oder fernere Zukunft den Tag der Trennung bringt. Dieser wird allen Beteiligten Schmerz verursachen, die geschlagene Wunde wird schwären für lange Zeit, und doch wird sich eines Tages eine Narbe über ihr gebildet haben. Es wird auch eine Erinnerung geben, wie die Geschichte vor diesem Tag gewesen ist, und ein Danach wird Gestalt annehmen. In „Every Other Couple“ macht Mia Halme die Trennungserfahrung zum Dreh- und Angelpunkt ihrer biografischen Betrachtung der Geschichten auseinandergegangener Familien. Aus dem Off zu hören sind unterschiedliche Erzählungen, was die gemeinsame Vergangenheit einmal ausgemacht hat. Zu sehen ist, wie die Beteiligten sich im getrennten Danach emotional, mental und sozial eingerichtet haben.

Direkt in die Kamera und erst ganz am Ende des Films erzählt ein junges Mädchen, wie sie gerade die erste Trennung ihres Lebens erfährt. Zwar ist das eine ganz und gar nicht neue Geschichte. Dennoch fühlt es sich an, als würde sich gerade (und in ungerechter Weise) eine ganze Wolke voller Unglück über sie ergießen. „Every Other Couple“ balanciert mit großer Empathie zwischen dem Einerseits und dem Andererseits.

Ralph Eue
Internationales Programm 2013
Hazards Virke Lehtinen

Ist es Zufall, welches Blatt wann vom Baum fällt, ob wir Krebs bekommen oder woran wir uns erinnern? Kunstvoller Essay über Schicksal, Filmbilder und Gedächtnis.

Hazards

Dokumentarfilm
Finnland
2013
45 Minuten
Untertitel: 
englische

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Virke Lehtinen
Virke Lehtinen
Virke Lehtinen
Tuuli Kuittinen, Juuso Lavonen
Virke Lehtinen
Zufälle bestimmen unser Leben. Das ist zumindest die Sichtweise, die sich Virke Lehtinen aufdrängt, als er sich die Bilder seines Lebens noch einmal vornimmt. Seit den 1960er Jahren hat er als Kameramann und Dokumentarfilmregisseur gearbeitet. In seinem Archiv gibt es genug Ereignisse, die sich quasi ungeplant hineinbelichtet haben. Ein brennendes Auto am Wegesrand, inmitten der verschneiten Nacht, ist eines davon. Die Aufnahme läuft stoisch weiter, während der Kameramann – Lehtinen – in die Szene springt, um zu helfen. Die Bilder verfolgen ihn. Ist wirklich alles Zufall? Welches Blatt wann vom Baum fällt, ob wir Krebs bekommen oder nicht – und woran wir uns erinnern? Denn hängt die Erinnerung nicht von unendlich vielen Komponenten ab?
Der Regisseur macht aus seiner These ein filmisches Prinzip, lässt sich von Bild zu Bild leiten und seinen Gedanken freien Lauf, während sich alles zu einem dichten Motivteppich verwebt. Im Hinterkopf des Betrachters mag der Gedanke entstehen, den der Erzähler im Epilog zum Kultfilm „Magnolia“ angesichts schier endloser Zufallsverkettungen äußert: „Und Sie wollen mir wirklich sagen, das ist Zufall? Bitte, das kann es doch nicht sein!“ Mit leiser Melancholie schafft Lehtinen einen kunstvollen Essay-Film über den schicksalhaften Zusammenhang von Zufall, Erinnerung und Filmbildern, der sich zugleich als eine Art Found-Footage-Autobiografie verstehen lässt.

Lars Meyer

Hilton! – Here For Life

Dokumentarfilm
Finnland
2013
75 Minuten
Untertitel: 
englische

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Markku Tuurna
Virpi Suutari
Matti Pentikäinen, Arto Tuunela
Heikki Färm
Jussi Rautaniemi
Virpi Suutari
Die Zukunft? Eine Kugel in den Kopf. – So fühlt es sich an, wenn man im Wohlfahrtsblock des „Hilton“, eines heruntergekommenen Neubauviertels in Helsinki, gestrandet ist. Wer hier lebt, ist noch keine 30 und hat alles durch. Er hat Wut im Bauch und Traurigkeit, die nicht zu Trauer werden will, sondern sich entladen muss. Indem man den Kopf gegen einen Balken haut, immer wieder. Indem man sich verletzt oder einfach nicht mehr rausgeht und sich irgendwann daran gewöhnt. Hier schläft man mit dem Messer unterm Kopfkissen, weil man es nicht anders kennt, und hier zerreißt man Rechnungen, weil es eh egal ist.
Virpi Suutari aber, aus der Zauberschule des finnischen Dokumentarkinos kommend, sieht keine Sozialfälle, sondern die Individuen Janne, Toni, Mira, Pete und Make. Während ihre Geschichten erzählt werden, die nahezu zwangsläufig nach ganz unten führen, beginnen sie im Film, aus sich selbst heraus zu leuchten. Die Bilder sind rau, nichts ist poliert, die Montage so impulsiv wie die Emotionen der Protagonisten und ihre flashartigen selbstgedrehten Handybilder. Kein Hauch von Sozialromantik – und doch findet die Kamera Momente von Reinheit, In-sich-Ruhen und Wärme. Sie findet eine Gemeinschaft, die den bürgerlichen Begriff von Familie neu definiert. Ein Kind wird geboren. Dass diese Geschichte mit Hoffnung endet, ist aber vor allem der Kraft von Suutaris Erzählung zu verdanken.

Grit Lemke



Ausgezeichnet mit dem Preis der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di 2013

Escaping Realities 2017
Hobbyhorse Revolution Selma Vilhunen

Mariam alias Aisku ist eine preisgekrönte Sportlerin. Für ihre Disziplin geht sie auch das Risiko ein, von anderen belächelt zu werden. Sie ist spezialisiert auf Hobbyhorsing – das Reiten mit Steckenpferden.

Hobbyhorse Revolution

Dokumentarfilm
Finnland
2017
90 Minuten
Untertitel: 
englische

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Elli Toivoniemi, Venla Hellstedt
Selma Vilhunen
Henrik Oja
Sari Aaltonen, Selma Vilhunen
Okku Nuutilainen
Selma Vilhunen, Okku Nuutilainen
Christoffer Demby
Mariam alias Aisku ist eine preisgekrönte Sportlerin. Für ihre Disziplin, in der sie bei Meisterschaften antritt, opfert sie vieles und geht auch das Risiko ein, von anderen belächelt zu werden. Sie ist spezialisiert auf Hobbyhorsing – das Reiten mit Steckenpferden. Aisku arbeitet auch als Trainerin. Eine ihrer Schützlinge, Elsa, zeigt ganz offen, wie ihr das außergewöhnliche Hobby dabei hilft, schwere Zeiten zu überwinden. Wie sie treten viele weitere junge Frauen und Mädchen in diesem Film den Beweis an, dass es sich bei Hobbyhorsing keinesfalls um ein Kinderspiel handelt, sondern um ein Mittel, Kraft zu tanken, Bestätigung zu finden und Zugehörigkeit zu erfahren. „Respect to the hobbyhorses!“

Kim Busch

Kaisa’s Enchanted Forest

Animadok
Finnland
2016
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Joonas Berghäll, Satu Majava
Katja Gauriloff
Timo Peltola
Enrique Méndez, Heikki Färm
Timo Peltola
Veronika Besedina
Katja Gauriloff
Timo Peltola, Jukka Nurmela
Ein dokumentarisches Märchen mit verzaubernden Animationen, angesiedelt im Land der Skoltsamen am Polarkreis. Erzählt wird von der charismatischen Erzählerin und Sängerin Kaisa. Die Filmemacherin Katja Gauriloff, ihre Ur-Enkelin, hat sich ihres Lebens angenommen, indem sie es aus der Perspektive eines vorerst noch Fremden erzählt: Robert Crottet, der Schweizer Schriftsteller, folgte in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts einem nachdrücklichen Ruf, der ihn in einem Fiebertraum ereilt hatte, nach Lappland. Dort fühlte er sich, wie er in seinem Buch „Verzauberte Wälder“ schreibt, „in eine Zeit versetzt, in der die Trennung zwischen Menschen und Tieren und der uns allen umgebenden Natur noch nicht so groß war, wie in unseren Tagen“. In Kaisa, die ihn gewissermaßen adoptierte, fand er eine erleuchtete Vertreterin dieses Goldenen Zeitalters.

Über die Jahre entwickelte sich eine tiefe Seelenverwandtschaft zwischen den beiden. Und wie im 19. Jahrhundert die Brüder Grimm ihre Kinder- und Hausmärchen erschufen, indem sie orale Überlieferungen „abhörten“, so protokollierte Crottet die Sagen und Legenden Kaisas und wurde zunehmend selbst von ihnen erfüllt und verwandelt. Seit den fünfziger Jahren galt er auch als internationaler Botschafter des immer weiter nach Norden und in den puren Überlebenskampf abgedrängten Nomadenvolks der Skoltsamen.

Ralph Eue



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb Animierter Dokumentarfilm 2016