Filmarchiv

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Jahr

Spätlese
Ceremony Phil Collins

Was verbindet Manchester im Jahr 2017 mit der russischen Revolution? Friedrich Engels. Dessen Theorien bilden den Ausgangspunkt für Reflexionen über den Zustand des heutigen Großbritannien.

Ceremony

Dokumentarfilm
Deutschland,
Ukraine,
UK
2018
67 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Siniša Mitrović, Natasha Dack Ojumu
Phil Collins
Mica Levi, Demdike Stare, Gruff Rhys
Neus Ollé-Soronellas, Joseph Briffa, Jonathan Stow, Alex Large, David Bewick, Pedro Labanca, Federico Funari, Phil Collins, Siniša Mitrović, Matthias Schellenberg
David Charap, Andreas Dalström
Phil Collins
Jochen Jezussek
Was verbindet das Manchester des Jahres 2017 mit der russischen Revolution 100 Jahre zuvor? Friedrich Engels. Bevor er gemeinsam mit Karl Marx das Kommunistische Manifest verfasste, hatte der Philosoph und Unternehmer einige Jahre in der nordenglischen Industriehauptstadt des 19. Jahrhunderts gelebt. Ausgehend von Engels’ kommunistischen Theorien reflektiert der Künstler Phil Collins über deren Aktualität: Wie sieht „die Lage der arbeitenden Klasse in England“ – so ist eines seiner Hauptwerke überschrieben – heute aus? Würde Engels nicht vielmehr über die „working poor“ schreiben, die arbeitenden Armen? Wie unterscheidet sich die „Tyrannei des Kapitals“ von damals und heute, die unsere Gesellschaften, unser Leben, Denken und Handeln noch immer fest im Griff zu haben scheint? Ist deshalb der Kommunismus wieder ein denkbares Ideal?

Und auch Engels selbst darf erneut nach Manchester reisen, in Form einer Statue, deren Transport aus einem ukrainischen Dorf zu ihrem neuen Aufstellungsort in der ehemaligen Industriekapitale der Film begleitet – ein vielschichtiges sozialistisches Roadmovie von der einen Außenseite der EU zur (demnächst) anderen.

Frederik Lang

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Spätlese
#Female Pleasure Barbara Miller

Misogynie ist strukturell in die kulturellen Kerne sämtlicher Gesellschaftssysteme der Welt eingeschrieben. Klarsichtig und global perspektiviert, legt „#Female Pleasure“ diese Kerne frei.

#Female Pleasure

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2018
97 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Philip Delaquis, Arek Gielnik
Barbara Miller
Peter Scherer
Anne Misselwitz, Gabriela Betschart, Akiba Jiro
Isabel Meier
Barbara Miller
Tom Weber
Frauen sind dem Mann untergeordnet. Sie sind von Geburt an sündig und haben keinen Rechtsanspruch auf den eigenen Körper. Misogynie ist nicht nur ein Phänomen, das über kontinentale Grenzen hinweg überall auf der Welt auftritt und in Einzelfällen zu Missbrauch und Verbrechen führt. Sie ist strukturell in die kulturellen Kerne sämtlicher religiös fundierter Gesellschaftssysteme eingeschrieben – und zwar wortwörtlich. In der Bibel heißt es etwa: „Bitterer als der Tod ist die Frau […]. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen.“

Fünf Protagonistinnen erzählen in diesem klarsichtigen und global perspektivierten Film von den frauenfeindlichen Erfahrungen, die sie gemacht haben, von den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt waren, von den Verbrechen, die an ihnen begangen wurden. Rokudenashiko, eine japanische Künstlerin, steht wegen der Obszönität ihrer Kunst vor Gericht. Deborah Feldman brach gemeinsam mit ihrem Sohn aus ihrer chassidischen Gemeinde in Brooklyn aus und trennte sich so auch von ihrem Mann, mit dem sie zwangsverheiratet wurde. Außerdem berichten Leyla Hussein, Doris Wagner und Vithika Yadav von Vergewaltigung und Verstümmelung, von fehlendem Rechtsschutz, von Homophobie, von Scham und von dem fremdartigen Gefühl, dass die eigene Sexualität und der eigene Körper von Geburt an mit Schuld verknüpft sind.

Lukas Stern



Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Interreligiösen Jury

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Aquarela

Dokumentarfilm
Dänemark,
Deutschland,
UK
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Aimara Reques, Heino Deckert, Sigrid Dyekjær
Victor Kossakovsky
Eicca Toppinen
Victor Kossakovsky, Ben Bernhard
Victor Kossakovsky, Molly Malene Stensgaard, Ainara Vera
Victor Kossakovsky, Aimara Reques
Alexander Dudarev
Ein Film über das Wasser. Schönheit, Kraft und Bedrohung mischen sich in den Bildern von Victor Kossakovskys neuester Arbeit: Die Ruhe des Eises am Baikalsee trügt. Unter der Oberfläche brodelt es, schmilzt es – deutlich früher als sonst. Viel zu tun für eine Gruppe von Nothelfern. Ein Auto nach dem anderen ziehen sie aus den gefrorenen Massen und bergen die Fahrer.

Eisberge versinken hier im Meer, Stürme peitschen Regenfluten in Florida an Land, ganze Ozeane stürzen den Salto Ángel in Venezuela hinunter. 40 Jahre nach seinen Anfängen als Filmemacher, 30 Jahre nach seinem Abschluss an den Höheren Kursen für Drehbuch und Regie in Moskau und rund sieben Jahre nach seinem Dokumentarfilm „Vivan Las Antipodas!“, der den Globus in geografischen Gegensätzen durchmaß, hat Victor Kossakovsky einen weiteren Film gedreht, der die Landschaften der Welt zu seinen Protagonisten erhebt. „Aquarela“ zeigt Gewässer aus aller Welt, in all ihren Erscheinungsformen, in all ihren sich wandelnden, von vergleichsweise winzigen Temperaturunterschieden bedingten Aggregatzuständen. Die Kamera kartografiert auf Booten, taucht unter die Oberflächen, erhebt sich in die Luft, um die Weite des Raumes zu erfassen. Kossakovsky komponiert zu Heavy-Metal-Musik eine visuelle Symphonie der Urgewalten. Die mächtigen Bilder gebieten Ehrfurcht. Staunen flutet wie die Gischt von der Leinwand.

Fabian Tietke

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Touch Me Not

Dokumentarfilm
Bulgarien,
Tschechische Republik,
Frankreich,
Deutschland,
Rumänien
2018
123 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Bianca Oana, Philippe Avril, Adina Pintilie
Adina Pintilie
Ivo Paunov
George Chiper-Lillemark
Adina Pintilie
Adina Pintilie
Veselin Zografov, Dominik Dolejší, Marek Poledna
Die Einstürzenden Neubauten tönen „Mela-Mela-Melancholia“ und hinterfragen die Befindlichkeit des Landes. Zwischen den Szenen, die traumwandlerisch den Grenzbereich von Dokumentarismus und Fiktion betreten, werden tief liegende Intimitäten behandelt, die uns alle betreffen. Das Projekt – diesjähriger Gewinner des Goldenen Bären – ist experimentell: Viele der Protagonistinnen und Protagonisten sind „real“, spielen sich selbst, andere wie Laura Benson und ihr Schauspielerkollege Tómas Lemarquis greifen Drehbuchskizzen auf, lassen die Rollen aber so nah auf sich zukommen, dass sie in eigenes Leben dringen. Sie sprechen von Sex und performen ihn, von Hemmungen und Visionen, von Ängsten und Überwindungsformen. Ihr Ziel – Ziel dieses ungewöhnlichen Films: (Selbst-)Befreiung.

Gelegentlich tritt die Regisseurin ins Bild, setzt sich auf die Couch, zu Christian Bayerlein, dem „kissability“-Blogger, oder zur transsexuellen Hanna Hofmann. So weiß man, dass sie dabei ist und hinsehend dem Voyeurismus trotzt, wenn die Kamera über eine Gruppen-BDSM-Session schwebt oder fast hautnah den Touch-Therapie-Workshop mit teilweise körperlich schwerbehinderten Menschen verfolgt. Sie selbst spricht auch, über ihre eigenen Schamgrenzen, weit weg vom Like-Wahn narzisstischer Social-Network-Egos. Eine transgressive Normkritik, ästhetisch und politisch korrekt (und das ist gut). Und absolut gewagt obendrein.

Barbara Wurm

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.