Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Länderfokus Litauen
A Trip Across Misty Meadows Henrikas Šablevičius

Ein poetischer Abschiedsgruß an eine gemütliche Schmalspureisenbahn, die an die idyllischen Zeiten der litauischen Unabhängigkeit erinnerte.

A Trip Across Misty Meadows

Dokumentarfilm
Litauen
1973
11 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Lithuanian Film Studio
Henrikas Šablevičius
Romualdas Fedaravičius
Kornelijus Matuzevičius
Regina Lazdauskienė
Vidmantas Puplauskis, Henrikas Šablevičius

Ein Abschiedsgruß an eine gemütliche Schmalspureisenbahn, die an die idyllischen Zeiten der litauischen Unabhängigkeit erinnerte. Als Bilderzählung ohne Ton geplant, wurde der Filmemacher nach Testvorführungen jedoch angewiesen, ein Voiceover hinzuzufügen. Der Held könne unmöglich ein Zug sein, so die Kritik. Sie mündete in der Einführung einer „menschlichen Figur“, nämlich des Vorarbeiters Povilas. Trotz alledem bleibt Šablevičius’ Film ein leuchtendes Beispiel für Litauens poetischen Dokumentarfilm – dank einer einzigartigen kinematografischen und allegorischen Sprache, die von tiefer Verbundenheit mit der Vergangenheit zeugt. Genau das wollten die Architekten des „neuen Lebens“ tunlichst unterbinden.


Next Masters Wettbewerb
Animus Animalis (A Story About People, Animals and Things) Aistė Žegulytė

Für die auf der Jagd geschossenen Tiere beginnt mit ihrem Tod eine Existenz als Objekt. Lebensähnlich ausgestopft, werden sie ausgestellt – und sehen dich an.

Animus Animalis (A Story About People, Animals and Things)

Dokumentarfilm
Litauen
2018
69 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Giedrė Burokaitė
Aistė Žegulytė
Gediminas Jakubka
Vytautas Katkus
Mikas Žukauskas
Aistė Žegulytė, Titas Laucius
Dick liegt der Schnee auf den Bäumen. Eine Gruppe von Männern stapft in trauter Gemeinschaft bei einer Jagd durch den winterlichen Wald. Am Abend feiern sie ihre Beute. Eine Gruppe von Eingeschworenen mit einer eigenen Ethik der kreatürlichen Würde. Erst im Tod des aufs Korn genommenen Gegenübers finden sie zu Respekt vor dem Dasein des eben geschossenen Wildes, für das mit dem gewaltsam herbeigeführten Lebensende eine Existenz als Objekt beginnt. Ausgestopft, mit größter Handwerkskunst bearbeitet, bis sich die Ähnlichkeit zum vitalen „Vorher“ wieder einstellt, werden die Kadaver hergerichtet, dem schwelgen wollenden Menschenblick angemessen. Gewesene, aber nie so ganz vergangene Rehe, Hirsche, Bisamratten und Vögel sehen dich an.

Die Trennlinie zwischen Leben und Tod der Tiere scheint im Laufe des Films zu verwischen, nur um eben darin umso nachdrücklicher betont zu werden. Die Anbetung der Wildnis gezähmter Natur in Ritualen der für Menschen gemachten Präsentation gehorcht deutlich anderen Logiken als denen der bequemen, präsentablen Haustierhaltung. Tote Augen blicken nicht zurück.

Fabian Tietke


Nominiert für den MDR-Filmpreis

Länderfokus Litauen
Autumn Snow Valdas Navasaitis

Der erste Herbstschnee und die letzten Minuten eines Erdlings fallen zusammen. Eine poetisch-impressionistische Studie über Niedergang, Natur und Leben.

Autumn Snow

Dokumentarfilm
Litauen
1992
18 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Dalia Cibauskaitė
Valdas Navasaitis
Valdas Naudžius, Arko Okk
Vida Buckutė
Valdas Navasaitis
Vidimantas Kazlauskas

Der erste Herbstschnee und die letzten Minuten eines Erdlings fallen zusammen. Eine poetisch-impressionistische Studie über Niedergang, Natur und Leben. Das Ende kommt wie der Winter selbst: organisch, zyklisch – und erhaben.


Best of MDR
Biblioteka – Von Büchern, einsamen Frauen und einem Leser Ana Tsimintia

Man quatscht, schreit, hämmert auf einem Klavier, isst, trinkt und knallt mit Türen. Und es gibt mehr Bibliothekarinnen als Leser in der kleinen georgischen Bücherei.

Biblioteka – Von Büchern, einsamen Frauen und einem Leser

Dokumentarfilm
Georgien,
Litauen
2014
54 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Mikheil Svanidze, Bernardas Andriushis, Ana Tsimintia
Ana Tsimintia
Nika Pasuri
Ana Tsimintia
Ana Tsimintia, Bernardas Andriushis
Ana Tsimintia
Sigitas Motoras
Dr. Claudia Schreiner
Es muss erfüllendere Berufe geben als den der Bibliothekarin in der städtischen Bücherei von Zugdidi in Georgien. Im Grunde würde man bei dem, was in „Biblioteka“ gezeigt wird, erst einmal nicht vermuten, dass diese Frauen arbeiten, und dass es sich bei ihrem Arbeitsplatz um eine Bibliothek handelt. Die Anzahl der Mitarbeiterinnen scheint die der Besucher bei Weitem zu übersteigen. Es wird gequatscht, getratscht und geschrien, irgendjemand hämmert auf einem Klavier herum, in den Lesesälen wird gegessen und getrunken, Türen werden geknallt – wahre Dramen spielen sich ab in einer Einrichtung, die doch von Stille und Konzentration geprägt sein sollte. All das Ungewöhnliche und Aufgeregte überspielt streckenweise, wie es denn eigentlich um die Bibliothek steht. Doch in kleinen Pausen inmitten des Gepolters oder beim Anblick der teils baufälligen Räume mit bröckelndem Putz und blankem Betonboden wird es deutlich: Dieser Ort ist ein Anachronismus, ein Überbleibsel aus einem anderen System, einer anderen Zeit. Vielleicht stellt er lediglich noch einen Treffpunkt für die Bibliothekarinnen dar, die ohne diesen Ort auch nichts anderes wären als Überbleibsel.

Dinner

Dokumentarfilm
Litauen
2013
28 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Jurga Gluskinienė
Linas Mikuta
Kristina Sereikaitė
Linas Mikuta, Kristina Sereikaitė
Jonas Maksvytis
Jeden Tag erwartet in der Liepkalnis-Straße in Vilnius all jene eine warme Mahlzeit, die sie sich eigentlich nicht leisten können. Während in dem schmucklosen Bungalow die Frauen von Hand das Essen zubereiten, die Tische decken und das Kompott einschenken, wartet draußen bereits die hungrige Kundschaft auf den Moment, an dem die Türen aufgehen. Bis dahin steht die Zeit still. Einige nutzen das gern, um in einen Austausch zu kommen, andere interagieren eher unfreiwillig.
Menschen, vom Leben gezeichnet, berichten sich gegenseitig von ihren Schicksalsschlägen, Erfahrungen und Einsichten – oder missverstehen sich auch einfach nur. „Sprecht Ihr von Litauen?“ – „Nein, wir sprechen vom Tod.“ Und doch scheinen sich hier alle sogar wortlos zu verstehen – das zumindest meint man in den Gesten und Blicken zu lesen. Morgen kommt ein neuer Tag, und es wird gewartet werden, auf das Mittagessen. Ein unverschnörkeltes Porträt vom vergessenen Rand der Gesellschaft.

Lars Meyer

Exemplary Behaviour

Dokumentarfilm
Bulgarien,
Italien,
Litauen,
Slowenien
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Rasa Miškinytė, Martichka Bozhilova, Igor Pediček, Edoardo Fracchia
Audrius Mickevičius, Nerijus Milerius
Marjan Šijanec
Audrius Kemezys, Valdas Jarutis, Julius Žalnierukynas, Audrius Mickevičius
Ema Konstantinova, Armas Rudaitis
Rimas Sakalauskas
Audrius Mickevičius, Georgi Tenev
Saulius Urbanavičius
Das grässlich entstellte Gesicht seines ermordeten Bruders stellt Audrius Mickevičius an den Beginn seines Films. Er interessiert sich dafür, wie jemand für eine solche Tat büßt. Im Hinblick auf dieses konkrete Verbrechen könnte man meinen: viel zu kurz, denn der Täter kommt schon nach fünf Jahren wieder frei, weil er sich im Gefängnis als mustergültiger Häftling gezeigt hat. Mickevičius bleibt allerdings nicht bei dem individuellen Fall, sondern hebt seinen Film auf eine allgemeinere Ebene: „Exemplary Behaviour“ ist beinahe so etwas wie eine Meditation über die Frage, ob sich in einer zeitlichen Ordnung eine endgültige Tat wie ein Mord sühnen lässt – und ob die verstreichende Zeit es den Hinterbliebenen des Opfers erlaubt zu verzeihen.

Am Beispiel zweier Lebenslänglicher (der eine heiratet und wünscht sich Kinder, der andere legt seine ganze Leidenschaft in eine Idee von Kunsthandwerk) und eines Philosophen mit Hafterfahrung (Bernard Stiegler) macht Mickevičius den eigentümlichen Zustand eines suspendierten Lebens nachvollziehbar. Die elegische Grundstimmung wird schließlich noch verstärkt durch die Information, dass Audrius Mickevičius während der Produktion von „Exemplary Behaviour“ erkrankte und starb. Nerijus Milerius besorgte die Fertigstellung.

Bert Rebhandl



Ausgezeichnet mit einer Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb Langfilm, mit dem Preis der Interreligiösen Jury und mit dem FIPRESCI Preis.

Guilt

Animationsfilm
Litauen
2013
5 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Rasa Joni
Reda Tomingas
Andrius Kauklys
Reda Tomingas, Darija Čiuželytė
Reda Tomingas
Andrius Kauklys
Eine einsame Füchsin versteckt sich vor der Welt, um die Freuden eines quälenden Schuldgefühls zu genießen. Aber im Lauf der Zeit dringt man selbst in diese private Zone ein, die anfängt zu bröckeln. Die Füchsin muss sich zwischen Wahnsinn und Versöhnung entscheiden.

How We Played the Revolution

Dokumentarfilm
Frankreich,
Litauen
2011
72 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Dagnė Vildžiūnaitė
Giedrė Žickytė
Viktoras Diawara, Vytautas Bikus
Audrius Kemežys, Eitvydas Doškus, Rimvydas Leipus
Giedrė Žickytė, Samuel Lajus, Laurence Generet
Giedrė Žickytė
Vytis Puronas

1984, in der UdSSR beginnt die Perestroika, beschließt eine Gruppe von Architekten im litauischen Kaunas, als Silvesterfeier-Scherz eine Band ins Leben zu rufen. Was als Witz begann, wuchs sich zur „singenden Revolution“ aus: Die neue, aufregende Rockband „Antis“ ging von Mund zu Mund. Aus eindrucksvollem Make-up und ebensolchen Kulissen, aus stilisierter Bühnenshow und Songtexten wurde eine ausgefeilte Karikatur der sowjetischen Propaganda, die das Absurde der Sowjetwirklichkeit in Vollendung verhöhnte.


Länderfokus Litauen
In Memory of a Day Gone By Šarūnas Bartas

Der Dokumentarfilm von Šarūnas Bartas gehört zu den ersten Arbeiten der sogenannten Break-Generation des litauischen Films in den 1990er Jahren.

In Memory of a Day Gone By

Dokumentarfilm
Litauen
1990
39 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Šarūnas Bartas
Valdas Naudžius, Artūnas Leita
Nina Romanovskaja, Ariadna Gruodienė
Šarūnas Bartas
Romualdas Fedaravičius

Der Dokumentarfilm von Šarūnas Bartas gehört zu den ersten Arbeiten der sogenannten Break-Generation des litauischen Films, die in den 1990er Jahren ihre ersten Schritte machte. Randexistenzen, Menschen mit Behinderungen, die im Dokumentarfilm bis dato nicht vorkamen, erklärten die Filmemacher dieser neuen Generation zu Hauptfiguren. Sie siedelten ihre Geschichten nicht im romantisierten ländlichen Raum an, sondern im Schmutz der Städte. Die ästhetische Verschiebung korrespondierte mit den tiefgreifenden Veränderungen im Land und stand für den Versuch dieser jungen Dokumentaristen, mit der neuen Realität zurechtzukommen und ihren Platz darin zu finden.


Lisa, Go Home!

Dokumentarfilm
Estland,
Litauen
2012
27 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Uljana Kim, Studio Uljana Kim
Oksana Buraja
Kristina Sereikaite
Oksana Buraja
Oksana Buraja
Giedrius Aleknavicius
Lisa hat ein Geheimnis. Es wird ihn geben, diesen Ort irgendwo hoch oben, an dem keiner keinem weh tut, an dem es schön ist: „Dort werden wir leben, meine Familie und ich.“ – Lisa wispert vor sich hin, wenn es um ihre Gefühlswelt geht, und um die geht es in diesem ganz schön provokativen Film von Oksana Buraja. Die Mutter „zählt bis drei“, dann müssen die Tränen weggewischt sein und „Kommando lustig“ wird ausgegeben. „Ecke stehen“ gehört ebenfalls zum Alltag. Das Mädchen läuft regelmäßig von zu Hause weg aus dieser Welt der Subalternen, die so augenscheinlich defizitär, ekelhaft und schrecklich gezeichnet ist, dass die Grenzen des Voyeurismus durchaus als angekratzt gelten müssen. Der Fokus bleibt jedoch immer auf Lisa. Ihre Perspektive ist es, durch die wir ihrer Mutter und deren Freundin bei ihren beschwipst-verrauchten Tanzabenden zusehen (mit Typen, die grade mal zum Partymachen gut sind). Ihre kindlichen Augen sind es auch, die idyllische Gegenwelten kreieren – von der Jungfrau Maria bis zum Plätschern eines Bachs. Lisa trippelt barfuß. Lisa singt. Lisa wispert. Unschuld pur. Ein Kind. Es grenzt an ein Wunder (und dann auch wieder nicht), dass sie ihre Familie „dort, hoch oben“, wo es so schön ist, dabei haben will.
– Barbara Wurm
Internationales Programm
Master and Tatyana Giedrė Žičkytė

Unangepasster Bohemien, wildes Leben, große Kunst, romantische Liebe, KGB und ein mysteriöser Tod: der litauische Fotograf Vitas Luckus, schillernder Star der Sowjetpopkultur.

Master and Tatyana

Dokumentarfilm
Litauen
2014
84 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Dagnė Vildžiūnaitė
Giedrė Žičkytė
Jurga Šeduikytė, Giedrius Puskunigis
Audrius Kemežys
Danielius Kokanauskis, Domas Kilčiauskas, Giedrė Žičkytė
Giedrė Žičkytė
Vytis Puronas

Vitas Wer? Vitas Luckus, Meister der Fotografie, der größte vielleicht in der ganzen weiten damaligen Sowjetunion – nur wussten das die wenigsten, denn in Ausstellungen war er nicht vertreten. Zu non-konform sein Lebensstil (Haustier: Löwe), zu radikal seine Arbeiten (proletarischer Sozrealismus, nackte Frauenkörper, Odessas Unterwelt), zu rastlos er selbst (Party ohne Ende). Kurz: zu kompromisslos und das bis zuletzt, als er sich drei Jahre vor Litauens Unabhängigkeit aus dem Fenster stürzt. Wie man den Genius eines Künstlers und obendrein die Atmosphäre einer lebenslangen Amour fou rekonstruiert, ohne auf die Tränendrüse zu drücken oder in Mythen zu verweilen, führt dieser Film vor. Mehr noch: Über Vitas Luckus‘ einzigartige Fotos, die heute, nach ihrem Outing sozusagen, nicht zuletzt den Kontext etwa für das weltbekannte Œuvre seines Freundes Boris Mikhailov herstellen, eröffnet sich der Blick auf eine besondere Welt. Von der verspielten Zärtlichkeit der Liebenden bis zum Alltag zwischen KGB-Verhör und Unions-Bohème schillert sie in allen Facetten. Welch rares Glück zudem: Fotografien in Schwarz-Weiß und analog, Alben auf Papier. In der technischen Schlichtheit verbirgt sich, was ein Leben voller Komplexität war. Barbara Wurm


Nijolė

Dokumentarfilm
Italien,
Litauen
2018
79 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Dagnė Vildžiūnaitė, Max Chicco
Sandro Bozzolo
Lina Lapelytė
Sandro Bozzolo
Silvija Vilkaitė, María Cecilia Reyes
Maria Cecilia Reyes, Sandro Bozzolo
Vytis Puronas
Antanas Mockus war Bürgermeister von Bogotá, mehrmals kolumbianischer Präsidentschaftskandidat und wurde 2018 in den Senat gewählt. Doch hier geht es nicht um ihn als Politiker, sondern um seine 88-jährige Mutter, die eigenwillige Künstlerin Nijolė Šivickas. Beharrlich hat sie ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit abgeschirmt. Nur widerwillig gab sie in Medieninterviews Auskunft. Selbst ihr Sohn wusste kaum etwas über ihre Kindheit in Litauen. In ihrem künstlerischen Schaffen, aber auch emotional, hat sie sich von ihrem Heimatland abgewandt.

Nijolė ist nun eingeladen, anlässlich einer großen Retrospektive in Vilnius einen Workshop zu halten. Der Film begleitet sie und Antanas auf dieser Reise. Es ist gleichsam der Blick eines Sohnes auf seine Mutter. Ihre Unabhängigkeit und ihr gesellschaftskritischer Geist waren stets seine Inspiration. Sandro Bozzolo und sein Team nähern sich ihrer Protagonistin zurückhaltend, passen sich auch in der Montage ihrem Rhythmus an und konzentrieren sich auf die Räume ihres Schaffens, auf Nijolės Begegnungen mit Antanas und auf die gemeinsame Rückkehr in die Heimat, die beide tief bewegt. So wie der Sohn die Mutter nimmt auch diese Geschichte einer äußeren wie inneren Reise die Zuschauenden an die Hand. Welche Geschehnisse bleiben in einem Leben prägend und welche sollten besser vergessen werden?

Annina Wettstein


Nominiert für den MDR-Filmpreis

Länderfokus Litauen
No Foe Can Scare Us Edmundas Zubavičius

In Edmundas Zubavičius’ gefilmtem Feuilleton ist die Wirklichkeit in all ihrer Absurdität zu betrachten: Die Reaktion auf einen simulierten atomaren Angriff durch „einen Feind hinter der Grenze“ wird geprobt.

No Foe Can Scare Us

Dokumentarfilm
Litauen
1978
11 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Edmundas Zubavičius
Romualdas Fedaravičius
Romas Damulis
Edmundas Zubavičius

In Edmundas Zubavičius’ gefilmtem Feuilleton ist die Wirklichkeit in all ihrer Absurdität zu betrachten: Die Reaktion auf einen simulierten atomaren Angriff durch „einen Feind hinter der Grenze“ wird geprobt. Edmundas Zubavičius zeigt die Bewohnerinnen und Bewohner eines kleinen Dorfes in Samogitien bei der Teilnahme an einer zivilen Katastrophenschutzübung und den Vorbereitungen auf einen Zivilverteidigungswettbewerb. Obwohl die Gefahr eines neuen Krieges eskaliert war und Schutzübungen dieser Art regelmäßig abgehalten wurden, nahm offensichtlich niemand die Bedrohung wirklich ernst.


Internationales Programm
One Life Marija Stonytė

Zärtlich züchtet eine Frau Schmetterlinge: Sie beobachtet, wie sie sich verpuppen, schlüpfen, zum ersten Mal mit ihren Flügeln schlagen. Eine dokumentarische Liebeserklärung.

One Life

Dokumentarfilm
Litauen
2019
19 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Andrėja Čebatavičiūtė, Giedrė Žickytė
Marija Stonytė
Jurga Šeduikytė
Laura Aliukonytė, Marija Stonytė
Danielius Kokanauskis, Marija Stonytė
Marija Stonytė
Mindaugas Šmėga
Litauen ist stolz auf seine Schmetterlingsvielfalt. Rund 100 Spezies erkunden das Land jedes Jahr. Marija Stonytė macht diesen prächtigen Sommervögeln eine dokumentarische Liebeserklärung. Zärtlich züchtet eine Frau in ihrer Wohnung Schmetterlinge, beobachtet, wie sie sich verpuppen, schlüpfen, zum ersten Mal mit ihren Flügeln schlagen. Immer wieder versucht der Mensch, die Natur für sich zu inszenieren. Am Ende ist er vielleicht nur ein Zuschauer auf billigem Platz, der einem Zauber beiwohnt.

Julia Weigl
Internationales Programm
Second Class Marta Dauliūtė, Elisabeth Marjanović Cronvall

Litauische Männer auf einer Schwedenfähre. Aufmerksame Studie über das Klischee des Arbeitsmigranten, die Realität Europas und den weiblichen Blick auf das männliche Objekt.

Second Class

Dokumentarfilm
Litauen,
Schweden
2012
60 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Elisabeth Marjanović Cronvall, Marta Dauliūtė
Marta Dauliūtė, Elisabeth Marjanović Cronvall
Elisabeth Marjanović Cronvall
Elisabeth Marjanović Cronvall
Thomas Jansson
Die Gratwanderung, auf der FilmemacherInnen ihren Protagonisten begegnen, ist bekanntlich ein Weg voller Fallstricke, Frustrationen und Überraschungen. Geduld ist die oberste Tugend und ein gewisses Maß an Einfühlungsvermögen nicht von Nachteil. Marta Dauliūtė und Elisabeth Marjanović Cronvall treffen eine Gruppe junger litauischer Männer an Bord einer „Schwedenfähre“ und beschließen, einen Film über sie als Arbeitsmigranten zu machen. Die Männer weigern sich, vor allem, weil sie nicht verstehen, was an ihnen derart interessant sein soll, dass zwei Frauen einen ganzen Film damit füllen könnten. Sie wollen das Klischee der Arbeitsmigranten nicht bestätigen und haben keine Lust, das medial heraufbeschworene Mitleid zu bedienen. Eine Dokumentation über Erdbeben – ja, das würde ihnen einleuchten. Aber über sie?
Marta und Elisabeth lassen sich nicht abschütteln, trinken mit den Männern, tanzen mit ihnen – und bei aller Abwehr stellt sich bei den „Forschungsgegenständen“ allmählich ein gewisses Einverständnis ein. Trotz offensiver Ablehnung und stereotypem Machogehabe schaffen es die Frauen mit der Kamera nach einer Weile, die Fassaden anzukratzen, und bekommen – verkleidet als flirtiges Gepose – die innersten Gedanken offenbart. Herausgekommen ist eine aufmerksame Studie, die zum einen eine ganze Reihe aktueller gesellschaftlicher Missstände aufrollt, und zum anderen das Spezifische des weiblichen Blicks auf das männliche Objekt klug kommentiert.

Lina Dinkla
Länderfokus Litauen
Sensitivity as Bread Edmundas Zubavičius

Die Veterinärakademie in Kaunas steht im Mittelpunkt dieses frühen Films von Edmundas Zubavičius. Die Beobachtung des Alltags in der Institution offenbart die Sehnsucht nach menschlicher Anteilnahme.

Sensitivity as Bread

Dokumentarfilm
Litauen
1979
10 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Lithuanian Film Studio
Edmundas Zubavičius
Donatas Buklys
Vidmantas Kazlauskas

Die Veterinärakademie in Kaunas steht im Mittelpunkt dieses frühen Films von Edmundas Zubavičius, einem der produktivsten litauischen Dokumentarfilmer. Die Beobachtung des Alltags in der Institution offenbart die Sehnsucht nach menschlicher Anteilnahme – fast als spräche man ein Gebet. Die poetische kinematografische Sprache betont die raffinierten Verbindungen zwischen Bild und Ton, während realistische Szenenfolgen zum Nachsinnen über die Verbindung von Mensch und Natur auffordern.